Richard Price Die Unantastbaren

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Inhaltsangabe zu „Die Unantastbaren“ von Richard Price

Gewinner des deutschen Krimi Preises 2016:›Die Unantastbaren‹. Der packende COP-ROMAN von Richard Price - Nachtschicht in Manhattan: Billy Graves ist ein ruheloser Cop. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks in New York City abfährt.

Billy und vier seiner Freund bilden den harten Kern der Wildgänse - einer Gruppe vom Leben gezeichneter Cops und Ex-Cops in Manhattan, New York. Vergangene Untaten schweißen sie zusammen. Billy fristet, seit er bei einem Schusswechsel einen zwölfjährigen Jungen getötet hat, seine Zeit als Detective in der Nachtschicht. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen Unantastbaren, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte.

Als er einen der Unantastbaren in einer gigantischen Blutspur entlang einer Subway-Station findet, gerät die ungesühnte Vergangenheit wieder an die Oberfläche, und Billy beginnt, gegen seine engsten Vertrauten zu ermitteln. Ein fesselnder New York-Roman, knallhart, fesselnd und gnadenlos gut.

'Unmöglich aus der Hand zu legen.' Stephen King

Der Einstieg fiel mir recht schwer, aber das dranbleiben hat sich gelohnt. Klasse New York-Cop-Roman.

— Kodabaer

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  • eBook Kommentar zu Die Unantastbaren von Richard Price

    Die Unantastbaren

    Christian

    18. November 2016 um 20:00 via eBook 'Die Unantastbaren'

    Nicht so gut wie "Cash". Aber mit unglaublichen vielen tollen Formulierungen und Wortspiele.

  • Price-less

    Die Unantastbaren

    JimmySalaryman

    08. October 2016 um 20:23

    Neben Mamet ist Price der Meister der Dialoge, da kann auch der gute Elmore Leonard einpacken.  Das hier ist kein Krimi, kein Thriller, das ist alles zu klein gedacht. Der deutsche Literaturbetrieb braucht so kleingeistige Einteilungen und Genregrenzen, weil ihnen sonst schnell der Kopf raucht. Auf Price muss man sich immer wieder neu einlassen.  Es ist ein ganz eigener Sound, eine eigene Architektur, keine stringent erzählte Geschichte, sondern eher eine Chronik, eine zerfasernde Assoziationskette in urbanem setting. 

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  • On the nightshift.

