Richard Birkefeld Wer übrig bleibt, hat recht

(18)

Lovelybooks Bewertung

  • 20 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 8 Rezensionen
(11)
(5)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Wer übrig bleibt, hat recht“ von Richard Birkefeld

1944, irgendwo in Deutschland. In einem Militärkrankenhaus kuriert Hans Kalterer, brillanter Geheimdienstpolizist im Dienst der SS, eine Schußverletzung aus - und macht sich Gedanken über seine Zukunft. Er will zurück zur Kriminalpolizei - und zu seiner Frau Merit, die ihn verlassen hat, weil sie seine Arbeit für das NS-Regime nicht länger ertragen hat. Als in Berlin ein hochrangiger Parteigenosse ermordet wird, sieht Kalterer seine Chance gekommen. Die von höchster Stelle angedeuteten politischen Motive entpuppen sich nach einem weiteren Mord als scheinbarer Irrweg: alle Indizien deuten auf einen entflohenen KZ-Häftling, der für den von den Mitbewohnern seines Hauses verschuldeten Tod an seiner Familie offenbar grausam Rache nimmt. Während die Stadt in Schutt und Asche versinkt, macht sich Kalterer inmitten von Mitläufern, Plünderern und Kollaborateuren, von alten Nazis und neuen Regimegegnern, auf die Suche nach dem Täter - und nach einem moralischen Standort, d er ihm eine Zukunft möglich macht. Vom Haß getrieben und bis zur Unmenschlichkeit loyal, aber gierig auf das Leben: Die Menschen in Richard Birkefelds und Göran Hachmeisters brillantem Roman sind Menschen in Extremsituationen, die keine Helden, aber faszinierend authentisch sind. Und sie verweigern in ihrer Durchschnittlichkeit genau das, was unser Urteil über die Täter und Opfer so nötig hat: den eindeutigen Standpunkt.

Spannende Geschichte im Umfeld der 2. WK in Berlin.

— Arun

Fesselnd, authentisch - den Fliegeralarm hörst Du ...

— TheSilencer

Großartiges Buch, in dem die Grenzen von Täter und Opfer verwischen.

— Gulan

Stöbern in Krimi & Thriller

Crimson Lake

Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Tolles Ermittlerduo!

xxAnonymousxxx

Flugangst 7A

Enttäuschend. Die Story verliert sich in zu vielen Handlungssträngen, was das Mitgefühl für die Protagonisten erschwert.

Ladyoftherings

Der Stier und das Mädchen

Sehr düster und hart, aber auch extrem spannend

nellsche

Origin

Ein Buch in gewohnter Dan Brown Manier, aber ungewohnt langsam und ungewohnt unspektakulär

Johanna_Jay

Jeden Tag gehörst du mir

Zitat": Dabei ist Vertrauen doch das Wertvollste , was wir anderen schenken können."

Selest

Murder Park

Komisches Buch, dachte die ganze Zeit kenn ich irgenwoher. Nur die Auflösung ist gut. Alles nur Show für Paul

kitty4

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein Stück Geschichte

    Wer übrig bleibt, hat recht

    TheSilencer

    22. April 2016 um 10:35

    Berlin, 1944. Während die Alliierten vorrücken und Berlin in Schutt und Asche legen, haben zwei Männer ihr Schicksal zu meistern.Der eine war ein überzeugter Nationalsozialist, bis er wegen einer Führer-Beleidigung selbst in jene Lager wanderte, von denen man nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Als Bomben sein Straflager zerstören, kann Ruprecht Haas fliehen und macht sich auf in seine alte Heimat Berlin, die er nicht wiederkennt. Die Suche nach seiner Frau und seinem Sohn und dem Denunzianten, der ihm zehn Jahre nicht überlebbares Straflager einbrachte, erwecken in ihm das Tier.Der andere ist ein zweifelnder SS-Offizier. Vor dem Krieg war er Kriminalbeamter und als solches wird er aus einem Kriegslazareth nach Berlin geholt, um eine Mordserie aufzuklären. Während er mit seiner eigenen Verantwortung hadert und den Endsieg längst aufgegeben hat, manipuliert er seine Ermittlungsergebnisse, die den Täter längst aufzeigen, ihn nach Abschluß aber wieder an die Front schicken würden. Und Kalterer möchte auch noch die Gelegenheit in Berlin nutzen, seine Ehefrau zurückzugewinnen, die sich von ihm trennte, als sie von den Greueltaten der SS erfuhr.Beide Wege treffen sich irgendwann. Jedoch völlig anders als erwartet.Das Autoren-Duo Birkefeld & Hachmeister liefern keinen geschichtsschuldigen Roman ab, sondern machen ihn zu einem Stück Zeitgeschichte. Das Grauen der Braunen ist spürbar, genauso wie die drohende Strafe, ergibt man sich nicht dem Endsieg-Gespenst.Fesselnd, realistisch - der Fliegeralarm ist hörbar.Ein Muß für jene, denen Erzählungen der Eltern und Großeltern nicht ausreichen. Das passende Mittelstück zwischen Robert Merles Der Tod ist mein Beruf und Pierre Freis Onkel Toms Hütte, Berlin.Von den beiden Autoren ist 2009 ein weiterer Krimi erschienen, dieser spielt in der Weimarer Republik: Deutsche Meisterschaft.

