Der Jahrhundertsturm

von Richard Dübell 
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Der Jahrhundertsturm
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+ Geschichte (Bismarckzeit) gut lesbar UND das "große Ganze" erklärend, genial mit der Handlung verwoben - "Schmöker" mit gängigem Personal

Kritisch (2):
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Absolut enttäuschend fand ich den ersten Band "Jahrhundertsturm" von Richard Dübell seiner zweibändigen Reihe über Deutschland im Umbruch.

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Inhaltsangabe zu "Der Jahrhundertsturm"

1840: Der Jahrhundertsturm beginnt. Alvin von Briest ist ein echter Preuße. Er fühlt sich den alten Traditionen seines Heimatlandes verpflichtet, auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Auf Rat seines Freundes Otto von Bismarck entscheidet er sich sogar für eine Militärlaufbahn. Ganz anders sein Freund Paul Baermann. Paul stammt aus dem Münchner Bürgertum und ist ein Mann des Fortschritts. Seine einzige Liebe gilt der Eisenbahn. Bis er in Paris Louise Ferrand kennenlernt, die ihn mit ihrer Schönheit verzaubert. Doch Louise ist schon einem anderen versprochen - seinem besten Freund. Sie heiratet Alvin von Briest, der sie vor Hunger und Tod gerettet hat. Ihr Herz aber gehört Paul. Während in Berlin Barrikaden gebaut werden, die Industrialisierung ihren Lauf nimmt und sich Deutschland schließlich unter Bismarck eint, müssen Alvin, Paul und Louise in einem Jahrhundert der Gegensätze ihren Weg finden. Berlin, Paris, München: die große historische Saga zur Bismarckzeit !

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548286648
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:1056 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:06.02.2015

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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: + Geschichte (Bismarckzeit) gut lesbar UND das "große Ganze" erklärend, genial mit der Handlung verwoben - "Schmöker" mit gängigem Personal
    Bismarckzeit – gut nachvollziehbare und leicht lesbare Historie UND Schmöker

    • Alvin von Briest, ohne Erbe als jüngerer Bruder von Levin. 1840 ist er 19 – also geb 1821. Er geht zum Militär – auf einen Tipp von Otto von Bismarck hin (ja, DER Bismarck)
    • Louise Ferrand ist 17 im Jahre 1840 - also 1823 geboren. Nach dem Selbstmord des Vaters wegen Spielschulden sind ihre Mutter Amélie und sie verarmt und aus einem Leben im Wohlstand in eine kleine Wohnung umgezogen. Der verheiratete Liebhaber der Mutter finanziert sie
    • Paul Baermann aus München, 19 (*1821). Er liebt das neue Wunderwerk Eisenbahn, plant eine Ausbildung zum Ingenieur in England und hat dafür auch bei den Eltern Geld geliehen, sehr zum Missfallen seiner älteren Schwester Lily

    Diese drei sind die Hauptfiguren der von 1840 bis 1871 reichenden Handlung. Alvin und Paul lernen einander kennen, als sie spontan gleichzeitig einem Mann helfen, der ihrer beider Leben nach Paris lenken wird. Und in Paris ist Louise, die Frau, in die sich beide Männer verlieben werden. Alle finden sie wahre Freunde in Frankreich und Deutschland, deren Unterstützung sie sich gewiss sein können. Allerdings gibt es auch mächtige Feinde, Gefahren und Nöte.

    Soweit der Part „Schmöker“. Mich hat das Buch positiv überrascht damit, wie genial gut Autor Dübell die historischen Ereignisse integriert hat. Es wirkt nur ein, zwei Mal (auf über 1000 Seiten ist das nichts) wie eine Aufzählung aus einer Liste (Beispiel um S. 566), sonst entfalten sich Handlung und Historie sehr geschickt nebeneinander. Ernsthaft, ich hatte das (na ja, fast) alles in der Schule gelernt, den Zusammenhang, das „große Ganze“, aber tatsächlich erst durch den Roman ziehen können (der Geschichtsunterricht hatte die unsägliche Angewohnheit von Themenwechseln, ohne dass bei Wiederaufnahme die Vorgänge DAVOR rekapituliert und in Bezug gesetzt worden). 

    Die Leistung: Keine der Personen wirkt wie ein reiner Stichwortgeber wie bei Prange „Unsere wunderbaren Jahre“ (nicht „wir brauchen jemanden aus Berlin, um die Entwicklung von xy darzustellen“) – dadurch wirkt es nicht aufgesetzt, welche historischen Ereignisse die Charakere miterleben. Dübell kann Prozesse und Akteure in ihrem Widerspiel nachvollziehbar machen – der Code Civil nach dem Weggang Napoleons und die Wünsche der „einfachen Leute“ nach mehr Rechten, dagegen die Junker mit ihrem Bestreben, die alten Machtgefüge zu erhalten, als Beispiel zum März 1848. Historische Personen sind überzeugend eingebaut, vor allem Bismarck und das preussische Königshaus; sie haben nicht nur „Cameo-Auftritte“ wie z.B. Königin Victoria in „Winterengel“ von Bomann. Das Buch geht ins Detail, teils sehr viel, aber nie so viel wie „1813“ von Ebert, bei dem dann wirklich JEDE Uniform mit jedem Detail abgearbeitet wird.
    Dennoch gibt es gelegentlich zu viele Informationen für mich „…die Soldaten … , die dort in langer, langer Reihe eintreffen und daran vorbeimarschieren würden – die Infanterieregimenter der Ersten, Zweiten und der Elbarmee und der Landwehr, die Füsiliere, die Jäger, die Grenadiere, die Pioniere, die Artillerie mit ihren Gespannen und aufgeprotzten Geschützen, zu Pferd die Kürassiere, die Dragoner, die Husaren, die Ulanen und natürlich die Garde.“ S. 763 …oder einfach „die Soldaten“?!

    Zum Schmöker hätte ich mehr zu meckern, der Plot ist aus den „üblichen Verdächtigen“ zusammengesetzt. Zwei Männer aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten werden beste Freunde und verlieben sich in dieselbe Frau, jeder von ihnen hat Widersacher, die sich natürlich auch finden, die Geschichte zwingt die Freunde auf gegnerische Seiten, es kommt zu Gefahren und Nöten … Wer die „Clifton-Saga“ von Archer mochte, wird das hier auch lieben. Ich fand das ja „ganz nett“, die polyamouröse Liebesbeziehung ist sicher modern, wenn auch vielleicht unrealistisch (ohne Eifersucht?), die Bösen sind so richtig böse à la Blofield bei Bond – „das kann man lesen“. Ohne die geniale geschichtliche Verwebung müsste man es aber nicht (die Cliftons sind deutlich mehr „Schmöker“).

    Und sonst? Mir gefiel der feine Humor, so wenn dem Münchner Paul bei Alvin in Preussen die Berge fehlen. Alvin: „Berge…verstellen einem die Sicht auf das Wesentliche“. Paul: „Berge sind das Wesentliche!“ S. 334 Die Prüderie auf den ersten 500 Seiten war seltsam: „Jedes Mal, wenn sie und er zusammen Erfüllung fanden…“ S. 256 oder am Morgen „danach“ „Mittlerweise wusste er genau, wie stark ihre Liebe zu ihm noch immer war...“ S. 336 Mit Louises Ergreifung der Initiative verliert sich das überraschenderweise. Kein Franzose sagt „Oh non, nous ne pas voulont de la dynamite alboche!” S.905 – ne pas voulont? Ach ja, und ein Adliger belehrt einen anderen Adligen nicht, dass der ihn mit „von“ anzusprechen habe statt nur mit dem Familiennamen, letzteres ist durchaus üblich unter den Herren; "man" weiß, wer "man" ist S. 51

    Dafür erfasst Dübell pointiert die jweiligen Gegebenheiten, so „Selbst für ihn, der mit Buchhaltung nichts zu tun hattte, waren die Aufzeichnungen nachvollziehbar. Grundstücksbesitzer, die mehr Geld für ihre Grundstücke bekommen hatten als den reellen Preis, und den Überschuss mit den zuständigen Beamten geteilt hatten, … . Enteignungen, die auf Kosten einer effizienten Streckenführung gegen mächtige Schmiergelder verhindert worden waren, …. Verladebahnhöfe, die ursprünglich nicht vorgesehen waren, weil ein Fabrikbesitzer den Segen der Eisenbahn direkt vor seinen Produktionsanlagen erkannt und dafür ordentlich bezahlt hatte.“ S. 175. Wie wenig sich geändert hat. 

    Insgesamt liest sich das Buch als ein Manifest für ein vereintes Europa, Freundschaft über Klassen- und Ländergrenzen und gegen den Krieg. Die Bemerkungen zu Mechanismen von Aufhetzung und Hass sind erschreckend aktuell.
    Dies ist Band 1 einer Reihe mit dem verbindenden Motiv der Eisenbahn, bei Band 2 scheint es das Flugzeug zu sein, mit einer Übergabe an die Enkelgeneration der Protagonisten. Ich werde hineinlesen, mindestens.

