Richard Brox

 4,5 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf von Richard Brox

Richard Brox wurde 1964 in Mannheim geboren. Er kam früh, mit fünf, in das erste Heim und durchlief danach eine "Heimkarriere", flüchtete vor sexuellen Übergriffen, verweigerte die Schule, galt als schwererziehbar. Nach einem Drogenentzug Mitte der 80er Jahre verbrachte er 30 Jahre auf der Straße. Derzeit lebt er in Köln..Dirk Kästel ist Journalist sowie Gründer und Vorstandsvorsitzender des Vereins kunst hilft geben für Arme und Wohnungslose in Köln e.V. Albrecht Kieser gehörte lange zum Kollektiv des Rheinischen Journalistenbüros und arbeitet heute als freiberuflicher Autor hauptsächlich für den Hörfunk. Er lebt in Köln.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Richard Brox

Cover des Buches Kein Dach über dem Leben (ISBN: 9783499632945)

Kein Dach über dem Leben

 (13)
Erschienen am 15.12.2017
Cover des Buches Plädoyer einer Randkultur (ISBN: 9783982023014)

Plädoyer einer Randkultur

 (0)
Erschienen am 09.12.2019

Neue Rezensionen zu Richard Brox

Cover des Buches Kein Dach über dem Leben (ISBN: 9783499632945)monerls avatar

Rezension zu "Kein Dach über dem Leben" von Richard Brox

Absolut lesenswert!
monerlvor einem Jahr

Kurzmeinung

Genre: Autobiografie

Handlung: Richard Brox erzählt aus seinem Leben, seiner Kindheit und Jugend, der Drogenabhängigkeit und wie er auf der Straße gelandet ist. Er gibt uns Einblicke in das Leben eines freien Berbers.

Schreibstil: Richard Brox wurde unterstützt durch Dirk Kästel und Albrecht Kiesner. Die Erzählungen sind offen, ehrlich und mutig, denn Richard Brox nimmt kein Blatt vor den Mund. Im Nachwort schreibt Dirk Kästel über die gemeinsame Recherche mit Richard Brox. Er bringt sogar einige Nachweise, die z.B. belegen, dass Richards Eltern in KZ´s waren. Im Vorwort erzählt Günter Wallraff über Richard Brox, wie er ihn kennengelernt hat, als er seine Reportage über Obdachlose “Unter Null” machen wollte. Sehr interessant!

Ende: Das Buch endet mit dem schönen Traum Richards, der ein Hotel für Obdachlose bauen und betreiben möchte, in dem sie respektvoll behandelt und akzeptiert werden würden. Ich hoffe, es gelingt ihm!

Fazit: Ich kann absolut JEDEM dieses Buch empfehlen! Es sensibilisiert und genau das ist nötig. Wie oft werden Obdachlose abschätzig und vorurteilsbehaftet behandelt. Dabei sind auch sie keine homogene Gruppe, wie Richard Brox aufzeigt. Es eint sie, dass sie Außenseiter sind, aber ein jede*r hat sein eigenes Schicksal und Gründe, um auf der Straße zu sein. Ich weiß nun noch mehr, warum es immer gut war, etwas Geld in den Hüten Obdachloser zu hinterlassen. Und wer es nicht weiß, sollte sich umgehend dieses Buch kaufen und lesen!

Richard Brox ist zu einer Berühmtheit geworden, da verschiedenen Journalisten durch seinen Blog “Ohne Wohnung – Was nun?” auf ihn aufmerksam wurden. Auf dem Blog führt und bewertet er Obdachlosenunterkünfte in Deutschland. Seine Bewertung hat schon dazu beigetragen, dass Unterkünfte verbessert oder auch geschlossen wurden. Eine tolle Idee und Unterstützung für Menschen, die nicht wissen, wohin sie gehen und sich wenden sollen, wenn sie plötzlich ohne Dach über ihrem Leben dastehen. Absolute Leseempfehlung!


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Cover des Buches Kein Dach über dem Leben (ISBN: 9783499632945)Babschas avatar

Rezension zu "Kein Dach über dem Leben" von Richard Brox

Überzeugende Autobiografie eines außergewöhnlichen Menschen
Babschavor einem Jahr

