Richard Morgan Profit

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Inhaltsangabe zu „Profit“ von Richard Morgan

Was geschieht, wenn die Globalisierung außer Kontrolle gerät? Es entstehen internationale Konzerne, die die Konflikte in der Dritten Welt, mit denen sie Aktiengewinne erzielen, selbst anzetteln. Konzerne, die in ihrer Gier nach Profit ganze Regierungen und Staaten kaufen. Und Konzerne, deren Manager das Wort »Konkurrenzkampf « allzu wörtlich nehmen …

Interessanter Rahmen, guter Stil, aber hätte deutlich gekürzt werden sollen

— tob82
tob82

Brutales Kopfkino à la Tarantino und auch ebenso gut . Django goes SciFI .

— thursdaynext
thursdaynext

Hart, zynisch, brutal und leider ziemlich genau an der Realität.

— rallus
rallus

Für mich eines der besten Bücher von Richard Morgan - und eines der besten Bücher überhaupt.

— Elwe
Elwe

Machomachwerk, alles aber kein Science Fiction, Titel irreführend.

— Gwynifer
Gwynifer

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  • Interessanter Rahmen, guter Stil, aber hätte deutlich gekürzt werden sollen

    Profit
    tob82

    tob82

    30. July 2016 um 17:20

    "Profit" von Richard Morgan spielt in London einige Jahrzehnte in der Zukunft. Protagonist ist der Manager Chris Faulkner, der für einen internationalen Großkonzern in der Abteilung "Conflict Investment" arbeitet. Seine Aufgabe besteht darin, Regierungen in Drittweltländern ein- und abzusetzen und dafür bestimmte Anteile am BIP dieser Länder für die Firma zu kassieren. Generell haben die Großkonzerne mittlerweile praktisch uneingeschränkte Macht erlangt. Regierungen sind nur noch dazu da, um einen Schein von Demokratie zu wahren; viele Menschen müssen ein Dasein in den "Zonen" (Slums) fristen, während die Manager der Konzerne fast tun oder lassen können, was sie wollen.Chris kommt ursprünglich auch aus den Zonen, hat sich aber v.a. durch sein fahrerisches Können (Beförderungen werden in Duellen auf der Straße zwischen den Kontrahenten entschieden) schnell einen Namen in der Szene gemacht. Seine Frau Carla - gleichzeitig auch seine Mechanikerin - hält nicht viel von den Machenschaften der Großkonzerne. Sie kommt aus Norwegen, wo es scheinbar noch eine deutlich besser funktionierende Gesellschaftsstruktur gibt und ihr Vater ist ein wirtschaftskritischer Journalist, der freiwillig in den Zonen Londons lebt, um die Auswirkungen des Systems hautnah miterleben zu können.Das Setting von "Profit" ist ansprechend und scheint mir eine logische Weiterentwicklung unserer heutigen Situation zu sein. Die Geschichte ist zu Beginn sehr interessant (Darstellung der Gesellschaft, die Machenschaften der Großkonzerne) und weist auch eine gewisse Spannung auf (Chris' Duelle; der Konflikt zwischen Chris und Carla). Leider ist es dann so, dass diese Spannung relativ schnell nachlässt, da es zu keiner wirklichen inneren Entwicklung der Geschichte und der Charaktere kommt. Chris mag seinen Job und streitet sich daher immer wieder mit Carla. Sie will, dass er aussteigt, aber seine Motivation wird mir nie wirklich klar. Chris' Figur bleibt insgesamt viel zu oberflächlich, um eine gute Geschichte tragen zu können und die Darstellung der Machenschaften der Konzerne sowieso die recht gut geschriebenen regelmäßigen Action- und Gewaltszenen sind nicht ausreichend, um von einer spannenden Geschichte reden zu können."Profit" ist durch den recht guten Stil des Autors und das interessante Setting kein schlechter Roman, aber er hätte aus meiner Sicht deutlich gekürzt gehört (er hat knapp 600 Seiten), um das regelmäßige Gefühl von Wiederholung und die damit entstehende Langeweile zu vermeiden. Zusätzlich hätte der Autor mehr Zeit in die Motivation und den Hintergrund seines Protagonisten investieren sollen. Eine Empfehlung ist er für mich nicht wirklich.

