Richard Powers

 3.9 Sterne bei 383 Bewertungen
Autor von Der Klang der Zeit, Das Echo der Erinnerung und weiteren Büchern.
Richard Powers

Lebenslauf von Richard Powers

Einer der wichtigsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur: Richard Powers wurde 1957 in Illinois geboren, wuchs im Norden von Chicago auf, verbrachte seine Jugendjahre in Bangkok und arbeitete nach seinem Literaturstudium zunächst als Programmierer. Ein Foto von August Sander, das drei Bauern aus dem Westerwald auf dem Weg zu einem Fest zeigt, inspirierte Powers zu seinem ersten Roman "Three Farmers on Their Way to a Dance", der 1985 erschien. Powers lehrt heute auch als Professor an seiner alma mater, der University of Illinois. Powers machte seine Hobbys – Lesen und Schreiben – zum Beruf. Nach den beiden darauf folgenden Romanen, die er während eines längeren Aufenthalts in den Niederlanden verfasste, gelangte er 1993 mit "Operation Wandering Soul" in die Endrunde für den National Book Award. Für den von der Kritik gefeierten Roman "The Echo Maker", der ebenfalls für den Pulitzer Preis nominiert wurde, erhielt er dann den National Book Award 2006. Bekannt für sein Jonglieren mit mehreren Erzählsträngen, gelingt es Richard Powers, sein Interesse an unterschiedlichsten Disziplinen miteinander zu verflechten. Literatur, Musik und vor allem die Naturwissenschaften mit ihren Untergattungen wie Neurowissenschaft, Molekularbiologie und virtuelle Realität bilden einen Schwerpunkt auf Powers Suche nach dem, was das menschliche Bewusstsein konstituiert.

Alle Bücher von Richard Powers

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Der Klang der Zeit

Der Klang der Zeit

 (189)
Erschienen am 14.05.2004
Das Echo der Erinnerung

Das Echo der Erinnerung

 (80)
Erschienen am 01.11.2008
Das größere Glück

Das größere Glück

 (38)
Erschienen am 18.01.2011
Schattenflucht

Schattenflucht

 (17)
Erschienen am 01.12.2006
Galatea 2.2

Galatea 2.2

 (10)
Erschienen am 01.08.2000
ORFEO

ORFEO

 (9)
Erschienen am 21.08.2014
Die Wurzeln des Lebens

Die Wurzeln des Lebens

 (5)
Erschienen am 04.10.2018
Das Buch Ich # 9

Das Buch Ich # 9

 (5)
Erschienen am 12.08.2010

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Rezension zu "Die Wurzeln des Lebens" von Richard Powers

‚Wann ist die beste Zeit, um einen Baum zu pflanzen? Vor zwanzig Jahren.‘
sabatayn76vor einem Monat

‚Wann ist die beste Zeit, um einen Baum zu pflanzen? Vor zwanzig Jahren.‘ (Seite 46, chinesisches Sprichwort)

Jørgen Hoel, der als Einwanderer von Norwegen nach Amerika kam, bestellt zusammen mit seiner Frau Vi einen Flecken Land in Iowa. Dort pflanzt er Kastanienbäume an, doch ein Baum nach dem anderen stirbt, so wie Jørgen und seine Frau auch einige ihrer Kinder zu Grabe tragen. Doch ein Baum überlebt, wächst und gedeiht, und Jørgens ältester Sohn John beginnt damit, jeden Monat am 21. ein Foto dieses Baumes aufzunehmen. Ein Ritual, das von Generation zu Generation weitergegeben wird - bis zu Nick, dem Urururenkel Jørgens, der 120 Jahre später noch immer fasziniert vom majestätischen Kastanienbaum ist. Die Farm der Hoels gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, das Land ist an Firmen verpachtet, doch das Haus und der Baum stehen noch immer.

Neben dieser Geschichte um die Hoels und ihren Kastanienbaum führt Richard Powers im ersten Kapitel (‚Wurzeln‘) sieben weitere Erzählstränge ein, z.B. die Geschichte des chinesischen Einwanderers Sih Hsuin, der einen Maulbeerbaum pflanzt und nach seinem Tod drei Töchter, drei Jade-Ringe und eine alte, wertvolle Bildrolle hinterlässt, und die Geschichte der Wissenschaftlerin Patricia Westerford, die entdeckt, dass Bäume miteinander kommunizieren. Der gemeinsame Nenner aller Handlungsstränge ist ein Baum, der für die jeweilige Person eine besondere Bedeutung hat.