    Mehr
  • Ein absoluter Kracher

    Wer übrig bleibt, hat recht

    wampy

    22. December 2015 um 22:44

    Buchmeinung zu Birkefeld & Hachmeister – Wer übrig bleibt, hat recht „Wer übrig bleibt, hat recht“ ist ein Kriminalroman von Richard Birkefeld und Göran Hachmeister, der 2002 bei Eichborn erschienen ist. Die Taschenbuchausgabe erschien 2004 bei Deutscher Taschenbuch Verlag. Die beiden Autoren sind Historiker mit dem Schwerpunkt Kultur- und Sozialgeschichte im frühen 20. Jahrhundert. Kurzbeschreibung: 1944, irgendwo in Deutschland. In einem Militärkrankenhaus kuriert Hans Kalterer, brillanter Geheimdienstpolizist im Dienst der SS, eine Schußverletzung aus - und macht sich Gedanken über seine Zukunft. Er will zurück zur Kriminalpolizei - und zu seiner Frau Merit, die ihn verlassen hat, weil sie seine Arbeit für das NS-Regime nicht länger ertragen hat. Als in Berlin ein hochrangiger Parteigenosse ermordet wird, sieht Kalterer seine Chance gekommen. Die von höchster Stelle angedeuteten politischen Motive entpuppen sich nach einem weiteren Mord als scheinbarer Irrweg: alle Indizien deuten auf einen entflohenen KZ-Häftling, der für den von den Mitbewohnern seines Hauses verschuldeten Tod an seiner Familie offenbar grausam Rache nimmt. Während die Stadt in Schutt und Asche versinkt, macht sich Kalterer inmitten von Mitläufern, Plünderern und Kollaborateuren, von alten Nazis und neuen Regimegegnern, auf die Suche nach dem Täter - und nach einem moralischen Standort, der ihm eine Zukunft möglich macht.   Meine Meinung: Vordergründig geht es um eine Mordserie in Berlin im Winter 1944, der auch ein hochrangiger Parteigenosse zum Opfer gefallen ist. Der SS-Offizier und Ex-Kriminalbeamte Kalterer wird zu seiner Überraschung mit der Suche nach dem Mörder beauftragt. Er nimmt diesen Auftrag gern an, hält er ihn doch von der Kriegsfront fern und gibt ihm die Gelegenheit, an seinen privaten Problemen zu arbeiten. Bauchschmerzen bereiten ihm seine Auftraggeber, denn eigentlich gibt es keinen Grund, warum er sich um diesen Fall kümmern sollte. Sein Gegenspieler ist der entflohene KZ-Häftling Ruprecht Haas. Der Leser begleitet die beiden Protagonisten abwechselnd auf ihrem Weg in einer siechenden Stadt. Durch diese Perspektivwechsel gelingt es den Autoren bestens, die Motive und das Gefühlsleben der beiden Männer zu beschreiben. Ihr Verhalten war für mich jederzeit nachvollziehbar und ich empfand für beide so etwas wie Sympathie, und das, obwohl beide alles andere als nette Zeitgenossen sind. Ruprecht Haas ist auf einem unbarmherzigen Rachefeldzug, Hans Kalterer ist auf der Suche nach einem Weg, der ihm ein normales Leben nach dem Krieg sichert. Gefühlt sitzen die wahren Fieslinge irgendwo im Hintergrund und Kalterer und Haas sind ihre Marionetten. Eine besondere Stärke des Romans liegt in der atmosphärisch dichten Beschreibung des Lebens im Berlin dieser Zeit. Es ist faszinierend zu lesen, wie das Leben trotz aller Widrigkeiten irgendwie weiter geht. Ein gelungener Schachzug ist die Figur der Frau Kalterer, die ihren Mann wegen seiner Nähe zum regierenden Regime verlassen hat. Dabei bleibt der Roman jederzeit spannend, auch wenn Täter- und Opferrollen frühzeitig vergeben zu sein scheinen. Die Diskussion um Schuld und Verantwortung und ob man sich der Verantwortung entziehen kann, hält den Spannungsbogen hoch. Ein weiteres Highlight ist der Epilog, der eine Szene aus dem Nachkriegsberlin beschreibt. Fazit: Dieser Roman ist für mich ein Meisterwerk. Er ist atmosphärisch dicht, fasziniert mit ungewöhnlichen Protagonisten in einer mir unbekannten Umgebung. Doch die große Stärke dieses Romans ist, das er zum Nachdenken anregt und auf erhobene Zeigefinger verzichtet. Fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