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  • Megadüstere Zukunftsvision

    Profit
    Babscha

    Babscha

    Wir befinden uns im Jahr 2049 in London. So einiges hat sich verändert. Regierungen im klassischen Sinne gibt es nicht mehr. Stattdessen haben international agierende Konzerne vollständig die politische und wirtschaftliche Macht übernommen, kontrollieren sämtliche Staatsorgane und haben demzufolge vollständige Handlungsfreiheit. In jeglicher Hinsicht. Die breite Masse der Nichtbesitzenden ist in abgeriegelten "Zonen" ausbruchsicher weggeschlossen. Die großen Staaten der Welt wurden in den letzten Jahrzehnten bereits quasi handlungsunfähig gemacht. Investmentgesellschaften halten in immer schon schwelenden Krisengebieten wie Mittelamerika die Fäden in der Hand, fluten taktisch die Mittel ihrer Geldgeber genau so an korrumpierte Diktatoren wie an deren oppositionelle Widersacher. Hauptsache die Kasse stimmt. Zur Entspannung begibt man sich als Investmentbanker für einen Drink oder zwei gerne abends auch mal in die brandgefährlichen "Zonen" hinein, wo Anarchie und Elend herrschen. Und der ultimative Kick ist die "Herausforderung". Jeder kann den missliebigen Konkurrenten einer anderen Firma wie auch einen Mitbewerber auf einen guten Posten im eigenen Unternehmen offiziell zum Duell herausfordern, allerdings nicht mehr mit dem Colt auf einer staubigen Ausfallstraße, sondern in einem hochmotorisierten und gepanzerten Wagen auf dem Highway. Bis zum unausweichlich bösen Ende. Chris Faulkner, die Hauptperson des Buches, ist einer von diesen Investmenttypen und hat vor einiger Zeit im Bereich Conflict Investment bei Shorn Associates angeheuert. Zusammen mit seinem Kollegen und baldigen Freund Mike Bryant managt und korrumpiert er Warlords und Pseudoregierungen in verschiedenen Staaten, immer auf der Suche nach dem höchstmöglichen Profit und permanent beobachtet und bekämpft von Vorgesetzten und Kollegen. Einzig seine norwegische Frau Carla, Pazifistin und Mechanikerin in einer Autowerkstatt, erkennt den Irrsinn der ganzen Situation und plant Veränderungen. Aber die Dinge nehmen ihren Lauf. Morgan legt mit seinem Roman eine so spannende wie beklemmende und streckenweise echt verstörende Zukunftsvision vor, die irgendwie nicht vollständig abwegig erscheint, wenn man sich die menschliche Natur und die Gesetzmäßigkeiten menschlichen Handelns mal so durchdenkt. Die abstrusen gesellschaftlichen Verhältnisse sind genau so brutal und inhuman beschrieben wie das Handeln der völlig durchgeknallten herrschenden Kaste, die ihr tägliches abstoßendes Tun mit Drogen, Sex und Alkohol ausblendet. Meisterhaft wird das Buch trotz seiner streckenweise geradezu unmenschlichen und widerwärtigen Beschreibungen der Vorgänge in einer letztlich völlig degenerierten Welt durch die Fähigkeit des Autors, dieser plakativ die ganze Zerrissenheit seiner Handvoll Hauptprotagonisten entgegenzusetzen, denen im tiefsten Inneren der Wahnsinn ihres Tuns durchaus bewusst ist, allem voran hier die fortschreitende Transformation Faulkners. Einen eigenen Stern wert sind dabei die wiederholten, derart intensiv geschriebenen und unter die Haut gehenden Szenen, wenn Chris und seine Frau Carla sich in ihrer auf beiden Seiten letztlich hilflosen Hassliebe immer wieder hoffnungslos umkreisen und in Wortgefechten selbst zerfleischen. Das ist wirklich großes Kino. Trotz epischer Länge hält der Roman den Leser immer bei der Stange und vermag zu fesseln. Bis zum überzeugenden und nicht anders zu erwartenden showdown. Chapeau!

