Richard Brautigan Forellenfischen in Amerika

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Inhaltsangabe zu „Forellenfischen in Amerika“ von Richard Brautigan

Roman. 133 S. (Quelle:'Sonstige Formate/01.12.1989')

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    Forellenfischen in Amerika

    Maldoror

    10. October 2015 um 17:38

    Der Roman „Forellenfischen in Amerika“ des amerikanischen Underground Poeten Richard Brautigan (1935-84), den Literaturforscher als Übergangserscheinung zwischen Beat-Generation (Kerouac, Burrough) und Hippiebewegung betrachten, ist ein absurdes, künstlerisches mit Persiflagen getränktes Werk das der inneren Realität (dem eigenen wahren Gefühl vor dem Verstand) huldigt. Das Werk erschien 1967 und wurde von der Literaturkritik vielfach als bizarres und poetisches Metapher gedeutet und gewertet: Für den Ausdruck einer enttäuschten amerikanischen Jugend und deren Sehnsucht nach einer intakten Welt ohne die Enttäuschungen und Katastrophen einer zerstörten Umwelt, Ungleichheit, sozialer Kälte, Kommerzialisierung und Kriegstreiberei. Hier wird mit der Kraft der assoziativen Sprache des Erzählers ein gewieftes, ja vielleicht manipulatives, Spiel mit dem Leser betrieben. Dieser „Roman“ enthält 47 Miniaturkapitel, alles in sich abgeschlossene selbstständige Prosatexte, die sich zwischen einer Länge von 17 Zeilen und maximal 7 Seiten bewegen. Meist ein bunt zusammengewürfeltes Allerlei aus allen epischen Genres bei dem der Ich-Erzähler überwiegend gewisse Lebensepisoden und Gedanken zu Dingen, Personen, Sachverhalten und Ereignissen reflektiert. Dabei handelt es sich oft um banale Erlebnisse, durch die verzerrte Optik des Erzählers wiedergegeben und ohne Bezug auf direkte Umwelteinflüsse und sozialpolitischer Situation sowie jeglicher Persönlichkeitsentwicklung des Wahrnehmenden. Der Titel „Forellenfischen in Amerika“ besitzt unheimliche Suggestionskraft und kann viele unterschiedliche Assoziationen und Erwartungen wecken. Zum Beispiel von einem naturverbunden Leben, von glasklaren Bächen, kühlen und stillen Wäldern mit taufrischen unberührten Wiesen, wo sich gesprenkelte Regenbogenforellen in paradiesischen Biotopen in ursprünglich kiesig reinen Gewässern tummeln. Eine andere Assoziation könnte den sportlichen Aspekt des Angelns folgen; der Freude und Begeisterung für den Umgang mit Rute, Leine, Köder und Kescher. Diese oder ähnliche Erwartungen des Lesers werden enttäuscht. Brautigan variiert und modifiziert viel des ursprünglichen Sinngehaltes einzelner Worte und ganzer zusammenhängende Sprachgebilde. Nur in wenigen Passagen bezieht sich die Formulierung „Forellenfischen“ auf das, was sie ursprünglich sprachlich bezeichnet: die Sportart bzw. das Hobby des Angelns. Hier lässt der Ich-Erzähler durchblicken, dass er über die Gepflogenheiten des Fischens und über Forellen bestens Bescheid weiß. Weit häufiger dient "Forellenfischen in Amerika" als ein Name für Personen, wobei oftmals das Prinzip der Doppel- bzw. Mehrdeutigkeit gewählt wird. Manchmal hat es den Anschein, als könne es sich dabei um das Alte-Ego des Ich-Erzählers, oder um einen guten Bekannten und Freund handeln. In drei Texten trägt ein beidseitig beinamputierter, rollstuhlfahrender Säufer den Namen „Forellenfischen in Amerika Shorty“. In einem weiteren Beispiel, wird dem armen Lord Byron (Kultdichter- und prägender Autor für die Romantik) die zweifelhafte Ehre zuteil, vom Erzähler in „Forellenfischen in Amerika“ umgetauft zu werden. Oder die Wendung fungiert gleich als Eigenname für ein billiges und abgewracktes Hotel. Weiterhin auffällig: die