    Die Unantastbaren

    Gulan

    Als Billy und der Großteil seines Teams Penn Station erreichten und von dort die schmuddelige lange Passage im unteren Geschoss, die die Long-Island-Pendlerzüge mit der Subway am anderen Ende verband, hatten die Polizisten, die als Erste am Tatort gewesen waren, Zivilfahnder sowohl der New Jersey Transit als auch der Long Island Rail Road, die Situation bereits erstaunlich gut im Griff. Unsicher, welchen Teil der hundert Meter langen Blutspur sie sichern sollten, hatten sie kurzerhand alles abgesperrt, mit Klebeband und Mülltonnen wie einen Slalomparcours. […] „Wo ist die Leiche?“, fragte Billy. Wenn er Glück hatte, sah er die Kinder zum Abendessen. „Folge dem gelben Backsteinweg.“ Feeley deutete auf die rot-braunen Turnschuhabdrücke, die den Weg wie blutige Tanzschrittanweisungen markierten. „Das ist einer fürs Sammelalbum, so viel ist mal klar.“ (S.22-23) Billy Graves ist Detective der Nachtschicht des NYPD. Seiner Einheit obliegt es, die Fälle aufzunehmen und dann an die nächste Tagschicht abzugeben. Doch ein Mordfall erregt seine volle Aufmerksamkeit: In einem U-Bahn-Tunnel liegt die Leiche von Jeffrey Bannion. Bannion ist für Billy kein Unbekannter: Er ist ein Mörder, der nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde. Ein Täter, bei dem die ermittelnden Beamten hundertprozentig von dessen Täterschaft überzeugt waren, aber die Beweise nie für eine Anklage gereicht hatten. Bannion ist einer der Unantastbaren. Keiner hatte diese Unantastbaren gebeten, sich in ihrem Leben häuslich niederzulassen, keiner hatte diese Schatten gebeten, so dauerhaft und willkürlich wie Malaria ihre Seelen zu belagern, keiner hatte darum gebeten, diesem düsteren Streben derart hilflos ausgeliefert zu sein, dass sie keine Wahl hatten, als ihm weiter und weiter zu folgen. (S.42) Einst waren sie eine verschworene Gemeinschaft von jungen Cops, die sogenannten Wildgänse. Begannen ihre Karriere in einem der schlimmsten Reviere in der Bronx. Später als Detectives hatten alle von ihnen ein Erlebnis mit einem Unantastbaren, einem Mörder, der ungeschoren davon gekommen war und damit zu einer Art Obsession für die Ermittler wurde. Noch Jahre später und selbst nach Quittierung des Dienstes werden die Akten regelmäßig gewälzt, nach nicht beachteten Spuren geforscht und Kontakt zu den Hinterbliebenen des Opfers gehalten. Der Unantastbare ist wie ein persönlicher Dämon für jeden Einzelnen von ihnen. Vom harten Fünferkern der Wildgänse ist nur noch Billy Graves im Polizeidienst. Ein Familienvater, Anfang vierzig und schon schwer gezeichnet von Leben und vor allem vom Job (Er war zwar erst zweiundvierzig, aber sein Knitterzellophanblick gepaart mit einer exquisiten Schlaflosenpose hatte ihm schon mal eine Seniorenermäßigung fürs Kino eingebracht. Der Mensch war nicht dazu gemacht, erst nach Mitternacht mit der Arbeit anzufangen – Ende der Durchsage, scheiß auf die Zulage. S.11). Als er mitbekommt, dass nach Jeffrey Bannion noch ein weiterer Unantastbarer ums Leben gekommen ist, klingeln bei ihm die Alarmglocken. Er laviert hin und her zwischen Pflichtgefühl und Loyalität zu seinen Kameraden, denen er eine Tatbeteiligung zutraut. Dabei hat er zuhause genug zu tun, denn auch seine Frau Carmen schleppt eine unausgesprochene Last mit sich herum, sein dementer Vater (Ex-Cop, was sonst?) lebt bei seiner Familie und dann werden auch sie noch von einem Unbekannten terrorisiert. Die Nacht entwickelte sich zu einer weiteren Nullrunde, der einzige Einsatz bisher führte um vier Uhr an einen Außentatort im West Village, wo ein Hausbesitzer im Garten von einem Rasenmäher angeschossen worden war. Die scharfe 357er-Patrone, die zuvor im Gras geschlummert hatte, war von den Rotorblättern angesogen und gezündet worden und dann aus dem hinteren Teil des Geräts in seine Eier gefeuert. Als Billy und Stupak am Tatort eintrafen – Schüsse waren nun mal Schüsse -, durchkämmten die Sprengstoffexperten bereits den Garten nach weiteren Blindgängern, und irgendein Witzbold hatte den Luxusrasenmäher mit Handschellen an eine Laterne gekettet. (S.326) Das Faszinierende am Roman ist zum einen sein stetiger, pulsierender Rhythmus, durch Billys ständige Nachtschicht verschwimmen Tag und Nacht, wie Sinatra schon sang, „the city that never sleeps“. Billy verrichtet unverrichteter Dinge seinen Job und wir begleiten ihn zu den allnächtlichen Verbrechen quer durch Manhattan und bekommen Einblicke in den Kosmos des „Big Apple“. Zum anderen spielt Richard Price seine große Erfahrung als Drehbuchautor (u.a. für „The Wire“ und „Die Farbe des Geldes“) aus und schafft sehr realistische, knappe, lakonische, auch humorvolle Dialoge, die er für eine Drehbuchadaption eigentlich kaum verändern müsste. Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren bei der Lektüre seines letzten Romans „Cash“ noch nicht so ganz sicher war, was ich von dieser Mischung aus Großstadtroman und „cop novel“ halten sollte (wahrscheinlich muss ich das Ding einfach nochmal lesen). Mit „Die Unantastbaren“ ist Richard Price auf jeden Fall ein großer Wurf gelungen. Gebrochene Cops in einer schlaflosen Stadt und die ganz großen Gefühle: Liebe, Freundschaft, Loyalität, Verrat, Schuld, Rache, Wut und Hass. Dieser Roman gewann übrigens vor einigen Wochen den Deutschen Krimi Preis 2016 in der Kategorie „International“. Aus meiner Sicht eine gute Wahl.

