Richard Dübell

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Interview mit Richard Dübell

Interview mit LovelyBooks, Mai 2011

1) Wie lange schreibst Du schon und wie und wann kam es zur Veröffentlichung Deines ersten Buches?

Wenn ich zurückdenke, habe ich das Gefühl, dass die Lust am Geschichtenerzählen immer schon da war. Tatsächlich bin ich zum Bücherschreiben über die allerersten Schulaufsätze gekommen. Man konnte mir keine größere Freude machen als mit einem Aufsatzthema wie „Mein größtes Sommerferienabenteuer“. Natürlich nahmen diese Schilderungen schon damals romanhafte Züge an, besonders was die Heldentaten des Protagonisten angeht. In meinen Teenagerjahren gingen meine schreiberischen Anstrengungen in eine intensive Mitarbeit im Science Fiction-Fandom über. Ich schrieb Kurzgeschichten, arbeitete als Lektor, Grafiker und Redakteur für diverse Fan-Magazine, die mit Auflagen von 30 Stück und mehr den Buchmarkt zu erobern suchten. Als ich nach Abschluss meiner Lehrzeit eine berufliche Karriere entwickelte, vergaß ich jedoch das Schreiben für etliche Jahre. Mitte der Neunziger aber fand die Muse mich wieder und impfte mir die Idee ein, doch mal ein besonderes Projekt zu starten: den Versuch, innerhalb eines Jahres in meiner Freizeit einen Roman zu schreiben. Von der Science Fiction hatte ich mich damals wegentwickelt, aber die Bestsellertische in den Buchläden mit all den schönen historischen Romanen darauf inspirierten mich. Daraus entstand schließlich die Idee für den Roman DER TUCHHÄNDLER, der am Anfang noch DER LANGE SCHATTEN DER NIEDERTRACHT hieß, dann aber glücklicherweise seinen viel griffigeren Titel erhielt und im Umfeld der teuersten Hochzeitsfeier des Mittelalters spielt, der Landshuter Fürstenhochzeit im Jahr 1475. Der Einfall dazu kam allerdings nicht von ungefähr. Ich bin in Landshut geboren und seit jeher begeistert von den Festspielen, Tanzaufführungen, Konzerten und Ritterturnieren, die alle vier Jahr zur Feier dieses historischen Ereignisses meine Heimatstadt für ein paar Wochen in ein mittelalterliches Festlager verwandeln. Dieses Projekt bot ich nach einigen Absagen den nymphenburger Verlag in München an, wo die Lektorin sich sofort für meinen Vorschlag erwärmte, einen historischen Krimi über die Landshuter Hochzeit zu schreiben. Sie hatte die Aufführungen selbst schon miterlebt und war total begeistert davon gewesen. Ich bekam einen Vertrag angeboten, und ein Jahr später stand DER TUCHHÄNDLER in den Buchhandlungen – und wurde sofort zu einem Riesenerfolg.

2) Welcher Autor inspiriert und beeindruckt Dich selbst?

Ich bin nach wie vor ein großer Bewunderer von Raymond Chandler, dessen Werke (leider ist es eine übersichtliche Anzahl) ich alle Zuhause habe und immer wieder lese. Unter den aktuellen Autoren inspirieren mich Terry Pratchett und T.C. Boyle, und von den Kollegen, die sich im historischen Bereich tummeln, sind mir George MacDonald Fraser, Bernard Cornwell und meine sehr verehrte Lübbe-Kollegin Rebecca Gablé teuer.

3) Woher bekommst Du die Ideen für Deine Bücher?

Zum Teil durch die Recherche für ein vorhergehendes Projekt, bei dem man auf ein interessantes historisches Ereignis stößt oder von anderen darauf aufmerksam gemacht wird; zum Teil durch aktuelle Geschehnisse, die man aufarbeiten möchte und zur großen Freude dann eine Entsprechung in einer früheren Epoche findet; zum Teil durch intensives Nachdenken, wie sich ein bestimmtes Thema mit einer Epoche, historischen Gegebenheiten, den passenden Örtlichkeiten und interessanten Charakteren verbinden lässt. Für mich muss das alles immer eine stimmige Einheit bilden. „Historische“ Romane, die ein beliebiges Thema nur deshalb ins Mittelalter verlegen, weil das Mittelalter gerade in ist, halte ich für hingeschludert und für Betrug an den Lesern, die ja speziell beim historischen Roman wissbegierig und willens sind, den Autor in eine ferne Zeit zu begleiten.