    5 Sterne. TROTZ Schmöker-Bauchweh, so bleiben nämlich 1056 Seiten und VIELE Ereignisse noch verdaubar (ähnlich der TV-Dokumentary „Die Deutschen“ oder bei „Die Sendung mit der Maus“ 😉. Ich werde mein altes Geschichtsbuch neu lesen mit dem Gefühl, dort zwar mit Details beworfen zu werden, aber den Zusammenhang erfasst zu haben.

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Portraitiert sehr unterhaltsam eine grundlegende Epoche aber schmückt die historischen Fakten mit zu viel fiktivem (Liebes-/Hass-) Drama.
    Nicht nur im Krieg gibt es keine Gerechtigkeit

    Klappentext (Lovelybooks):

    1840: Der Jahrhundertsturm beginnt. Alvin von Briest ist ein echter Preuße. Er fühlt sich den alten Traditionen seines Heimatlandes verpflichtet, auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Auf Rat seines Freundes Otto von Bismarck entscheidet er sich sogar für eine Militärlaufbahn. Ganz anders sein Freund Paul Baermann. Paul stammt aus dem Münchner Bürgertum und ist ein Mann des Fortschritts. Seine einzige Liebe gilt der Eisenbahn. Bis er in Paris Louise Ferrand kennenlernt, die ihn mit ihrer Schönheit verzaubert. Doch Louise ist schon einem anderen versprochen - seinem besten Freund. Sie heiratet Alvin von Briest, der sie vor Hunger und Tod gerettet hat. Ihr Herz aber gehört Paul. Während in Berlin Barrikaden gebaut werden, die Industrialisierung ihren Lauf nimmt und sich Deutschland schließlich unter Bismarck eint, müssen Alvin, Paul und Louise in einem Jahrhundert der Gegensätze ihren Weg finden. Berlin, Paris, München: die große historische Saga zur Bismarckzeit!

    Meine Meinung:

    Seit Jeffrey Archers „Clifton-Reihe“ bin ich großer Fan von historischen (Familien-) Sagas und ich habe mir erhofft, dass mich Richard Dübell mit dem Auftakt seiner „Jahrhundert-Sturm“ Serie als begeisterten Fan dazugewinnen kann, was ihm mit ein paar Abstrichen auch gelungen ist. 

    Der Autor hat es geschafft, mich durch seinen sehr unterhaltsam erzählenden Schreibstil direkt an den Verlauf seiner Geschichte zu fesseln, die durch ihre Einbettung in eine historisch bedeutende Epoche einen sehr lehrreichen Mehrwert im Gepäck hat. Die Bedeutung der Erfindung der Eisenbahn sowohl für die Freiheit, als auch der Kriegsführung, wird sehr facettenreich vermittelt.

    Nicht nur die realen historischen Persönlichkeiten, wie Bismarck oder Nobel, erhalten direkt ein Gesicht beim Lesen, sondern auch die eingebauten fiktiven Charaktere werden anschaulich und mit einem interessanten Profil vorgestellt, so dass in meinem Kopf ein klar definiertes Gesamtensemble wachsen konnte.

    Neben einer Vielzahl sehr gut recherchierter Passagen, die u. a. einen vielschichtigen Einblick in den Deutsch-Französischen Krieg bieten, übernimmt leider auch eine Überdosis Drama sehr viel Raum. 

    Diesen teilen sich das komplizierte Liebesdreieck zwischen Alvin, Paul und Louisa, sowie die von immenser Hasserfüllung getriebene Lily, Pauls Schwester. Ich konnte insbesondere das Thema „Hass“ innerhalb der Handlung überhaupt nicht nachvollziehen und empfand diese Momente auch effekthascherisch. 

    Dennoch fühlte ich mich insgesamt sehr gut unterhalten und da mir die Entwicklung am Ende sehr gefallen hat, werde ich diese Serie auch weiterlesen. 

    Fazit:

    Portraitiert sehr unterhaltsam eine grundlegende Epoche aber schmückt die historischen Fakten mit zu viel fiktivem (Liebes-/Hass-) Drama.

    Kommentare: 1
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    Franzip86vor 5 Monaten
    Eine Reise ins 19. Jahrhundert

    Inhalt: Das Buch ist der Auftakt einer Trilogie. Dieses Buch spielt von dem Jahr 1840 - 1871. Es behandelt 2 große Erfindungen in dieser Zeit, der Eisenbahnbau mit dem Streckenausbau und die Telegraphie. Alvin von Briest ist preußischer Junker der nachdem er beim Erbe seines Vaters leer ausgegangen ist, nach Paris gemeinsam mit seinem Freund Paul Baermann nach Paris reist. Paul ist der Technikbegabte von ihnen und hilft beim Ausbau des Eisenbahnetzes. Beider lernen dort Louise Ferrand kennen und verlieben sich in sie. Es geht in dieser Zeit hoch her, mehrere Kriege folgen und die Zeit ist im Umbruch... Meine Meinung: Mir hat das Buch im großen und ganzen gefallen. Da es oft sehr politisch war, hatte ich etwas meine Probleme. Der Schreibstil ist flüssig und das Cover hat mich direkt angesprochen. Die Figuren haben mir auch sehr gut gefallen. In dieser fiktiven Geschichte gibt es eine Nebenfigur, die es wirklich gab - Otto von Bismarck. Er führt die Geschichte zum Teil voran und ihm wird auch einiges an Aufmerksamkeit geschenkt. Politisch ist die Geschichte gut recherchiert und was mich sehr begeistert hat, ist, dass ich mich manchmal nicht beherrschen konnte und oft Google befragt habe... Ich vergebe für das Buch 4 von 5 Sternen und freue mich schon auf den 2. Teil der schon auf meinem SUB schlummert!

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    allegravor einem Jahr
    Historisch interessant und spannend

    Mit „Der Jahrhundertsturm“ eröffnete Richard Dübell die Trilogie seiner großen Deutschlandsaga. Dieser erste Band hat als historische Persönlichkeit Otto von Bismarck im Zentrum. Flankiert wird er von Alvin von Briest, seinem besten Freund Paul Baermann und der Französin Louise Ferrand. Die Geschichte spielt sowohl in Bayern, Preussen und in Frankreich und erzählt die deutsch-französische Geschichte von 1840 bis 1871.

    Paul Baermann ist Ingenieur und bringt die Entwicklung des Eisenbahnschienennetzes voran. Gleichzeitig wird das Telegrafennetz immer wichtiger und ist ein entscheidendes Werkzeug sowohl politisch wie militärisch.

    Der Roman ist sowohl von politischen Entwicklungen wie auch von Liebesgeschichten geprägt. Er ist spannend, die Schauplätze sind anschaulich beschrieben und die Figuren sind glaubhaft und liebevoll charakterisiert. Man erkennt sowohl die Entwicklung der einzelnen Figuren wie auch globale Veränderungen in der europäischen Welt.

    Ich habe mich mit dem Buch gut unterhalten und sehr gut informiert gefühlt. Der Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen und der Roman ist in überschaubare Kapitel gegliedert. Trotzdem hat sich bei mir die Lektüre über mehrere Monate hingezogen. Das Buch ist auf jeden Fall gut geschrieben, dennoch hat es mich nicht so in den Bann gezogen, wie es ein Buch bei mir tun muss, bis ich 5 Sterne vergebe. Ich empfehle den 1032 Seiten starken Schmöker historisch interessierten Lesern und verleihe ihm 4 Sterne.

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    C
    coffeetimeladyvor einem Jahr
    Eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung


    Das Buch dreht sich eigentlich um eine Dreiecksbeziehung zwischen Paul, Louise und Alvin. Die Männer treffen das Mädchen per Zufall und verlieben sich auf den ersten Blick in sie.
    Louise ist zwischen den Männern, die eine Freundschaft verbindet und die nicht unterschiedlich nicht sein könnten (Alvin ist ein Junckerssohn der aber beim Erben übergangen worden ist; Paul ist ein verhätschelter Bürgersohn, der seinen Weg sucht) und durch die Leidenschaft zur Eisenbahn vom Schicksal verbunden werden, 
    hin und her gerissen ist... Die Liebesgeschichte der 3 nimmt ihren Lauf... wobei Louise auf keinem Fall dem Klischee einer Frau des 19. Jahrhunderts, die sich durch die Ereignisse treiben lässt, entspricht. Je reifer und älter sie wird, desto selbstbewusster nimmt sie ihr Schicksal und ihr sexuelles Verlangen selbst in die Hand.


    Die Ereignisse im Buch werden durch eine Nebenfigur immer vorangetrieben und zwar durch die Persönlichkeit Otto von Bismarcks. Er ist zwar nur eine Nebenfigur, trotzdem wird ihm eine  beachtliche Anzahl von Seiten im Buch gewidmet.