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    • 7

    parden

    30. March 2016 um 11:11
    buchjunkie schreibt Wow, deine Rezi hat mich begeistert! Das Buch würde ich auch gerne lesen! Kommt auf meine WL!

    Das habe ich auch gearde gedacht. Tolle, begeisternde Rezension!

  • Großstadtnächte oder Jeder Cop hat einen weißen Wal

    Die Unantastbaren

    Havers

    02. March 2016 um 18:57

    Die Cop-Romane des amerikanischen Schriftstellers Richard Price sprengen die Grenzen des Genres. Price schreibt Großstadtreportagen, er ist ein Chronist der Gegenwart. Es sind nicht „nur“ Thriller, sondern Studien einer Metropole und ihrer Bewohner, wobei der Fokus immer auf zwei Bevölkerungsgruppen liegt: denjenigen, die mit dem Gesetz in Konflikt kommen und denjenigen, die das Gesetz vertreten. Aus diesem Spannungsverhältnis speisen sich seine Romane. So auch in seinem neuesten Werk „Die Unantastbaren“, im Original unter dem Titel „The Whites“ erschienen. Damit sind nicht „die Weißen“ gemeint,  sondern Moby Dick, der weiße Wal, der allen Harpunen ausweichen kann. Jeder Cop in New York hat seinen Unantastbaren, einen Kriminellen, dessen Schuld zweifelsfrei feststeht,  den er aber nicht festnageln kann. So auch die ehemaligen „Wildgänse“, eine Gruppe von noch aktiven und ehemaligen Polizisten, die in der New Yorker Unterwelt ob ihrer brutalen Vorgehensweise gefürchtet waren und sind. Zu ihnen gehört auch Detective Billy Graves, der Nacht für Nacht in den Straßen der Stadt unterwegs ist, ausgelaugt von zu vielen Nachtschichten, zu viel Kaffee und zu vielen Zigaretten. Und von der Gewissheit, dass sein Job dem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Des Weiteren frustriert ihn aber auch der Umstand, dass er des nachts zwar die Verbrechen aufnimmt, aber die Aufklärung derselben dann in die Hände der Kollegen der Tagschicht übergeben muss und an der Aufklärung in den meisten Fällen kaum noch beteiligt ist. Nacht für Nacht in diese Abgründe schauen zu müssen, immer mit der Gewissheit, dass nur ein Bruchteil der Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden wird, hat ihn im Laufe seiner Dienstzeit zermürbt. Doch dann wird einer dieser Unantastbaren an der Penn Station niedergestochen, und das soll nicht der einzige bleiben. Haben seine ehemaligen Kollegen auf der Suche nach Gerechtigkeit das Gesetz selbst in die Hand genommen? Alle Spuren weisen darauf hin, und Billys persönliche Moral gerät auf den Prüfstand. „Die Unantastbaren“ geht unter die Haut, besticht durch die präzise, harte Sprache, die die Handlung gnadenlos vorantreibt – ganz so, wie sich die Personen  durch die nächtlichen Straßen New Yorks bewegen. Emotionalität im Sinne von rührselig sucht man vergebens, hier wird nicht nach Sympathien gefischt, sondern die knallharte Realität abgebildet. Und dennoch geht es um die großen Themen, um Schuld und Unschuld, um Rache und Gerechtigkeit, um Loyalität und Verrat. Um die Frage nach persönlicher Moral und dem Wunsch nach Vergeltung. Richard Price, geboren und aufgewachsen in der Bronx, Drehbuchautor hochkarätiger Hollywoodfilme und der vielfach ausgezeichneten TV-Serie „The Wire“, zeigt in ungeschönten Bildern, was ein Berufsleben mit Menschen macht, die jeden Tag bzw. jede Nacht dazu gezwungen sind, in den Abgrund zu schauen. Wie bereits Friedrich Nietzsche in seinem Werk „Jenseits von Gut und Böse“ schrieb: „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."

