Richard Yates Eine besondere Vorsehung

(15)

Lovelybooks Bewertung

  • 17 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 6 Rezensionen
(5)
(8)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Eine besondere Vorsehung“ von Richard Yates

Robert Prentice ist das Ein und Alles seiner Mutter Alice. Ihm, dem sie einst mit einer Statue ein Denkmal setzte, hat die Bildhauerin ihren bisher einzigen Kritikererfolg zu verdanken. Und mit seiner Hilfe – so viel ist sicher! – wird sie irgendwann künstlerische Anerkennung erzielen. Doch plötzlich steht sie allein da mit ihren Fantasien von einem glamourösen Künstlerleben, denn Robert meldet sich zum Militär und geht nach Europa, um auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs zu Ruhm und Ehre zu gelangen …

Mal wieder ein starker Yates! Hat mich gepackt und berührt!

— liyah40
liyah40

Stöbern in Romane

Das Glück meines Bruders

Eine anspruchsvolle Geschichte über zwei Brüder, die versuchen, die Vergangenheit zu bewältigen.

Simonai

Ein Haus voller Träume

Familientreffen im spanischen Traumhaus: Mit unterschiedlichen Weltanschauungen, kleinen Reibereien und ganz viel Herz

Walli_Gabs

Das Ministerium des äußersten Glücks

Nach dem ersten Drittel hat es mich nicht mehr losgelassen. Eine absolut einmalige Leseerfahrung, die ich nicht hätte missen wollen!

Miamou

Töte mich

Ein typischer Nothomb mit spannender Handlung und dynamischen Dialogen.

Anne42

Die Zeit der Ruhelosen

Spannende Erlebnisse, menschliche Tragödien: Die Protagonistinnen und Protagonisten scheitern alle.

Tatzentier

Damals

Romantische Sommergeschichte um eine Familie und ein altes Pfarrhaus,,,

Angie*

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • „Wir tun einfach so, als ob es nicht so wäre.“