    Die Eisenbahn der politische Strippenzieher Otto von Bismarck und eine nicht erfüllte Liebe stehen im Mittelpunkt des Buches und machen es zu einer angenehme  Lektüre.

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    Klusis avatar
    Klusivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein umfangreicher Roman über Leben, Fortschritt und Politik im 19. Jahrhundert, historisch korrekt und sehr detailreich geschildert.
    Der Jahrhundertsturm

    Es handelt sich hier um den ersten Band der Jahrhundertsturm-Serie von Richard Dübell. Die Handlung umfasst einen Zeitraum von 1840 bis 1871, eine sehr bewegte Zeit, in der es zu allerlei gravierenden wissenschaftlichen Fortschritten in unterschiedlichen Bereichen kam. Insbesondere die Eisenbahn machte in diesen Jahrzehnten eine bahnbrechende Entwicklung. Im Klappentext heißt es „Eine Generation zwischen Technik und Tradition“, und das trifft es sehr gut, denn Deutschland ist in Aufbruchsstimmung.
    Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Freunde: Alvin von Briest, ein preußischer Junker, der sich der traditionellen Erbfolge beugen muss und als Zweitgeborener keine Aussicht auf das väterliche Gut hat. Als er durch ungewöhnliche Umstände Paul Baermann kennenlernt, wird eine enge Freundschaft daraus. Paul ist vom Fortschritt fasziniert und engagiert sich leidenschaftlich für die Eisenbahn.
    Bald bringt eine junge Frau Unruhe in diese Freundschaft, denn beide Männer verlieben sich in die Französin Louise Ferraud. Louise hat eine bewegte Vergangenheit und setzt sich mit ganzer Kraft für den Frieden und für Gerechtigkeit ein. Sie ist schön und klug, nur hat sie einen „Fehler“, sie kann sich nicht zwischen Alvin und Paul entscheiden.
    Mit 1047 Seiten hat dieser Wälzer einiges an Spannung und Lesevergnügen zu bieten. Neben der fiktiven Handlung bietet das Buch auch viel Wissen über die Bismarckzeit, denn auch der hochrangige Staatsmann spielt eine gravierende Rolle in der Geschichte, und sein realer Lebensweg wird stark in die Handlung einbezogen.
    Es sind zum Teil dramatische Ereignisse und Entwicklungen, die einen großen Raum im Roman einnehmen und mich sehr gefesselt haben. Die Protagonisten haben viele Schicksalsschläge einzustecken und müssen sich immer wieder neu im Leben orientieren. Aber es gibt auch einige Längen im Buch, die meinen Lesefluss immer wieder ausgebremst haben. Manche Schilderungen hätten mir weniger ausführlich ausgereicht.
    Die Charaktere sind eindrucksvoll dargestellt, und die detaillierten Beschreibungen ließen lebendige Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen.
    Was meine Begeisterung angeht, so bleibt dieser Band jedoch hinter anderen Werken des Autors, die ich bisher gelesen habe, etwas zurück. Es sind Kleinigkeiten, die das ausmachen, beispielsweise bin ich mit Louise nicht warm geworden. Sie ist einerseits eine tolle, intelligente Frau, die großen Einsatz leistet, und es ist auch nicht so, dass ich unfehlbare Charaktere erwarte, ganz im Gegenteil, denn vielfältige, mehrdimensionale Charaktere bringen erst die „Würze“ in einen Roman, aber Louises Wankelmütigkeit in Sachen Liebe und das beschriebene Arrangement gingen so weit, dass es mit zuletzt genervt hat.
    Insgesamt hat mir das Buch jedoch wirklich gut gefallen, und auch wenn ich kleinere Kritikpunkte hatte, wird mich das nicht davon abhalten, auch den Folgeband zu lesen.

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    Madame_Klappentexts avatar
    Madame_Klappentextvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein solider Schmöker mit einigen Lägen, der aber gute Unterhaltung bietet
    Ein guter Schmöker

    Inhalt: Die Eisenbahn beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug durch Europa. Die Welt ist im Umbruch und die europäischen Mächte ringen um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. In diesen unruhigen Zeiten, die von revolutionären Gedanken geprägt ist, lernen sich Alvin, Paul und Louise kennen. Die drei könnten unterschiedlicher nicht sein. Alvin, ein preußischer Junker und Paul, ein bayrischer Techniker treffen auf die Französin Louise. Die drei müssen mit allerlei Schicksalsschlägen fertig werden und werden immer wieder von den Fehlern ihrer Vergangenheit eingeholt. Und als wäre das nicht schon genug, müssen die drei sich auch noch mit der Sehnsucht nach der großen Liebe rumschlagen.

    Leseeindruck: Die mehr als 1000 Seiten dieses Romans lassen sich wirklich gut lesen. Man kommt gut rein in die Geschichte, denn die Figuren werden Kapitel für Kapitel vorgestellt, so ergibt sich schnell ein umfassendes Bild und man kann schnell seine persönlichen Sympathiepunkte vergeben. Klar, hier hat man einen typischen historischen Roman vor sich: Gut gegen Böse. Noch dazu bekommt man sofort mit, wer hier Intrigen spinnt und wer dagegen eine ehrliche Haut ist. Die Motive der einzelnen Figuren zeichnen sich schon von Beginn an klar und deutlich ab.
    Man mag nicht immer einverstanden sein, mit den Entscheidungen, die die Charaktere treffen, aber doch erhält der Leser für alle Entwicklungen eine plausible Begründung geboten. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Figuren bestimmte Entscheidungen nur treffen, damit die Story an anderer Stelle oder an einem anderen Schauplatz weitergeführt werden kann. Besonders bei Louise hatte ich dieses Gefühl. Kaum ist sie glücklich, trifft sie Entscheidung, die nicht nur für ihr weiteres Leben von großer Bedeutung ist, sondern auch das Leben von Alvin und Paul auf den Kopf stellt. Auf diese Weise bleibt die Geschichte aber immer abwechslungsreich, denn man weiß als Leser nie, wo die Reise (im wahrsten Sinne des Wortes) noch hin geht.
    Mir hat es gefallen, wie die Handlung um Alvin, Paul und Louise in den geschichtlichen Rahmen der Zeit eingefügt wurde. Die beginnende Industrialisierung mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und die politischen Machtkämpfe der einzelnen europäischen Staaten bilden eine tolle Kulisse für die persönlichen Schicksale der Figuren. Man kann sich richtig gut in die Zeit reindenken und die Lebensumstände der Menschen nachempfinden. Hin und wieder sind mir aber gerade die Ausführungen zu politischen und militärischen Themen etwas zu umfangreich. Für meinen Geschmack hätte man da durchaus etwas raffen können, denn an der einen oder anderen Stelle ging es mir zu zäh voran. Das mag allerdings nicht jeder so sehen, wer sich vielleicht nicht so gut mit der politischen Situation in der Mitte des 19. Jahrhunderts auskennt, der wird über die Ausführen vielleicht ganz froh sein. Denn nur im Zusammenhang mit der jeweiligen politischen Lage lassen sich auch die privaten Entscheidungen der Figuren begründen. Da ich schon immer ein Faible für diese Zeit hatte, war mir die eine oder andere Erläuterung überflüssig.
    Grundsätzlich kann ich aber nur den Hut ziehen: So umfangreiche und komplizierte politische Verhältnisse als Hintergrund für eine Familiengeschichte heranzuziehen ist dem Autor wirklich gut gelungen.

    Fazit: Ich mag die Familiengeschichte der von Briests wirklich sehr. Der Roman ist sehr abwechslungsreich. Von Freundschaft über Intrigen bis hin zu politischen Machtkämpfen ist alles enthalten. Schießereien wechseln sich mit romantischen Szenen ab, da sollten sich eine Menge verschiedener Leser angesprochen fühlen. Ein historischer Roman, der zwar auch eine Menge Klischees bedient, aber nicht doch auch überraschen kann. Gerade wer das ausgehende 19. Jahrhundert mag, wird die Kulisse der Geschehnisse lieben. An einigen Stellen war mir die Geschichte zu langatmig, aber alles in allem wurde ich gut unterhalten. Ein wahrer Schmöker, mit dem man ein paar nette Lesestunden verbringen kann.

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    Sigismundvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Absolut enttäuschend fand ich den ersten Band "Jahrhundertsturm" von Richard Dübell seiner zweibändigen Reihe über Deutschland im Umbruch.
    Absolut enttäuschend

    Absolut enttäuschend fand ich den ersten Band "Jahrhundertsturm" von Richard Dübell seiner zweibändigen Reihe über Deutschland im Umbruch und eine Generation zwischen Technik und Tradition [zweiter Band: "Der Jahrhunderttraum"]. Die Handlung beginnt 1840 und schildert die historische Entwicklung des 19. Jahrhunderts mit all seinen technischen Neuerungen. Was hätte man daraus machen können. Doch die handelnden Personen sind allzu oberflächlich, die Handlung viel zu breit gewalzt. Mir war der Roman zu langweilig. Gut, dass ich ihn nur als eBook-Lockangebot für 2,90 € hochgeladen hatte. Mein Urteil: Absolut nicht empfehlenswert - auch, wenn andere Leser positive Rezensionen veröffentlicht haben.