    Mehr
  • In den Trümmern von Berlin ...

    Wer übrig bleibt, hat recht

    Stefan83

    Ja, auch dieses Mal hat sie mich wieder gepackt – die sommertypische Leseunlust, welche, alljährlich wiederkehrend, meinen hauseigenen Schmöker-Marathon stets aufs Neue unterbricht und mich in ein faules, in der Sonne räkelndes Wesen verwandelt, dem die Fernbedienung oft näher ist, als die aktuelle Lektüre. Gelitten hat darunter in diesem Sommer unter anderem „Wer übrig bleibt, hat Recht“ von Richard Birkefeld und Göran Hachmeister, deren zweites Werk „Deutsche Meisterschaft“ – von mir bereits vor Jahren gelesen – so mit zum Besten gehört, was ich im Genre der deutschsprachigen Spannungsliteratur in den Händen gehalten habe. Nun stand also der gemeinsame Erstling an – und soviel sei vorab verraten: Auch diesmal gelingt dem Autorenduo der schwierige Spagat zwischen historischer Authentizität und tiefgründiger Suspense, wobei ersterer im Debüt jedoch ein wenig mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, was Freunde kurzweiliger Krimi-Reißer womöglich abschrecken dürfte. Hier ist der Weg das Ziel, sind es die kleinen Details am Wegesrand, welche den Spaß an der Lektüre befeuern und eines der düstersten Kapitel der deutschen Geschichte auf erschreckend plastische Art und Weise zum Leben erwecken. Kurz zur Handlung: Berlin im Winter 1944/1945. Der totale Krieg tobt an allen Fronten und Hermann „Meier“ Görings Luftwaffe ist schon längst nicht mehr in der Lage den eigenen Luftraum vor den feindlichen Bomberverbänden zu schützen, welche tagtäglich und auch bei Nacht ihre Last abwerfen und die Hauptstadt des Reiches in eine rauchende Trümmerwüste verwandeln. Die anfängliche Kriegsbegeisterung ist inzwischen Resignation und Zynismus gewichen. Und die Berliner, welche einst jubelnd für ihren Führer den Straßenrand säumten, haben mit einem Endsieg längst abgeschlossen. Die meisten planen schon für die Zeit nach dem Krieg, versuchen verzweifelt in den Besitz gefälschter Papiere oder Judensterne zu kommen, um im Falle des alliierten Sieges möglicher juristischer Vergeltung zu entgehen. Vergessen, verdrängen – so lautet die Agenda für kommende Tage, was aber das verbrecherische Regime nicht davon abhält, auch noch bis zuletzt den Willen des Führers durchzusetzen. Das muss auch Ruprecht Haas erfahren, der, augenscheinlich angezeigt von der Nachbarschaft, für eine unbedachte Äußerung erst nach Bautzen und schließlich nach Buchenwald deportiert worden ist, wo er sich unter der grausamen Aufsicht der KZ-Wächter zu Tode schuften soll. Doch Haas hat Glück: Ein Tiefflieger-Angriff ermöglicht ihm die Flucht. Nun offiziell für tot erklärt, tritt er den langen Heimweg nach Berlin an. Immer mit der Angst im Hinterkopf, in eine der vielen Gestapo-Kontrollen zu geraten, welche selbst unter schweren Bombardements ihre Suche nach „Volksverrätern“ und Deserteuren nicht unterbrechen. Doch als Haas die Hauptstadt erreicht, lösen sich all seine Hoffnungen in Nichts auf. Seine Familie ist tot. Umgekommen bei einem Bombenangriff, weil man sie nicht mehr in die Sicherheit eines Luftschutzbunkers gelassen hatte. Auch in diesem Fall scheinen die direkten Nachbarn involviert. Wer wollte den Tod seiner Frau und seines Sohnes? Wer hatte Interesse daran, ihn anzuzeigen? Haas, der nichts mehr zu verlieren hat, begibt