Richard Schuberth

 3,5 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor*in von Der Paketzusteller, Chronik einer fröhlichen Verschwörung und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Richard Schuberth, geb. 1968 in Ybbs a. d. Donau, Romancier, Essayist, Dramatiker, Kulturwissenschaftler, Cartoonist, Songwriter, Regisseur. Publikationen im Drava Verlag: Freitag in Sarajevo, Wie Branka sich nach oben putzte, Trommeln vom anderen Ufer des großen Flusses, Rost und Säure, Frontex – Keiner kommt hier lebend rein, Unruhe vor dem Sturm, Bus nach Bingöl, Die Welt als guter Wille und schlechte Vorstellung, Rückkehr des Dschungels, Der Paketzusteller Weitere Publikationen (Auswahl): Chronik einer fröhlichen Verschwörung (Zsolnay), Narzissmus und Konformität (Matthes & Seitz), Lord Byrons letzte Fahrt (Wallstein), Lord Byron - der erste Anti-Byronist (Wallstein), Karl Kraus – 30 und drei Anstiftungen (Klever) 2021 Theodor Kramer Preis für Schreiben im Exil und im Widerstand, 2022 Elias-Canetti-Stipendium

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Richard Schuberth

Cover des Buches Chronik einer fröhlichen Verschwörung (ISBN: 9783552057142)

Chronik einer fröhlichen Verschwörung

(4)
Erschienen am 02.02.2015
Cover des Buches Der Paketzusteller (ISBN: 9783991381143)

Der Paketzusteller

(4)
Erschienen am 13.10.2025
Cover des Buches Bus nach Bingöl (ISBN: 9783854359449)

Bus nach Bingöl

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Erschienen am 15.10.2020
Cover des Buches Die Gedichte (ISBN: 9783991381419)

Die Gedichte

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Erschienen am 16.03.2026
Cover des Buches Rückkehr des Dschungels (ISBN: 9783991380399)

Rückkehr des Dschungels

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Erschienen am 30.09.2023
Cover des Buches Vom Antisemitismus, der keiner sein will (ISBN: 9783893203390)

Vom Antisemitismus, der keiner sein will

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Erschienen am 09.03.2026

Neue Rezensionen zu Richard Schuberth

Cover des Buches Der Paketzusteller (ISBN: 9783991381143)
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Rezension zu "Der Paketzusteller" von Richard Schuberth

aus-erlesen
Lupenreiner Krimi

Nur mal so ganz theoretisch: Kennen Sie Trolle? Diese kleinen fiesen Mistzwerge, die im Netz so allem und jeden eine Meinung haben. Vorrangig aber belehren und sich in den Vordergrund zwängen wollen. Viele von ihnen wissen um ihre assoziale Umgangsform in den sozialen Medien. Und das stärkt sie in ihrem Drang anderen eine aufs digitale Maul zu geben. Sie haben ja schließlich die Diagnose assozial und somit die Legitimation diese auch auszuleben.

Gerhild Pfister – eine Name wie ein Kanonenschusssssss – ist so eine. Facebook ist ihr Revier. Ziemlich schlau. Und manipulierend. Rigoros. Abstoßend. Sie meint es nicht gut mit dem Leben der Anderen. Doch nun schlägt Karma zurück. Ab jetzt meint es das Leben mit ihr nicht mehr gut: Sie hat Krebs. Wie schon man doch in Bildern das Wort „hope“ in Szene setzen kann, mit Steinchen, sinnüberfrachteten Sprüchen, endlosen Horizonten – boah, schon bei der Vorstellung hofft man auf ein schnelles Ende, um nicht noch mehr von diesem bedeutungsschwangeren Unsinn ansehen muss!

Abermals schaltet sich Karma ein. Haydar ist Paketzusteller. Und irgendwie sind Gerhild und Haydar – tja, was sind sie? Ein Paar? Verrückt aufeinander? Einander zugeneigt? Das wissen sie selbst nicht. Erst als Haydar nicht mehr da ist, beginnt für Gerhild ein neues Leben. Nicht im Netz, sondern ganz analog! Ihn im Netz zu suchen, ist für Gerhild eine Fingerübung. Im echten Leben, da draußen, ist es eine fast unlösbare Aufgabe. Was hat eigentlich Haydars Chef mit der Sache zu tun? Er hat definitiv was damit zu tun! Hat er? Nee, das kann nicht sein?! Oder hat er doch … Haydar ums Leben gebracht. Wenn das so ist, dann – Gerhild wächst zum ersten Mal seit Jahren über sich hinaus. Wie ein Transformer wird aus dem followerstarken Miesepeter eine gigantische Rachemaschine, die … letztendlich …

Der Showdown in diesem Buch ist eine Granate! Eine, die sofort explodiert und ein riesiges Trümmerfeld hinterlässt. Hat man am Anfang des Buches kaum Sympathien für den gallespritzenden Troll Gerhild, so gönnt man ihr nicht nur ob der Diagnose doch ein kleines Stückchen Glück. Als dies vom Tisch kullert, und der böse Hund auch noch die letzten Reste zu verschlingen droht – Achtung Sprachbild! – muss man sich selbst an die Leine legen, um sich nicht selbst in den Rachefeldzug einzureihen.