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    Flohvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: „Nous avons tout perdu“. Grandioses Panorama: Nah an den persönlichen, moralischen, wirtschaftlichen, politischen und militärischen Fronten.
    „Nous avons tout perdu“. Grandioses Panorama mit über 1050 Seiten Genussgarantie!

    Der Romanautor Richard Dübell hat sich besonders in der Welt der historischen Romane bereits einen großen und bekannten, sowie gelobten und gern gelesenen Namen gemacht. Mit seinem Auftakt „Der Jahrhundert Sturm“ zu einer neuen Reihe „Die Jahrhundert-Sturm Reihe“ habe nun auch ich mich von seinem Talent und seinem Können überzeugen können. Ich habe es schon geraume Zeit beobachtet und auf meiner „To-Read-Liste“ geführt. Dann fiel es mir regelrecht in die Hände und mir bot sich die langersehnte Gelegenheit endlich meinen ersten Dübell lesen zu können… Das Warten hat sich absolut gelohnt. Was sind schon wenige Wochen, wenn im Romaninhalt Jahre verstreichen und man das Gefühl hat, als wäre es gestern gewesen?
    Ich habe so viele begeisternde Rezensionen und Leserstimmen zu „Der Jahrhundert Sturm“ und den Romanen, auch anderer Genre, im Allgemeinen zum Buch und Autor selbst vernommen, sodass ich diesen Autor nun endlich einmal selbst kennenlernen wollte. WOW. Meisterhaft, erstaunlich, fortschrittlich, minutiös, facettenreich, atmosphärisch, epochal, kämpferisch und voller Sympathie. Diesen 1056 (!) Seiten umfassenden Auftakt (ich liebe richtig dicke Wälzer…) widmet der Autor all diejenigen, die an unserer Zukunft bauen, ohne zu vergessen, wo unsere Herkunft liegt: in den Dingen, an die wir glauben…
    Dieses Buch bietet die gelungene und überwältigende Basis sich für geschichtliche Themen und Meilensteine zu interessieren und diese mit jeder Zeile und jedem geschrieben Wort aufzusaugen. Die Zeit der neuen Technik und des Reisens. Mit einem unheimlich stolzen Auge und einem weinenden Auge habe ich die letzte Seite beendet und schließe nun den Buchdeckel und kann mich über ein Nachsacken dieses atemberaubenden Leseerlebnisses freuen und ein sehr fundiertes Quellenverzeichnis und Nachwort genießen. Lieber Herr Dübell, ich danke für dieses Meisterwerk in Buchform!
    Erschienen im Ullstein Verlag (http://www.ullsteinbuchverlage.de/)

    Beschreibung / Inhalt:
    " 1840 - DER JAHRHUNDERTSTURM BEGINNT:
    Deutschland im Umbruch. Eine Generation zwischen Fortschritt und Tradition. Drei junge Menschen, die in einem Jahrhundert voller Gegensätze ihren Weg finden müssen.
    Alvin von Briest ist ein echter Preuße. Er fühlt sich den alten Traditionen seines Heimatlandes verpflichtet, auch wenn es ihm nicht immer leichtfällt. Auf Rat seines Freundes Otto von Bismarck entscheidet er sich sogar für eine Militärlaufbahn. Ganz anders sein Freund Paul Baermann. Paul stammt aus dem Münchner Bürgertum und ist ein Mann des Fortschritts. Seine einzige Liebe gilt der Eisenbahn. Bis er in Paris Louise Ferrand kennenlernt, die ihn mit ihrer Schönheit verzaubert. Doch Louise ist schon einem anderen versprochen – seinem besten Freund. Sie heiratet Alvin von Briest, der sie vor der Armut gerettet hat. Ihr Herz aber gehört Paul. Während in Berlin Barrikaden gebaut werden, die Industrialisierung ihren Lauf nimmt und sich Deutschland schließlich unter Bismarck eint, müssen Alvin, Paul und Louise in einem Jahrhundert der Gegensätze ihren Weg finden."

    Handlung:
    Dieses historische Meisterwerk erstreckt sich über knapp 30 Jahre im Leben des edlen Junkers Alvin von Briest, dem Visionär und begeisterten Eisenbahnfreund Paul Baermann und einer Frau zwischen den Männern: die ehrbare Französin Louise Ferrand. Der Roman gliedert sich in vier Teile, die mit wunderschönen Vignetten auf ansprechend und liebevoll gestalteten Seiten je ein neues Buch einleiten und sich über 30 bewegte Jahre erstrecken, die uns teilhaben lassen, wie neue Technik einzieht, wie diese Schienennetze für Krieg und Militär genutzt werden, wie der Traum von Freiheit schwindet, aber die Hoffnung zuletzt stirbt, wie für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft wird, wie Barrikaden errichtet werden, wie Hunger regiert, wie Länder enteignet werden, wie Güter verloren gehen und wie Waffen und Tod ihren Weg finden. Mittendrin das bescheidene Leben dreier Personen, die je einen eigenen Traum pflegen und alles dafür tun… Dübell lässt eine Ära Revue passieren, er lässt reale Personen agieren, bietet Fakten, Hintergründe und Meilensteine, die er uns in einem Roman bettet, der Wissen spendet, unterrichtet, mahnt und wunderbaren Unterhaltungswert und Anspruch besitzt.

    Über den Verlauf und den Inhalt, sowie Ausgang des Romans möchte ich natürlich nichts verraten, nur eines: der neugierige Leser wird mit geballter und fundierter Fülle überrascht, die das Lesen durch einen sehr angenehmen Schreibstil und interessanten Stilmitteln der Umsetzung samt Wiedererkennungswert des Autors überzeugt!

    Schreibstil:
    Der talentierte und ambitionierte deutsche Autor Richard Dübell besitzt einen sagenhaft bildhaften, nahen, überzeugten, selbstsicheren und eher nüchternen Schreibstil. Bei seiner Nüchternheit wirkt er jedoch keinesfalls trocken oder spröde. Seine Nüchternheit, wie ich sie nennen mag und empfinde, zeichnet sich durch Klarheit und Fakten aus. Er fächert ein enormes Panorama, welches er mit Akribie, Überzeugung und Anspruch bedienen mag. Das gelingt ihm ausgezeichnet. Schon längere Zeit nicht mehr, habe ich in einem Buch eine solche Fülle an Wissen, Spezialwissen, Details, Atmosphäre, Buchgefühl und Lebendigkeit gelesen und miterlebt. Wirklich faszinierend. Richard Dübell schreibt einen über 1050 Seiten umfassenden Wälzer und dieser Band ist erst der Anfang seiner Idee zur Jahrhundert-Sturm-Reihe, wie er sie nennt und weiterlebt. Mit weiteren knapp 735 Seiten folgt der Jahrhunderttraum, der ein weiteres Themenspektrum dieser Ära, die längst vergessen scheint, aber immer noch so greifbar in unserer nahen Vorstellung ist und unsere Gegenwart so bestimmend gezeichnet und geprägt hat, beschreibt. Richard Dübell ist ein wahrer Meister des geschriebenen und bildlichen Wortes, ein Kenner der Historie und der damaligen Gesellschaftsformen, Ereignisse, Fakten, Einflüsse und der damaligen Sprache, Artikulation, Sitte und Eigenarten. Dieser bemerkenswerte Erfolgsautor nimmt seine Leserschaft gleich zu Beginn mit in eine andere Welt, entführt sie zu einem Panorama in Zeiten der Revolution, der Umbrüche, des Einzugs neuer und rasanter Technik, bahnbrechenden (im wahrsten Sinne des Wortes…)

    Möglichkeiten, Militär, Eroberungen, Landbesitz und die brillanten Farben der Zeit zu Otto von Bismarck. Parallelen der Entwicklung und der Sonnen- und Schattenseiten moderner Technik, Kommunikation und Transportwege zur heutigen Gegenwart werden sichtbar, das macht dieses Buch nochmals interessanter und gegenwärtiger. Es geht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Autor Dübell formt einen neuen Epos, der den Leser nicht so schnell loslassen wird. Dieser Autor schreibt sehr detailliert und ausgesprochen ausführlich. Minutiös schildert er hier wirklich den leisesten Windhauch, der später zu einem großen Sturm entfachen kann. Die Jahre und Jahrzehnte gehen ins Land, bei über 1050 Seiten geballter Romanfülle wird man, und das muss ich ehrlich sagen, auch einige Hürden in Form von einigen Längen oder eher unaufgeregten Passagen und Zeiten nehmen. Doch man wird mit jedem weiteren Ereignis und mit jeder weiteren spannenden Entwicklung, sei es technisch oder machtbeflissen, oder emotional und familiär basiert, belohnt und für einige zähe Abschnitte belohnt und wird erkennen, dass auch diese unbewegten Zeilen wichtig für alles weitere sind…