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    • 2
    thursdaynext

    thursdaynext

    21. February 2016 um 19:58
  • Soziogramm eines Investmentpsychopathen

    Profit
    thursdaynext

    thursdaynext

    Eine Gemeinschaftslesung & Rezension von Rallus und Thursdaynext In der Elite wird man nicht dafür bestraft, dass man gegen die Regeln verstößt. Nicht, wenn es funktioniert. In einer nahen Zukunft haben die Investmentfirmen das Sagen, kontrollieren die Märkte nach ihrem Belieben und Konflikte werden durch angemeldete Strassenrennen auf Leben und Tod ausgetragen. Chris Faulkner ist so ein Shootingstar, ein Menne-tscher Arsch, ein Scheißanzugscowboy, dessen argentinischen Leder-Schuhe teurer sind als ein Monatsgehalt eines Zonenbewohners. London ist in eine abgeschottete innere Zone, wo die Konzernmitarbeiter arbeiten und wohnen, und eine äußere Zone, in der Banden, Prostitution, Drogen und Gewalt das Sagen haben, eingeteilt. Chris wechselt zu der angesagtesten Adresse in London, Shorn Associates ( shorn = beraubt , geschoren , kahl geschoren ...) und ist im Criminal Investment tätig, Revolutionäre und Herrschende in Dritte Welt Ländern werden gegeneinander ausgespielt. Wobei es der Firma nicht um Lösungen, oder menschliche Schicksale geht, ganz im Gegenteil: Glauben Sie, wir könnten es uns leisten, dass die Entwicklungsländer sich entwickeln? Glauben Sie wir könnten mit einem Afrika fertig werden, dessen Staaten von lauter intelligenten, nicht korrumpierten Demokraten regiert werden? Malen Sie sich das mal bitte aus. Ganze Bevölkerungen, die plötzlich gut ausgebildet sind, gesund, abgesichert und ambitioniert. Frauenrechte, um Gottes willen. Wir können uns all das nicht leisten. Wer soll uns die ganzen subventionierten Nahrungsmittelüberschüsse abnehmen? Wer soll unsere Schuhen und Hemden herstellen? Wer soll uns billige Arbeitskräfte und billige Rohstoffe zur Verfügung stellen? Wer soll unseren Atommüll lagern, wer unsere CO2 Sünden ausbalancieren? Wer soll unsere Waffen kaufen? Die gesamte Welt ist in den Händen der großen Konzerne. Politiker gibt es, NGOs und die ganzen als Gutmenschentum abgetanen Vereinigungen. Faktisch sind sie alle vollkommen machtlos, betreiben Augenwischerei und sind sowieso gekauft. Was zählt ist PROFIT. Angel- und Drehpunkt des Romans ist der sympathische aufstrebende Jung – „Mennetscher“ Chris Faulkner. Sein erster Tag bei Shorn Associates beginnt zwiespältig. Einerseits wehrt er die Herausforderung eines „No – Namers“ auf der Staße souverän ab, anderesseits argwöhnen die Partner von Shorn Associates, dass ihm der rechte Biss fehlt, er womöglich über ein Gewissen verfügt. Dieser Eindruck verfestigt sich, als er, nachdem er Freundschaft mit einem anderem ehrgeizig aufstrebendem Jung Manager seiner Abteilung schließt und sich als Schachspieler outet. Einer der glaubt Konkurrenzkämpfe könnten womöglich auch unblutig geregelt werden. Ein harter Wind schlägt ihm entgegen. Er muß sich in der neuen Firma und Postion bewähren, Erfolge vorweisen, und das möglichst bald. Dabei gerät seine Beziehung zu seiner Ehefrau, die seiner Tätigkeit, familiär bedingt, äußerst zweifelnd gegenübersteht, in Frage. Seine Frau