sich in einem blutigen Rachefeldzug auf die Suche nach Antworten. Zeitgleich erholt sich Sturmbannführer Kalterer in einem Sanatorium von einer Kriegsverletzung, bis er von ganz oben die Weisung erhält, nach Berlin zurückzukehren. Kalterer, vor dem Krieg als Kriminalpolizist und Ordnungshüter bei der Gestapo tätig, soll im Fall eines altgedienten Parteimitglieds ermitteln, das brutal ermordet wurde. Alles deutet auf eine politisch motivierte Tag hin. Und auch seine Vorgesetzten machen keinen Hehl daraus, dass ihnen diese Lösung die liebste wäre. Doch Kalterer hat Zweifel, welche zusätzlich Nahrung erhalten, als er herausfindet, dass zwei ehemalige Nachbarn des Toten ebenfalls umgebracht worden sind. Also doch eher eine persönliche Geschichte? Während Berlin in Schutt und Asche gebombt wird und ganze Stadtteile in Flammen aufgehen, kreuzen sich bald die Wege von Haas und Kalterer … Puh, wo beginnen, bei der Besprechung eines Romans, den ich, zu meiner Schande, gar nicht in einem Ruck weggelesen, sondern immer wieder an die Seite gelegt habe, was jedoch – und das ist ein äußerst wichtiger Punkt – in keinster Weise der Lektüre selbst anzulasten ist. Im Gegenteil: Obwohl „Wer übrig bleibt, hat Recht“ meinerseits so wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde, hat sich der Roman äußerst eindringlich in meinem Gedächtnis festgesetzt. Was mich wiederum zu der Frage bringt: Wie viel mehr hätte mich das Werk nachträglich noch beschäftigt, hätte ich es mir in einem Ruck vorgenommen? Hätte, wenn und aber. Letztendlich kann ich meiner sporadischen Beschäftigung aber allein insofern Positives abgewinnen, da sie eine gewisse emotionale Distanz ermöglicht haben, durch die einige Elemente des Romans erträglicher wurden. Denn Fakt ist: „Wer übrig bleibt, hat Recht“ als historischen Kriminalroman zu bezeichnen, ist eine Untertreibung sondergleichen, welche zudem dem geschichtlich akkurat recherchierten Inhalt dieser Lektüre in keinster Weise gerecht wird. Wo andere Autoren aus Wikipedia-Fakten hastig ein Gerüst zusammen zimmern, welches allenfalls dazu dient, die Genre-Bezeichnung auf dem Cover zu rechtfertigen, haben sich Birkefeld und Hachmeister augenscheinlich äußerst intensiv mit der Materie beschäftigt. Anders lässt sich jedenfalls die Vielschichtigkeit des Romans, und vor allem die beklemmende Art und Weise in welcher er auf uns Leser wirkt, nicht erklären. „Wer übrig bleibt, hat Recht“ geht an die Nieren, gewährt uns einen berührenden Einblick in eine in Auflösung begriffene Gesellschaft. Eine Zeit, die gerade ganz aktuell rückblickend mit Sätzen wie „Es war ja nicht alles schlecht“ verklärend beurteilt wird – und das dann nicht selten auch aus Bereichen der Verwandtschaft, die, selber Zeugen mancher hier geschilderter Ereignisse, in ihrer Agenda – nämlich dem bereits erwähnten Verdrängen und Vergessen – manchen Figuren dieses Romans erschreckend ähneln. Das gemeinsame Bollwerk gegen den Bolschewismus, die eingeschworene Volksgemeinschaft – sie war nichts weiter als eine rissige und von Angst zusammengehaltene und im Kern faulende Fassade, welche im letzten Kriegsjahr endgültig keinerlei Bestand mehr gehabt hat. Ein jeder denkt nur an sein eigenes Wohl. Ein jeder denkt nur ans Überleben. Und an die Zeit „danach“. Recht und Ordnung, Gesetz und Gerechtigkeit – im Dritten Reich