Richard Yates Eine gute Schule

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Inhaltsangabe zu „Eine gute Schule“ von Richard Yates

Yates´ persönlichstes Buch - jetzt im Taschenbuch! Das Haar hängt ihm fettig in die Stirn, sein fadenscheiniges Hemd ziert ein Muster aus Flecken. William Grove, fünfzehn Jahre alt und gerade als Stipendiat an der Dorset Academy angenommen, wird schnell der Stempel aufgedrückt: Mit diesem 'Zigeuner' möchte keiner der Jungen im Internat etwas zu tun haben. Denn Grove kann nicht verbergen, dass er aus proletarischen Verhältnissen stammt. Doch genau das soll er an der Dorset, Hort englischer Erziehungstraditionen, lernen – seine Mutter hofft, dass ihrem Sohn sich so die Türen zur höheren Gesellschaft öffnen, die ihr, der großen Künstlerin, verschlossen geblieben sind, trotz aller Bemühungen.

Ein sehr persönlicher und ergreifender Yates, der mir sogar noch etwas besser gefiel als 'Zeiten des Aufruhrs'.

— derkleinemaulwurf
derkleinemaulwurf

Nicht Yates Bester aber ein Guter

— Ein LovelyBooks-Nutzer
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  • Nicht der Beste aber ein Guter

    Eine gute Schule
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. October 2014 um 12:48

    Lange stand der Roman von Richard Yates in meinem Regal - nun ist er gelesen und kommt ins Regal zu "Easter Parade" vom gleichen Autor. Von Rainer Moritz habe ich auch die Biographie gelesen und von da an war Yates eine meiner Entdeckungen in der Literatur. "Eine gute Schule" gilt als das persönlichste Buch des amerikanischen Schriftstellers, der lange in Vergessenheit geraten war. Er beschreibt darin seine eigene Schulzeit an der Dorset Academy - einer privaten Jugendschule. Obwohl die Mutter kein Geld hatte, vom Vater getrennt war und dieser den Besuch eines Privatinternates in Frage stellte, kommt Yates Alter Ego William Grove durch Vergünstigungen an die Schule, wo er von einer Horde Jungen zur Begrüßung vergewaltigt wird. Trotz der Tat kann er sich behaupten, schreibt für die Schülerzeitung und leitet diese später sogar akribisch, während er toleriert wird und weiterhin um Freundschaften kämpfen muss. Er trifft auf die coolen Jungs, auf die Schüchternen, auf Homosexuelle, er beobachtet Lehrerentgleisungen, er lebt und schreibt, er sieht und schaut weg, er nimmt auf und verarbeitet durch seine Arbeit für die Zeitung. Er ist nicht schön, nicht stark, nicht besonders schlau - er ist Durchschnitt in den 40er Jahren. Seine Mitschüler treten ins Militär ein, er hat daran kein Interesse. Er spannt dem einzigen Freund das Mädchen aus, versucht auch bei anderen Mitgliedern des andren Geschlechts anzukommen, aber er bleibt unscheinbar.  Yates Stil ist unaufgeregt, sachlich, beobachtend. Als Leser vermisst man eine Figur, die man sympathisch finden kann, doch diese verwehrt uns der Autor. Das macht er bewusst, denn seine Zeit war frei von Empathie - es ging ums Leben und ums Überleben in der Pubertät. Aus Jungen werden Männer und so erscheint es auch verständlich, dass die Vergewaltigung nicht großartig thematisiert wird als eben jene, sondern als Initiationsritus erscheint.