4) Wie hältst Du Kontakt zu Deinen Lesern?

Ich habe eine eigene Homepage mit einem Forum, einen Facebook-Account, und ich tummle mich sehr fleißig in den verschiedenen Internet-Foren und Leserunden – gerade ist eine Leserunde im Lübbe-Forum zu meinem aktuellen Roman DIE PFORTEN DER EWIGKEIT zu Ende gegangen. Am liebsten bin ich aber auf Lesungen, wo ich den direkten Kontakt zu meinen Fans finden kann; da hat sich schon manche Veranstaltung in eine abendfüllende Plauderei verwandelt.

5) Wann und was liest Du selbst?

Wenn wir mal von Fachbüchern absehen wollen, die ich zu Recherchezwecken – aber oft durchaus auch mit Vergnügen! – lese, dann finden sich in meinem Buchregal quer durch den Gemüsegarten alle möglichen Genres. Mit einem guten Detektivroman kann man mich immer locken, sofern sich die Spannung nicht in blutigen Gewaltorgien erschöpft; Fantasy à la Terry Pratchett gefällt mir gut, ebenso Thriller, wobei hier das Gleiche gilt wie für die Detektivromane. Ein paar schöne alte SF-Romane aus den Fünfziger und Sechziger Jahren sind Juwelen in meinem Buchregal. Ich greife aber auch gerne zu Klassikern – Jane Austen fasziniert mich, Shakespeare ist oft göttlich, und den zynischen Humor mancher Goethe’scher Alterswerke genieße ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Es gibt keine bestimmte Uhrzeit für meine Lektüre, wenngleich man als Familienvater mit zwei Berufen (ich bin nebenher als Projekt Coach in der freien Wirtschaft tätig) meistens erst vor dem Einschlafen dazu kommt. Im Urlaub kann ich aber auch mal einen halben Tag mit einem Buch auf dem Liegestuhl wegtreten – bis mir meine Jungs einen Ball draufschießen und mich auffordern, endlich mal mit ihnen zu spielen …

6) Wie hat es sich angefühlt, als du dein erstes eigenes Buch in deinen Händen hieltest?

Da war ich gefühlsmäßig auf dem Gipfel des Mount Everest – und hatte vor dem Runterkommen die gleichen Manschetten wie ein Bergsteiger. Es war tatsächlich nicht nur reiner Triumph, sondern auch nicht wenig Bammel dabei. Als Autor hangelt man sich ja von einer Panik zur nächsten. Bekomme ich einen Vertrag? Kriege ich die Geschichte rechtzeitig fertiggeschrieben? Will sie dann überhaupt jemand lesen? Und werden meine Leser das nächste Buch auch wieder mögen? Aber davon abgesehen ist es schon ein ganz besonderes Gefühl, wenn man die Kiste mit dem Verlags-Absender vom DHL-Boten in die Hände gedrückt bekommt und sie öffnet und das erste Belegexemplar des Buches herausnimmt, das man SELBER GESCHRIEBEN hat!!

7) Was war eines der überraschendsten Dinge die Du beim Schreiben gelernt hast?

Wie kollegial und offen die Zusammenarbeit mit den Verlagsmitarbeitern ist und wie freundschaftlich oft auch die Beziehungen der Autoren untereinander. Als Vertragsautor von Bastei Lübbe fühlt man sich der Familie zugehörig, und wenn man Fragen, Anregungen und Wünsche hat, findet man immer ein offenes Ohr. Und wir Autoren freuen uns immer wieder, wenn wir auf den Messen oder anderen Veranstaltungen aufeinandertreffen; man hilft sich mit Rechercheergebnissen aus, verrät den einen oder anderen Trick oder sendet sich auch ganz einfach nur eine Musikdatei zu, die einen gerade selbst beim Schreiben inspiriert. Ich hatte mir all das – auch aufgrund mancher schauerlicher Berichte von enttäuschten Insidern – viel verschlossener und geheimniskrämerischer vorgestellt und bin sehr froh, dass es sich ganz anders verhält.