Richard K. Morgan

 4.7 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Market Forces, The Steel Remains und weiteren Büchern.

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Market Forces

Market Forces

 (2)
Erschienen am 01.03.2005
Thirteen

Thirteen

 (1)
Erschienen am 01.01.2007
Black Widow

Black Widow

 (1)
Erschienen am 11.05.2005
The Steel Remains

The Steel Remains

 (1)
Erschienen am 12.01.2010
Altered Carbon

Altered Carbon

 (1)
Erschienen am 28.02.2006
The Dark Defiles

The Dark Defiles

 (0)
Erschienen am 07.10.2014
Crysis

Crysis

 (0)
Erschienen am 10.01.2012

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Rezension zu "Thirteen" von Richard K. Morgan

Ein intelligentes Meisterwerk
Elwevor 5 Jahren

BLACK MAN von Richard Morgan ist ein SciFi-Einzeltitel, der in der US-Ausgabe als THIRTEEN erschienen ist, und in der deutschen Übersetzung als SCORPION.
 Dieses Buch ist ein wuchtiger Klopper - ich habe die knapp fünfhundertseitige, sehr klein gedruckte US-Ausgabe gelesen, in der deutschen Übersetzung hat es über 800 Seiten. Von allen Büchern Morgans ist es meiner Meinung nach das am anspruchsvollsten zu lesende - weil der Start langsam, unglaublich komplex und dadurch mitunter verwirrend ist. Zugleich ist es aber auch eines der tiefschürfendsten, emotionalsten und aufregendsten Bücher, die ich von ihm (und eigentlich auch überhaupt aus der SciFi) kenne.
Wie gesagt, auf den ersten ca. 150 Seiten ist Durchhaltevermögen angesagt, doch ich kann jeden nur ermuntern, weiterzulesen - man wird für die anfängliche Geduld tausendfach belohnt.

Wer Morgans Takeshi Kovacs Trilogie kennt (Das Unsterblichkeitsprogramm / Altered Carbon und Folgebände), wird die Welt in SCORPION zumindest ansatzweise vertraut finden: Der Roman spielt im späten zwanzigsten Jahrhundert. Seit ein paar Jahrzehnten versucht man unter größten Anstrengungen und unter Führung von Konzernen den Mars zu kolonialisieren, die Reise zwischen den Planeten ist allerdings lang und kompliziert und die Lebensbedingungen schwierig, ein Drei- oder Fünfjahresvertrag wird von den wenigsten verlängert.
Die USA sind entlang religiöser Trennlinien in eine spöttisch als 'Jesusland' bezeichnete 'Republik' (rassistisch, strengchristlich-religiös, fortschrittsfeindlich, tendenziell verarmend) zerbrochen und die fortschrittlichen 'RimStates', die ehemaligen Küstenstaaten.
Der Protagonist, Carl Marsalis, ist nicht nur schwarz, sondern auch ein sog. Variant Thirteen, eine genetisch veränderte Laborzüchtung. In mittlerweile umstrittenen Experimenten wurden vor Jahrzehnten alle möglichen 'Varianten' kreiert, jede auf ihre Weise von Problemen behaftet. Die Thirteens sind Super-Alpha-Männchen, physisch extrem widerstandsfähig, hochintelligent und kaum sozialkompatibel - man versuchte Supersoldaten zu erschaffen, doch scheiterte, weil sich Thirteens nicht unterordnen. Jahre später führten hysterische Reaktionen in der Öffentlichkeit zur Einstellung aller Thirteen-Programme; die Thirteens wurden entweder auf den Mars geschickt, oder in Internierungslager.
Carl kehrte nach Jahrzehnten legal vom Mars zurück und jagt nun als lizensierter Kopfgeldjäger für eine überstaatliche Organisation andere Thirteens. Nach einer schiefgelaufenen Operation, die ihn hinter Gitter bringt, bietet ihm der COLIN-Konzern, zuständig für die Mars-Transfers, einen Deal an: Er soll einen extrem gefährlichen Thirteen aufspüren, der über ein COLIN-Transportschiff illegal auf die Erde zurückgelangte und seither eine Spur Leichen hinterlässt. Dabei arbeitet er mit der Ex-Polistin Sevgi zusammen, die ihre eigenen Geister zu bekämpfen hat. Bald verbindet sie mehr als nur der Job. Und die Jagd auf den Flüchtling entpuppt sich als die Spitze eines gigantischen Eisbergs aus alten Verschwörungen, Lügen, Intrigen und Fehlinformationen, die zuletzt zu einer vollkommen unerwarteten und äußerst fesselnden Auflösung kulminieren.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Vielleicht damit, dass dieses Buch sich durch eine außergewöhnliche emotionale Bandbreite auszeichnet. Es verbindet das Mitfiebern bei vertrackter Ermittlungsarbeit mit den Adrenalinstößen phantastisch choreografierter Action und einer so emotionalen Tiefe, dass ich - ich gesteh's - an einer gewissen Szene erst nach einer Pause weiterlesen konnte, weil ich mir die Tränen aus den Augen wischen musste. So was passiert mir extrem selten bei Büchern, und erst recht nicht bei SciFi-Action-Krachern mit einer unterschwelligen politischen Botschaft.
Der Plot selbst ist in mehrerer Hinsicht großartig: wie der Autor es schafft, einen wieder und wieder auf die falsche Spur zu führen, in Verwicklungen, die nicht das sind, was sie scheinen, aber irgendwie doch mit der Lösung zu tun haben - das ist pure Meisterschaft und einfach nur großes Unterhaltungskino. Wie dieser Plot nahtlos-glaubwürdig in Morgans Weltentwurf eingebettet ist, und wie dieser Weltentwurf auf schmerzhafte Weise dem Leser die (hässlichen) Realitäten des Hier und Jetzt vor Augen hält, das ist atemberaubend. Vor allem ist es ein Plädoyer gegen Heuchelei, und in zweiter Instanz gegen Rassismus, gleich welcher Art.
Vor allem aber lebt dieses Buch - wie fast alle Bücher Morgans - durch seine lebendigen und vielschichtigen Charaktere, die nicht die Intelligenz des Lesers beleidigen, sondern die über Ecken und Kanten verfügen, die wandlungsfähig sind und sich dennoch glaubwürdig im Rahmen ihrer charakterlichen Prägung bewegen. Carl Masalis ist mit Sicherheit kein weißer Ritter, er ist oft nicht einmal sympathisch, aber dafür ungeheuer faszinierend - und das gilt auch für die meisten anderen Figuren im Buch.