    Beinahe jeder Gedanke, jeder Handschlag, jede Ritterlichkeit wird ausgeführt und dem Leser vorgeführt. Knapp 30 Jahre aus dem Leben von drei unterschiedlichen Personen und Charakteren, die in diesem bewegten Jahrhundert ihren Weg finden und gehen. Alvin von Briest lernen wir als preußischen Junker kennen, der von seinem Bruder Levin von Briest um sein Erbe gebracht wird. Paul Baermann hingegen stand immer in der Gunst seiner Eltern, die für ihn einstanden. Seine missgünstige Schwester Lily wird sich noch an ihm rächen und seinen Traum von der Eisenbahn und dem wirtschaftlichen Fortschritt und der Freiheit der Menschen und die Liebe zum Reisen sabotieren. Paul und Alvin verbindet eine tiefe und ehrliche Freundschaft. Zwischen ihnen steht, wie soll es anders sein, eine Frau. Die Französin Louise Ferrand. Louise hat viel erlebt, in ihren jungen Jahren war sie bereits ganz unten. Ihren Stand hat sie der Ehe mit Alvin von Briest zu verdanken, den sie sehr liebt. Doch sie liebt auch Paul, Alvins Freund. Ein Geheimnis zieht sich durch die Jahre… Diese hier beschriebenen 30 Jahre dieser drei Hauptakteure in diesem Epos, fühlen sich beim Lesen an, wie eben genau diese 30 Jahre mit jedem Tag, mit jedem Monat, mit jeder Jahreszeit im Wandel, mit jedem historischen Ereignis und mit jedem Jahrzehnt... Als Leser weile ich an ihren Seiten, ich lebe, erlebe, kämpfe, leide, liebe und reife mit ihnen. Kurzum: Der Autor lässt mich Louises, Pauls und Alvins Leben, im Besonderen, und das von Otto von Bismarck, Lily Baermann, Amelie Ferrand, Moritz von Briest und sämtlichen Königen, Prinzen, Ingenieuren, Chefs, Arbeiters und leider auch Widersachers (a la Pierre Carrier etc…) begreifen und mitverfolgen. Der Autor bietet eine Fülle an interessanten und wichtigen Personen und lässt seine Charaktere wunderbar wachsen und entwickeln. WOW. Sehr detailliert und unglaublich genau.

    Richard Dübells Stärke der Akribie und der ausführlichen Schilderungen könnten auch sogleich eine Schwäche darstellen, denn das Buch fordert den Leser sehr. Es ist enorm geballt, anspruchsvoll und benötigt viel Muße und Zeit beim Lesen, obwohl es eine sehr einfache Sprache besitzt und einen angenehmen Satzbau und Ausdruck zeigt. Herzlich willkommen waren mir die Dialekte, vor allem wenn Bronikowski wieder sein Berlinerisch zum Besten gibt. Herrlich! Aber auch auf der französischen Seite finden wir einladende Redewendungen und leise Flüche. Perfektes Schauspiel in Wort und Laut.

    Ganz besonders wertschätzen und loben möchte ich dem Autor in seinem Stil auch, wie gewissenhaft und charakterbezogen er seine Dialoge anführt. Bei so vielen wichtigen Personen, denen wir hier begegnen, ist das ein sehr hilfreicher Schachzug diese sorgfältige Sprachbeobachtung auch den Charakteren zuzusprechen. So flucht der katholische und aus München stammende Paul Baermann wann immer es geht sein klischeehaften „Krutzifix“, Alvin von Briest macht mit seinem Ausspruch „Grundgütiger“ seinen Gefühlen Luft. Eine charmante Idee ist es vom Autor Dübell, den Sohn Moritz von Briest (der bei Paul und Alvin aufwuchs) gleich beide Ausflüche beherrscht und anwenden. Jaja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm… Aber auch der Bundeskanzler Otto von Bismarck mit seinem direkten und spitzfindigen Ton lässt seine obligatorischen Sprechpausen mit seinem typischen „… hmmm…“.

    Hier will einfach in jeder Hinsicht jedes Wort einzeln aufgesogen werden. Hinzu kommen die Vielfalt an Kulissen und Kulturen, an Politik, Militär, Kriegsregiment, Revolution, Moral, Ethik, Kalkül, Korruption, Egoismus, Kapitalismus und Macht, sowie reelle und faktische historische Begebenheiten, sowie wichtige historische Personen. Das Buch, so muss ich zugestehen, zieht sich an gewissen Stellen, ehe es wieder rasant an Fahrt und Schnelligkeit gewinnt. Ein Wechselbad aus familiärer Ruhe, Rückblicken, Liebschaften, Atmosphäre und als Gegenpol, Kämpfe, Eroberungen, Belagerungen, Mord, Intrigen, Tod und Verderben sowie die Tücken des damaligen Lebens. Hunger, Kälte, Krankheit und fehlende Medizin, Ausbeute, Aufbegehren, Aufruhr und Klassengesellschaft, sowie Rassismus und Neid, Raub und Schmach. …

    Dieses Buch, samt schriftstellerisches Geschick bietet so ziemlich alles und noch so viel mehr!!! Die zunächst als zäh oder langatmig empfundene langwierige Ausführung und Detailtreue, verwandelt sich jedoch aufgrund der Fülle an Poesie und wachsender Wichtigkeit für spätere Ereignisse und das Abtauchen in eine andere Ära und der sagenhaften Atmosphäre, in eine Langatmigkeit, die man mit jedem Wort und mit jeder einzelnen Zeile dennoch sehr genießt und später erkennen lässt, dass jedes Wort und jedes beschriebene Detail doch von enormer Bedeutung war und sich wieder einmal ein Kreis schließt und Fäden verwoben werden. Eine großartige schriftstellerische Leistung. … Ein wirklich seltenes und großes Talent für einen Roman von historischer Bedeutsamkeit, Hintergrund, Authentizität und der schriftstellerischen Freiheit des Autors zum Unterhaltungswert.

    Richard Dübell formt wunderbare Dialoge der Sympathie, der Gesellschaft, der Liebe, Zärtlichkeit, Anmut und des Hasses, des Zorns und der Verzweiflung. Wir begegnen königlichen Charakteren von Hofe, sturen Köpfen, Landbesitzern, Arbeitern, Ingenieuren, Technikern, Bürokraten, Anwälten, Widersachern, patriotischen Helden, gnadenlosen Herrschern und humorvollen Bauern und Junker, Handwerker, Gesindel, Dienstherren, Zeitungsmenschen, Helfern, Adel und Nichtadel, Bahn- und Schmiedeleuten. Schon in den ersten Seiten schafft Richard Dübell eine Umgebung, die lebendiger und detailreicher erscheint, als jeder Film und der man sich nicht mehr entziehen möchte. Er erzeugt lese-Kino der Extraklasse. Wir erleben hier Wirtschaft, Wandel, Regiment und Gesellschaft Paris, Österreich, München, Berlin, England, Preußen und seinen Schienennetzen die entstehen.

    Kann man diesen historischen Roman als üblichen historischen Roman bezeichnen? Ich denke eher nicht, denn dieses Buch (vermutlich auch die Nachfolgerbände) ist schon etwas sehr besonderes und außergewöhnliches. Der Autor Richard Dübell paart neben Historie und wahren Fakten jede Menge Atmosphäre, Kulisse, Spannung, Kampf, Sachkenntnis, Hintergrundwissen, Herrschaft, Hierarchie, Militär und jede Menge dezenter Romantik und persönlichen Zwiespalt ob eines großen Geheimnisses… . In diesem Buch findet fast jeder Genreleser sein Leseglück! Nüchtern, sachlich, überzeugt und kernig, mit vielen Details und nötiger Tiefe und Verbundenheit zur Epoche, zur Ära, zur Eisenbahn, zu den Herrschaften des 19. Jahrhunderts, zu den Besitztümern und Kriegen und zu Alvin, Paul und Louise…

    Der Autor R. Dübell ist ein Meister seines Fachs, er schreibt unheimlich nah, erweckt lebhafte Bilder, konzentriert sich aufs Detail, formt wunderbare Dialoge und spielt mit der Phantasie der Leser. R. Dübell trifft den Nerv der Zeit. Mit seinem Auftakt zur Jahrhundert Reihe „Jahrhundert Sturm“ und seinem fast offenen Ende schafft er einen gelungenen Start für seine weiteren Bände und eine ganze Romanreihe. Mich hat er überzeugt und als Leserin gewonnen. Mehr noch, ich zolle meinen ganzen Respekt und erkenne sein Talent absolut an.

