Richard Cobb Tod in Paris

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Inhaltsangabe zu „Tod in Paris“ von Richard Cobb

Selbstmörder in Paris um 1800: Was mag einen Menschen bewogen haben, seinem Leben in der Seine ein Ende zu setzen? Und was kann ein Historiker über diese Menschen und ihre Beweggründe herausfinden, der heutzutage die Obduktionsprotokolle von Wasserleichen aus der Seine studiert? Angaben über Alter, Beruf, Familienstand, Wohnviertel, Herkunft führen mitten hinein in den Alltag der Armen und Marginalisierten in der revolutionserschütterten Großstadt. Das liest sich teilweise wie ein Krimi, und der Autor agiert wie ein Detektiv.
Ein Lehrstück darüber, wie Historiker über verstaubte Akten die Vergangenheit zum Sprechen bringen.

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  • Rezension zu "Tod in Paris" von Richard Cobb

    Tod in Paris

    Gospelsinger

    18. June 2011 um 17:56

    Geschichtsbücher sind langweilig? Von wegen! Jedenfalls nicht, wenn sie so außergewöhnlich daherkommen wie dieses Buch, das sich mit den Untersuchungsakten des Pariser Leichenschauhauses an der Seine aus den Jahren 1795 bis 1801 beschäftigt. Richard Cobb zeigt in seinem lesenswerten Buch, dass Gerichtsberichte keine trockene und langweilende Lektüre sind, sondern dass sich aus ihnen sehr viel über den Alltag und die Gesellschaft dieser Epoche herauslesen lässt. Cobb hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Menschen und ihre Milieus zu schreiben, und das macht den Unterschied zwischen diesem Buch und einem Geschichtsbuch für den Schulunterricht aus. Die meisten der Toten, die aus der Seine gezogen wurden, waren Selbstmörder. Und sie kamen aus einer bestimmten Schicht. Die Ärmsten der Armen waren es, die sich weder eine Pistolenkugel, noch den Luxus der Privatheit leisten konnten, wenn sie freiwillig aus dem Leben schieden. Denn der Tod in der Seine war immer zumindest ein wenig öffentlich. Ein enges Zusammenleben war es in den armen Quartieren von Paris. Oft lebten mehrere Menschen in einem einzigen Zimmer, und das ganze Leben war von Enge und Mangel geprägt. Die positive Seite dieser zusammengedrängten Lebensweise war, dass die angespülten Toten meist sehr schnell identifiziert werden konnten, auch wenn sie keine Familie hatten. Selbst die Ärmsten und Ungebildetsten hatten feste soziale Bindungen. Die brauchte man aber auch in dieser statischen Gesellschaft, in der man die soziale Situation und den Beruf erbte, und die keine Möglichkeit des Aufstiegs bot. Auch aus der Kleidung der Selbstmörder lässt sich viel herauslesen. Die engen Wohnverhältnisse führten dazu, dass manche Menschen ihre gesamte Kleidung am Leib trugen, aus Angst, dass sie ihnen sonst aus dem Zimmer gestohlen werden könnten. Die Kleidung selbst war bunt zusammengewürfelt, mehrmals ausgebessert und umgearbeitet und getragen, bis sie auseinanderfiel. Sehr interessant ist auch das Kapitel über die Gewöhnung an den Tod, das einen weiteren ungewohnten Einblick in die französische Gesellschaft der Revolutionszeit bietet. Ich fand dieses gut lesbare und ungewöhnliche Buch sehr spannend und kann es allen empfehlen, die einmal hinter die Kulissen der französischen Revolution blicken wollen.

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