Bücher haben unglaubliche Fähigkeiten. Sie vermögen, Dich, Deinen Geist, Deine Erinnerung in Bruchteilen von Sekunden in eine andere Zeit, an einen anderen Ort zu katapultieren. So ging es mir während der Lektüre des ersten Kapitels dieses Buches. Ich befand mich plötzlich wieder tief in den bergigen Wäldern des bayerischen Voralpenlandes irgendwo hinter Lenggries, an einem nasskalten Herbstabend irgendwann in den frühen Achtzigern. Vollmundig angekündigt als Survivaltour einer Truppe harter Jungs, standen wir dann dort, ziemlich orientierungslos und ohne nennenswerte Hilfsmittel, irgendwo im tiefen Dickicht des Waldes, um uns herum fiel die Dunkelheit, für die Nacht waren schwere Gewitter angesagt, wir unfähig, einen Finger zu rühren, geschweige denn einen schützenden Unterschlupf für die Nacht zu bauen, jeder nur mit sich und seinen heran kriechenden Dämonen befasst. Ich werde nie vergessen, wie hilflos , wie angstvoll, von aller Welt verlassen, ich mich in dieser Nacht gefühlt habe, wie ich, genau wie die anderen, lose verstreut, Stunde um Stunde bis zum erlösenden Morgengrauen mit dem Rücken an einen Baum gelehnt bewegungslos ausgeharrt habe, während endlose Gewitter mit endlosem Regen über uns niedergingen und nur die Blitze Schlaglichter in die tiefe Dunkelheit warfen. Eine Erfahrung fürs Leben, diese plötzliche Erkenntnis, wie elementar gefährdet, wie klein und völlig unbedeutend man sich fühlen kann, so man keinen Schutzraum, keinen Rückzugsort mehr hat und allen Einflüssen von außen schutzlos ausgeliefert ist. So oder ähnlich mag sich wohl auch der Autor dieses Buches, Richard Brox, gefühlt haben, als er, gerade 21-jährig, im Frühjahr 1986 durch einen Gerichtsvollzieher mit begleitendem Räumkommando aus seinem letzten, zumindest temporären Zufluchtsort, nämlich der elterlichen Wohnung in Mannheim, mit nichts als 20 Mark und zwei Plastiktüten auf die Straße gesetzt wurde.  

Den Halt in seinem wahrlich bewegten und bedauernswerten Leben hatte er da allerdings schon lange verloren bzw. gar nicht erst gehabt. Wie es dazu kam und wie es später mit ihm weiterging, davon erzählt er in  seiner eindringlichen, ehrlich und offen geschriebenen Autobiografie, eine Aufarbeitung seines Lebens wie auch eine offene Anklage. Brox ist der Prototyp eines Menschen, bei dem so ziemlich alles schief gelaufen ist, was schief gehen konnte. Hineingeboren in ein prekäres Elternhaus in einem prekären Stadtteil Mannheims, Vater und Mutter schwer kriegstraumatisiert, ihre grauenvollen, quälenden Erinnerungen in Alkohol und Apathie ertränkend, der intelligente Sohn von klein auf völlig unbeachtet und allein gelassen, sehen Behörden und Gesellschaft der späten 60er keine andere Lösung, als den notorischen, hoch aggressiven Verweigerer wiederholt aus seiner Familie zu entfernen und in Kinderheime zu verfrachten, Vorhöllen, in denen er, wie damals ja an der Tagesordnung, von Nonnen wie von pädophilen Erziehern gequält und angegangen wird.

Die logische Folge ist der haltlose Absturz auf die Straße, wo er sich als bindungsunfähiger Einzelgänger mit Alkohol und Drogen rund um die Uhr betäubt und mit Betteln und Kleinkriminalität am Leben hält. Erst mit Mitte Zwanzig schafft er den Entzug und lebt fortan für Jahrzehnte ein selbstgewähltes, unstetes Dasein als Berber auf Wanderschaft, eine bewusste Abgrenzung zum bürgerlichen Leben, zu dem ihm der Zugang immer verwehrt blieb.

Sein Leben ändert sich erst, als er Anfang des neuen Jahrtausends durch Zufall mit dem noch jungen Internet in Berührung kommt und hier einen bis heute existenten Blog über die qualitative Bewertung von Obdachlosenunterkünften in Deutschland kreiert, was ihm in der Folge einigen Bekanntheitsgrad beschert und später auch die Teilnahme in Dokumentationen und Talkshows ermöglicht. Seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Günter Wallraff ist hier exemplarisch.

Das Buch überzeugt vor allem durch die Ehrlichkeit und Klarheit seines Verfassers in der Berichterstattung über sein Leben. Es ist für mich ein erneuter, plakativer Beweis dafür, wie elementar Lebenschancen, aber auch die ganze stimmige bzw. gestörte Persönlichkeit eines Menschen, von seiner Herkunft, seiner genetischen Prägung, ganz besonders aber von gewährter oder fehlender elterlicher Fürsorge und Zuneigung, abhängig sind. Wer hier die Arschkarte zieht, hat ein Leben lang zu knabbern, soviel steht fest.

Ein starker, unbedingt lesenswerter Bericht.    

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Cover des Buches Kein Dach über dem Leben (ISBN: 9783499632945)Perles avatar

Rezension zu "Kein Dach über dem Leben" von Richard Brox

Richard Brox - Kein Dach über dem Leben (Biographie eines Obdachlosen)
Perlevor 2 Jahren

Klappentext:

Drei Jahrzehnte auf der Strasse


Richard Brox ist ein Obdachloser. 30 Jahre lang lebte er auf der Straße und wurde bekannte wegen seiner Ratgeber-Website für Menschen ohne Wohnung. Jetzt hat er seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, schonungslos  und offen. Eine Geschichte vom Dasein am Rand, die direkt ins Zentrum unserer Gesellschaft weist.


"Wie viel Kraft hat dieser Mann aufwenden müssen, wie viele Abgründe erneut durchleben müssen, um diese ergreifende Biographie  zustande zu bringen!" (GÜNTER WALLRAFF)


Eigene Meinung:

Text folgt


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