    Charaktere:
    Die Auswahl der Charaktere, bzw. der Hauptprotagonisten sollte das Herzstück des Romans sein. Und dieser Wunsch, dieses Ziel, ist dem Autor in der Umsetzung sehr gut, ja sogar besonders gut gelungen. Die Familie von Briest und alle weiteren Akteure lässt man nach dem Lesen nicht mehr so schnell los. Es ist zwar schnell klar, dass Alvin und Paul, sowie auch Louise lange überleben werden, da sie ja den Mittelpunkt des Romans stellen, doch es gab unzählige Stellen im Buch wo ich wirklich nicht mehr Atmen konnte, bis ich Paul Baermann, Louise und auch Alvin von Briest erstmal wieder in sichereren Gefilden zu wissen glaubte. Die Geschwister Paul und Lily Baermann, die Geschwister Levin und Alvin von Briest, Otto von Bismarck, Louise und Mutter Amelie Ferrand, Widerling Pierre Carrier, die Brüder und Eisenbahner Flachat, Johanna von Bismarck, Bronikowski, Gerhard von Cramm, Zylinder-Bertrand, Moritz mit seiner Liebe Antonie und Baby OPAL (Otto-Paul-Alvin-Ludwig), Julie von Möllenhoff, Kaiser Napoleon, Kaiser Friedrich III (zuvor Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen) Hedwig von Briest, Borsig, Maffei, … und viele viele mehr. Sogar der Fabrikant Alfred Nobel bekommt seinen großen Auftritt und eine bemessene Schlüsselrolle. Wow.

    Es ist selten, dass in einem Roman die Kulissen und Schauplätze, die Handlung, der Stil und sogar die Charaktere und Protagonisten gleichermaßen beeindrucken und polarisieren. Erfolgsautor Richard Dübell hat einen Pool aus Figuren erschaffen, die mit viel Sympathie bewegen, aber auch mit Antipathie und Abscheu sowie Hass aufwarten können. Einige Protagonisten nehmen im Laufe der Handlung einen ganz neuen Part ein und werden den Leser überraschen. Andere lassen schon sehr früh und auf unterschiedlicher Weise ihr Leben (hier setzt der Autor den Verunglückten eines ersten deutschen Bahnunglücks zu Gütersloh in Westfalen ein Denkmal: Der Heizer Majowski und Lokführer Klein sind unter den gezählten Opfern. Sie nehmen im Roman zwar eine kleine, aber bedeutende Rolle ein). Wieder andere würde man sich früh eher tot als lebendig wünschen, diese überdauern aber bekanntlich wie Unkraut. Immer neue Konstellationen und Verbindungen ergeben sich, Wege kreuzen sich und Zusammenhänge werden sichtbar.

    Eine alte Schuld, ein tiefer Groll, Neid, Rache, eine Lebenslüge, ein gehegter Traum und eigene Ziele und Ambitionen. Jeden Charakter treibt und spornt etwas anderes an. Dübell skizziert diese Beweggründe ausgezeichnet und bringt diese in Einklang mit allen möglichen Facetten und Wendungen. Ganz besonders Lily Baermann hat mich mehr als einmal überrascht. Diese Frau, die Schwester Paul Baermanns, sollte man wirklich nicht unterschätzen und sie sich nicht zur Feindin machen…

    Alvin von Briest: Ein gebrochener Mann in seinen späteren Jahren. Zuvor erleben wir den blutjungen und überzeugten Junker, der sein Gut und seine Familientradition liebt und unter der Fuchtel seiner ungerechten Eltern ein Nachsehen hat, was ihn nach dem Tod der Eltern sein Erbe kostet. Dieses ganze Familienerbe geht an seinen Bruder Levin, der alles andere als Tradition und Sitte verfolgt. Levin und seine Frau Hedwig haben andere Ziele. Alvin muss sich nun von ganz unten eine neue Existenz schaffen. Er trifft auf Otto von Bismarck, der ihn zum Militär rät. Alvins Verstand für Patriotismus und seine Liebe zu Preußen verschaffen ihn allmählich einen Aufstieg. Seine Liebe zu der Französin Louise Ferrand soll sein Glück besiegeln. Alvin muss sich mehr als einmal zwischen seinem Patriotismus, seinem Ehrgefühl, seinem Gut und der Liebe zu Louise, sowie der Männerfreundschaft zu Paul entscheiden. Entscheidungen, die sein Leben prägen und ausmachen werden… Und auch die Fortpflanzungsträgheit der von Briests zeigt sich bei Alvin überraschend fern. Nachwuchs stellt sich ein und Moritz wird neuer Mittelpunkt der Eheleute Louise und Alvin von Briest…

    Paul Baermann: Anders wie Alvin, stand Paul Baermann immer in der Gunst seiner Eltern. Paul war schon früh vom Einzug der Lok und der Schienen begeistert. Für ihn zählt nur eines: Die Eisenbahn, die Freiheit und der Traum vom Reisen. Dieses Ziel verfolgt er und das aufgenommene Darlehen seiner Eltern öffnet ihn eine kleine Tür seinen Traum zu erfüllen. Ein böses Ungeschick bringt eine Verkettung unglaublicher Schwierigkeiten und Ereignisse mit sich, die nicht nur Lily Hass schüren, sondern auch seine Träume und sein Leben in Gefahr bringen… Paul knappst immer am Existenzminimum, er hat kein Land, kein Besitz und nur seinen unerfüllten Traum der Eisenbahn. Er verliebt sich in Louise, die Frau seines besten Freundes in wessen Gunst er steht. Nicht nur einmal ist Paul Alvin zu großen Dank verpflichtet und in seiner Schuld, die Alvin jedoch niemals einfordern würde… Paul ist ein sehr gutmütiger und loyaler Mann, er steckt zurück, um Alvins und Louises Ehe nicht zu gefährden, doch eine ganz besondere Verbindung zur Familie von Briest lässt ihn nach und nach Verrückt werden….

    Louise Ferrand: Später Frau von Briest. Die französische Frau eines preußischen Junkers und Militärs. Louise kommt aus einfachen Verhältnissen und hat in ihren blutjungen Jahren schon schlimmes erlebt. Vergewaltigung, Missbrauch, Prostitution, Hunger, Obdachlosigkeit und Gewalt. Sie hat Alvin und auch Paul ihr Leben und ihre Zukunft zu verdanken. In Frankreich wird sie vom Widerling Pierre Carrier verfolgt und er würde sie töten, sobald er sie fassen wird… Alvin holt sie zu sich nach Berlin, in Deutschland beginnt sie ein neues Leben und wird selbst Mutter. Doch sie wird immer die Französin bleiben. Geduldet. Louise liebt jedoch nicht nur Alvin, ihr Herz gehört ebenso Paul. Eine ehrliche Liebe zu zwei unterschiedlichen Männern mit unterschiedlichen Träumen und Stand. Louise hat ein Geheimnis… Irgendwann muss sie sich entscheiden und die Wahrheit sagen…

    Meinung:
    Dieses Buch habe ich so lang beobachtet und all die immer wieder auftauchenden Lobeshymnen und begeisterten Rezensionen haben mich dann doch zu diesem Buch geführt. Ich musste es einfach selbst lesen. Obwohl es bereits Anfang 2015 erschienen ist, scheinen die Verkaufszahlen nicht abzunehmen. Der Bestsellerautor Richard Dübell hat mit „Der Jahrhundert Sturm“ bei mir mit seinem begeisternden Werk eine Achterbahn ans Laufen gebracht und einen wahren Sturm an Emotionen und Euphorie geboten. Dieses Buch war in aller Munde, ich liebe dicke Bücher sowieso und fühlte mich gleich zu diesem historischen Roman hingezogen. Auf mehr als 1050 Seiten erleben wir dann sensationelle Kulissen, Landschaften, Gesellschaftsformen und eine langsam erwachende Liebe und blutige Kämpfe, sowie technischen und wirtschaftlichen Fortschritt und Möglichkeiten. Ständig wankte ich zwischen Unmut über auftauchende Längen im Plot, doch wenn ich dann ehrlich zu mir selbst war, so wollte ich eigentlich auf kein einziges geschriebenes Wort aus dem Roman verzichten. Diese Schwäche ist auch gleich eine besondere Stärke, die ich so nur ganz selten beim Lesen empfunden habe. Ich bin froh und sogar richtig stolz, dass ich dem Buch die absolute Lesertreue erwiesen habe, und mich von der Seitenzahl und einigen Längen habe keinesfalls abschrecken lassen. Nun habe ich den zweiten Teil dieses Epos „Der Jahrhundert Traum“ schon liegen, muss aber zugeben, dass ich zunächst eine Pause benötige und mich freue, meine Aufmerksamkeit wieder einem anderen Buch zu schenken.

