Richard Yates Elf Arten der Einsamkeit

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Inhaltsangabe zu „Elf Arten der Einsamkeit“ von Richard Yates

Wiederentdeckt Sie leben in der Kleinstadthölle, fühlen sich zu Höherem berufen oder wenigstens zu Anderem und entkommen der Realität doch nicht. Die Figuren, die der große amerikanische Autor Richard Yates in seinen Erzählungen klar und präzise zeichnet, sind sämtlich gezwungen, sich mit einem Schicksal zu bescheiden, das sie nicht mögen. Daraus entsteht Konfliktstoff. Daraus entsteht eine tiefe Trauer.

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  • „Und wo sind die Fenster? Wo kommt das Licht herein?"

    Elf Arten der Einsamkeit
    The iron butterfly

    The iron butterfly

    Miss Price freut sich darauf, an diesem Morgen ihrer vierten Klasse den neuen Mitschüler vorstellen zu dürfen; sie fühlt sich beschwingt, regelrecht berufen den Jungen aufs Herzlichste willkommen zu heißen und ihn freudig der Versammlung stumm dreinblickender Grundschüler nahezubringen. Auch wenn sie nicht mehr von ihm weiß, als dass er nach Jahren im Waisenhaus nun endlich bei Pflegeeltern in New York City unterkommen konnte, so hört Miss Price doch ihr missionarisches Herz höher schlagen. Doch die Klasse lässt den neuen Mitschüler links liegen und konzentriert sich in der vorhandenen Struktur eher noch dichter. Vincent Sabella bleibt vorerst der stille Außenseiter und genügt sich in dieser Rolle. Ermuntert durch Miss Price, wagt er sich jedoch an den Erlebnisbericht am Montagmorgen heran, bei dem die Schüler der Klasse etwas von sich und ihren Erlebnissen mit Familie oder Freunden berichten. Vincent fühlt sich ermutigt durch die Symphathie und das Verständnis, die seine Lehrerin ihm entgegenbringt. Die kleine Erlebnis-Episode entpuppt sich leider als abstruse Lügengeschichte, die Vincent keinerlei Bonuspunkte bei seinen Mitschülern einbringt, sondern ihn durch einen plumpen Versprecher zusätzlich noch vor der ganzen Klasse lächerlich macht. In der Pause drängen die Gefühle aus Vinnie heraus und er besudelt eine Wand mit den wüstesten Ausdrücken, die er kennt. Als Vincent nun von einer Klassenkameradin verpetzt wird, will Miss Price sich in ihrer Mission noch nicht geschlagen geben und redet ihrem neuen Schützling nur gut zu. Ihren Dank erhält sie nach Schulschluß, als Vincent anderen Schülern von einer Prügelstrafe durch Miss Price erzählt und nun sogar ein Bildnis von seiner Lehrerin umrahmt von Kraftausdrücken und wilden Flüchen an die Schulmauer malt. Bereits die erste Kurzgeschichte im Band „Elf Arten der Einsamkeit“ von Richard Yates erzählt von diesen Situationen, in denen Menschen einfach nicht zueinander finden. Es ist nie der Einzelne, der einsam ist, die Atmosphäre ist angereichert mit Einsamkeit und wird von allen eingeatmet. In „Doktor Schleckermaul“ beipielsweise stehen alle Protagonisten isoliert, die Einsamkeit der Lehrerin ist genauso spürbar, wie die des neuen Schülers Vincent, aber auch die Klasse als Verbund wirkt weder homogen, noch harmonisch eingespielt. Gefangen in all ihren Rollen und vorgefertigten Lösungen distanzieren sich alle Parteien mehr und mehr voneinander. So auch in „Alles, alles Gute“, eine Geschichte, die vom letzten Abend vor der Hochzeit von Grace und Ralph erzählt. Anfangs zuversichtlich durch Glückwünsche und Geschenke von Kollegen auf das bevorstehende gemeinsame Glück vorbereitet, sinkt die Stimmung zügig auf einen Nullpunkt und der Leser begreift, dass hier zwei Menschen in ihr Unglück rennen, nur, um den gesellschaftlichen Richtlinien nach beglaubigter Zweisamkeit zu genügen. Was für Grace die Verbriefung ihres Glückes darstellt, ist für Ralph die Chance sich endlich legitim über die Kurven der begehrten Kandidatin herzumachen und die langersehnte lederne Reisetasche für die Hochzeitsreise zu erstehen. Wie zuletzt bei der Lektüre der Erzählungen von Raymond Carver, kann auch bei Richard Yates uneingeschränkter Beifall verlauten. Seine Schauplätze sind so vielfältig, wie seine Protagonisten und zeigen ein breites Spektrum der Gesellschaft. Dabei verliert er jedoch nie seine Verbindung zur Handlung, sein Verständnis ist spürbar, ob aus eigener Erfahrung oder aufgrund großer Menschenkenntnis. Es wird jedoch sehr deutlich, wie kleingeistig und engstirnig manches Leben gelebt wird, aber es wird nicht weniger bewusst, in welches Korsett wir uns zwängen lassen. Sei es unser Umfeld, unsere Erziehung, unsere Gene und welche Ausreden wir noch erfinden, nur um uns nicht daraus befreien zu müssen. Eine Vielfalt von Einsamkeiten umgibt uns. „Und wo sind die Fenster? Wo kommt das Licht herein?…hier sollte irgendwo unbedingt ein Fenster sein, für uns alle.“

