Riikka Pelo

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Riikka PeloUnser tägliches Leben
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Unser tägliches Leben
Unser tägliches Leben
 (2)
Erschienen am 16.02.2017

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Rezension zu "Unser tägliches Leben" von Riikka Pelo

Ein wunderbares und anspruchsvolles Buch
Curinvor einem Jahr

August 1923: Die russische Dichterin Marina Zwetajewa lebt gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Alja im Exil in der Tschechoslowakei und schreibt dort an einem Gedichtband. Erst spät Ende der 30er Jahre kehrt sie nach Moskau zurück, doch noch immer ist ihr die Sowjetunion zuwider, während Alja zunächst vom Regime überzeugt ist... .
In diesem Buch hat die Autorin Rilkka Pelo einen wunderbaren und spannenden biographischen Roman über Marina Zwetajewa verfasst, der jedoch an manchen Stellen ein wenig langatmig ist. Besonders gut gelungen ist es ihr, die Unterschiedlichkeit von Mutter und Tochter immer wieder hervorzuheben. Man merkt alleine schon durch die Darstellung der Innenwelt von Marina, dass diese viel mehr nachdenkt und dabei immer sehr in die Tiefe geht. Sie ist eine sehr rational denkende Frau, die in einer schweren Zeit eine klare und mutige politische Position eingenommen hat. Beim lesen wirkte sie auf mich manchmal unnahbar und wenig greifbar. Im Laufe der Handlung merkt man aber, dass sie auch eine andere Seite hat. Als Mutter hat sie viele Eigenschaften an Alja vererbt, aber dennoch ist diese vom Charakter her im Buch ganz anders. Obwohl sie auch als kluge und nachdenkliche junge Frau beschrieben wird, hatte ich bei ihr den Eindruck, dass sie viel mehr gefühlsbetonter ist als Marina. Man sieht jedoch, dass trotz aller Unterschiede ein ganz besonderes Band zwischen Mutter und Tochter vorhanden ist.
Vom Schreibstil her ist das Buch sehr anspruchsvoll und verlangt die ganze Aufmerksamkeit des Lesers. Frau Pelo geht oft zu sehr ins Detail, was die Handlung etwas zum stocken bringt und etwas langatmig macht. Was mir sehr gefallen hat, sind die Schilderungen des Alltags der beiden Figuren. Jeweils aus der Ich-Perspektive erfährt man, was diese gerade denken und tun.
Insgesamt ist ,,Unser tägliches Leben" ein wunderbares Buch, dass jedoch seinen Lesern einiges abverlangt. Wer sich aber für die Sowjetunion und generell für die Geschichte Russlands interessiert und gerne wirklich anspruchsvolle Literatur liest, bekommt hier eine ganz besondere Lektüre. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

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TochterAlices avatar

Rezension zu "Unser tägliches Leben" von Riikka Pelo

Tage im August
TochterAlicevor 2 Jahren

sind es, die hier thematisiert werden, in zwei verschiedenen Jahren, zwischen denen Welten zu liegen scheinen. Schwerste Kost in mehrfacher Hinsicht ist dieser Roman, der in harten Zeiten spielt: in den Jahren 1923 und 1939 nämlich, zunächst im tschechischen Exil, dann in Russland in tiefster Stalinzeit - die Sowjetunion zeigt ihr grausamstes Gesicht. Ohnehin schwere Kost, die noch härter zu verdauen ist, wenn man sich verdeutlicht, dass es hier um reale Menschen geht, nämlich um die große russische Dichterin Marina Zwetajewa und um ihre Tochter Ariadna - zwei Menschen, die den Lauf der Dinge vollkommen unterschiedlich sehen. Während Marina die Sowjetunion verhaßt ist, kann sich Alja, wie ihre Tochter genannt wird, für die Errungenschaften des Kommunismus begeistern - zunächst jedenfalls.

Es geht hier nicht um die große Politik bzw. nur teilweise - es geht darum, was die Welt - oder doch bestimmte Teile davon - aus den Menschen ihrer Zeit macht, wozu sie sie bringt, wie sie sie leben lässt. Aber es geht auch um das Verhältnis zwischen Marina und Alja, letztere zunächst noch ein Kind, das von ihrer Mutter ganz schön gefordert wird, als Co-Autorin eines Buches, das die beiden gemeinsam verfassen, beispielsweise.

Der Finnin Riikka Pelo ist - was die Recherchen und auch das Aufgreifen der Dichtkunst Zwetajewas - ein Meisterwerk gelungen, mit dem ich dennoch nicht glücklich wurde, auch wenn das möglicherweise eine sehr subjektive Wahrnehmung ist: Ein sehr intensiver Stil ist, aus der Sicht der beiden Protagonistinnen dargestellt, der diesen Roman prägt, doch so eindringlich er zeitweise daherkommt, so ausführlich und - ja, umständlich muss ich sagen, ist er wiederum an anderen Stellen.

Zudem wird der Leser ziemlich alleine gelassen, finde ich - allein mit der Geschichte Marina Zwetajewas und derjenigen ihrer Tochter, wie auch mit Zusammenhängen verschiedener Akteure in ihrem Umfeld, die immer mal auftauchen. Ich hätte ein Namensverzeichnis und ein ausführliches Nachwort gebrauchen können, auch wenn ich mich in der Geschichte des Stalinismus und der Sowjetunion insgesamt einigermaßen auskenne und auch Marina Zwetajewa mir nicht völlig fremd ist. Aber nichts davon ist vorhanden und so hatte ich durchgehend diverse Google-Artikel aufgeschlagen, was dem Lesefluss nicht unbedingt zuträglich war.

Auch die Interaktion zwischen Mutter und Tochter war mir zeitweise zu anstrengend, zu detailliert, zu fordernd für mich als Leserin.

Gewiss, Riikka Pelo fühlt sich ein in ihre Protagonistinnen, sie schildert zwei harte Leben in schweren Zeiten, in denen es selbst jungen begeisterten Menschen völlig unmöglich gemacht wurde, an ihren Idealen festzuhalten. Umso schwerer, zu verstehen, warum eine kritische, intelligente, ja, ungewöhnliche Frau wie Marina Zwetajewa zurückging - sozusagen ins sichere Verderben.  Die Autorin vertieft sich so intensiv in das Thema, dass sie sich für mich darin verliert - es war mir nicht möglich, ihr durchgehend so tief hinein zu folgen.

Definitiv kein Buch für jemanden, der einen Roman zur Entspannung sucht, doch wer sich für Marina Zwetajewa und ihr Umfeld interessiert und richtig tief in die Thematik einsteigen will, der ist hier an der richtigen Stelle.




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