Richard Ford Die Lage des Landes

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Inhaltsangabe zu „Die Lage des Landes“ von Richard Ford

Inzwischen ist Frank Bascombe 55 Jahre alt – er freut sich, mit schöner Strandvilla und zweiter Ehefrau Sally, auf den nächsten, ruhigeren Lebensabschnitt. Bascombe hat eine Menge erreicht, sein Leben ist aufgeräumt und erfüllt. Doch eine Ehekrise und eine Krebsdiagnose bringen alles ins Wanken. Wie fest der Boden unter seinen Füßen wirklich ist, muss sich plötzlich bei jedem Schritt neu zeigen. Frank Bascombe, der nette, vernünftige Nachbar, zieht Bilanz. Wie die Dinge liegen in seinem Leben und an der Küste von New Jersey, das beschreibt er mit Detailschärfe und großem Humor. Er denkt nach über Loslassen und Verlust, über die eigene Lebensleistung und Vergänglichkeit – und über die Hoffnung, denn nach allen erdbebenartigen Umwälzungen, die dieser Roman grandios, einfühlsam und mitreißend schildert, hat Frank noch einiges vor sich.

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  • Das Ende einer überwältigenden Trilogie

    Die Lage des Landes
    Duffy

    Duffy

    19. October 2016 um 08:56

    Frank Bascombe begegnet uns im letzten Teil dieser Trilogie als etablierter Immobilienmakler. Von seiner zweiten Frau noch nicht geschieden und emotional alles andere als abgenabelt, ist er als 55jähriger mit einem behandelbaren Prostatakrebs und seinen zwei nicht gerade unkomplizierten Kindern beschäftigt. Auch seine erste Ehefrau und Mutter seiner Kinder taucht wieder auf und immer noch gehört er zu denen, die die Immobilienbranche als Dienstleistung für den Kunden verstehen.Aber das ist nur die Rahmenhandlung, die, wie schon in den beiden Teilen davor, die Geschichte des Menschen Frank erzählt und ihm die Gelegenheit gibt, sein Leben zu reflektieren und zu hinterfragen, um das Beste für sich und vor allem für andere herauszuholen.Es gibt fast keine Worte dafür, wie es Ford gelingt, so viel Klugheit, Inhalt, emotionale Weite und, nennen wir den Bastard beim Namen, Lebensweisheit zu vermitteln. In allen drei "Frank"-Phasen, als 35,45 und hier als 55jähriger findet man unzählige Gedanken und Erlebnisse, die man selbst in diesen Altersstufen durchlaufen hat, dass man fast jeden zweiten Absatz mit der roten Farbe des Erkennens anstreichen möchte. Doch im Gegensatz zum "Nur-Erkennen" denkt Ford all das zu Ende, was man vielleicht selbst als zu kompliziert oder umfassend bezeichnen würde. Er macht das immer im richtigen Tonfall, mal sarkastisch und humorvoll, dann sachlich nachfragend oder melancholisch, gibt auch zu, dass es nicht möglich ist, allem die richtige Wendung zu geben.Mit dem Erreichen des letzten Lebensviertels, der Sorge um die Kinder und dem Umgang mit seiner Krebserkrankung lässt er Frank ein neues Lebensmodell erfinden, die Permanenzphase, in der mit der Vergangenheit abgeschlossen und nur für die Gegenwart gelebt wird. Dass das eine erstrebenswerte Variante ist, um "nächste Schritte" zu machen, beschreibt Ford genauso klug, wie er auch Frank wie selbstverständlich ab und zu in eine Falle laufen lässt, die diese ganze Phase auch in Frage stellen kann.Es gibt in der Literatur der letzten 100 Jahre meines Wissens niemanden, dem es gelungen ist, in drei Werken so viele Fragen des Lebens so undogmatisch angegangen zu sein, wie es dieser Frank getan hat. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen seinem unstreitbaren schriftstellerischen Könnens wäre eine Nobelpreisnominierung für diesen Autor eigentlich schon länger zu erwarten gewesen.Mittlerweile gibt es sogar noch eine Fortsetzung der "Frank"-Reihe, eine Episodensammlung, die den nächsten Abschnitt in Franks Entwicklung erfasst. Auch darauf darf man sich wohl uneingeschränkt freuen.