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  • Von Cops und anderen Gescheiterten

    Die Unantastbaren

    Babscha

    15. February 2016 um 13:36

    Sie sind eine besondere Truppe, bestehend aus vier Männern und einer Frau. Fünf ehemalige bzw. noch im Dienst befindliche New Yorker Polizisten, die das Schicksal zusammengeführt hat und die neben den intensiven Erlebnissen ihrer gemeinsamen Jobvergangenheit vor allem eins zusammenschweißt: Jeder hat einen sogenannten Unantastbaren, eine Person, die ein Verbrechen zweifelsfrei begangen hat, aber aus verschiedensten Gründen dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Was jedem Einzelnen am Ego nagt und nicht zur Ruhe kommen lässt. Eines Tages wird einer dieser Unantastbaren ermordet aufgefunden. Und damit setzt sich eine unaufhaltsame Spirale in Gang, die nur eine Richtung kennt. Im Stil seiner Vorgängerwerke legt der Autor hier wieder eine harte, humorlose, solide und glaubhafte Polizeistory aus den tiefsten Tiefen der Realität des amerikanischen Polizeialltags vor. Die Geschichte selbst enthält zwar einige interessante Wendungen und Entwicklungen, schießt aber in der Düsternis ihrer zahlenmäßig ausufernden und streckenweise kaum noch zuzuordnenden Protagonisten etwas übers Ziel hinaus. Price produziert hier ausnahmlos kaputte Typen mit einer traumatisierten Vergangenheit, nicht vorhandenen Sozialbindungen, Gewalt- und Drogenerfahrungen etc.. Das transportiert zwar ganz gut die offensichtlich wieder angestrebte Darstellung der ganzen Hoffnungslosigkeit des sozialen Lebens und Alltags einer amerikanischen Metropole, verhindert aber auch die wirklich feine Akzentuierung seiner Hauptakteure, die in diesem ganzen Sumpf trotz ihrer harten Lebensschicksale damit leider ebenfalls irgendwie beliebig bleiben und beim Leser überhaupt kein eigenes Gesicht gewinnen. Und das gilt insbesondere für Billy Graves, einen der Wildgänse, und seine Frau Carmen, die in ihrer Ehe und Familie weder mit noch ohne ihren Partner können und sich, jeder beladen mit den dunklen Geheimnissen seiner Vergangenheit, permanent umkreisen und belauern. Bis die Geschehnisse dann alle Beteiligten unausweichlich einholen. Was an dem Roman gut gefällt, sind die messerscharfen, so geschliffenen wie brutal-ehrlichen Dialoge direkt aus Kopf und Herz seiner Mitwirkenden, die letztlich alle nur ums Überleben in einer gnadenlosen und aggressiven Lebenswirklichkeit kämpfen. Das hat Price drauf wie kaum ein anderer, hier ist er Meister seines Fachs. Genau wie die dementsprechend brillante Übersetzerin natürlich. Und das hält die Spannung letztlich oben und treibt das Ganze nach vorne. Alles in allem ein spannender, gut lesbarer Roman, der aufgrund der reichlich verschachtelten Abläufe allerdings keine längeren Leseunterbrechungen zulässt und darüber hinaus Leser ansprechen dürfte, die sich in geradlinigen True-Crime-Stories aufgehoben fühlen.

