Richard Yates

 4,2 Sterne bei 529 Bewertungen
Autor von Zeiten des Aufruhrs, Easter Parade und weiteren Büchern.
Autorenbild von Richard Yates (© Jerry Bauer)

Lebenslauf

Richard Yates (1926-1992) war ein US-amerikanischer Autor und Essayist. Seine Karriere begann als Journalist, Ghostwriter und Lehrer in New York. Sein erster Roman war "Zeiten des Aufruhrs", der 2007 erfolgreich verfilmt wurde. In den 60er Jahren geriet der Schriftsteller mehr und mehr in Vergessenheit, und erst seit ca. 2005 wird ihm in Literaturkreisen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Seine Kurzgeschichten werden heute zu den besten des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten gezählt.

Alle Bücher von Richard Yates

Cover des Buches Zeiten des Aufruhrs (ISBN: 9783641331221)

Zeiten des Aufruhrs

(142)
Erschienen am 31.07.2024
Cover des Buches Easter Parade (ISBN: 9783328104728)

Easter Parade

(114)
Erschienen am 10.06.2019
Cover des Buches Elf Arten der Einsamkeit (ISBN: 9783328104735)

Elf Arten der Einsamkeit

(48)
Erschienen am 10.06.2019
Cover des Buches Ruhestörung (ISBN: 9783328105121)

Ruhestörung

(39)
Erschienen am 09.12.2019
Cover des Buches Eine besondere Vorsehung (ISBN: 9783328105879)

Eine besondere Vorsehung

(24)
Erschienen am 13.04.2021
Cover des Buches Eine gute Schule (ISBN: 9783328105862)

Eine gute Schule

(26)
Erschienen am 13.04.2021
Cover des Buches Cold Spring Harbor (ISBN: 9783328101550)

Cold Spring Harbor

(22)
Erschienen am 11.09.2017
Cover des Buches Verliebte Lügner (ISBN: 9783328105138)

Verliebte Lügner

(20)
Erschienen am 09.12.2019

Neue Rezensionen zu Richard Yates

Cover des Buches Eine strahlende Zukunft (ISBN: 9783442749935)
HansDurrers avatar

Rezension zu "Eine strahlende Zukunft" von Richard Yates

HansDurrer
Lebenseinsichten, die gut tun.

Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, etwas Besonderes vor mir zu haben. Es war die unprätentiöse Sprache, der Ton, und dass der Autor gerade genug beschrieb, um meine Fantasie in Gang zu setzen, doch eben nicht zu viel, um sie zu blockieren. Und ich fand spannend geschildert, was ich da las.

„Eine strahlende Zukunft“ handelt in ersten Teil von Michael Davenport, der ein Dichter und Dramatiker sein will, und seiner aus reichem Hause stammenden Frau Lucy, für die Dylan Thomas ein Dichter und Tennesse Williams ein Dramatiker ist. Michael ist ehrgeizig, er wird es der Welt zeigen, das Geld seiner Frau will er (und soll auch Lucy) nicht angreifen. Die Ehe scheitert, Michael dreht durch, landet in der Psychiatrie.

Im zweiten Teil erfahren wir wie Lucy sich in einen Theaterregisseur, der sie für eine Jüngere verlässt, verliebt und dann in einen Börsenmakler, „der erste Mann, der sie kannte, der keinerlei künstlerische Ambitionen hatte, und sie hatte das seltsame Gefühl, dass ihm etwas fehlte.“ Lucy lernt schreiben und malen und findet bei ihrem Schreiblehrer was ihr beim Börsenmakler fehlte, bis es auch „zwischen ihnen unschöne kleine Probleme – Streitigkeiten, die manchmal so schlimm sein konnten, dass sie alles verdarben“ gab. Das Auseinandergehen der beiden – wie viele von Yates‘ Beziehungsszenen – ist alkoholgetränkt.