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  • Dorset Academy

    Eine gute Schule
    Maus86

    Maus86

    08. August 2013 um 16:11

    "Dorset Academy" wird William Groves Mutter auf einer Hochheit von einer unbekannten Frau ans Herz gelegt. "Es ist die einzige Schule im Osten, an der man Jungs versteht. Meiner fand es dort großartig." (S. 12) Der Dame wird Glauben geschenkt und Williams Vater überredet, für das Schulgeld aufzukommen. Dieser hat noch nie zuvor von der Schule gehört, genau so wenig, wie alle Anderen, denen er davon erzählt. Aber "naja- es soll eine gute Schule sein." (S. 18) Dies Erfahren wir im Vorwort. Im Hauptteil geht der Leser mit William Grove durch seine Schulzeit an der besagten Privatschule. Dabei wechselt die Erzählweise von der Ich- in die Vogelperspektive, so dass wir nicht nur an Williams Schicksal, sondern auch an dem mehrerer Lehrer und Lehrerkindern teilhaben können. Innerhalb der Schule setzt sich für den Leser mehr und mehr eine eigene kleine Welt zusammen, innerhalb derer sich die Protagonisten zueinander hin und - in den meisten Fällen - auch wieder voneinander weg bewegen. Am Ende wechselt Yates in einem Nachwort noch mal in die Ich-Perspektive, von der aus Grove als Mann in mittleren Jahren noch mal zurückblickt. Mir hat das Buch im Großen und Ganzen gut gefallen. Die Charaktere sind einprägsam und jeder von ihnen liefert auf seine Weise ein gewisses Maß an Identifikationspotential. Zwar waren die Handlungs- und Verhaltensweisen der Protagonisten für mich nicht immer ganz nachvollziehbar, aber das müssen sie ja auch nicht unbedingt sein. Denn gerade in Beziehungsgeflechten, sind die Beweggründe der Menschen, die sie so und nicht anderes handeln lassen, nicht oder zumindest nur schwer durchschaubar. An diesem Punkt ist das Buch also einfach realistisch, auch wenn mich das als Leser stellenweise unbefriedigt zurücklässt. Nichtsdestotrotz ein empfehlenswerter Roman.  

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  • Solides Handwerk - dennoch überholt

    Eine gute Schule
    wandablue

    wandablue

    08. August 2013 um 08:39

    Pubertät und Autorität, Grausamkeit und unterdrückte Sexualität. Ein Jungeninternat, Connecticut, in den 40iger Jahren des 20. Jahrhunderts. Das ist alles schon wesentlich besser, eindrücklicher und beklemmender in Robert Musils „Verwirrungen des Zöglings Törleß“, beschrieben worden. Dem war von Yates kaum Neues hinzuzufügen. Vielleicht braucht es etwas länger, bis die Neue Welt Europas Erkenntnisse übernimmt? Fazit: Wäre Yates bekannter geworden in den Staaten zu seiner Zeit, wäre es evtl. ein wichtiges aufklärerisches Buch für diese Gesellschaft gewesen. Doch im 21 Jh. ist seine Botschaft irrelevant und ich verlange mehr von einem guten Roman als eine flache Zustandsbeschreibung von anno dazumal. Zumal ich mich frage, ob denn alle Bildungsanstalten von gelangweilten egoistischen Arschlöchern geleitet und geführt werden oder wurden, wie es der Roman unterschwellig suggeriert. Deshalb kann mich der Roman, trotz soliden Handwerks, nicht überzeugen und begreife ich die Neuauflage Yates nicht ganz.

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  • Eine gute Schule, oder?