    Eine besondere Vorsehung
    Stefan83

    Stefan83

    12. May 2013 um 11:02

    „The Lost World of Richard Yates – How the great writer of the Age of Anxiety disappeared from the print“ So lautete die Überschrift von Stewart O'Nans Artikel, welcher 1999 in den Monaten Oktober und November im Boston Review erschien und den sieben Jahre zuvor verstorbenen Autor aus der antiquarischen Versenkung holte. Bereits kurz nach seinem Tod war Yates, dem schon zu Lebzeiten der Publikumserfolg verwehrt geblieben ist, nur noch dort zu finden. Erst die Anerkennung seiner Schriftstellerkollegen, die, wie O'Nan oder auch Richard Ford, schon seit längerer Zeit seine Bedeutung für die amerikanische Literatur und den Einfluss auf eigene Werke priesen, hat Yates' Werk wieder mehr in den Fokus gerückt. Inzwischen auch in Deutschland, wo der btb-Verlag für die Titelpflege verantwortlich zeichnet. Ein Einsatz, der sich, geht man von den dortigen regelmäßigen Neuveröffentlichungen aus, zu lohnen scheint. Auch für den Leser, den im Gegensatz zu vielen anderen modernen Klassikern keine undurchdringlichen Sprachlabyrinthe, sondern ruhig-nüchterne und doch eindringliche Geschichten erwarten, die mit viel Herzblut auf Papier gebracht worden sind und in jeder Zeile auch vom schwierigen Leben Yates' künden. Das dieses in erster Linie von Einsamkeit, Misserfolg, Alkoholexzessen und Depressionen geprägt war, merkt man keinem seiner Bücher so sehr an wie „Eine besondere Vorsehung“. Im Erscheinungsjahr 1969 von Kritikern weitestgehend ignoriert und vom Publikum als unzeitgemäß abgelehnt – von mir nun vollkommen gebannt verschlungen. Yates unterstreicht seinen Namen in meiner Kategorie der Lieblingsautoren hier nochmal dick und fett mit rotem Edding. Und das, obwohl kaum ein anderer Roman mich wohl so deprimiert hat wie dieser. Ein Widerspruch? Kurz zur Geschichte: New York im Jahr 1944. Der junge GI Robert Prentice besucht ein letztes Mal seine Mutter Alice, ehe er mit seinen Kameraden nach Europa eingeschifft wird, wo der Krieg auf ihn wartet. Es ist ein Treffen zweier Menschen, welche ihre Vergangenheit gemeinsam meistern mussten und sich doch jetzt fremder sind als je zuvor. Besonders Robert durchschaut die zwanghaften Versuche seiner Mutter, eine halbwegs normale Konversation zu führen: „Wovon sie sprach, war bedeutungslos, er wusste, was sie tatsächlich sagen wollte. Hilflos und vorsichtig, klein und müde und bestrebt zu gefallen, bat sie ihn, ihr zu bestätigen, dass ihr Leben nicht gescheitert war.“ Ein Leben, in dessen Schlepptau sich stets auch Robert befand, der als Kind immer wieder von Ort zu Ort ziehen musste, um den Lebenstraum seiner Mutter, eine erfolgreiche Karriere als Bildhauerin zu starten, irgendwann einmal wahr werden zu lassen. Eisern, stur und verblendet hält Alice selbst an diesem fest, als sie aufgrund einer Klage wegen nicht bezahlter Mieten den Staat verlassen muss. Robert erträgt die täglich neuen Demütigungen des Alltags, die andauernde Armut und die Abwesenheit des Vaters, der in Trennung von seiner Mutter lebt, mit stoischer Gelassenheit und zusammengebissenen Zähnen. Der Krieg ist für Robert nun die Chance dieser tristen Mittelmäßigkeit zu entfliehen. Doch seine Hoffnungen auf Ruhm und Ehre erfüllen sich nicht, denn die großen Schlachten sind bei seiner Ankunft längst geschlagen … „Eine besondere Vorsehung“ beinhaltet zwei konträr laufende Handlungsstränge, die zwar in unterschiedlichen zeitlichen Ebenen spielen, dennoch aber dieselbe Thematik behandeln: Sie erzählen von Menschen, die sich fortlaufend über ihre Möglichkeiten täuschen und die hartnäckig an ihren Vorstellungen von der Welt festhalten, obwohl sich die Kluft zwischen den hochfliegenden Erwartungen und der letztlich ernüchternden Realität mit jedem verzweifelten Versuch weiter auftut. Besonders tragisch ist dies im Fall von Robert, der zwar die Lebenslügen seiner Mutter durchschaut, dennoch aber wie sie hofft, seiner gewöhnlichen Herkunft, dieser deprimierenden Mittelmäßigkeit mittels großer Taten entfliehen und den Erfolgreichen gefallen zu können. Ein Vorhaben, das am Ende zum Scheitern verurteilt ist, da zum heldenhaften Kampfe nicht nur der Gegner fehlt, sondern auch eine Lungenentzündung ihn schließlich zum wichtigsten Zeitpunkt von der Front holt. Yates, den sein Militärdienst wie Robert selbst nach Deutschland brachte, schildert das Grauen des Zweiten Weltkriegs schonungslos, drastisch, detailreich – und doch auch nicht ohne eine gehörige Prise Zynismus, die er schonungslos über seine Protagonisten und damit auch den Leser entlädt. Die Bitterkeit, welche man schmeckt, scheint nicht selten die des Autors, der wie Robert ebenfalls immer dem Erfolg hinterherlaufen musste. Dabei bewertet und moralisiert er jedoch nicht. Stattdessen hebt er die Fallstricke der Herkunft hervor, führt er uns vor Augen, wie verheerend es sein kann, sich in der Welt der Illusionen zu flüchten und diese auf Kosten der Wirklichkeit aufrechterhalten zu wollen. Ein Fehler, den Mutter und Sohn in ihrem fortwährenden Selbstbetrug gleichermaßen begehen: „Wir tun einfach so, als ob es nicht so wäre.“ Dieser radikale Pessimismus, die entsetzliche Lieblosigkeit mit der Yates die Beziehung zwischen Alice und Robert zeichnet – sie wird nicht jedermann gefallen können. „Eine besondere Vorsehung“ kann trotz des eingängigen, perfekt getimten Stils keine „gute Unterhaltung“ im weiteren Sinne sein. Es ist ein Roman, der genauso viel gibt, wie er uns abverlangt. Eine Aneinanderreihung vieler kleiner und großer Niederlagen, ohne wirkliches Happyend. Und doch ein Buch, das im Gedächtnis, das haften bleibt – weil es eben berührt. Große amerikanische Literatur, die kein zweites Mal ihr Dasein nur in Antiquariaten fristen sollte.