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  • Rezension zu "Die Lage des Landes" von Richard Ford

    Die Lage des Landes
    SV

    SV

    30. December 2007 um 17:40

    Die ersten 30 Seiten Es sind 681 Seiten, da zögert man schon einen Moment, und ich hatte eh viel zu tun, und gerade ein anderes Buch angefangen - aber ein wenig hineinlesen ... kann man so oder so sehen: gewonnen oder verloren. Verloren, weil alle Pflichten und Aufgaben vergessen. Gewonnen, weil ein grandioses Buch entdeckt! Klar, Ford, eh einer der Weltmeister seit dem "Sportreporter", muss man ja lesen, aber festzustellen, dass dieser neue Roman möglicherweise eines der ganz großen Bücher sein könnte - was eine etwas übermütig-tapfere Aussage ist, nach dreißig gelesenen Seiten. Der Ton einer freundlichen Ironie der herrscht, ist wohl verständlich für einen Mann der Prostatakrebs hat, oder hatte, weiß man noch nicht, die erste Jahresuntersuchung wird erst sein. Ich stelle mir das so vor, nach der ersten Verzweiflung, die groß sein muss, nach dieser Diagnose, findet man vielleicht, im günstigen Fall, diesen leicht ironischen Ton, nichts ist mehr ganz selbstverständlich, aber man will auch nicht ständig dran erinnert werden und ständig dran erinnern. Es ist wie ein Monolog - Frank Bascomb erzählt was er tut, deutlich sichtbar sind die Bilder, wieder erkennen gibts, etwa die labyrinthischen Straßen, Staus, daran erinnere ich mich gut aus dem "Sportreporter", er hätte auf die "Permanezphase" gehofft, als etablierter Makler, neu verheiratet - hat nicht geklappt, auch wenn eine gewisse Abgeklärtheit deutlich spürbar ist. Er lässt sich Zeit, es gibt sehr treffende Charakterisierungen, etwa eine Klammer in der steht: "(ich weiß von ihm, dass er ein bisschen in Camus herumgelesen hat)" das sagt/denkt er auf einer Autofahrt mit seinem Angestellten, mit dem er sich über ein Schild neben der Strasse WILLKOMMEN SELBSTMORDÜBERLEBENDE unterhält. Während er sich über die geglückten Selbstmörder Gedanken macht, die Erfolgreichen, nicht die Verlierer. Die ersten 206 Seiten „Fröhlich ertrug er die Narren“ – hat ein Bekannter von Frank Bascombe sich als Grabspruch gewünscht. Eine Beerdigung die so bizarr und gleichzeitig ruhig geschieht, dass man erst so nach und nach all die Absurdität sieht, die darin steckt. Der Eindruck des labyrinthischen wird stärker, Straßen, Orte, Häuser, zu allem eine kleine Erinnerung. Langsam setzt sich Frank Bascombe zusammen – er tut das selbst, ganz aktiv, spricht auch den Leser an. Jeder weiß, wenn man von sich erzählt, lässt man ein paar Details weg, Frank Bascombe will schon alles erzählen, von jeder Straße und jedem Erlebnis, aber trotzdem ist immer das Gefühl da, es kommt noch unerwartetes, er hält noch zurück – muss ja so sein, es sind noch mehr als 400 Seiten. Die Geschichte mäandert dahin, sehr langsam, man muss aufmerksam lesen, Bascombe weiß, dass er ein klein wenig sonderbar auf seine Mitmenschen, vielleicht die Leser wirkt: „weil ich zu vieles als Möglichkeit gelten lasse.“ Er ist keiner für schnelle Urteile, was viel schwieriger ist, als ein überall geforderter schneller Entscheider zu sein. Selbst seine Mitmenschen beurteil er milde: “Die anderen sind nämlich – wenn man ihre Zahl gering hält – keineswegs immer die Hölle.