Richard Burton Die Tagebücher

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Inhaltsangabe zu „Die Tagebücher“ von Richard Burton

In seinen privaten Tagebüchern ist Richard Burton nicht nur der berühmte Schauspieler, Filmstar und Jet-Set Prominente, als den wir ihn zu kennen glauben. Vielmehr ergibt sich aus den hier zum ersten Mal veröffentlichten Lebensaufzeichnungen Burtons das Bild einer sensiblen, hochgebildeten und talentierten, gleichzeitig unsicheren, aber immer aufrichtigen Person. Die witzigen, klugen, oft auch nachdenklichen Tagebücher der Jahre 1965 – 1972 zeigen Burton auf der Höhe seines Ruhms und Reichtums und in der Tiefe seiner Abstürze. Sie zeigen seine schauspielerischen Erfolge ebenso wie das Innenleben seiner ersten Ehe mit Elizabeth Taylor. Burton beobachtet sein Gewicht, reflektiert sein Trinkverhalten, sorgt sich um “E“ und erzählt von privaten und beruflichen Eskapaden. Er kommentiert seine und ihre Filme, die Bücher, die er liest (oft mehrere pro Tag), die Menschen, die sie treffen, die Hotels, in denen sie leben und die vielen Orte rund um den Globus, die sie besuchen. In jedem Eintrag ist er eloquent, urteilsstark und erweist sich als außergewöhnlicher und in jeder Hinsicht leidenschaftlicher Charakter. Diese zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Tagebücher geben einen neuen und anderen, privaten Einblick in Burtons und Taylors Leben, ihre turbulente Beziehung und in die Glamourwelt von Theater, Film und Prominenz, die sie bewohnten. Mit einem Vorwort von Chris Williams und knappen Anmerkungen zu von Burton erwähnten Menschen, Orten, Büchern oder Ereignissen.

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    Die Tagebücher

    michael_lehmann-pape

    06. December 2013 um 12:03

      Es ist eine ungerechte Verkürzung, den Mann und die Person Richard Burton allzu oft nur in seinem engeren „Leidenschaftsleben“ mit Liz Tayler zu betrachten. Aber eine  verständlich verkürzte Sicht auf diese öffentliche Person mit vielfachen Ecken und Kanten.   Burton vereinigte dennoch vieles an sich zunächst „in sich“ an Polaritäten. War „ganzer Mann“ und „sensibler Junge“, charismatisch und oft einfach nur betrunken, „stark“ und „schwach“, „Solitär“ und (tatsächlich vor allem mit Taylor) „unrettbarer Beziehungsmensch“, intensiver Charakterdarsteller und manchmal doch einfach nur eindimensional im Alltag. Vielleicht auch nur gelangweilt oft?   Viele Facetten, die erst im Zusammenklang die Faszination des Mannes ausmachen, die seine Erfolge und sein Scheitern bedingen.   Mit der Veröffentlichung der Tagebücher des 1984 verstorbenen Richard Burton erhält nun der Leser unmittelbaren, klaren, alltäglichen, an manchen Stellens sehr intensiven Einblick in die Person, den Mann, den Menschen, das Leben Burtons und das „Drumherum“ (was bei ihm die schillernde Welt des Films, des Theaters, des Schauspiels, der Liebe und Leidenschaft, der Abstürze und Neuangänge bedeutete).   Einer, der es vermeidet an den Oscar zu denken, „weil ich sonst sauer werde, wenn ich ihn nicht bekomme“. Gerade 1970 war das bedeutsam bei einem, der sagt: „Ich habe jetzt drei Wochen ohne Alkohol hinter mir“. Klare Worte.   Einer, der aus seiner Meinung nie einen Hehl machte. Wie grauenhaft er Phyllis Diller als Mensch fand (nicht nur als Moderatorin der Oscar Verleihung zu Zeiten). Ebenso wie Vincent Price, der in seinen Ohren einfach nur „schwul“ klingt (was Burton unerträglich findet).   Oder Burtons Blick auf manche Teile der Presse. „People“ war für ihn das „Nonplusultra des Schmierfinkentums“. Jene Presse, die immer schon sehr interessiert an Burtons Liebesleben war (welches im Buch durchaus auch vor Augen geführt wird, wenn auch Burton immer zurückhaltend und wenig detailliert gerade über diesen Bereich schreibt).   Und daneben vielfache Eintragungen über seine je gerade aktuellen Arbeiten und Betrachtungen zum eigenen Umgang mit dem Alkohol: „Gestern haben wir beide wieder zur Flasche gegriffen, ich ziemlich ausführlich. Der übliche spitzbübische-perverse kleine Teufel sprach aus mir“. Was in der Regel übrigens hieß, dass kein anderer mehr zu Wort kam.   Aber auch einer, dem es wichtig ist, „Heuchelei und Gaunerei zu bekämpfen, auch wenn man selbst ein Schwindler ist“.   Zu elegischen Reflexionen über sein Leben neigt Burton bei all dem nicht in diesen Tagebüchern, sondern bietet eher nüchterne Beschreibungen von Alltäglichkeiten.   Er schreibt, wie er es erlebt, denkt und fühlt, beschreibend und gerade deswegen wirken seine Aufzeichnungen unverstellt.   Tagebücher, die übrigens im Januar 1965 beginnen (nach der ersten Eheschließung mit Taylor) und 1972 enden (vor der ersten Scheidung). Die aber dennoch das Beziehungserleben und die Person Burtons vielfach beleuchten.  Mitsamt auch gemeinsamer Diäten, dem zugrunde liegenden „Ernährungsplan“ und dem Kampf um jedes halbe Pfund (was an Alltäglichkeit kaum zu überbieten ist) bis hin zu „massiveren“ Ereignissen der Beziehung natürlich.   Tagebücher, in denen zu Tage tritt, was William Redfield über Burton sagte: „Er ist ein zutiefst gebildeter und bemerkenswert unbefangener Mensch“. Und die auch eine ganze Ära der 60er Jahre in ihrer Atmosphäre mitschwingen lassen.   Aber auch einer, der vielleicht gerade deswegen „mit der Langeweile im Hader liegt“ und daher vielfach emotional anfällig war, bei aller Ruppigkeit, die Burton in seiner Art durchaus an den Tag legen konnte.   Eine sehr empfehlenswerte, authentisch und unverstellt wirkende Lektüre, ergänzt durch einen knappen Lebenslauf und eine Einordnung der Tagebücher in den Reigen der vielfachen Biographien.

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