    Mehr
  • Rezension zu "Eine besondere Vorsehung" von Richard Yates

    Eine besondere Vorsehung
    StefanSchulze

    StefanSchulze

    Auch der Literaturbetrieb kommt nicht ohne Klassifizierungen aus. Bücher fallen unter Gattungen und Autoren unterliegen der Typisierung. In der englischen Sprache gibt es den Begriff des „writer’s writer“. Gemeint ist ein Schriftsteller, der sich der besonderen Anerkennung durch seine Kollegen erfreut. Bei dieser Einstufung ist Vorsicht geboten. Nicht selten korreliert die Auszeichnung mit einem hermetischen oder manirierten Schreibstil, schwerer Verständlichkeit und – der schlimmste Makel – mangelndem Publikumserfolg. Autor-Autoren in diesem Sinne sind zum Beispiel Harold Brodkey oder William Gaddis. Ihre Namen haben viele schon gehört, aber ihre Bücher nur wenige je gelesen. Auch Richard Yates ist ein „writer’s writer“. Größen des angelsächsischen Literaturbetriebs wie Stewart O’Nan oder Richard Ford werden nicht müde, seine Bedeutung für die amerikanische Literatur und seinen Einfluss auf ihr eigenes Werk zu preisen. Trotzdem waren Yates’ Bücher nach seinem Tod 1992 schon bald nur noch in Antiquariaten zu finden. In mindestens einer Hinsicht unterscheidet sich Yates aber von Autoren wie Gaddis oder Brodkey. Die Anerkennung seiner Kollegen hat er sich nicht mit einer Sprachakrobatik erarbeitet, die den Zugang zu seinen Romanen und Erzählungen erschwert. Wohl selten hat ein Schriftsteller nüchterner, schlichter, unauffälliger und eingängiger geschrieben als Yates. Warum ihm der Publikumserfolg schon zu Lebzeiten weitestgehend verwehrt blieb, bleibt bis heute ein Mysterium, und es muss sich erst noch zeigen, ob die Neuauflage seiner Werke in englischer und, mit geringer Verzögerung, seit einigen Jahren auch in deutscher Sprache zu einer Yates-Renaissance führt. Verdient hätte es der Autor. Hollywood hat seinen Teil dazu beitragen, durch die Verfilmung seines Erstlings „Zeiten des Aufruhrs“, die im Januar 2009 in den deutschen Kinos lief. “Eine besondere Vorsehung” ist Yates’ zweiter Roman. Als 1969 die Originalausgabe in den Vereinigten Staaten erschien, war er ein unzeitgemäßes Buch. Die Figur des Robert Prentice, der 1944 der verhassten Existenz in trister Mittelmäßigkeit als Soldat auf den europäischen Kriegsschauplätzen zu entkommen versucht, bot Lesern auf dem Höhepunkt der Vietnam-Proteste wenig Identifikationsfläche. Dabei ist die Wahl von Zeit und Ort yatesscher Geschichten nicht mehr als ein Oberflächenphänomen. Sie bilden lediglich die über das Gesamtwerk variierenden Rahmen, in denen sich der immer gleiche Konflikt entfaltet, der die Handlungen im yatesschen Oeuvre vorantreibt: der Konflikt zwischen Erwartungen und Wirklichkeit der Protagonisten sowie die Tricks und Finten, mit denen sie sich über diesen Konflikt selbst belügen. Zu Beginn von „Eine besondere Vorsehung“, bevor Prentice nach Europa einschifft, besucht er seine Mutter. Die Zusammenkunft spielt sich in einem längst eingeschliffenen Ritual vorgetäuschter Konversation ab: „Wovon sie sprach, war bedeutungslos, er wusste, was sie tatsächlich sagen wollte. Hilflos und vorsichtig, klein und müde und bestrebt zu gefallen, bat sie ihn, ihr zu bestätigen, dass ihr Leben nicht gescheitert war.