teils ungewöhnlichen, ja zwischen banal und reißerisch schwankenden Überschriften der Texte. ("Der Puddingexperte von Stanley Basin", "Fußnotenkapitel zum Transport von Forellenfischen in Amerika Shorty“, "Buckel-Forelle", "Forellentod durch Portwein", "Mayonaisenkapitel"…etc.) Die Bezeichnungen können auf den Inhalt der Kapitel hinweisen, müssen aber auch so gar nichts mit diesem zu tun haben. Andererseits vermutet man bei dem unverfänglichen Titel „Rote Lippen“ nicht unbedingt sofort, dass im folgenden Text von einem Abort und vom Stuhlgang die Rede ist. Der Individualstil Brautigans ist nicht leicht und präzise zu charakterisieren: zu häufig pulsieren in diesem Sprachkonglomerat groteske Übertreibungen, Ungereimtheiten , spröde Wortkomik , Ironie und Satire, abwegige Vergleiche und komische Metaphern, welche mit der vorherrschenden Norm und Konformität brechen. Der Vorwurf, als Autor sich jeglicher Ideologie zu verweigern, keine sozialen und politischen Lösungen zu suchen, nichts zu empfehlen, alles zu verspotten, ja durch seinen ironie- und parodiedurchzogenen Ton die ganze Existenz zu Negieren, steht keineswegs überraschend im Raum und wurde von zahlreichen Moralisten und Formalisten vehement angeprangert. Sein Schreiben ist eine klare Absage an das klassische Erzählen der belehrenden Traditionalisten. Klar kann man sich berechtigterweise fragen, was soll das Alles, was für Ideen und Anliegen liegen hinter diesem Konstrukt aus Sprachspiel, Sinnentstellung und losen Aneinanderreihung absurder Beobachtungen und Episoden. Doch auf Grund seiner Vielfältigkeit und Mehrdeutigkeit, dessen Originalität und Sprachwitz habe ich Handlung, Logik und tiefschürfendes Sujet hier keinesfalls benötigt, um riesigen Spaß mit dem Buch zu haben. Zuletzt eine kleine Textstelle (darin könnte man doch ein klares Motiv für einen kulturpessimistischen Abgesang auf den Verfall des amerikanischen Traums hinein interpretieren): „Das Haus von meinem Freund war eine Hütte direkt neben einem riesigen Kamin, wo einmal während der 20er Jahre ein großer Besitz gewesen war, den sich ein berühmter Schauspieler hatte bauen lassen. Das Haus stand schon, als es noch nicht einmal eine Straße nach Big Sur hinunter gab. Der Besitz war auf dem Rücken von Mulis über die Berge gekommen gleich einem Ameisenpfad, der Visionen vom schönen Leben zu Gifteiche, Zecken und Salmon brachte. Der Besitz lag auf einem Felsvorsprung hoch über dem Pazifik. Geld konnte in den 20er jahren weiter sehen, und man konnte hinausblicken und Wale erkennen und die Hawaii-Inseln und die Kuomintang in China. Der Besitz ist vor Jahren abgebrannt. Der Schauspieler starb. Aus seinen Mulis wurde Seife gemacht. Seine Mätressen wurden Vogelnester aus Falten. Jetzt steht nur noch der Kamin als eine Art karthagische Hommage für Hollywood.

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  • Rezension zu "Forellenfischen in Amerika" von Richard Brautigan

    Forellenfischen in Amerika

    Neil Jung

    13. December 2009 um 23:19

    Ein Roman ist das ja nicht,sondern eher ein Bündel von Prosastücken, die meist irgendetwas mit Fischen zu tun haben. Manchmal ist Forellenfischen auch eine Person, einmal ein Hotel. Einige der Vergleiche und Formulierungen sind auch hier wieder unschlagbar. Auch hier, wie bei den Kurzgeschichten, wird man vielleicht mehr davon haben, wenn man sich für die einzelnen Stücke etwas mehr Zeit nimmt. Manchmal fragt man sich schon, ob hinter den Absurditäten eine tiefere Bedeutung steckt oder ob die Freude an der Oberfläche schon reicht.

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