    Eine gute Schule
    thelexxx

    thelexxx

    William Grove ist weder aus besonders gutem Hause noch zeichnet er sich durch überdurchschnittliche Intelligenz aus. Umso überraschender ist es schließlich, dass der fünfzehnjährige Grove, Anfang der 40'er Jahre, ein Stipendium an der Dorset Academy, einer elitär anmutenden Privatschule in Neuengland, erhält. Doch der erhoffte soziale Aufstieg bleibt aus: Die Kinder der Reichen wittern Groves Herkunft trotz Schuluniform und schmähen ihn als "Zigeuner". Der schlaksige und etwas ungepflegte Junge ohne nennbares Talent hat keinen besonders leichten Start an der Dorset. Aber auch andere Mitglieder der Schule haben Probleme: Da wäre zum Beispiel der behinderte Chemielehrer, Jack Draper, der, während dessen Frau ihn mit dem Französischlehrer betrügt, immer mehr in Alkohol und düsteren Gedanken versinkt - oder Knoedler, der Schulleiter, den niemand so richtig zu mögen scheint und der die meiste Zeit des Jahres gar nicht in der Schule verweilt, sondern vielmehr Hausbesuche macht und mit Stipendien um sich wirft. Oder der Golden Boy der Schule, Larry Gaines, dessen junge Liebe zu Edith Stone, der Tochter des emotional erkalteten Englischlehrers, unter den bösen Vorzeichen der Zukunft steht, denn neben der prekären finanziellen Situation der etwas provinziellen Dorset Academy, greifen die Dämonen des Weltkrieges immer mehr um sich. In seinem autobiografisch-angehauchten Roman, "Eine gute Schule", zeichnet der, als Literaturstar wiederentdeckte, Richard Yates, anhand des Mikrokosmos Privatschule, ein gestochen scharfes Porträt menschlichen Zusammenlebens; aufrichtig, tragisch und entwaffnend ehrlich. Protagonist seiner Geschichte ist nicht etwa nur der junge William Grove, sondern stets vielmehr jedes Mitglied der Dorset Academy; sie alle haben ihre Ängste, ihre Hoffnungen und Zwänge -  und davon erzählt Yates. Das Erwachsen-Werden ist manchmal ebenso schwer wie das Erwachsen-Sein und umgekehrt. So unterschiedlich die Mitglieder der Schule auch sein mögen, etwas haben sie alle gemein: Sie tragen eine tief zwiegespaltene Haltung sowohl zu ihrer Schule als auch zu sich selbst in sich. Mit fortlaufender Seitenzahl spürt man förmlich die Ungewissheit der Zukunft und die Gefahr des Krieges in Übersee heraufziehen.  Die Zeiten, in denen Richard Yates und seine Werke nahezu in Vergessenheit und außer Druck geraten waren, scheinen endgültig vorbei zu sein, und der späte Ruhm, der den 1992 verstorbenen Schriftsteller nun endlich ereilt, ist wahrlich nicht unbegründet; Yates' gutes Auge für Charaktere und soziale Spannungen, gepaart mit einem wunderbar schnörkellosen Erzählstil (Kein Wort zu wenig, kein Wort zu viel!), machen "Eine gute Schule" zu einem fantastischen  Lesevergnügen, das den Vergleich mit den großen amerikanischen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts nicht zu scheuen braucht.       Glauben Sie dem Hype und lesen Sie "Eine gute Schule" von Richard Yates, einem der großen amerikanischen Schriftsteller. ---- auch zu lesen auf: buchpiraten.blogspot.de

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  • Rezension zu "Eine gute Schule" von Richard Yates