“ Der Sohn hat die Lebenslügen der Mutter, die als siebte Tochter eines Kurzwarenhändlers aus der Provinz, „irgendwie eine Leidenschaft für Kunst und Eleganz und für die große ferne Welt von New York entwickelt“ hatte, schon zu Beginn der Romanhandlung durchschaut. Yates illustriert anschließend auf 400 Druckseiten, dass Erkenntnis nicht vor eigenen Fehlern schützt. Die vergebliche Flucht der Mutter vor dem Gewöhnlichen ihrer Herkunft wiederholt der Sohn mit dem gleichen Ergebnis. Auch Robert will sich endlich aus den demütigenden Umständen seines zerrütteten Elternhauses befreien, er will vergessen, dass er, wo immer sie lebten, „stets der einzige neue Junge und der einzige arme Junge“ war, „der einzige Junge, bei dem es zu Hause nach Schimmel und Katzenkacke und Plastilin roch und wo statt eines Autos Statuen in der Garage standen, der einzige Junge, der keinen Vater hatte.“ Dabei scheitert Richard mit seinem Vorhaben nicht etwa dramatisch, sondern allenfalls komisch und deprimierend. Die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs, auf denen er sich als Mann, vielleicht als Held bewähren will, erreicht er schlicht zu spät. Endlich an der Front angekommen, sind die entscheidenden Schlachten längst geschlagen. Und ins Lazarett wird er nicht eingeliefert, um die Verwundungen auszukurieren, die er sich im heldenhaften Kampf zugezogen hat, sondern weil er an einer Lungenentzündung leidet. Auch als Soldat kommt Prentice nicht über das Dasein in deprimierender Mittelmäßigkeit hinaus. „Eine besondere Vorsehung“ ist ein negativer Bildungsroman. Er schildert nicht, wie der Held in die Welt hinauszieht, um am Ende geläutert und gestärkt zu sich selbst zu finden. Er zeigt vielmehr, wie er sich bei diesem Unterfangen in den Fallstricken seiner Herkunft verfängt, wie er der Prägung durch seine Kindheit und Jugend, die in ausführlichen Rückblenden geschildert wird, nicht entkommen kann. Und letztlich nicht entkommen will. Denn auch Prentice erliegt am Ende dem radikalen Selbstbetrug, mit dem auch seine Mutter versucht, das Unerträgliche erträglich zu gestalten: „’Wir tun einfach so, als ob es nicht so wäre.’ Sie fühlte sich ruhig und tapfer und gut gerüstet für die Zukunft.“ Vielleicht ist es Yates’ radikaler Pessimismus, der sich in solchen Passagen in einem ebenso schonungslosen Zynismus entlädt, den sich eine größere Leserschaft nicht zumuten will. Es wäre schade. Denn in Zeiten, in denen in unzähligen Castingshows der Starkult in allen Gesellschaftsschichten als Maßstab eines gelungenen Lebensentwurfs gesetzt wird, ist der Konflikt zwischen den hochfliegenden Erwartungen und Ansprüchen an das eigene Leben und der tristen Realität keineswegs unzeitgemäß. Und nur wenige schildern ihn so eindringlich und anschaulich wie Richard Yates.