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  • Knallhart, schlagfertig, rotzig und autenthisch

    Die Unantastbaren

    Esme--

    Inhalt: Billy Graves führt die Dienstaufsicht über eine handvoll von Detectives des NYPD, deren Schicht zwischen ein Uhr bis acht Uhr morgens andauert. Jeden der Kollegen sucht ein „Unantastbarer“ heim; ein Verbrecher, den er bis heute nicht dingfest machen konnte. Als eines Morgens einer dieser Verbrecher tot aufgefunden wird, reißen alte Wunden auf. Aber nicht nur das: auch Billys Familie wird von einem Fremden beobachtet und Billy muss zusehen, wie dieser ihm – wieder einmal – stets einen Schritt voraus ist. Schreibstil: Richard Price ist ein Meister seines Handwerks. Er entwirft ein dreckiges düsteres Szenario, setzt seine vom Leben gebrochenen Charaktere hinein und macht es ihnen in dieser Welt nicht einfacher. Wer die Fernsehserie „The Wire“ kennt, der mag vielleicht schon eine Ahnung davon haben, wie die Welt des Autors auf den Leser wirkt. Richard Price ist nicht nur in der Bronx aufgewachsen, er hat auch an dieser Serie mitgewirkt. Seine Charaktere sind -hier wie da - gebrochene Polizisten, deren Nächte aus Alkohol, Zigaretten und wenig Schlaf bestehen. Nehme man hier zum Beispiel Billy, dessen Frau unter schweren Depressionen leidet, der zwei Kinder und einen an Alzheimer erkranken Vater unter seinem Dach beherbergt. Nicht nur, dass die harten, arbeitsreichen Nächte ihm den Schlaf am Tage rauben, auch mit der Familie läuft es nicht immer rund. Der Vater zum Beispiel lebt in der Vergangenheit und schlüpft des öfteren in das Bett der Eheleute, weil er in Gedanken noch mit seiner Frau zusammenlebt. Billys Ehefrau hingegen hat diese Ausbrüche, die sie mit Medikamenten im Zaum hält. Einerseits mag das eine Belastung sein, andererseits sagt Billy aber auch, dass er es schätzt, dass seine Frau in ihm den Retter erkennt, dass sie sich in der Not an ihn klammert. Die Sätze, die Richard Price entwirft, sind gewöhnungsbedürftig. Stellenweise sehr lang, aber auch mit einem eigenen Humor gesegnet. Die Umgangssprache, mit der er seinen Leser konfrontiert, mag nicht immer einfach sein. Sich hineinzulesen lohnt sich aber, zumal gerade diese Sätze das Szenario greifbar machen. Man fühlt sich direkt in der Bronx ausgesetzt, direkt neben richtig gebrochenen Typen. Richard Prices Dialoge scheinen der Straße abgelauscht: Knallhart, schlagfertig, rotzig und autenthisch. Der Handlungsstrang dieses Romans ist verästelt. Einerseits sind es die Unantastbaren, um die es geht, andererseits ist es das Leben der Polizisten, welches wohl die Hauptrolle spielt. Neben Billys Perspektive darf der Leser sich auch auf Kapitel aus Sicht eines anderen Polizisten namens Milton Ramos freuen. Welche Rolle dieser Polizist in diesem Roman spielen wird, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Soviel aber vorweg: Es wird spannend. Fazit: Richard Price gelingt es wie keinem zweiten, den Leser in die Welt mitzunehmen, in der seine Helden überleben. Ein Handlungsstrang, der sehr verästelt ist, lange Sätze, die Konzentration erfordern - bei anderen Autoren das Ende der Lesefreude. Nicht so bei Richard Price. Sein Schreibstil, fesselt den Leser. Dieser hängt quasi an den Buchstaben und versinkt in einer Welt, in der Detectives sich durch die Unterschicht wühlen und dabei versuchen, nicht daran zu zerbrechen. Vielleicht kommt „Die Unantastbaren“ nicht direkt an Richard Prices Werk „Cash“ heran, dennoch ist es ein Roman von dem Liebhaber guter Literatur überzeugt sein werden. Buchzitate: Er nahm von diversen Tatorten Aufträge für die Nachtschicht entgegen und blockte sie ab wie ein Torwart. Es klopfte sachte an der Haustür, dann trat Alice Stupak ein, eins sechzig groß und gebaut wie ein Bus; mit ihrer chronischen Gesichtsrose und dem vorlauten kurzen Pony erinnerte sie Billy beharrlich an einen kampferprobten Peter Pan mit Alkoholproblem. Das Fleisch ist so zäh, dass es sich vom Teller erhoben und den Kaffee verdroschen hat, der zu schwach ist, um sich zu wehren.