    Eine gute Schule
    Ati

    Ati

    14. October 2012 um 15:51

    Nachdem seine Bücher weder im Original noch in Übersetzungen jahrelang nur schwer bis gar nicht erhältlich waren, veröffentlicht die Deutsche Verlagsunion nach dem Tod (1992) des 1926 in Yonkers (New York) geborenen Autors sukzessive sein Gesamtwerk – darunter auch die Übersetzung des 1978 im englischen Original veröffentlichten Romans Eine gute Schule. Yates, gilt als einer der größten Existenzialisten und Fatalisten der Moderne - nicht nur in den Augen des Zeit-Redakteurs, der das einmal über ihn schrieb. Dennoch fand er zu Lebzeiten weniger durch seine Romane Beachtung, sondern machte vielmehr mit Alkoholproblemen oder Abstürzen in die Psychiatrie auf sich aufmerksam. Dessen ungeachtet zählt er zu den wichtigsten Autoren der Amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Was ihn tatsächlich in seine Exzesse trieb, bleibt sein Geheimnis. Eine durch eine Scheidung der Eltern verkorkste Kindheit? Die eigene Scheidung und der damit verbundene Sorgerechtsstreit um seine Töchter? Eine schwerwiegende Erkrankung? Seine Erlebnisse als Soldat im zweiten Weltkrieg? Oder die harten Zeiten der Wirtschaftskrise? Wer weiß? Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, der wir sieben Romane und zwei Erzählbände verdanken, verfasste Yates in den späten 1960ern für eine kurze Zeit Reden des US-Senators Robert Kennedy und war als Journalist und Werbetexter tätig. Sein erster Roman wurde bereits 1961 veröffentlicht. Obwohl er zunächst wohlwollend aufgenommen wurde, geriet er bald in Vergessenheit. Eben dieser Roman kam vor ein paar Jahren mit Leonardo Di Caprio und Kate Winslet unter Regisseur Sam Mendes verfilmt unter seinem deutschen Titel Zeiten des Aufruhrs ins Kino. Meine erste Berührung mit Yates. Bereits aus der Titulierung „großer Existenzialist und Fatalist“ kann man schließen: Kein sehr fröhlicher Film nach keiner sehr fröhlichen Romanvorlage. Überhaupt gibt es in all seinen Romanen keine fröhliche oder hoffnungsmachende Grundnote. So hoffnungsvoll vielleicht seine Figuren auch von ihrer Form von Glück träumen mögen, alle enden ohne Happy End. Ja noch nicht einmal mit etwas, das auch nur entfernt an ein Happy End erinnern könnte. Trostlos und trist, so ist auch Eine gute Schule aufgebaut. Das persönliche Drama und Unglück auch darin keine hoffentlich schnell vorübergehende Begleiterscheinung des Lebensalltags sondern bitterer Kern. Auch dieser Roman erzählt von der Hoffnungslosigkeit des amerikanischen Mittelstandes. Einer Klasse also, deren Leben ansonsten eher schön gemalt oder gar nicht beachtet wird. Mit einfachen, klaren Worten, ohne Schnörkel und Beschönigungen, erzählt Yates in Eine gute Schule die Geschichte des jungen William Grove, der Anfang der 1940er auf kleines, privates Internat in Neuengland kommt. Es wird gesagt, dass Eine gute Schule der persönlichste Roman Yates‘ ist. Tatsächlich spielt er in dem Zeitraum, in dem er selbst zur Schule ging. Wie viel davon autobiografisch und was schriftstellerisch erdacht ist – diese Frage kann er uns heute nicht mehr beantworten. Seine Hauptfigur Grove ist jedenfalls 15 und ein Außenseiter. Doch ist er das wirklich? Im Grunde sind alle Charaktere in dem Roman – und davon lernt man mit Yates einige kennen – Außenseiter. Obwohl der eine oder andere von ihnen eher auf der Gewinnerseite zu stehen scheint, gewinnt keiner von ihnen wirklich. Alle scheitern früher oder später an einer stumpfen Realität und doch überleben die meisten irgendwie. Grove kann nur dank eines Stipendiums auf diese Schule, denn sein Vater bringt das Schulgeld kaum auf. Seine Mitschüler lassen ihn das spüren, wie sie überhaupt jede Schwäche anderer gnadenlos ausnutzen. Er erlebt Erniedrigungen und Zurückweisungen, nur weil seine Mutter darauf hofft, dass ihm durch den Besuch dieser Schule die Möglichkeit gegeben wird, in höhere Kreise aufzusteigen. Etwas was ihr selbst verwehrt war. Einzig die Mitarbeit an der Schülerzeitung scheint dem Jungen einigermaßen Freude zu bereiten. Im Grunde zeigt sich Grove jedoch genauso berechnend wie die anderen, nutzt Vorteile wenn sie sich ergeben und lässt andere zurück, wenn er sich etwas davon verspricht. Das teils grausam anmutende, bisweilen melodramatisch und seltsam erwachsen wirkende Zusammenleben pubertierender Jungen prägt seinen Alltag. Doch Yates lenkt unseren Blick nicht nur auf Grove und seine Mitschüler allein. Da ist die Schule an sich, die eigentlich nur dank einer schrulligen Gönnerin überleben kann, die den Traum von einer guten Schule hat. Einer Schule, die etwas bewegt und in der Jungen sich entwickeln können. Einfach, weil sie selbst als Frau diese Möglichkeit in dieser Form nie hatte. Der Autor lässt uns auch gleichermaßen unverstellte wie flüchtige Blicke auf die Lehrerschaft und ihre Familien werfen. Denn auch diese haben ihre Probleme und Sorgen. Seitensprünge, Krankheiten, Süchte und Zukunftsängste. Nicht nur weil die Schließung der Schule droht, sondern weil es da auch noch diesen drohenden Krieg gibt. Ein Krieg der dafür sorgt, dass manche der Schülern sich freiwillig melden. Die zurückgebliebenen Schüler erhalten erste Todesnachrichten der Freiwilligen und wissen, dass sie spätestens nach Abschluss der Schule eingezogen werden, es ist nur eine Frage der Zeit. Über den gesamten Roman baut sich angesichts der Erlebnisse keine große Spannung auf. Tatsächlich plätschert er in seiner Tristesse gleichsam vor sich hin, ohne je wirklich langweilig zu sein. Der stellenweise flüchtige wie gleichermaßen eindringliche Erzählstil des Autors lässt den Lesefluss nicht wirklich versiegen, entwickelt sich aber auch nicht in einen reißenden Strom. Jahre nach Kriegsende lässt Yates Grove einen Blick zurückwerfen und auch dabei wird klar, dass es zwar irgendwie weitergegangen ist, aber natürlich auch deutlich schlechter hätte kommen können. Hoffnung? Nein, die sieht anders aus. Also typisch Yates eben. Nicht schönmalerisch. Dafür aber klar und irgendwie am realen Leben. Fazit Mit Eine gute Schule hält man ein bedrückendes Buch in Händen. Keines dass man einfach so nebenbei lesen sollte und kann. Wer ein Happy End liebt sollte auf alle Fälle die Finger davon lassen. Aber mal ehrlich: Wer erwartet das schon bei jemanden, der für seinen existenziellen und fatalistischen Erzählstil gerühmt wird? Ich möchte für Eine gute Schule vier von fünf Punkten vergeben. Copyright © 2012 Antje Jürgens (AJ)