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Eine besondere Vorsehung" von Richard Yates

    Eine besondere Vorsehung
    Boris

    Boris

    11. April 2010 um 10:37

    Den fünften Stern gibt es von mir nicht, weil mich die Kriegsgeschichte, die mehr als die Hälfte des Buches ausmacht, nicht so sehr fesselt. Ich hätte gerne mehr über Alice gelesen. Sie gewinnt im eigenen Scheitern die Größe der Figuren aus "Easter Parade" und "Zeiten des Aufruhrs".

  • Rezension zu "Eine besondere Vorsehung" von Richard Yates

    Eine besondere Vorsehung
    lokoschade

    lokoschade

    07. April 2010 um 16:06

    Ein großartiger Schriftstiller, ein grandioser Stilist - aber dieses Buch hier kommt an Easter Parade nicht ran. Alice, selbsternannte Künstlerin, trennt sich von ihrem Mann, einem langweiligen Büroangestellten und widmet sich fortan ihrer Karriere. Immer arbeitet sie auf die nächste Ausstellung, auf den nächsten Erfolg hin - aber dieser bleibt aus. Völlig realitätsfremd und immer darauf bedacht den Anderen die Schuld an ihrem Unglück zu geben. Davor bleibe auch ihr Sohn Robert nicht verschont. Doch dieser geht nach Europa und zieht in den Krieg..... Yates schafft es auf grandiose Weise ein Pyschogramm seiner Protagonisten zu erstellen.

    Mehr
  • Rezension zu "Eine besondere Vorsehung" von Richard Yates

    Eine besondere Vorsehung
    Seerose

    Seerose

    10. March 2009 um 09:40

    Nach „Easter Parade“ bin ich mit sehr hohen Erwartungen an das neu verlegte Buch von Richard Yates herangegangen. Enttäuscht wurde ich nicht. Erzählt wird die Geschichte von Alice, einer erfolglosen, aber mit unerschütterlichem Selbstvertrauen gesegneten Bildhauerin. Hartnäckig weigert sich die allein erziehende Mutter einer geregelten Arbeit nachzugehen. Schließlich ist sie Künstlerin und steht ihrer Meinung nach kurz vor dem Durchbruch, vom Verkauf ihrer Skulpturen leben zu können. Ihre ganze Zeit und Energie investiert sie daher in die Produktion von neuen Skulpturen, die allerdings nie verkauft werden. Ihr einziges Einkommen besteht aus den mageren Unterhaltszahlungen ihres Exmannes. Trotzdem lebt sie beständig über ihre Verhältnisse. Als Leser schwankte ich immer zwischen Wut und Mitleid für diese völlig weltfremde Person. Man möchte sie wachrütteln und ihr klarmachen, dass es mit der Kunst wohl doch nicht so klappt und sie doch lieber erst mal einen Job annehmen soll. Diese Art gesellschaftlichen Scheiterns hat Yates meisterhaft dargestellt. Daneben gibt es aber auch noch Alices Sohn Robert, die zweite Hauptfigur in diesem Roman. Er hat es wirklich nicht leicht mit dieser Mutter. Er schlägt sich aber dennoch ganz gut durch die Kindheit. Nach dem Schulabschluss meldet er sich jedoch zum Militär und wird Soldat im zweiten Weltkrieg. Diese Zeit als Soldat nimmt einen großen Raum ein. Und hier gelingt dem Autor das Unglaubliche, mich mit einer Kriegserzählung in den Bann zu ziehen. Wem das gelingt, der kann wirklich schreiben. Das Kriegsgeschehen wird so persönlich und intensiv aus Roberts Sicht dargestellt, dass es kein Kriegsbericht ist, sondern das innere Erleben des Protagonisten. Ich bin froh, dass Richard Yates für den deutschen Markt wieder entdeckt wurde und wünsche ihm viele Leser.