Richard Schuberth verwebt auf angenehme Weise moderne Unarten mit einem Schicksal, das ganz klassisch immer noch jeden treffen kann zu einem Rachekrimi, der nicht viele seiner Art neben sich dulden muss.

Cover des Buches Chronik einer fröhlichen Verschwörung (ISBN: 9783552057142)
W

Rezension zu "Chronik einer fröhlichen Verschwörung" von Richard Schuberth

WinfriedStanzick
Eiun gelungenes Romandebüt



In seinem wirklich beachtlichen Debütroman „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ ist dem 1968 geborenen österreichischen Schriftsteller Richard Schuberth eine perfekte Mischung gelungen aus einer literarischen Erzählersprache, die durch Witz, Treffsicherheit und Eleganz von der ersten Seite an den Leser beeindruckt und ihm auch einiges abverlangt und einer Jugendsprache, die er beide beeindruckend kontrastiert.

Beide Sprachformen stehen für die beiden Hauptpersonen des unterhaltsamen, spannenden und anspruchsvollen Romans. Da ist der fast 70-jährigen Jude und ehemalige Hochschulprofessor für Philosophie Ernst oder Ernö Katz. Er sitzt auf der Westbahnstrecke im Zug, als er auf die junge stark gepiercte Biggy trifft, die ihm gegenüber sitzt und mit der er ins Gespräch kommt. Diese beiden Personen könnten ungleicher nicht sein und dennoch entwickelt sich zwischen ihnen eine lange Geschichte, die Richard Schuberth als „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ auf fast 500 Seiten erzählt.

Diese im normalen Leben eher seltene bis unwahrscheinliche Konstellation wählt und nutzt der Autor, um Positionen und Lebensentwürfe aufeinander treffen zu lassen, die im wirklichen Leben nichts miteinander zu tun haben. Gleichzeitig kann er damit angebliche Gegensätze, aber auch Übereinstimmungen in Frage stellen.

Neben diesem ungleichen Paar taucht noch eine dritte Figur auf, der junge Autor Rene Mackensen. Eher bescheiden mit literarischem Talent ausgestattet, versucht der unter dem Druck seines Lektors einen Holocaustroman zu schreiben. Er will das Schicksal und die Biographie der Dichterin, Philosophin und Germanistin Klara Sonnenschein, einer Studienkollegin von Ingeborg Bachmann, beschreiben. Schuberth hat den einzelnen Kapiteln Aphorismen und Verse von Klara Sonnenschein vorangestellt.

Ernst Katz, Spezialist für die Kritische Theorie, der mit einem feinen Sensor Regungen des „autoritären Charakters“, Manifestationen von Rassismus bzw. Antisemitismus – aber auch verlogene politisch korrekte Posen und Anbiederungen an den Mehrheitsgeschmack verfolgt, hat Klara Sonnenschein gut gekannt und wehrt sich heftig gegen den Plan Rene Mackensens.

Als die 17-jährige Birgit Haunschmid einige Zeit nach ihrer ersten Begegnung im Zug, vor Katz` Tür steht und fragt ob sie einige Wochen bei ihm wohnen dürfe, entwickelt sich bald eine nicht alltägliche Freundschaft. Die beiden rauchen Gras, ziehen um die Häuser und führen endlose Gespräche über Literatur, Philosophie und Weltanschauung. Nach einiger Zeit (Biggy hat die „Prüfungen“ von Ernst Katz sämtlich bestanden) wird ihre Freundschaft enger. Der österreichische Leser, der sich in der Wiener Kultur- und Literatenszene auskennt, wird in diesem Roman die hintergründigen Feinheiten und Gemeinheiten, die Schuberth vor allem Katz in den Mund legt viel besser verstehen und goutieren als ein im deutschen Odenwald lebender Rezensent.

Dennoch bleiben auch dem deutschen mit der Wiener Szene unvertrauten Leser genügend Happen, an denen er sich reiben, über die er nachdenken und über die er sich amüsieren kann.

Biggy und Ernst Katz beginnen bald mit allerlei Tricks Rene Mackensen auf angebliche Spuren Klara Sonnenscheins in Belgrad und Tel Aviv zu lotsen. Trotz aller Genialität ihrer Ideen, haben sie Sache nicht immer im Griff. Richard Schuberth kennt in seinem Roman kein Richtig und Falsch. Immer wieder ist der Leser selbst gefordert, innerlich Stellung zu nehmen, sich zu distanzieren oder zu sympathisieren.

Mit vielen philosophischen Reflexionen versehen, ist der Roman keine reine Unterhaltung, sondern fordert zur Auseinandersetzung heraus, insbesondere über den Umgang mit dem Holocaust. So lässt Schuberth Ernst Katz etwa in indirekter Rede sagen: „Wie könne man so schäbig und dumm sein zu glauben, der schrecklichen Realität mit ästhetischem Realismus beizukommen.“ Oder: „Es sei die Heuchelei, die ihn wütend mache, mit der sich jeder dahergelaufene Schmierfink und Szenefilmer in diesem Geschichtsmuseum des Schreckens bedienen dürfe.“

Der Roman ist ein gelungenes Debüt und gerne würde man von diesem Autor bald einen zweiten Roman lesen.








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