Solche inhaltlichen Angaben vermögen natürlich nicht zu vermitteln, was es mit diesem Buch auf sich hat: es ist ganz vieles in einem – eine sehr gekonnte, hoch differenzierte und einfühlsame Schilderung von Beziehungsverhältnissen von Menschen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen; eine Abhandlung übers Schreiben („’Melancholie‘ war das erste Wort, das ihr einfiel, und sie kam zu dem Schluss, dass das bei einem Schreiblehrer, vorausgesetzt, er hatte auch lebhaftere Eigenschaften, vielleicht keine schlechte Sache war.“ / „Jeder von uns kann diese Fertigkeit nur erlernen, indem er sich mit gedruckten und nicht gedruckten Beispielen vollsaugt und dann versucht, das Beste, was er entdeckt hat, in sein eigenes Werk aufzunehmen.“ / „Die Schauspielerei mochte emotionale Erschöpfung auslösen, aber das Schreiben ermüdete das Gehirn. Es führte zu Depressionen und Schlaflosigkeit, man lief den ganzen Tag mit verhärmtem Gesicht herum, und für all das fühlte sich Lucy noch nicht alt genug.“); die überzeugende Darstellung von zwei schwierigen Menschen auf der Suche nach Sinn und Erfüllung in der Kunst; eine wunderbar gelungene Charakterstudie (wie Yates Michaels Neid, dessen Ängste und Hadern mit dem Schicksal zeichnet, ist besonders eindrücklich).

Der dritte Teil dieses Romans handelt dann wiederum von Michael Davenport, und zwar vor seiner Einweisung in die Psychiatrie und nach seiner Entlassung aus der Klinik. Bei einer Lesung aus seinen Gedichten bricht er zusammen – er hat keine Erinnerung mehr an diesen durch Alkohol ausgelösten Vorfall – und landet wieder in einer Klinik, erholt sich, heiratet eine zwanzig Jahre jüngere Frau, Sarah, die beiden ziehen nach Kansas, wo Michael an einem College unterrichtet.

Besonders die Schilderungen der Alkoholabstürze und der damit verbundenen Angst- und Panikattacken wirken sehr realitätsnah. Richard Yates weiss ganz offensichtlich, wovon er da schreibt.

Als dann Laura, Michael und Lucy Tochter, ebenfalls psychiatrische Hilfe braucht, meint Sarah, er solle doch endlich einmal mit diesem Unsinn übers ‚Verrücktsein‘ aufhören, worauf Michael erwidert: „Wie kann das Unsinn sein? Wären dir etwa die Begriffe lieber, die von den Seelenklempnern verwendet werden? ‚Psychotisch‘? ‚Manisch-depressiv‘? ‚Paranoide Schizophrenie‘? Hör mal. Versuch das doch zu verstehen. Damals, als ich noch klein war, bevor irgendjemand in Morristown schon mal was von Sigmund Freud gehört hatte, existierten für uns drei Grundkategorien: Es gab ‚irgendwie verrückt‘, ‚verrückt‘ und ‚total durchgeknallt‘. Das sind die Begriffe, denen ich traue …“.

„Eine strahlende Zukunft“ spielt in der Zeit als Bob Dylan und die Beatles auf der Bildfläche erschienen, was Lucy unter anderem Anlass ist, sich auch in Sachen Musikkultur zu positionieren. So fand sie etwa Dylan unerträglich. „Wo nahm dieser Collegejunge die Überheblichkeit, sich den Namen eines Dichters anzueignen? Warum konnte er nicht lernen zu schreiben, bevor er Songs für sich schrieb, oder lernen zu singen, bevor er sie öffentlich sang? Warum hatte dieser aufgeblasene Folktroubadour nicht ein bisschen Unterricht auf der Gitarre – oder auf seiner elektronischen Mundharmonika – genommen, bevor er sich daranmachte, Millionen von Kinderherzen zu erobern?“

Richard Yates, der Verfasser dieses eindrücklichen Romans, gilt als „Chronist des Scheiterns“.