Jede einzelne der acht ‚Wurzeln‘-Geschichten wird lebendig, detailreich und bewegend erzählt, hat mich gefangen genommen und mitgerissen, und mit dem Kapitel ‚Stamm‘ verfolgt Powers diese Figuren auf ihrem weiteren Weg und beginnt damit, diese ursprünglich voneinander getrennten Protagonisten miteinander zu verweben: Ihre Wege kreuzen sich, und sie interagieren miteinander.

Im Zentrum dieses wundervollen Romans stehen nicht nur die Figuren, die eine besondere Beziehung zu Bäumen haben, sondern vor allem die Bäume selbst, die über Jahrzehnte wachsen, die imposant sind, die fest mit dem Boden verankert sind, die von den Protagonisten beim Keimen, Emporstreben, Blühen und Früchtetragen beobachtet werden - und die schließlich vergehen, an Parasiten oder Krankheiten leiden, durch Klimaveränderungen absterben oder abgeholzt werden.

Powers zeigt dem Leser in seinem zwölften Roman, der auf der Shortlist des Man Booker Prize 2018 stand, wie faszinierend Bäume und das Ökosystem Wald sind und wie skrupellos der Homo sapiens seine Interessen durchsetzt, dabei buchstäblich über (Baum-) Leichen geht und am Ende sich selbst auslöscht.

‚Die Wurzeln des Lebens‘ war meine erste Begegnung mit Powers, so dass ich keine Vergleiche zu früheren Romanen des Autors ziehen kann, aber die poetische Sprache mit den wunderbaren Bildern, die exzellente Recherche, der packende und aufwühlende Inhalt sowie die perfekte Komposition (Wurzeln - Stamm - Krone - Samen) des Romans haben mich schlichtweg begeistert.

‚Die Wurzeln des Lebens‘ hat eine ungeheure Wucht, hat mich bewegt, fasziniert, erstaunt, entsetzt, verzweifeln lassen und zu Tränen gerührt.

‚Wenn Sie einen Baum fällen, dann muss das, was Sie daraus machen, mindestens genauso großartig sein wie das, was Sie zerstören.‘ (Seite 559)

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M

Rezension zu "Die Wurzeln des Lebens" von Richard Powers

Epische Betrachtung, das alles mit allem zusammenhängt
michael_lehmann-papevor 2 Monaten

Epische Betrachtung, das alles mit allem zusammenhängt

Schon führ, bevor die Globalisierung ungeahnte Ausmaße erreichte, bevor der Planet bis fast an seine Existenzgrenzen ausgebraut worden war, war es die Folge eines „internationalen Warenaustausches“, der zu einem umfassenden, nicht aufhaltbaren Sterben von Kastanien Bäumen in den USA führt.

Denn wo dieser Pilz in Ostasien auf „starke Abwehr“ im Immunsystem der dortigen Kastanien traf, hatten die bis dato geschützten Bäume in den USA keine Chance.

Der Inbegriff eines Baumes in Amerika, das Rückgrat der Ökonomie ganzer ländlicher Regionen, Baustoff für Häuser und alles aus Holz, Nahrung wenn er blüht und seine Früchte abwirft.

Bis auf diesen einen. Vielleicht an andern Orten auch vereinzelt, aber dieser eine wurde von Jorgen Hoel mit einigen anderen Kastanien aus einem Zufall heraus mit in den tiefen Westen genommen, wo Mitte des 19 Jahrhunderts Land an Siedler verschenkt wurde.

Von den 6 Kastanien, die Hoel dort pflanzte, überlebte eine. Und wuchs. Ruhig, bedächtig. Und alleine, denn sich selbst befruchten, das gelingt Kastanien nicht.

Ein Sinnbild der Familie auf der Farm, auf der gelebt, geliebt, gelacht, vor allem in aller Härte gearbeitet wird, , wo allmählich ein Friedhof sich vergrößern wird im Lauf der Jahrzehnte, wo der technische Fortschritt von einem der Nachfahren unreflektiert vorangetrieben wird. Bis dahin, dass Jahrzehnte später das Land ausgelaugt, die Farmen verkauft, das Leben verändert wird.

