Richard von Schirach Der Schatten meines Vaters

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Inhaltsangabe zu „Der Schatten meines Vaters“ von Richard von Schirach

Zwischen Nazitäterschaft und dem Gefängnis in Spandau.Der Sohn des Kriegsverbrechers und Reichsjugendführers Baldur von Schirach erzählt seine und die Geschichte seiner Familie zwischen Großbürgertum, Nazitäterschaft und dem Gefängnis in Spandau.

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  • Rezension zu "Der Schatten meines Vaters" von Richard von Schirach

    Der Schatten meines Vaters
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    21. March 2011 um 13:47

    Ein schwieriges Verhältnis Natürlich mit einer anderen konkreten Lebensgeschichte und in ganz anderem, eher literarisch zu nennendem Stil als Walter Kohl im letzten Jahr legt Richard von Schirach einen Teil seiner Lebenserinnerungen vor. Dennoch aber mit einem fast identischen Grundthema und einer ähnlich erlebten, inneren Geschichte. Der Lösung vom Vater, dem Schatten, den der Vater wirft und einer genauen und reflektierten Darlegung eigener, innerer Entwicklungen. Auch Richard von Schirach beschreibt ein Vater-Sohn Verhältnis, das mit einer Enttäuschung endet und eine notwendige, innere Emanzipation anregt, anreizt und befördert. Gerade im zweiten Teil des Buches zeigt sich diese Entwicklung. Von dem festen Vorhaben zu einem "warmen" Verhältnis ausgehend über erste Irritationen und eine zunehmend wahrgenommene, wohl grundsätzlich immer bereits vorhandene Fremdheit bis zu klaren Worten der Distanz erstreckt sich diese Entwicklung in den ersten Wochen und Monaten nach der Entlassung Baldur von Schirachs aus dem Spandauer Gefängnis. Ein sich steigerndes Wehren gegen die Vereinnahmung durch die Selbstverständlichkeiten des Vaters und dessen letztendlicher innerer Verweigerung, sich nun noch einmal dem Sohn gegenüber mit seiner inneren Haltung als Protagonist des dritten Reiches auseinander zu setzen. Hier der Student unter anderem auch der Sinologie, der sich nicht als Macher, Häuslebauer und Überzeugter versteht, sondern als Lernender und Suchender, auch in der Lebensform. Nachvollziehbar und, vor allem, offen gewährt Richard von Schirach Blicke in sein damaliges Inneres, seine Haltungen und Überlegungen. Dort der immer noch im Wesen unveränderte Vater, der zwar durchaus sich distanziert von den Verbrechen des Antisemitismus und von Hitlers Wahn, der aber Überzeugungen und, vor allem, Karriere und Ansehen weiterhin nach oben hält. Vom freimütigen Zugeben seines anadoptierten "von" im Namen aus Karriereüberlegungen bis zum Stolz darauf, mit 25 Jahren bereits Leiter einer Reichsbehörde und Hausbesitzer gewesen zu sein und seines inneren Stolzes, seinen Eid nicht gebrochen zu haben. "Man fällt dem Heer nicht in den Rücken, wenn man im Krieg steht" ist seine lapidare Entschuldigung, sich aus allen Widerstandsversuchen gegen Hitler herausgehalten zu haben. Sicher sind dies Werteverschiedenheiten, die vielfach zwischen Vätern und Kindern im Raum stehen. In der besonderen Geschichte derer von Schirachs aber und in der besonderen literarischen Güte, mit der Richard von Schirach reflektiert seine Erinnerungen vorlegt, steckt eine deutliches Mehr an Gewinn für den Leser als nur ein Vater-Sohn Konflikt. Präzise beobachtet Richard von Schirach seine eigene Geschichte. Die Wärme der Briefe der Gefängniszeit des Vaters, die in 20 Jahren fast den einzigen Beziehungskontakt darstellten und somit das Bild des Sohnes prägten, der seinen Vater bewusst erst mit 24 Jahren leibhaftig ganz bei sich hat. Die vielfachen Rückblicke und Erläuterungen auf die eigene Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg, aber auch eingestreute Erinnerungen und Erläuterungen auf das Leben seiner Eltern im dritten Reich, sowie auf den Nürnberger Prozess, all das bringt Richard von Schirach zusammen und lässt so ein lebendiges Bild der Zeitgeschichte aus sehr privater Sicht vor den Augen des Lesers entstehen. Auch einer inneren Zeitgeschichte der 60er Jahre, denn hier findet sich auch ein Zeugnis der inneren Absage an jene Haltung der Persönlichkeit und jene persönlichen Ziele, die letztlich den Nationalsozialismus wesentlich mitgetragen haben. Nicht zuletzt die Schilderungen des vielfachen Zuspruches an den freigelassenen Baldur von Schirach Mitte der 60er Jahre, die vielen Aufwartungen ehemaliger Freunde und Weggefährten, die allesamt ihren "guten Weg" in der neuen Bundesrepublik "gemacht" haben werfen noch einmal ein helles Licht auf den nahtlosen Übergang vieler Entscheidungsträger des dritten Reiches an hervorgehobene Positionen in Gesellschaft und Politik. Das Buch liest sich dabei wie ein Roman, ist mit hohem Sprachschatz und genauer Beobachtungsgabe verfasst worden. Sowohl die Entwicklung eines eigenen Weges mit eigenen, vertretenen Überzeugungen steht dabei fassbar im Raum, als auch der Blick auf eine der überlebenden Schlüsselgestalten des dritten Reiches, eine fast Art der inneren Haltung und Zielgerichtetheit sowie das Aufeinanderprallen dieser inneren Welten in der "modernen demokratischn" Zeit. Nicht nur für den geschichtlich interessierten Leser lesenswert.

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  • Rezension zu "Der Schatten meines Vaters" von Richard von Schirach

    Der Schatten meines Vaters
    Jens65

    Jens65

    19. May 2008 um 17:13

    Richard von Schirach ist erfrischend kritisch und ehrlich, aber keinesfalls auf eine Abrechnung aus, im Gegenteil, teilweise schildert er mir die Vater-Sohn Beziehung fast schon zu warmherzig. Manchmal gerät dadurch in Vergessenheit, bis auf die letzten Kapitel, dass der Vater Baldur von Schirach ja einer der führenden Nazis war und Mitschuld an vielen grauenhaften Verbrechen trug. Doch ansonsten erhält man bei "Der Schatten meines Vaters" viele Hintergründe und eine tolle Schilderung der Nachkriegsjahre. Also ich kann das Buch nur empfehlen. Es ist ziemlich spannend und sehr informativ.

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