Richard Smitten Traden wie Jesse Livermore

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Inhaltsangabe zu „Traden wie Jesse Livermore“ von Richard Smitten

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    Traden wie Jesse Livermore
    R_Manthey

    R_Manthey

    24. June 2015 um 14:38

    Es fällt mir zugegeben etwas schwer mit diesem Buch höflich umzugehen, weil wir hier nach Strich und Faden veralbert werden. Leider werden viele das noch nicht einmal merken. Bevor wir uns zum Kauf eines Buches mit diesem Titel entschließen, sollten wir uns wenigstens folgendem Gedanken widmen. Mr. Livermore ist zweifelsohne eine Trader-Legende. Sein Selbstmord, der sicher seinen Anteil an der Legendenbildung hatte, liegt nun aber schon fast drei Generationen zurück. Inzwischen hat sich im technischen Trading eine Revolution vollzogen. Wir haben hunderte von Büchern (darunter auch wirklich gute) über Markttechnik, Tradingsysteme, Börsenpsychologie sowie Trader selbst und dazu noch eine Hard- und Software, von der Livermore nicht einmal träumen konnte. Und nun kommt da plötzlich nach dieser langen Zeit ein Autor daher und will uns allen Ernstes erklären, dass er nach jahrelanger intensiver Forschung herausgefunden hat, wie Livermore an den Märkten handelte. Wenn es da je etwas herauszufinden gegeben hätte, dann hätten dies schon längst andere getan. Oder fragen wir noch einfacher: Was ist neu an diesem Buch? Die Antwort lautet: nichts. Livermore veröffentlichte kurz vor seinem Tode im Jahre 1940 ein dünnes Büchlein, das unter dem Titel "Mein Schlüssel zu Börsengewinnen" schon seit Jahren in deutscher Sprache vorliegt. Dieses Werk wird in großen Teilen auch im vorliegenden Buch wiedergegeben. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang von "Livermores geheimer Börsenformel", ein Geheimnis, das seit fast siebzig Jahren in Buchform vorliegt. Wenn man sich nun dieses angebliche System ansieht und ihm folgen will, dann muss man sich einer vorsinnflutlichen Technik bedienen und mit verschiedenfarbigen Stiften Zahlen in Tabellen eintragen. Ich will hier dazu nicht mehr schreiben, weil es sich lohnt, dieses Buch gesondert zu betrachten. Nur so viel: Ich bezweifle stark, dass Livermore seine riesigen Gewinne wirklich nach diesem "System" erzielt hat. Mit solchen Offenbarungen ist es wie mit Autobiografien. Auch der Ober-Grüne J.Fischer ist einmal den Weg zu sich selbst oder besser zu seinem Idealgewicht gelaufen, um dann Jahre später eine noch größere Kugel vor sich her zu schieben. Wenn es Mr. Smitten in diesem Buch nun wenigstens gelungen wäre, das angebliche Livermore-System oder (noch besser, weil ehrlicher) reale Trades von Livermore im Detail zu analysieren und mit den heutigen Mitteln darzustellen, dann hätte der hochtrabende Titel dieses Werkes seine Berechtigung. Doch davon sind wir unendlich weit entfernt. Im Grunde ist dieses Buch nichts weiter als eine müde Zweitverwertung des "Spiels der Spiele", dem Livermores eigenes Büchlein hinzugefügt wurde. Mit Kapitel 10 (Livermores Trading-Regeln im Überblick) kann sich jeder einen bleibenden Eindruck von der Tiefenschärfe dieses Meisterwerkes bilden. Auf Seite 275 finden wir "Eine kurze Liste der Börsenregeln Livermores". Dort heißt es wörtlich: - Realisieren Sie Ihre Verluste zügig. - Lassen Sie den Markt Ihre Erwartungen bestätigen, bevor Sie eine Position vollständig aufbauen. - Lassen Sie Gewinne laufen, solange es keinen guten Grund gibt, Ihre Position aufzulösen. Und so weiter und so fort. Das ist das Niveau dieses Buches. Wem das reicht oder wer glaubt, dass er mit solchen Allerweltsaussagen schnell zu Reichtum kommt, der möge sich dieses Werk kaufen und dann seine Erfahrungen machen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diese und viele andere so genannte Regeln aus diesem Buch sind sicher richtig, wenn man sie richtig versteht und sie in eine Gesamtmethodik passen. Ich möchte das an der letzten oben genannten Weisheit erläutern. Wenn ich ein kurzfristiger Swing-Trader bin, dann liegt mein Zeithorizont zwischen drei und sechs Tagen. Ich werde also auf der Long-Seite versuchen, den unteren Wendepunkt zu finden und dann in steigende Kurse meine Position wieder abbauen. Dazu brauche ich eine Methodik, die diese Bewegungen des Marktes "sieht". Wenn ich hingegen ein Trend-Trader bin, dann nehme ich auch ohne mit der Wimper zu zucken kleinere Rücksetzer in einem Aufwärtstrend mit und gehe erst aus dem Markt, wenn dieser Trend für mich erkennbar zu Ende ist. Das ist etwas völlig anderes. Folglich haben beide Trader auch jeweils gute Gründe für ihr partiell völlig entgegengesetztes Verhalten. Man erkennt an diesem Beispiel den Trick des Verfassers. Das Buch ist im Horoskop-Stil geschrieben. Es steht nichts Falsches drin, und jeder kann sich das herauspicken, was ihm gerade gefällt. Mit Livermore hat das herzlich wenig zu tun. Sein Name ist nur das Trittbrett für den Autor. Fazit: Das unscharfe Livermore-Bild auf dem Schutzumschlag ist Programm. Die Behauptung auf der Rückseite ("In diesem Buch legt der Livermore-Experte Richard Smitten Strategien des Trading-Genies offen.") ist - freundlich ausgedrückt - eine schamlose Übertreibung. Es fällt mir schwer, diesem Buch mehr als einen Stern zu geben. Ich muss es wohl dennoch tun, weil schließlich nichts Falsches in ihm steht. Ob diese Allgemeinplätze aber reichen, um wirklich nachhaltig an der Börse erfolgreich zu sein, bezweifle ich sehr. Was man über diese Allgemeinplätze hinaus lernen kann, stammt aus Livermores Büchlein. Es wird dem Leser am Ende völlig kommentarlos vorgesetzt. Aber das ist noch nicht einmal eine "Offenlegung", denn dies ist seit 1940 bekannt. Die Märkte bewegen sich jedoch nicht mehr wie am Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist also zu befürchten, dass man auch damit herzlich wenig anfangen kann. Wer wirklich etwas lernen will, sollte sich andere Bücher kaufen, zum Beispiel "Top-Trading-Gewinne" oder eines der vier Bücher von Joe Ross über das Trading mit Futures. Die erscheinen zwar bedeutend teurer. Aber kommt es nicht am Ende auf die Gesamtkosten der Ausbildung an? Und dazu zählen dann auch die vielen Verluste, die man aufgrund von Irrlehren oder Pseudohilfen gemacht hat.

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