Gut, dass schon früh, mit den ersten Fotoapperaten, eine Familientradition entstand, den Baum einmal im Jahr zu fotografieren und so über Jahrzehnte hinweg das viel langsamere Leben des Baumes als das der Menschen im Zeitraffer vor Augen liegt. Bis Nick Hoeg einen Weg einschlägt, der in der Familie bis dato völlig unbekannt war, den des Künstlers.

Und doch wird es auch bei ihm, wie bei den anderen Hauptpersonen im Roman dauern, bis ein innerer Kontakt zur Natur, zum Baum, hergestellt wird.

Wobei Powers diese Verbindung von Beginn an setzt und die Bäume mit ihren Netzwerken, ihrem in Wäldern miteinander verbunden sein analog der menschlichen Kultur setzt. Wie sich eine Familie entfaltet, verzweigt, teils gar nichts mehr voneinander weiß und dennoch, natürlich, verbunden ist und bleibt. Was im Buch durchweg im Hintergrund mitläuft und, Schritt für Schritt, bewusster wird und enger in der den verästelten Verbindungen.

Und demgegenüber, wie in Nebensätzen, in Kriegen, in anderen ungünstigen Umständen, sterben Menschen. Einfach so. Am Ende auch durch die technischen Leistungen des „Erfindergeistes“, was Kriegsgerät und schwere Maschinen, aber auch, was eine Achtlosigkeit der Natur und dem Leben selbst gegenüber angeht.

Und immer wieder meldet sich diese ruhige, leise, schwer zu verstehende Stimme in den Ohren der Menschen.

„Hättest Du auch nur ein klein wenig mehr Sinn für das Grün, Dann hätten wir so viel Bedeutung für Dich, Du würdest darin ertrinken.

Aber auch das stimmt, „die Geschichte der Menschheit war die Geschichte eines immer ziellosen Hungers“.

„Man wird dem Planeten die Lunge herausreißen. Und das Gesetz wird alles hinnehmen, weil die Gefahr nie unmittelbar droht. Unmittelbar, nach menschlichem Zeitmaß, bedeutet zu spät. Das Gesetz muss das unmittelbar nach dem Zeitmaß der Bäume bestimmen“. Denkt sich Ray, der Anwalt, der allerdings nicht mehr ordentlich formulieren können wird zu diesem Zeitpunkt.

Teil einer Gruppe, die sich zur Rettung eines Waldes zusammengeschlossen hat. Und darin mehr finden wird als nur zu rettendes Holz, sondern fast so etwas wie Gefährten und weise Ratgeber.

Was ein wenig nach Zen klingt, was hier und da zu sehr mythisch wird, aber im Gesamten spannend und anregend und umfassend breit bei der Lektüre bis zum Ende verweilen lässt.

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O

Rezension zu "Die Wurzeln des Lebens" von Richard Powers

Hochaktuell und anrührend
Onleinvor 4 Monaten

Vielleicht das beste, was Powers bisher geschrieben hat. Dicht gefolgt oder mindestens Kopf an Kopf mit "Der Klang der Zeit", das ich auch ohne Einschränkung empfehlen kann. "Die Wurzeln des Lebens" ist hochaktuell, gerade jetzt, wo der Kampf um den Hambacher Forst so erbittert tobt und man nicht begreifen kann, wie Menschen mit der Natur umgehen und glauben, sie seien die Herren der Welt.
Und doch zeitlos, und ungeheuer anrührend.
Lesen!!!! Danach werdet Ihr die Welt mit ganz anderen Augen sehen. Der Countdown läuft. In gut einem Monat erscheint die deutsche Ausgabe.

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Gespräche aus der Community

Neu
L
Der Klang der Zeit von R. Powers ist eine total schöne Liebeserklärung an die Musik. Welche wetieren Romane kennt ihr, bei denen Musik eine Rolle spielt? Mein Onkel ist Musiker und ich würde ihm gerne eines eurer Vorschläge schenken! Danke
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Richard Powers wurde am 18. Juni 1957 in Evanston, Illinois (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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