“ Man wird schon auch heftig mit sich selbst konfrontiert, muss sich Zeit nehmen, ertappt sich bei Selbstbetrachtungen, die Bascombe mit seiner Geschichte auslöst - Der Verdacht wird stärker, jetzt schon, dass man das Buch noch einmal lesen muss, später. Die ersten 466 Seiten „Der Kopf ist ein geschäftiger Ort“ - sagt Frank Bascombe zu seinem Freund Wade, und tatsächlich zwingt der Roman den Leser seinen Kopf geschäftig zu halten. Mir scheint die Distanz zwischen Bascombe und dem Leser ist Absicht, Ford will nicht so tun als könne man tatsächlich hineinschauen in seine Figur, man kommt schon sehr nahe aber man kann nicht sagen, ich verstehe, kenne Bascombe wirklich. Man muss die fehlenden Teilchen mit Eigengedanken und -gefühlen auffüllen - das kann durchaus überraschend sein. Viel ist von Markennamen die Rede, Personen werden immer mit den Markennamen ihrer Kleidung, Autos, Firmen beschrieben, äußerlich und man hofft immer, dass da noch mehr ist. Kleine Geschehnisse, eine kleine, ungeübte Schlägerei, eine Ungeschicklichkeit beim Pinkeln, eine eingeschlagene Autoscheibe, ein neuer Freund der Tochter, das Gespräch mit der ersten Ex-Frau - man bekommt das Gefühl, es wird schwieriger für Frank Bascombe den morgigen Thanksgivingtag zu überstehen. Noch sinds zweihundert Seiten und ich glaube nicht, dass Ford ein dramatische Ende sucht, ich nehme an, er lässt Bascombe und seine Umgebung, realistisch, einfach weiterleben, mit all den kleinen Erschütterungen, Verwerfungen, weitermachen, den Weg durchs Labyrinth, suchen. “… handle nicht so, als müsstest du morgen tatsächlich sterben, sondern so – viel erschreckender -, als könntest du tatsächlich leben.“ 682 Seiten – fertig Schnell wird man nicht fertig mit diesem Roman, mich macht er ein wenig ratlos am Ende. Über das "Annehmen" macht Bascombe sich Gedanken im letzten Teil, und tatsächlich gäbe es eine ganze Menge was er "annehmen" soll, muss eigentlich, denn: was bleibt einem denn sonst übrig? Schreien, toben, dagegenstemmen nutzt nichts, er muss damit leben. Seine Krankheit, seine Ehe, seine Kinder, sein Partner, sein Leben. Es wird dramatisch, Ford kann sichs nicht ganz verkneifen, aber die "Permanenzphase" zeigt sich wieder am Horizont. Stoff zum Denken liefert der Roman, Ford kann einfach klasse schreiben, nachwirken, nachbeschäftigen wird er auch. Scheint der Übersetzer hat manchmal ein wenig eigenwillige Worte benutzt: was heißt "herumkantappern"? Ich habe herumgefragt, niemand kann etwas anfangen mit "läuft über den großen Onkel" - ich kann mich erinnern das schon gehört zu haben, aber was es bedeuten soll, ist mir nicht klar. Sicher keine ganz einfache Aufgabe, dieses Prachtstück von einem Buch zu übersetzen und soweit ichs beurteilen kann, ist das überwiegend sehr gut gelungen. Vergleichen würde ich allenfalls mit Philip Roth, also dem Besten was die amerikanische Literatur zu bieten hat. Roth ist vielleicht noch eine Kleinigkeit intensiver, bohrerischer, nerviger, deutlicher, aber Ford hat mehr Gelassenheit, ist langsamer, aber nicht weniger genau. Nicht erschrecken lassen also, von 682 Seiten Maklergeschichte - einfach "annehmen".

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  • Rezension zu "Die Lage des Landes" von Richard Ford

    Die Lage des Landes
    Boris

    Boris

    18. August 2007 um 12:44

    Kann der fast 700 Seiten lange Monolog eines eigentlich eher langweiligen, eher durchschnittlichen Amerikaners aus New Jersey ein gutes Buch ergeben? Natürlich ist diese Frage rhetorisch. Richard Ford kann es! Der Roman entwickelt einen Sog, dem ich mich nicht entziehen kann und will. In etwa 10 Jahren erwarte ich von Ford die Fortsetzung des durchschnittlichen, langweiligen Lebens von Frank Bascombe. Und ich werde sehr viel lernen über die Lage des Landes Amerika im Jahre 2017.

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