Cover des Buches Cold Spring Harbor (ISBN: 9783328101550)
MelB2508s avatar

Rezension zu "Cold Spring Harbor" von Richard Yates

MelB2508
Nachdenklich stimmendes Gesellschaftsporträt

Mein letztes Buch in 2025 hat mich nachdenklich zurück gelassen. Es spielt in den 1940er Jahren in den USA. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Evan Shepard und seine zweite Frau Rachel. Evan, der ein schwieriger Teenager war, hat bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich, als er die junge Rachel kennenlernt. Auch sie heiraten und ziehen gemeinsam nach Cold Spring Harbor - zusammen mit ihrer labilen und trinkfreudigen Mutter Gloria, die Evans Vater anhimmelt. 

Die Figuren sind wie bei Yates üblich alle auf ihre eigene Art und Weise unglücklich und kämpfen mit ihren Problemen. Wie die Figuren interagieren, welche Entscheidungen sie treffen und wie sie allgemein leben und miteinander umgehen, wird wirklich sehr faszinierend beschrieben. Am Ende des Buches aber bleibt eine eher wehmütig-traurige Stimmung zurück bei mir und auch Mitgefühl für die Menschen, die ich im Roman begleitet habe. 

Eine Leseempfehlung für ein atmosphärisch dichtes Buch voller interessanter und verzweifelter Figuren, das den Lesenden in die 1940er Jahre und die Zwänge, die damals herrschten, mitnimmt.

Cover des Buches Cold Spring Harbor (ISBN: 9783328101550)
EmmaWinters avatar

Rezension zu "Cold Spring Harbor" von Richard Yates

EmmaWinter
Der amerikanische Traum

Der gute Wille zählt nicht allein, die äußeren Umstände haben da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Charles Shepard hat den Absprung vom Militär verpasst, um sich rechtzeitig ein ziviles Leben aufzubauen. Er, der just dann in Frankreich eintrifft, als der 1. Weltkrieg zu Ende ist, hat diese Enttäuschung nie überwunden. Sie wird sich durch sein ganzen Leben ziehen. Seine Frau, einst lebensfroh und charismatisch, hält das Umsiedeln von einem Militärstützpunkt zum anderen nicht mehr aus. Als sich ein Ausweg bietet, ist Charles nicht wagemutig genug. Schließlich ziehen sie nach Charles Pensionierung nach Cold Spring Harbor auf Long Island. Ein einfaches Haus, ein einfaches Leben und ein schwieriger Sohn, er sich jung in eine überhastete Ehe stürzt. Bereits auf Seite 21 ist diese Ehe schon wieder beendet und wir verfolgen den weiteren Lebensweg der kleinen Familie, die sich bald um eine neue Flamme, deren Bruder und beider Mutter erweitert.

Auf nur 235 Seiten entwirft der Autor eine Studie über gescheiterte Leben. Menschen, die sowohl aus eigener Handlung heraus, aber auch durch  äußere Umstände geleitet, selten die richtige Abzweigung nehmen. Dies ist für mich ein typischer amerikanischer Roman, der tiefe Einblicke in eine untere soziale Schicht in einem gewöhnlichen Vorort gewährt. Ich mag diese Art von Roman sehr, weil sie ein anderes Amerika beschreibt, das oft verdrängt wird: deprimierend, traurig, schlicht, manchmal aussichtslos und häufig auch sich selbst verleugnend. Aber Yates schreibt gleichzeitig universell, wenn er darstellt, wie sich Verhaltensweisen und Gemütslagen wiederholen und übernommen werden. Anschaulich stellt er dies durch Handlung dar und weniger durch Beschreibungen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn ich ganz oft rufen wollte "Tu das bitte nicht!".

Wer den Autor nicht kennt, ist aber vielleicht schon über die Verfilmung einer seiner Romane gestolpert: "Zeiten des Aufruhrs" (2008) mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio.


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Zusätzliche Informationen

Richard Yates wurde am 03. Februar 1926 in Yonkers, NY (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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