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  • Rezension zu "Eine gute Schule" von Richard Yates

    Eine gute Schule
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. August 2012 um 12:41

    Die lange verkannten Werke des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates werden seit einigen Jahren von der DVA in Deutschland in neuen Übersetzungen präsentiert. Sein Romandebüt „Zeiten des Aufruhrs“ wurde mittlerweile erfolgreich verfilmt, und sein 2010 erschienener Roman „Ruhestörung“ fand bei den deutschen Kritikern viel Beachtung. Zu seinen Lebzeiten haben Yates Bücher kaum Beachtung gefunden. Vielleicht traute man diesem Mann mit seiner extremem Lebensführung und seinen Alkohol- und Psychiatrieabstürzen keine wirklich gute Literatur zu. Doch das hat sich geändert und seine Werke zählen mittlerweile nicht nur in den USA zu den wichtigsten der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts, die viele seiner Kollegen geprägt haben. Führte sein Buch „Ruhestörung“ in die kurze Zeitspanne des Wahlkampfs und der kurzen Amtszeit von John F. Kennedy, und beschrieb mit sehr viel autobiographischen Bezügen die Selbstzerstörung der Hauptfigur John Wilder durch den Alkohol, spielt das nun veröffentlichte in den USA zuerst 1978 publizierte Buch „Eine gute Schule“ in der Jugend- und Schulzeit des Autors. Denn man darf wegen des in Ich-Form gehaltenen Nachworts vermuten, dass sich hinter der Hauptfigur des Romans, William Grove, niemand anderer verbirgt als der jungen Richard Yates mit seinen Erfahrungen an einer kleinen Privatschule Dorset Academy in Neu-England. Mit viel Gespür und Sympathie für die Schüler und die Lehrer, die sich mühen, aus der Stiftung einer schrulligen alten Frau eine funktionierende „gute Schule“ zu machen, beschreibt Yates nicht den schulischen Alltag und das Heranwachsen der männlichen Schüler, ihre sportlichen, musischen und intellektuellen Interessen, sondern er beschreibt den Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und wie sich die Jungen auf ihren möglichen Einsatz in der Army vorbereiten. Es war wirklich eine gute Schule, die Dorset Academy. „Sie half mir durch die schlimmsten Momente meiner Adoleszenz, wie nur wenige Schulen es vermocht hätten, und sie hat ich die Grundzüge meines Gewerbes gelehrt. Ich lernte schreiben…“ Man darf auf die weiteren Romane, die DVA veröffentlichen wird, sehr gespannt sein. Dieser hier zeigt einen Richard Yates auf der Höhe seines schriftstellerischen Arbeitens.

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