ohnehin nur hohle Begriffe ohne wirklichen Inhalt – sie existieren im gespenstischen leeren Berlin genauso wenig, wie irgendwelche moralischen Werte. Zertrümmert und zerstört sind sie – wie die Häuser der Städte. Und unter ihnen verwesen die Leichen. „Wer übrig bleibt, hat Recht“ fängt dieses Chaos derart authentisch ein, dass sich mir nicht selten ein Kloß im Hals gebildet hat, da man sich doch an jeder Stelle mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass es genau so – und leider eben nicht anders – gewesen ist, gewesen sein muss. Mühelos fallen hier schon nach wenigen Seiten die Schranken, die Fiktion und Leser sonst trennen, wohl wissend, dass die damalige Realität das Erdachte weit übersteigt und selbst die wenigen Szenen nicht einmal einen Bruchteil der Gräuel wiedergeben, die sich damals zugetragen haben. Es ist den Autoren hoch anzurechnen, dass sie in diesem Roman genau das richtige Maß finden, Themen wie Frontheimkehrer, Ausgebombte oder Flüchtlinge mit Fingerspitzengefühl einbetten, ohne die eigentliche Kriminalgeschichte – der klassische Wettlauf zwischen Mörder und Ermittler – gänzlich außer acht zu lassen. Während Kalterer sein Netz um Haas immer enger zieht, ihr anfänglich noch auf Distanz ausgetragenes Duell an bedrohlicher Intensität gewinnt, nehmen auch die Bombardements zu, welche sich mehr und mehr auf die Zivilbevölkerung konzentrieren, um die Verteidiger der Festung Berlin zu zermürben. Mag der ein oder andere diese andauernden Unterbrechungen durch die beschriebenen Luftangriffe oder Nöte der Bevölkerung als störend empfinden – sie geben meines Erachtens äußerst plastisch den damaligen Alltag in Berlin wieder und sind gleichzeitig ein Indikator für den Verfallszustands des Dritten Reichs, das einen bereits vor langem verlorenen Krieg nur noch unnötig in die Länge zieht. Interessant bei der Beschreibung der Protagonisten ist, dass es eigentlich keinen gibt, den man als Leser bedingungslos seine Sympathie schenken kann. Dem Mitläufer und Opportunisten Kalterer genauso wenig, wie Haas, dessen Vergangenheit im Laufe der Geschichte ebenfalls einige Überraschungen bereithält, welche die Legitimation seines Rachefeldzugs zweifelhaft erscheinen lassen. Überhaupt ist nichts so, wie es scheint. Und genau hieraus bezieht „Wer übrig bleibt, hat Recht“ letztlich auch seine Spannung, die sich jedoch – und das muss man an dieser Stelle dann auch bemängeln – ein paar Auszeiten zu viel gönnt. Ein weiterer Kritikpunkt sind zudem die meiner Ansicht nach etwas willkürlich platzierten Perspektivwechsel, die zudem immer erst nach ein paar Zeilen durch Nennung eines Namens kenntlich gemacht werden. Ob wir gerade Haas oder Kalterer folgen ist daher manchmal nicht auf den ersten Blick ersichtlich, was mich stellenweise zusätzlich ein wenig aus der Lektüre gerissen hat. Auch wenn das ein paar Punkte in der Gesamtbewertung kostet („Deutsche Meisterschaft“ hat es da besser gemacht) – „Wer übrig bleibt, hat Recht“ (übrigens ein in allen Belangen hervorragend gewählter Titel – vor allem in Bezug auf den Epilog) muss den Vergleich mit einem Volker Kutscher oder einem Marek Krajewski nicht scheuen. Im Gegenteil: Hinsichtlich der geschichtlichen Atmosphäre und dem „Milieu“-Charakter haben Birkefeld und Hachmeister hier bereits im Veröffentlichungsjahr 2002 Maßstäbe gesetzt.