ist Automechanikerin und wartet sein Auto, einen gepanzerten Saab, der quasi eine Art Arbeitsmittel und Lebensversicherung für ihn darstellt. Ihr Vater agitiert politisch, wohnt in den Zonen. Die Zonen, in denen schon die Kinder beim Auftauchen eines Anzugsträgers "Scheiß Mennetscher" rufen, wo schon alleine der unbewaffente Aufenthalt höchst gefährlich ist. Die aber auch Spielwiese für die „Anzugträger“ sind, die dort ihre niederen Instinkte ausleben, wenn sie sich denn getrauen. Diese beiden Gegensätze, seine inneren ethischen Zweifel, die moralisch verwerfliche Situation mit der er sein Geld verdient, beginnen ihn aufzureiben. Eine innere und äußere Zerreißprobe beginnt und alle Versuche, Auswege zu finden führen ihn nur noch tiefer in den Sumpf aus Korrumption, Konkurrenz , Machtspielchen, Drogen, Sex und Gewalt. In Profit entwickelt Richard Morgan aus dem Heute die sehr wahrscheinlich und glaubhafte Zukunft von Morgen. Erschreckend brutal, realistisch und derart authentisch, dass man sich bereits im Morgen wähnt. Die Übertreibung wird hier als Stilmittel der Satire verwendet, einer zynischen Satire bei der einen so manches im Hals steckenbleibt, weil sie derart nah an der heutigen Realität ist. Trotz seiner schlichten, knallharten Sprache und der an Tarantino angelehnten Gewaltorgien (Kopfkino der schwarzen, extrem fies / brutalen Art) bleiben die Beweggründe des Protagonisten nachvollziehbar, er selbst sympathisch. Man weiß in welche Richtung sich seine Beziehung entwickelt, die Morgan sehr detailiert und psychologisch beschlagen, schildert. Dabei entstand ein hochpolitisch aktuelller SciFi Thriller Man glaubt zu ahnen, dass Liebe allein nicht ausreicht um zusammenzubleiben. Der Spannungsbogen flacht dennoch nie ab. Bis zum Schluss lässt Richard Morgan Chris Faulkner und damit den Leser der in diesem Buch stellvertretend für den Protagonisten Adrenalin aufbaut unter Vollgas fahren. Diesen liebenswerten Zocker der der Ansicht ist : „ Dass es das Risiko ist, worum es geht. Risiko ist das was das Gewinnen lohnt.“ Wer denkt da nicht an den Bankzocker, der das Geld der Kunden im Kitzel des Risikoinvestment verschleudert. Immerhin riskieren diese „Menne – tscher“ dabei noch ihre eigenen Leben. Zusätzlich zu denen deren Zukunft und Gegenwart sie verspielen und manipulieren. Morgan hat einen grandios beängstigend, realistisches Zukunftsszenario in unsere Köpfe gezaubert. Illustriert mit all der geschilderten Gnadenlosigkeit die auch schon heute praktizierte Brutalität der Konzerne und ihrer CEOs. Der englische Titel "Market Forces" (Forces für Kraft, aber auch Gewalt, Krieg) verdeutlicht dies noch. Er erhielt dafür den John W. Campbell- Award für den besten Roman des Jahres 2005. Verdient hätte er für diese dystopisch, realistische System – und Gesellschaftskritik den Pulitzer Preis. Das wird sicher utopisch bleiben. Bedauerlicherweise für die Menschheit. Widmete er sein Buch doch unter anderem: ".......... all jenen Menschen, deren Leben ruiniert oder ausgelöscht wurden vom großen neoliberalen Traum und einer Globalisierungspolitik der verbrannten Erde" Der Gedanke an den Baseballschläger blieb den beiden Rezensenten öfters im Kopf hängen. BAMMMMM