Fazit: Dieses Buch ist ein brilliantes, vielschichtiges, aber auch anspruchsvoll zu lesendes Meisterwerk.

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Rezension zu "The Steel Remains" von Richard K. Morgan

Rezension zu "The Steel Remains" von Richard K. Morgan
Elwevor 9 Jahren

Klappentext (aus dem Englischen)
Ein dunkler Herscher wird sich erheben. Dies ist die Prophezeiung, die Gil verfolgt - einen hartgesottenen Söldner und ehemaligen Kriegshelden, dessen zynischer Blick auf die Welt nur übertroffen wird von seinem heißblütigen Temperament und der Schnelligkeit seiner Klinge. Dieses Schwert, Relikt einer verschwundenen elfischen Rasse, der Kiriath, begründete einen Teil seines Rufes als berüchtiger Kämpfer. Der andere Teil seines fragwürdigen Ruhms rührt von seiner Angewohnheit, die Nase in Dinge zu stecken, die ihn eigentlich nichts angehen.
Gil hat sich von seiner aristokratischen Familie enfremdet, dennoch wendet sich seine Mutter an ihn mit der Bitte, nach einer Cousine zu suchen, die durch unglückliche Umstände in die Sklaverei verkauft wurde und seither verschwunden ist.
Wiederwillig nimmt Gil ihre Spur auf. Doch bald findet er heraus, dass es um viel mehr geht als nur das Schicksal einer glücklosen jungen Frau. Boshafte Zauberei, vergessen seit Hunderten von Jahren, erwacht überall im Land. Manche flüstern von der Rückkehr eines legendären Volkes, der Adrain: Dämonen, deren Grausamkeit ihre Schönheit Lügen straft und die selbst von den Kiriath gefürchtet werden.
Schließlich bleiben nur Gil und zwei seiner alten Kriegskameraden - Egar, ein wilder Krieger der Majak-Stämme, und Archeth, die zur Hälfte Kiriath-Blut in ihren Adern trägt, um eine Prophezeiung aufzuhalten, deren Erfüllung die Welt in Blut ertränken wird.
Doch mit Helden wie diesen ist das möglicherweise das kleinere Übel...