    Mehr
  • Rezension zu "Eine besondere Vorsehung" von Richard Yates

    Eine besondere Vorsehung
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    23. October 2008 um 10:12

    „Eine besondere Vorsehung“ ist bereits vor vierzig Jahren in Amerika erschienen und war, wie eigentlich alle Bücher von Richard Yates, seiner Zeit weit voraus. Seine Romane und Erzählungen handeln stets von den unerfüllten Träumen und verlorenen Illusionen der Menschen, von den Verlierern und Außenseitern der Gesellschaft. Er zeigt stets direkt und unangestrengt die Schattenseiten des Lebens in einer kapitalistischen, gnadenlosen Welt - die Kehrseite des Lebens der Menschen, die mit der Gesellschaft mithalten wollen, Ruhm und Anerkennung nacheilen, hohe aber uneingelöste Erwartungen an das Leben entwickeln und dabei von einer Katastrophe in die nächste straucheln. „Eine besondere Vorsehung“ beschreibt das Leben von Robert, genannt Bobby Prentice und seiner Mutter Alice. Der junge GI Robert besucht im Jahre 1944 noch einmal seine Mutter Alice in New York, ehe er nach Europa in den Krieg ziehen muss. Hier zeigen sich sofort die Spannungen, die zwischen Mutter und Sohn liegen. Eine Nähe zueinander können beide nicht wirklich herstellen. Nun wechselt die Handlung zwischen Roberts Erlebnissen auf den Schlachtfeldern in Frankreich und Deutschland (wo der Autor selbst stationiert war) und den Schwierigkeiten der in Armut lebenden Mutter, die eisern an ihrem Lebenstraum von einer Karriere als Bildhauerin festhält. Robert ist ein Mitläufer, ein unheroischer Soldat, der einfach nur überleben will und seinen einzigen Freund im Krieg verliert. Wie auf das Leben der Mutter, blicken wir auch zurück auf die Kindheit des achtjährigen Bobby, der im Schlepptau von Alice, erdrückt von übertriebener Liebe, jahrelang durch Amerika flieht. Nach der Scheidung von ihrem untreuen Ehemann musste sie sich als Alleinerziehende durchschlagen und lebte dabei dermaßen über ihre Verhältnisse, dass sie vor ihren Gläubigern zu ihrer Schwester nach Texas fliehen musste. Was zur Folge hat, dass die Unterhaltszahlungen eingestellt wurden. Doch Alice hält weiterhin an ihrem mittlerweile lebensbedrohenden Traum vom Durchbruch als Künstlerin fest, deren mühsamer Alltag aus der zermürbenden Arbeit in einer Fabrik besteht, während Robert längst den Glauben an seine Mutter verloren hat, auch wenn er sich dies nicht eingestehen will. Richard Yates zeigt sich hier wieder als Meister darin, Lebensläufe zu beschreiben, die eben nicht von Glanz und Erfolg erzählen, sondern das beschreiben was weitaus häufiger vorkommt: nämlich die Armut und das Elend der ausgeschlossenen Menschen, auf deren Kosten die Erfolgreichen leben. In einem ruhigen und klaren Ton schildert er das Leben dieser Menschen, völlig frei von Anklage und sozialem Neid. Er zeigt nur auf und bewertet nicht, dabei beschreibt er aber mit einer echten und tiefen Anteilnahme. „Eine besondere Vorsehung“ ist es wohl auch, dass Richard Yates zu Lebzeiten nie so anerkannt wurde, wie er es verdient hätte. Hoffentlich kann er nun seinen längst überfälligen Platz in der Weltliteratur einnehmen!!!

    Mehr