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    • 2
  • Selbstjustiz in New York

    Die Unantastbaren

    Lilli33

    25. November 2015 um 20:56

    Gebundene Ausgabe: 432 Seiten Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (22. Oktober 2015) Sprache: Deutsch ISBN-13: 978-3100024169 Originaltitel: The Whites Preis: 24,99 € Selbstjustiz in New York Nach „Cash“ ist „Die Unantastbaren“ mein zweiter Roman von Richard Price. Und obwohl er mich nicht wirklich begeistern konnte, konnte ich mich einem gewissen Sog doch nicht entziehen. Richard Price versteht es wie kein Zweiter, das Leben eines New Yorker Cops zu vermitteln. Dicht an der Seite des Protagonisten Billy Graves erleben wir den Alltag zwischen Verbrechen und Familie. Dabei ist der vorliegende Roman kein Kriminalroman im herkömmlichen Sinn. Ich würde ihn eher als Spannungsroman bezeichnen. Es geht nicht vordergründig darum, ein Verbrechen aufzuklären, sondern über weite Strecken einfach um den authentisch dargestellten Berufsalltag eines Cops der New Yorker Polizei. Daneben haben wir es allerdings auch noch mit einer Bedrohung von Billys Familie zu tun, wobei der Leser mehr weiß als Billy selbst. Dies tut der Spannung jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Zuzusehen, wie Billy blind im Dunkeln stochert und selbst die Gefahr zu kennen, macht einen als Leser sogar noch nervöser. Und auch die Jagd auf die „Unantastbaren“ spielt eine Rolle. Die Unantastbaren sind Verbrecher, denen man bisher nichts nachweisen konnte, obwohl man genau weiß, in was sie alles verstrickt sind. Für einen Polizisten muss es ganz schön frustrierend sein, wenn diese Leute immer wieder davonkommen. Kein Wunder, dass der ein oder andere auf die Idee kommt, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Gewöhnungsbedürftig ist der Schreibstil, vor allem die Dialoge. Sie sind nämlich recht umgangssprachlich gehalten, wobei auch die Satzzeichen nicht regelrecht gesetzt werden. Aber das kommt ja auch im realen Dialog vor, dass jemand zum Beispiel eine Aussage wie eine Frage klingen lässt oder umgekehrt. „Und wo kamen sie her.“ „Jaunting Car.“ „Was ist das.“ (S. 252) Richard Price schreibt nicht nur Romane, sondern auch Drehbücher. So ist es kaum verwunderlich, dass auch beim Lesen seiner Romane das Kopfkino anspringt und man die Szenen direkt vor sich sieht. Aufgewachsen in der Bronx, weiß Price genau, worüber er schreibt. Deshalb wirkt alles so realistisch. ★★★★☆

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