    Dieser Roman gliedert sich in vier Teile, die je ein einzelnes Buch darstellen sollen. Ich habe mit großer Verzückung die liebevolle und detailverliebte Verzierung der Buchseiten erblickt, die je eins der vier Bücher einläuten. Dieses Epos des 19. Jh, dieses Buch, erfüllt seinen Leser mit Stolz und historischem Wissen. Fremde und historische Begriffe, sowie Fremdworte und Metaphern werden schon im Text erklärt, was ich sehr lobenswert finde und bieten keinerlei Schwierigkeit. So ist kaum ein zusätzliches Nachschlagen, recherchieren oder Schlaumachen nötig. Das Buch erschließt sich von ganz allein. Dann, dieses grandiose und unbeschreibliche Panorama aus Gutshäusern, Familienbesitz, Landadel, Landschaft, Moderne und Vision, das mich vollends begeistert hat. Mit seiner Buchidee, mit seiner Story, mit den sagenhaften bildhaften Schreibstil, mit den detaillierten Kulissen, Epochen, Jahrzehnten des Umschwungs, der Revolution, des Krieges und den vielen historischen und wirtschaftlichen und politisch-militärischen Hintergründen hat mich der Autor R. Dübell sehr beeindruckt und begeistert. Sein Buch hat mich glücklich gemacht! Dieser sympathische und passionierte Autor Richard Dübell sticht heraus, hat definitiv einzigartigen Wiedererkennungswert und mich als Leserin gewonnen. Sein Epilog, das Nachwort, der Anhang, sowie eine Karte der Länder und Königreiche am Ende des Romans und in der Klappe fand ich sehr aufschlussreich und genau das zeugt von Herzblut und Verbundenheit des Autors zu seinem Buch „Der Jahrhundert Sturm“ als sein Auftakt zu einem fulminanten Roman-Epos.


    Besondere Stärken:
    - unverwechselbare und traumhaft lebendige Kulissen und Schauplätze! Sagenhaft, ich bin begeistert! Ein wahres Bildpanorama des 19. Jahrhunderts.
    - interessantes Spezialwissen im Bereich der Eisenbahntechnik, der Landgüter, der Bewegungen, Herrschaft und Krone, Erbfolge, samt Historie, ein nie enden wollender Krieg mit Fakten, Kampf, Macht, Eroberung, alten Rechnungen, technischen Errungenschaften, neuen Möglichkeiten und Dimensionen…
    - Die zähen Längen sind sogleich auch die Stärken, da jedes Wort voller Bedacht und Herzblut gewählt wurde
    - charakterisierte Dialoge, wunderbarer Charme, grandiose Charaktere aus einer Mischung aus Helfern und üblen Widersachern. Ich liebe den Berliner Dialekt von Bronikowski und Co. Aber auch Pauls typisches Kruzifix, Alvins Grundgütiger und Moritz Wortschatz aus beiden Flüchen. Herrlich und sehr charakterbezogen. Aber auch Bismarck mit seinem lahmen ….hmmm… in seinen Reden. Ganz ganz klasse gemacht.
    - angebrachte Zitate, Floskeln, Anekdoten, Wortwitz, knallende Hacken, Salutierende gestandene Männer, Fettnäpfchen und Ruheoasen, Festlichkeiten, Gala und Rat, Gemütlichkeit und Poesie
    - langer Lesespaß auf knapp 1060 Seiten und 30 Jahren im Leben von Visionär Paul Baermann, Junker Alvin von Briest und der Freiheitskämpferin Louise Ferrand. Mit Begegnungen weitere historischer Personen und Größen. Bahnbrechend im wahrsten Sinne des Wortes.
    - eine Fortsetzung ist schon im Handel!!!!! Juchuuuuu!

    Lieblingsstellen / Lieblingszitate:
    Da gab es unheimlich viele. Einige davon haben auch meine persönliche Zitatensammlung sehr bereichert…

    • "Einmal die Hand auf die Flanken dieser legendären Lokomotive gelegt zu haben! Einmal den perfekten Schwung ihrer Ränder unter dem Finger nachzufahren! Einmal über die Nieten und Schrauben zu streichen und zu fühlen, wie Kraft, Enfindergeist und Ingenieursgeschick sich in dieser Maschine vereinten und etwas ganz Neues geschafft hatten." (Seite 54, Der Adler)
    • „„Wissen Sie, was das größte Abenteuer unserer Zeit ist?“, fragte Stéphane. „Nein? Den Menschen die Freiheit zu geben, ihren Horizont zu erweitern.““ (Seite 112)
    • „Aber wahrscheinlich musste man sich als Journalist und Zeitungsverleger so verhalten. Es ging nicht um den eigenen Standpunkt, sondern darum, mit allen Mitteln darzulegen, dass die anderen den falschen Standpunkt hatten.“ (Seite 151)
    • „Denn kuckense man zu, Herr Hauptmann, de tick in der Nähe bin, um Ihnen uff de Griffel zu pusten.“ (Seite 190, original Feldwebel Bronikowski)
    • „Dafür hatte Gott den Menschen Mitgefühl und eine Seele gegeben - damit sie sich der schwächeren unter ihren Mitmenschen annahmen und diese gegen Unterdrückung verteidigten." (Seite 201)
    • „… Er verstand ohnehin nicht so recht, warum der Körper einer Frau ein so dermaßen mächtiges Instrument war, dass man damit Gefälligkeit erkaufen konnte.“ (Seite 273, Ansichten des Pierre Carrier)
    • „… Mehr Menschen werden die Bahn nutzen! Und sie werden nicht an den Grenzen ihrer Länder haltmachen wollen. Sie werden weiterreisen wollen. Sie werden die Bewohner der anderen Fürstentümer kennenlernen, weil sie in ihren Gasthäusern essen, in ihren Herbergen übernachten, ihre Dienste in Anspruch nehmen – sie werden feststellen, dass ihnen diese Menschen näher sind, als sie dachten. Sie werden Bekanntschaften und Freundschaften schließen. Und diese grenzüberschreitenden Bekanntschaften und Freundschaften werden Kriege verhindern, weil man nicht auf seine Bekannten und Freunde schießen möchte.“ (Seite 346, die mitreißende Rede Borsigs an Paul)
    • „„Da einzige was Blut im Rinnstein tut, ist stinken“, sagte er. „Dass der Tod etwas adelt, finden nur die, die überlebt haben.““ (Seite 449)
    • „Und der Marschschritt hörte nicht auf, denn weitere Kompanien kamen auf den Platz und bezogen Posten. Es war ein Uhrwerk bedrohlicher Präzision, das, wenn es erst einmal aufgezogen war, nur darauf wartete, den Tod auszuteilen.“ (Seite 517)
    • „Pierres Finger flatterten über den Griff des Messers, der unten aus seinem Kinn herausragte. Die Klinge steckte in seinem Gaumen und musste seine Zunge dort festgenagelt haben. Er taumelte zurück. Er gab dumpfe Geräusche von sich. Sie hörten sich an wie das Muhen eines Kalbs. Blut rann aus seinen Mundwinkeln. Er setze sich hart auf den Boden. Seine Augen waren groß und schimmerten weiß.“ (Seite 544)
    • „Die Briefe hatten sie einander noch näher gebracht und gleichzeitig weiter entfernt, weil sie ihnen bewusst machten, wie unmöglich ihre Liebe war.“ (Seite 637)
    • „Das war er, Alvin von Briest! Immer der zweite Gewinner in einem Rennen, in dem es nur Sieg oder Niederlage gab.“ (Seite 653)
    • „Die Sonne brachte den Schnee zum Funkeln und verwandelte das Seewasser, wo es nicht gefroren war, in einem indigoblauen perfekten Spiegel voller Lichtreflexe. Es war so schön, dass man nur sehen und staunen wollte.“ (Seite 673)
    • „Zu schade, dass er ihn bei dem Duell nicht getötet hatte. Die Reue, einen Menschen auf dem Gewissen zu haben, konnte nicht schlimmer sein als diese offene Wunde in seinem Herzen über den Verlust seiner Heimat.“ (Seite 792)
    • „Weil du ein Soldat und Junker Preußens bist. Für dich gibt es jetzt nur die Pflicht.“ (Seite 954)
    • „Nous avons tout perdu“ (Seite 964)
    • „Wir sitzen in einem Nachttopf, und wir werden darin zugeschissen werden.“ (Seite 967)
    • „Typisch Preuße. Kommt mit einem Messer zu einer Schießerei.“ (Seite 1014)


    Der Autor:
    "Richard Dübell, geboren 1962, lebt in Landshut. Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerliste. Inzwischen ist er aber auch als Krimi-Autor bekannt."
    Über R. Dübell gibt es viel zu schreiben, er hat eine interessante Vita und eine begnadete Leidenschaft zum Schreiben. Es lohnt sich, seine Homepage zu besuchen und zu entdecken, wie sich der Autor dort selbst seinen neugierigen Lesern vorstellt! …

    Cover / Buch:
    Das Cover ist wunderschön und passt zum Inhalt. Der Dampf, die Lok, der Himmel und die Gleise… Der Traum vom Fortschritt und vom Reisen. Die Freiheit der Leute… Schwarzer Stahl, heiße Kohlen, rußiger Dampf. Die gesamte Farbgebung und der Schriftzug des Titels harmonieren perfekt. Die Verarbeitung ist hochwertig und das Buch liegt trotz seiner über 1050 Seiten angenehm in der Hand und sieht nach dem Lesen noch wie fast neu aus. Besonderes Bonusmaterial im Anhang!