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  • Rezension zu "Elf Arten der Einsamkeit" von Richard Yates

    Elf Arten der Einsamkeit
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    15. January 2013 um 21:31

    Yates war lange Jahre in Vergessenheit geraten, seine Bücher nach seinem Tod nicht mehr im Druck, keines davon. Dabei hat er die nachkommende Generation junger Schreiber, u.a Carver, maßgeblich beeinflusst. Warum er ein Schwergewicht der modernen Literatur ist, beweist jede einzelne dieser Short Stories.Niemand hat die kleinen Tragödien, die Einsamkeit, den Wahnsinn des Lebens so eingefangen wie Yates. Es ist immer ein seltsam schönes Scheitern seiner Figuren, es sind Momente, die jeder kennt, aber die niemand wahrhaben will.

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  • Literarischer Hochgenuss in 11 Akten

    Elf Arten der Einsamkeit
    Stefan83

    Stefan83

    08. September 2012 um 11:05

    Nach „Easter Parade“ ist die Kurzgeschichtensammlung „Elf Arten der Einsamkeit“ nun mein zweites Buch von Richard Yates – und spätestens jetzt kann ich verstehen, warum der bereits 1992 verstorbene Autor vielen amerikanischen Schriftstellern, darunter Richard Ford und Raymond Carver, ein literarischer Vater und prägendes Vorbild gewesen ist. Seine Erzählungen und Romane handeln stets von der Tyrannei des amerikanischen Traums. Und dem Versprechen, dass jeder alles erreichen kann, wenn er nur will. Diesem Selbstverständnis misstraute Yates, auch aufgrund eigener Erfahrungen, zutiefst, weshalb seine Helden oft die mittelmäßig Begabten sind, welche sich bald in den Selbstbetrug oder noch einen Drink flüchten, weil in der Allgegenwart der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten die eigene Begrenztheit besonders schwer zu ertragen ist. Und so erzählt er auch in „Elf Arten der Einsamkeit“ vom eintönigen Arbeitstag im Großbüro, von desillusionierten Lehrern und perspektivlosen Kriegsveteranen. Das Scheitern und die (nicht nur die körperliche) Einsamkeit waren Yates' Lieblingsthemen. Bei seinem Tod war bereits zweimal geschieden und hatte kein enges Verhältnis zu seinen drei Töchtern. Alkoholexzesse gehörten immer wieder zu seinem Leben, und der durchschlagende Erfolg seiner Bücher blieb ihm zu Lebzeiten verwehrt. Insofern ist es kaum verwunderlich, wenn man viel von Yates selbst in seinen Figuren findet und warum diese nur auf Papier existierenden Personen uns menschlich uns so rühren. Nach und nach, und ohne große Sentimentalitäten oder übersteigerte Melancholie, greift hier die Einsamkeit nach dem Leser, nimmt von ihm Besitz. Unmerklich kommt der Stimmungsumschwung, fühlt man sich als Teil der Geschichten, die allesamt auf den Moment zusteuern, wo das Leben des Protagonisten einen Zusammenbruch erfährt, das Ende des Weges erreicht ist, an dem lediglich ein tiefer Abgrund gähnt. Illusionen und Träume von einer besseren Zukunft lösen sich in nichts aus. Das „Es-wird-schon-irgendwie-werden“-Mantra fällt der nüchternen Wahrheit zum Opfer. Wie Yates diese wichtigen Wendepunkte innerhalb seiner Erzählungen einfängt, die Einsamkeit im Feierrausch der 50er Jahre auch im 21. Jahrhundert lebendig erhält, ist beeindruckend, atemberaubend