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    • 3
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    07. February 2016 um 10:22
  • Soziogramm eines Investmentpsychopathen

    Profit
    rallus

    rallus

    Eine Gemeinschaftsrezi von Thursdaynext und Rallus "In der Elite wird man nicht dafür bestraft, dass man gegen die Regeln verstößt. Nicht, wenn es funktioniert" In einer nahen Zukunft haben die Investmentfirmen das Sagen, kontrollieren die Märkte nach ihrem Belieben und Konflikte werden durch angemeldete Strassenrennen auf Leben und Tod ausgetragen. Chris Faulkner ist so ein Shootingstar, ein Menne-tscher Arsch, ein Scheißanzugscowboy, dessen argentinischen Leder-Schuhe teurer sind als ein Monatsgehalt eines Zonenbewohners. London ist in eine abgeschottete innere Zone, wo die Konzernmitarbeiter arbeiten und wohnen, und eine äußere Zone, in der Banden, Prostitution, Drogen und Gewalt das Sagen haben, eingeteilt. Chris wechselt zu der angesagtesten Adresse in London, Shorn Associates ( shorn = beraubt , geschoren , kahl geschoren ...) und ist im Criminal Investment tätig, Revolutionäre und Herrschende in Dritte Welt Ländern werden gegeneinander ausgespielt. Wobei es der Firma nicht um Lösungen, oder menschliche Schicksale geht, ganz im Gegenteil: "Glauben Sie, wir könnten es uns leisten, dass die Entwicklungsländer sich entwickeln? Glauben Sie wir könnten mit einem Afrika fertig werden, dessen Staaten von lauter intelligenten, nicht korrumpierten Demokraten regiert werden? Malen Sie sich das mal bitte aus. Ganze Bevölkerungen, die plötzlich gut ausgebildet sind, gesund, abgesichert und ambitioniert. Frauenrechte, um Gottes willen. Wir können uns all das nicht leisten. Wer soll uns die ganzen subventionierten Nahrungsmittelüberschüsse abnehmen? Wer soll unsere Schuhen und Hemden herstellen? Wer soll uns billige Arbeitskräfte und billige Rohstoffe zur Verfügung stellen? Wer soll unseren Atommüll lagern, wer unsere CO2 Sünden ausbalancieren? Wer soll unsere Waffen kaufen?" Die gesamte Welt ist in den Händen der großen Konzerne. Politiker gibt es, NGOs und die ganzen als Gutmenschentum abgetanen Vereinigungen. Faktisch sind sie alle vollkommen machtlos, betreiben Augenwischerei und sind sowieso gekauft. Was zählt ist PROFIT. Angel- und Drehpunkt des Romans ist der sympathische aufstrebende Jung – „Mennetscher“ Chris Faulkner. Sein erster Tag bei Shorn Associates beginnt zwiespältig. Einerseits wehrt er die Herausforderung eines „No – Namers“ auf der Staße souverän ab, andererseits argwöhnen die Partner von Shorn Associates, dass ihm der rechte Biss fehlt, er womöglich über ein Gewissen verfügt. Dieser Eindruck verfestigt sich, als er Freundschaft mit einem anderem ehrgeizig aufstrebendem Jung Manager seiner Abteilung schließt und sich als Schachspieler outet. Einer der glaubt Konkurrenzkämpfe könnten womöglich auch unblutig geregelt werden. Ein harter Wind schlägt ihm entgegen. Er muß sich in der neuen Firma und Postion bewähren, Erfolge vorweisen, und das möglichst bald. Dabei gerät seine Beziehung zu seiner Ehefrau, die seiner Tätigkeit, familiär bedingt, äußerst zweifelnd gegenübersteht, in Frage. Seine Frau ist Automechanikerin und wartet sein Auto, einen gepanzerten Saab, der quasi eine Art Arbeitsmittel und Lebensversicherung für ihn darstellt. Ihr Vater agitiert politisch, wohnt in den Zonen. Die Zonen, in denen schon die Kinder beim Auftauchen eines Anzugsträgers "Scheiß Mennetscher" rufen, wo schon alleine der unbewaffente Aufenthalt höchst gefährlich ist. Die aber auch Spielwiese für die „Anzugträger“ sind, die dort ihre niederen Instinkte ausleben, wenn sie sich denn getrauen. Diese beiden Gegensätze, seine inneren ethischen Zweifel, die moralisch verwerfliche Situation mit der er sein Geld verdient, beginnen ihn aufzureiben. Eine innere und äußere Zerreißprobe beginnt und alle Versuche, Auswege zu finden führen ihn nur noch tiefer in den Sumpf aus Korrumption, Konkurrenz , Machtspielchen, Drogen, Sex und Gewalt. In Profit entwickelt Richard Morgan aus dem Heute die sehr wahrscheinlich und glaubhafte Zukunft von Morgen. Erschreckend brutal, realistisch und derart authentisch, dass man sich bereits im Morgen wähnt. Die Übertreibung wird hier als Stilmittel der Satire verwendet, einer zynischen Satire bei der einen so manches im Hals steckenbleibt, weil sie derart nah an der heutigen Realität ist. Trotz seiner schlichten, knallharten Sprache und der an Tarantino angelehnten Gewaltorgien (Kopfkino der schwarzen, extrem fies / brutalen Art) bleiben die Beweggründe des Protagonisten nachvollziehbar, er selbst sympathisch. Man weiß in welche Richtung sich seine Beziehung entwickelt, die Morgan sehr detailiert und psychologisch beschlagen, schildert. Man glaubt zu ahnen, dass Liebe allein nicht ausreicht um zusammenzubleiben. Dabei entstand ein hochpolitisch aktueller SciFi Thriller.Der Spannungsbogen flacht nie ab. Bis zum Schluss lässt Richard Morgan Chris Faulkner und damit den Leser der in diesem Buch stellvertretend für den Protagonisten Adrenalin aufbaut, unter Vollgas fahren. Diesen liebenswerten Zocker der der Ansicht ist : „ Dass es das Risiko ist, worum es geht. Risiko ist das was das Gewinnen lohnt.“ Wer denkt da nicht an den Bankzocker, der das Geld der Kunden im Kitzel des Risikoinvestment verschleudert. Immerhin riskieren diese „Menne – tscher“ dabei noch ihre eigenen Leben. Zusätzlich zu denen, deren Zukunft und Gegenwart sie verspielen und manipulieren. Morgan hat einen grandios beängstigend, realistisches Zukunftsszenario in unsere Köpfe gezaubert. Illustriert mit all der geschilderten Gnadenlosigkeit die auch schon heute praktizierte Brutalität der Konzerne und ihrer CEOs ist. Der englische Titel "Market Forces" (Forces für Kraft, aber auch Gewalt, Krieg) verdeutlicht dies noch. Er erhielt dafür den John W. Campbell- Award für den besten Roman des Jahres 2005. Verdient hätte er für diese dystopisch, realistische System – und Gesellschaftskritik den Pulitzer Preis. Das wird sicher utopisch bleiben. Bedauerlicherweise für die Menschheit. Widmete er sein Buch doch unter anderem: ".......... all jenen Menschen, deren Leben ruiniert oder ausgelöscht wurden vom großen neoliberalen Traum und einer Globalisierungspolitik der verbrannten Erde" Der Gedanke an den Baseballschläger blieb den beiden Rezensenten öfters im Kopf hängen. BAMMMMM

