Richard Schuberth Chronik einer fröhlichen Verschwörung

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Inhaltsangabe zu „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ von Richard Schuberth

Vor der Tür des siebzigjährigen Philosophen Ernst Katz steht die Schülerin Biggy. Sie kennen einander von einer Bahnfahrt: Katz, dem verschrobenen letzten Mohikaner der Kritischen Theorie, war das Mädchen wegen seines scharfzüngigen Mundwerks aufgefallen. Mit einem Wiedersehen hatte er nicht gerechnet. Er nimmt Biggy bei sich auf und weiht sie ein in seinen Plan, den "Holocaustroman" eines Jungschriftstellers zu verhindern - einen Roman über eine außergewöhnliche Frau, mit der Katz ein Geheimnis verbindet. Doch ihre kühnen Methoden drohen zu scheitern. Richard Schuberths Debüt ist ein moderner Schelmenroman und eine rasante Außenseiterballade zweier ungleicher Zeitgenossen.

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    Chronik einer fröhlichen Verschwörung

    WinfriedStanzick

    24. April 2015 um 13:18

    In seinem wirklich beachtlichen Debütroman „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ ist dem 1968 geborenen österreichischen Schriftsteller Richard Schuberth eine perfekte Mischung gelungen aus einer literarischen Erzählersprache, die durch Witz, Treffsicherheit und Eleganz von der ersten Seite an den Leser beeindruckt und ihm auch einiges abverlangt und einer Jugendsprache, die er beide beeindruckend kontrastiert. Beide Sprachformen stehen für die beiden Hauptpersonen des unterhaltsamen, spannenden und anspruchsvollen Romans. Da ist der fast 70-jährigen Jude und ehemalige Hochschulprofessor für Philosophie Ernst oder Ernö Katz. Er sitzt auf der Westbahnstrecke im Zug, als er auf die junge stark gepiercte Biggy trifft, die ihm gegenüber sitzt und mit der er ins Gespräch kommt. Diese beiden Personen könnten ungleicher nicht sein und dennoch entwickelt sich zwischen ihnen eine lange Geschichte, die Richard Schuberth als „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ auf fast 500 Seiten erzählt. Diese im normalen Leben eher seltene bis unwahrscheinliche Konstellation wählt und nutzt der Autor, um Positionen und Lebensentwürfe aufeinander treffen zu lassen, die im wirklichen Leben nichts miteinander zu tun haben. Gleichzeitig kann er damit angebliche Gegensätze, aber auch Übereinstimmungen in Frage stellen. Neben diesem ungleichen Paar taucht noch eine dritte Figur auf, der junge Autor Rene Mackensen. Eher bescheiden mit literarischem Talent ausgestattet, versucht der unter dem Druck seines Lektors einen Holocaustroman zu schreiben. Er will das Schicksal und die Biographie der Dichterin, Philosophin und Germanistin Klara Sonnenschein, einer Studienkollegin von Ingeborg Bachmann, beschreiben. Schuberth hat den einzelnen Kapiteln Aphorismen und Verse von Klara Sonnenschein vorangestellt. Ernst Katz, Spezialist für die Kritische Theorie, der mit einem feinen Sensor Regungen des „autoritären Charakters“, Manifestationen von Rassismus bzw. Antisemitismus – aber auch verlogene politisch korrekte Posen und Anbiederungen an den Mehrheitsgeschmack verfolgt, hat Klara Sonnenschein gut gekannt und wehrt sich heftig gegen den Plan Rene Mackensens. Als die 17-jährige Birgit Haunschmid einige Zeit nach ihrer ersten Begegnung im Zug, vor Katz` Tür steht und fragt ob sie einige Wochen bei ihm wohnen dürfe, entwickelt sich bald eine nicht alltägliche Freundschaft. Die beiden rauchen Gras, ziehen um die Häuser und führen endlose Gespräche über Literatur, Philosophie und Weltanschauung. Nach einiger Zeit (Biggy hat die „Prüfungen“ von Ernst Katz sämtlich bestanden) wird ihre Freundschaft enger. Der österreichische Leser, der sich in der Wiener Kultur- und Literatenszene auskennt, wird in diesem Roman die hintergründigen Feinheiten und Gemeinheiten, die Schuberth vor allem Katz in den Mund legt viel besser verstehen und goutieren als ein im deutschen Odenwald lebender Rezensent. Dennoch bleiben auch dem deutschen mit der Wiener Szene unvertrauten Leser genügend Happen, an denen er sich reiben, über die er nachdenken und über die er sich amüsieren kann. Biggy und Ernst Katz beginnen bald mit allerlei Tricks Rene Mackensen auf angebliche Spuren Klara Sonnenscheins in Belgrad und Tel Aviv zu lotsen. Trotz aller Genialität ihrer Ideen, haben sie Sache nicht immer im Griff. Richard Schuberth kennt in seinem Roman kein Richtig und Falsch. Immer wieder ist der Leser selbst gefordert, innerlich Stellung zu nehmen, sich zu distanzieren oder zu sympathisieren. Mit vielen philosophischen Reflexionen versehen, ist der Roman keine reine Unterhaltung, sondern fordert zur Auseinandersetzung heraus, insbesondere über den Umgang mit dem Holocaust. So lässt Schuberth Ernst Katz etwa in indirekter Rede sagen: „Wie könne man so schäbig und dumm sein zu glauben, der schrecklichen Realität mit ästhetischem Realismus beizukommen.“ Oder: „Es sei die Heuchelei, die ihn wütend mache, mit der sich jeder dahergelaufene Schmierfink und Szenefilmer in diesem Geschichtsmuseum des Schreckens bedienen dürfe.“ Der Roman ist ein gelungenes Debüt und gerne würde man von diesem Autor bald einen zweiten Roman lesen.

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