    Fazit:
    Dieser Roman hat mich trotz einiger Längen absolut glücklich gemacht und bekommt eine verdiente 5 Sterne +++ Leseempfehlung mit Genussgarantie. Ich bin unheimlich stolz dieses Buch mit jeder Faser erlebt und genossen zu haben. Trotzdem freue ich mich jetzt umso mehr nach so vielen Tagen Lesens in diesem Werk, mich einem neuen und anderen Buch widmen zu können.

    Gerne hier meine persönliche Lesechronik zum Miterleben:
    https://www.lovelybooks.de/bibliothek/Floh/lesestatus/1417057585/

    Kommentare: 9
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    SiColliers avatar
    SiColliervor 2 Jahren
    Der Wind der Veränderung

    Wir werden eher erleben, daß ein Telegramm einen Krieg auslöst als einen beendet, das versichere ich Ihnen. (Seite 709)

    Meine Meinung

    Einen langen Zeitraum umfaßt dieses Buch und das Gefühl, es seien seit Handlungsbeginn viele Jahre verflossen, stellte sich mehr und mehr ein, womit angedeutet ist, daß Form und Inhalt sich durchaus entsprechen. Wenn man zudem bedenkt, was in der Zeit zwischen Anfang und Ende (zwischen ca. 1840 und 1871) des Buches alles geschehen ist, wird einem klar, daß der Autor in der Tat (wie er im Nachwort schreibt) vieles weglassen mußte - und der Roman dennoch rund tausend Seiten umfaßt. Trotz des langen Zeitraumes und mancher Zeitsprünge empfand ich das Buch wie aus einem Guß, nie schien es mir, als ob etwas fehlen würde.

    Der Autor versteht es hervorragend eine Welt im Umbruch lebendig werden zu lassen, indem er seine Figuren an die Brennpunkte schickt, an denen - wie wir heute wissen - sich entscheidende Momente der Geschichte befinden. Das ist ziemlich zu Beginn die Begegnung mit dem „Adler“ - der ersten Lokomotive in Deutschland. Zu dem Zeitpunkt ist sie etwa fünf Jahre alt und Entwicklung wie Verbreitung der Eisenbahn stehen noch ganz am Anfang. Welch ein Unterschied zum Ende des Buches, als es bereits ein weitverzweigtes Eisenbahnnetz gab!

    Das Buch ist gut lesbar geschrieben, die Balance zwischen Beschreibung und Handlung empfand ich als sehr ausgewogen und genau richtig. Figuren wie Orte konnte ich mir gut vorstellen, durch den flüssigen Stil war ich nach einer Lesepause immer schnell in der Geschichte drin, ohne daß ich lange überlegen mußte, was denn bisher geschehen ist.

    Als „alter Eisenbahnnarr“ hat mich natürlich deren „Separatgeschichte“ innerhalb des Buches besonders interessiert. Auch in dieser Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht, läßt der Autor doch quasi nebenbei die Umstände des Eisenbahnbaus mit in die Geschichte einfließen. Soll heute eine Bahnstrecke neu gebaut werden, so ist das ein Unterfangen von vielen Jahren, bis alleine die Planung so weit abgeschlossen ist, daß mit dem Bau begonnen werden kann. Denn kaum tauchen Gerüchte über eine Neubaustrecke auf, formiert sich auch schon Widerstand dagegen. Wäre das damals bereits so gewesen, die Eisenbahn wäre vermutlich schon in ihren ersten Jahren mit Pauken und Trompeten gescheitert und zur Randnotiz der Geschichte geworden. So aber wurden ohne viel Federlesens die Strecken geplant und gebaut, eine „Bürgerbeteiligung“ gab es nicht. Es versteht sich, daß es dabei auch zu eher unschönen Szenen und Entwicklungen kam.

    Immer wieder ein Thema ist auch die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ und die gegenseitigen Animositäten. Wenn ich die im Buch geschilderten gegenseitigen Vorurteile mit den heutigen gegenüber Ausländern vergleiche, so hat sich eigentlich in den letzten einhundertfünfzig nicht viel verändert.

    Ein Handlungsstrang, der mir nicht so zusagte und den ich am Ende denn doch als zu lang empfand, war der um Pauls Schwester Lily. Diese fühlt sich von ihm um ihr Erbe und um Anerkennung betrogen und trachtet ihm darob das ganze Buch hindurch nach dem Leben. Das, in Verbindung mit einer weiteren Motivation, die ich hier nicht spoilern möchte, brachte zwar ein Element der Spannung und des Abenteuers mit in das Buch, aber letztlich war mir das, vor allem gegen Ende hin, doch zu viel. Da hätte ich mir gewünscht, daß dieser Handlungsstrang deutlich früher zu einem Ende geführt worden wäre.

    Etwas irritierend scheint mir auch die Selbstverständlichkeit des Dreiecksverhältnisses zwischen Alvin, Louise und Paul, vor allem auch im Hinblick darauf, daß Alvin preußischer Offizier war. Ob da nicht eher die Einstellung des 21. denn die des 19. Jahrhunderts durchkommt?

    Besonders gelungen fand ich, daß Otto Fürst von Bismarck immer wieder auftauchte. Alvin lernte ihn in der Jugend kennen, wodurch sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte. Dabei kommt Bismarck, was seinen Charakter betrifft, nicht immer gut weg. Dennoch (ob der Autor wohl solches im Sinne hatte?) wurde er mir im Verlauf des Buches immer sympathischer und mein Respekt vor seiner Leistung wuchs. Momentan lese ich ein Buch über Bismarck und muß manchmal lächeln, wie gut Dübell so manches Ereignis in seinen Roman mit verwoben hat. Nur beim geschilderten Verhältnis zu seiner Frau Johanna bin ich mir nicht so sicher, ob das bzw. Frau von Bismarck selbst im Roman zutreffend dargestellt wurden. Die Schilderung von Gabriele Hoffmann in „Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer“ des Verhältnisses der beiden zueinander scheint mir doch eine andere zu sein. Für den Roman ist das allerdings eher weniger wichtig.

    Alles in allem bereitete mir das Buch viele, bisweilen vergnügliche, streckenweise lehrhafte, immer aber unterhaltsame Stunden. Ich habe die Figuren gerne durch die Jahrzehnte begleitet und dabei auch so manches über das Vorbild meines Hobbys - die Eisenbahn - erfahren. Ein, bis auf die genannten Kritikpunkte, rundum gelungenes Buch, das ich vermutlich irgendwann wieder lesen werde.


    Mein Fazit


    Ein herausragendes Leseerlebnis, das mir „mein“ Jahrhundert, das Neunzehnte, in fast nicht gekannter Weise zum Leben erweckte, Zusammenhänge offenbarte, die mir bisher verborgen geblieben waren und mich (wieder) angeregt hat, mich mehr mit dieser Zeit und vor allem Otto Fürst von Bismarck zu beschäftigen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Richard_Duebells avatar
    Welttag des Buchs: Autoren schenken Lesefreude

    1840: Der Jahrhundertsturm beginnt ...
    Deutschland im Umbruch. Eine Generation zwischen Technik und Tradition. Drei junge Menschen, die in einem Jahrhundert voller Gegensätze ihren Weg finden müssen: Alvin von Briest versucht, seiner Rolle als preußischer Junker gerecht zu werden. Sein Freund Paul Baermann lebt für den Fortschritt.
    Beide lieben dieselbe Frau: Louise Ferrand, die für Gerechtigkeit und Frieden kämpft. Aber in der Liebe gibt es keine Gerechtigkeit. Und Frieden ist ein rares Gut, wenn man als Französin in Preußen lebt …
    ... in dem ein ebenso widersprüchlicher wie charismatischer Diplomat immer mehr Macht ansammelt: Otto von Bismarck, ein Mann mit einem großen Ziel und geringen Skrupeln, auf dessen Freundschaft zu bauen ein gefährliches Spiel ist.

    Eine Leseprobe gibt's hier bei Ullstein!


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    Die Verlosung läuft vom 23.04.15 - 23.05.15. Um teilzunehmen, postet bitte hier eure Antwort auf die Frage:

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    Die Gewinner werden ausgelost und von mir persönlich benachrichtigt.


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    Letzter Beitrag von  Slaterinvor 3 Jahren
    Schade auch keine Pinmail gehabt
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