und lange nachwirkend. Keine der elf Geschichten fällt qualitativ in irgendeiner Art und Weise ab. Im Gegenteil: Jede für sich ist lesenswert, nähert sich aus einem anderen Winkel demselben Thema an. So verfolgt man zum Beispiel in „Alles alles Gute“ ein Paar während des letzten Abends vor deren Hochzeit. Ein wichtiger, glücklicher Tag im Leben eines jeden Menschen, der jedoch hier zum Sinnbild der verfehlten Ziele beider wird, die sich eigentlich schon beim Gedanken an die kommende Ehe winden und lediglich die unerträgliche Endgültigkeit des Termins sehen. Und den Abschluss eines zuvor aufregenden gesellschaftliches Lebens, das sich nun wie alles andere andere unterzuordnen hat. In einer anderen Geschichte verfolgen wir die verzweifelten Versuche einer jungen Lehrerin den Außenseiter Vincent aus der Isolation zu holen und in die Klasse zu integrieren. Die Situation vollkommen verkennend treibt sie durch ihr Gutmenschentum und ihre Naivität den Jungen nur noch weiter ins Abseits, so dass sie schließlich genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie in ihrem Eifer zu erreichen bestrebt gewesen ist. Vincent, der, wie seine Mitschüler die Unausweichlichkeit seines Schicksals längst erkannt hat, wird schließlich zum folgenschweren Handeln gezwungen. Mein persönliches Highlight innerhalb der Sammlung ist allerdings „Baumeister“. In dieser Geschichte begegnen wir einem jungen Möchtegern-Hemingway, welcher durch einen New Yorker Taxifahrer die Gelegenheit bekommt sich als Ghostwriter zu verdingen und von nun an mit erfundenen Berichten dessen Berühmtheit fördern soll. Die Sinnlosigkeit seines Tuns und die realitätsfernen Vorstellungen des Taxifahrers offenbaren sich ihm erst sehr spät. An diesem Punkt ist die Beziehung zu seiner jungen Frau nur noch ein Schatten ihrer selbst. Was nun aber alles tieftraurig klingt ist nie ohne eine Prise Humor, verwehrt sich nie den fröhlichen Momenten des Lebens. Yates beherrscht die große Kunst, seine Helden auf Distanz zu halten, ihr Selbstmitleid und ihren Selbstbetrug genau zu beschreiben, ihnen aber gleichzeitig mit großer Zuneigung beim Scheitern zuzuschauen. So sind die knapp 300 Seiten von „Elf Arten der Einsamkeit“ ein literarischer Hochgenuss, an deren Ende eine Erkenntnis steht: Es bleibt gleich, mit welchem Werk man die Lektüre von Yates beginnt. Sie lohnen wohl alle. Und es ist erschreckend, wie aktuell sie geblieben sind.

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  • Rezension zu "Elf Arten der Einsamkeit" von Richard Yates

    Elf Arten der Einsamkeit
    Duffy

    Duffy

    22. June 2010 um 12:40

    Richard Yates lässt seine Figuren durch den amerikanischen Traum stolpern, um sie auf den Boden der Realität zu schicken. Dabei bedient er sich meisterhaft des Kunstgriffs, seine Protagonisten nicht als Verlierer dastehen zu lassen, sondern als sympatische Menschen wie dich und mich (wenn wir denn Amerikaner wären). Die kleine Stufe zum Scheitern ist hier kein Makel, sondern eine natürliche Sache. Yates ist einer der bedeutendsten Gegenwartsliteraten des 20.Jahrhunderts geworden und hält auch hier im Genre Short story sein gewohntes literarisches Niveau.

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