Meine Meinung:
Dieses Buch ist für mich einer der wenigen herausragenden Titel, die mir wahrscheinlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden und ohne Zweifel eines der besten Fantasywerke, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe.
'The steel remains' ist ein in sich abgeschlossener Roman, nur verfügbar in englischer Sprache, und ganz klar Erwachsenen-Fantasy. Die Protagonisten befleißigen sich einer rüden Sprache, der zynische Tonfall sorgt für raues Amüsement und an Blood, Sex & Violence mangelt es nicht. Beides - sowohl Sex wie auch Violence - werden explizit und ungeheuer intensiv dargestellt, ohne dabei zum Selbstzweck zu werden, eine kunstvolle Balance.
Die Protagonisten und Schauplätze sind bemerkenswert eindringlich und realistisch, man vergißt beinahe, dass man in einer Fantasy-Welt unterwegs ist. Das ist Ringil Eskiath, kurz Gil, ein zynischer und desillusionierter Söldner, der seine Ideale nicht loslassen kann, selbst wenn sie unter Schichten von Schmutz und Blut begraben sind. Gil tötet ohne Zögern, und schleppt Gespenster mit sich, die zwanzig Jahre in die Vergangenheit reichen. Er haßt die Welt und kann trotzdem nicht von ihr lassen. Dann Egar, der einen Clan von Nomaden führt, sich aber von der Erinnerung an die luxuriösen und dekadenten Städte der 'zivilisierten' Welt nicht lösen mag, sich Gespielinnen ins Zelt holt, die halb so alt sind wie er, und der Stammesjugend ein schlechtes Vorbild zeigt. Und dann Archeth, eine kaiserliche Beraterin, drogenabhängig, ein langlebiges Relikt der Vorzeit, nachdem alle anderen ihres Volkes diese Welt vor Jahrhunderten verlassen haben.
Sie alle haben ein komplexes Innenleben, das sie zu lebenden und atmenden Personen macht, denen man am Ende des Buches voller Trauer Lebewohl sagt.
Die Geschichte selbst ist vielfach verflochten, voller Überraschungen, gewoben mit viel Phantasie und prächtigen Farben.
'The steel remains' ist voll intensiver Action, tiefreichender Emotionen, ohne jemals in Kitsch abzugleiten, und gleichzeitig von einem Tiefgang, den man im Genre sonst nur selten findet.
Vielleicht ist das überhaupt die größte Qualität des Buches: So fesselnd und unterhaltsam und spannend zu bleiben, über die ganze Länge seiner 400 Seiten, und trotzdem eine Tiefe zu entwickeln, dass man sich am Ende seltsam berührt fühlt, zum Nachdenken angeregt und mit dem Gefühl zurück bleibt, man habe eine tiefere Einsicht gewonnen.

Ich bin vollkommen begeistert von diesem Buch. Ich kannte den Autor zuvor nicht, habe es mir auf Empfehlung hin bestellt und kann immer noch kaum fassen, was für ein Glücksgriff das war.
Wer sich vom Englischen nicht abschrecken läßt und sich an einem rauen Umgangston nicht stört, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
Es ist wie ein Donnerhall.

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Rezension zu "Market Forces" von Richard K. Morgan

Rezension zu "Market Forces" von Richard K. Morgan
Elwevor 9 Jahren

Inhalt (Klappentext Übersetzung):
Mit seinem dritten Roman Market Forces verlagert Richard Morgan seinen Fokus von der ScienceFiction Gewalt einer fernen Zukunft in Altered Carbon und Broken Angels hin zu einer fast vergleichbaren geschäftsmäßigen Gewalttätigkeit in der Mitte des 21.Jahrhunderts. Der Held, oder vielmehr Antiheld Chris Faulkner ist ein aufsteigender Manager in einem Großbritannien, in dem die Kluft zwischen den 'Anzugträgern' und der Unterklasse riesig ist.
Sowohl Beförderung als auch Ausschreibungen werden in der rauen Welt von 'Conflict Management' (Investition in sog. 'kleine Kriege') durch Duelle auf Leben und Tod ausgetragen: "Wer sich auf der Straße behauptet, der bleibt."
Die Duelle finden in der heruntergekommenen Arena des Autobahnnetzes statt - ein Spielplatz für Manager, seit sich die kleinen Leute kein Benzin mehr leisten können. Einzelne Fahrer oder Teams drängen die Konkurrenz von der Straße in MadMax Manier. Als Faulkner bei Shorn Conflict Management anheuert, trägt er zunächst ein Kainsmal, weil er einst einen besiegten Gegner ins Krankenhaus brachte, statt ihn zu töten. Ihm wird nahegelegt, diesen Fehler nicht erneut zu machen. Als wichtiges Statussymbol erhält er eine exklusige Nemesis-10 Pistole.

Internationale Business-Entscheidungen sind hart ("ein Regime-Wechsel ist unser Worst Case Szenario") und es gibt keinen Sicherheitsabstand mehr zwischen Vorstandsentscheidungen und dem Blut auf den Straßen. Als ein großer Deal mit südamerikanischen Revolutionären schiefläuft, stehen Karrieren und Leben auf dem Prüfstand. Das Spiel mit dem Tod unterliegt gewissen Regeln, doch an die Spitze gelangt nur, wer diese Regeln kreativ zu interpretieren weiß. Faulkner verbiegt sie so hart, dass dem Leser der Atem stockt.

Mit wachsenden Eheproblemen, einem schwer gebeutelten Gewissen und ein paar Freundschaften, scheint Faulkner verdammt zu sein, entweder ein Monster zu werden wie andere vor ihm, oder ein toter Mann.

Eine tiefschwarze, äußerst gewalttätige und hochgrading deprimierende Vision der amoralischen Herren der Welt von 2049. Süchtigmachender Lesestoff für die, die nicht zu zart besaitet sind; man glaubt beinahe Michael Moore zu hören: "I told you so."

Meine Meinung:
Mit 'The steel remains' bin ich auf Richard K. Morgan aufmerksam geworden, seit 'Market Forces' bin ich ein Fan. Der Mann schreibt wie ein Gott. Ehrlich. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, wann ich zuletzt ein ähnlich fesselndes Buch in der Hand hatte, das bei mir so massive Suchterscheinungen ausgelöst hat, dass ich morgens zwei Stunden früher aufstehe, um noch ein paar Kapitel zu lesen, weil ich es abends aus Vernunftgründen aus der Hand legen musste ...
Auf den ersten 40 Seiten oder so hatte ich Schwierigkeiten, die Hintergründe der Geschichte zu verstehen (hä, warum fahren die Rennen auf der Autobahn, um eine Ausschreibung für ein Investment-Projekt zu gewinnen??) - doch Morgan macht das durch seine ungeheuer gute und lebendige Schreibe wieder wett. Die Dialoge saugt man förmlich von den Seiten auf, und muss weiter und weiter blättern... und alle 10 oder 15 Seiten kriegt man feuchte Hände vor Spannung.
Nachdem ich dann mal drin war, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Tatsächlich hat es mich emotional so mitgerissen, dass ich drei Tage am Stück richtig schlecht gelaunt war, wenn die Dinge sich mal wieder negativ entwickelten und euphorisch, wenn es gut lief. Das ist mir noch nie mit nem Buch passiert.
Die Charaktere sind tiefgründig, glaubwürdig bis ins letzte Detail und erschreckend lebendig - und das macht auch viel von der Faszination des Buches aus. Als Leser spürt man bei jeder Veränderung, jeder Wendung - verdammt, jetzt wird er so und so reagieren, und es damit nur noch schlimmer machen, aber er kann nicht aus seiner Haut, ist nun mal so wie er ist - und dann kommt es auch genauso.

Faszinierend finde ich die Zukunftsvision von einer Welt in 30 Jahren. Ich hab's gelesen und gedacht: Ja, so könnte es tatsächlich sein. Das Szenario ist frustrierend und schwarz, aber vollkommen glaubwürdig - eine konsequente und logische Weiterentwicklung von Globalisierung, freien Märkten und der Industrie als Träger der Macht. In diesem Umfeld machen auch die Charaktere absolut Sinn.
Das Buch ist nicht Science-Fiction im Sinne einer fernen Zukunft mit Raumschiffen und Aliens, sondern ein beklemmend realitätsnaher Thriller mit einer Vision, die nur ein paar Jahrzehnte in die Zukunft schaut.

Das Buch rockt!!!

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