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    • 2
    Gulan

    Gulan

    28. May 2014 um 20:35
  • Explosiver, fesselnder SciFi-Thriller in einer nicht allzufernen Zukunft

    Profit
    Elwe

    Elwe

    27. May 2013 um 19:29

    Mit 'The steel remains' bin ich auf Richard K. Morgan aufmerksam geworden, seit 'Market Forces' bin ich ein Fan. Der Mann schreibt wie ein Gott. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, wann ich zuletzt ein ähnlich fesselndes Buch in der Hand hatte, das bei mir so massive Suchterscheinungen ausgelöst hat, dass ich morgens zwei Stunden früher aufstehe, um noch ein paar Kapitel zu lesen, weil ich es abends aus Vernunftgründen aus der Hand legen musste ... Auf den ersten 40 Seiten hatte ich noch Schwierigkeiten, die Hintergründe der Geschichte zu verstehen (warum fahren die Protagonisten Rennen auf der Autobahn, um eine Ausschreibung für ein Investment-Projekt zu gewinnen??) - doch Morgan macht das durch seine ungeheuer gute und lebendige Schreibe wieder wett. Die Dialoge saugt man förmlich von den Seiten auf, und muss weiter und weiter blättern... und alle 10 oder 15 Seiten bekommt man feuchte Hände vor Spannung. Nachdem ich dann einmal drin war, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Tatsächlich hat es mich emotional so mitgerissen, dass ich drei Tage am Stück richtig schlecht gelaunt war, wenn die Dinge sich mal wieder schlecht entwickelten und euphorisch, wenn es gut lief. Das ist mir nie vorher mit einem Buch passiert. Die Charaktere sind tiefgründig, glaubwürdig bis ins letzte Detail und erschreckend lebendig - und das macht auch viel von der Faszination des Buches aus. Als Leser ahnt man bei jeder Veränderung, jeder Wendung - verdammt, jetzt wird er so und so reagieren, und es damit nur noch schlimmer machen, aber er kann nicht aus seiner Haut, ist nun einmal so, wie er ist - und dann kommt es auch genau so und schlimmer. Faszinierend finde ich die Zukunftsvision von einer Welt in 30 Jahren. Ich habe es gelesen und gedacht: Ja, so könnte es tatsächlich sein. Das Szenario ist frustrierend und schwarz, aber vollkommen glaubwürdig - eine konsequente und logische Weiterentwicklung von Globalisierung, freien Märkten und der Industrie als Träger der Macht. In diesem Umfeld machen auch die Charaktere sehr viel Sinn. Das Buch ist nicht Science-Fiction im Sinne einer fernen Zukunft mit Raumschiffen und Aliens, sondern ein beklemmend realitätsnaher Thriller mit einer Vision, die nur ein paar Jahrzehnte in die Zukunft schaut. Das Buch rockt!!!

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  • Rezension zu "Profit" von Richard Morgan

    Profit
    pworm

    pworm

    21. July 2012 um 22:50

    Irgendwie ist bei mir der Funke nicht recht übergesprungen. Habe mich bis zur Hälfe durchgequält, dann wird es etwas interessanter und zum Ende hin auch nocht mal recht spannend. Keine Ahnung was fehlt - vielleicht ist mir die Kombination aus "Turbo-Kapitalismus" und diesen abstrusen Auto-Duellen einfach ne Nummer zu konstruiert.

  • Rezension zu "Profit" von Richard Morgan

    Profit
    seward

    seward

    05. February 2012 um 17:10

    Metapher zum Turbokapitalismus.