    Mehr
    • 7
  • Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

    Malachy

    28. December 2010 um 11:17

    Wer übrig bleibt hat Recht ist meiner Meinung nach einer der besten Historischen Kriminalromane, die sich mit der NS-Zeit befassen. Abgesehen von der gleichermaßen brillanten wie prallen Sprache, ist es unglaublich spannend. Ein Großteil der Spannung bezieht der Roman aus der Konstellation der beiden Protagonisten, eines Nazi-Offiziers und eines KZ-Häftlings. Die Autoren wählen aber nicht das bei diesem Thema obligatorisch zu sein scheinende Schwarz-Weiß der Guten und Bösen, sondern schildern die sehr individuellen Motive aller Beteiligten, und die sind eben nicht nur Gut oder Böse. Ein großartiges Buch, das zu Recht mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde.

    Mehr
  • Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

    sky_and_sand

    15. October 2010 um 20:02

    Gegen Ende des 2. Weltkrieges beginnt die Verfolgungsjagd zwischen dem KZ-Häftling Haas und dem SS-Offizier Kalterer. Haas entkommt aus dem KZ und will sich nun an denen rächen, die für seine Verhaftung verantwortlich sind. Er wird vom Opfer zum Mörder. Ein spannender Kriminalroman der einen sehr guten Bezug auf die Zeit des 2. Weltkriegs bietet. Ein sehr gelungenes Buch. Vorallem für diejenigen, die sich gerne mit der Geschichte der Deutschen beschäftigen wollen und nicht nur trockene Fakten lesen wollen.

    Mehr
  • Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

    PaulTemple

    26. September 2010 um 13:06

    Im Winter 1944/1945, das Deutsche Reich liegt schon größtenteils in Trümmern, treffen im zerbombten Berlin zwei Männer aufeinander - Täter und Opfer. Der offensichtliche Täter: SS-Hauptsturmführer Kalterer, der während des Zweiten Weltkriegs an Judendeportationen und Massenerschießungen der polnischen Zivilbevölkerung aktiv teilnahm und nun in Berlin die Spur eines Mörders verfolgt, der einen hochrangigen SS-Mann ermordet hat. Das offensichtliche Opfer: Der ehemalige Kaufmann Haas, der durch Denunziation im KZ Buchenwald war, dort aber durch ein Wunder flüchten konnte und nun in Berlin die Verantwortlichen für seine Verhaftung und den Tod seiner Familie sucht. Doch inmitten des alltäglichen Chaos mit Bombenalarmen, Zerstörung und Tod verschieben sich die Grenzen und jeder der Protagonisten ist zugleich Täter und Opfer, beide auf der Jagd nach den Mördern... Die Autoren beschreiben mitunter sehr detailliert die letzten Kriegstage und man bekommt als Leser einen guten Einblick, in den Wahnsinn des Alltags im zerstörten Berlin. Geschichte und Krimi werden hier gut vermischt - empfehlenswert!

    Mehr
  • Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

    everlyn

    17. August 2009 um 19:36

    ich lebe gerade im Jahr 1944. sehr detailgenau, als wäre man selbst dabei

  • Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

    Jens65

    14. July 2008 um 22:01

    Die Rollen scheinen klar verteilt - Kommissar und Mörder. Oder doch eher SS-Sturmbannführer und geflohener KZ-Insasse? Täter und Opfer oder doch umgekehrt? Obgleich die Fakten zu Anfang klar sind und man den beiden Hauptprotagonisten als wissender Leser somit nur zum unbekannten Ende ihrer Handlungen folgt, so beinhaltet die Erzählung doch auch überraschende Momente. Dies alles vor der Kulisse des sich auflösenden Berlins 1944/45, sowohl seiner baulichen als auch menschlichen Strukturen. Gerade bei den Schilderungen der Bombenangriffe baut sich vor dem inneren Auge ein beängstigendes Bild der menschlichen Ohnmacht in diesem Inferno auf. Grenzen von Schuld und Unschuld verblassen im Lauf der Handlung immer mehr, so scheint es zumindest. Alles in allem ein über einen Krimi hinausgehender gelungener historischer Roman, dem man vorhandene redaktionelle Schwächen schon mal nachsieht.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks