Robert A. Glover

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Robert A. GloverNie mehr Mr. Nice Guy
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Nie mehr Mr. Nice Guy
Nie mehr Mr. Nice Guy
 (2)
Erschienen am 07.11.2016

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Rezension zu "Nie mehr Mr. Nice Guy" von Robert A. Glover

"Ich will doch nicht mit einem Waschlappen verheiratet sein"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Für zahlreiche moderne Männern könnte dieses Buch eine Überraschung, eine Erleuchtung und eine Hilfe zugleich sein. Überraschen kann es sie, weil sie nicht glauben können, dass ein amerikanischer Autor sie so genau kennt.  Eine Erleuchtung kann es sein, weil sie vielleicht das erste Mal ihr eigenes Verhalten richtig verstehen und einordnen können. Und helfen kann es ihnen, weil es ihnen den einzigen Ausweg aus ihrer selbstverursachten Misere aufzeigt. 

Der Autor selbst weiß sehr genau, worüber er schreibt. Er war einst selbst ein "netter Junge" und führt nun eine Praxis, die anderen Männern hilft, sich von ihrer paradoxen Lebensphilosophie zu befreien. 

Ein Nice Guy handelt auf der Grundlage folgender Überzeugungen, die auf einem scheinbar erfolgreichen Verhaltensmuster aus einer nicht selten schwierigen Kindheit erwachsen ist: 
"Wenn es mir gelingt, meine Fehler zu verbergen, und wenn ich zu dem werde, was andere meiner Meinung nach von mir erwarten, dann werde ich geliebt, dann werden meine Bedürfnisse erfüllt und dann habe ich ein Leben ohne Probleme."

Denkt man ein wenig darüber nach, dann kommt man schnell zu zwei Erkenntnissen: Erstens ist das kein reines Männerproblem. Vielleicht besitzen sogar viel mehr Frauen als Männer diese Überzeugungen. Dies ist jedoch ein Buch von einem Mann für Männer. Bei Frauen scheinen mir die spezifischen Ausprägungen dieses Syndroms etwas anders auszufallen. Gleich ist aber zweitens geschlechterunabhängig, dass dieses Verhaltensmuster genau das Gegenteil dessen erzeugt, was eigentlich beabsichtigt ist. 

Männer, die sich so benehmen, verlieren den Respekt ihrer Partnerin, sie reduzieren Schritt für Schritt ihre Lebensenergie, bleiben immer im Mittelmaß stecken, haben schlechten oder gar keinen Sex, sind von Angst getrieben und leben gefangen in schlechten Beziehungen.  Selbst wenn sie sich das alles nur bedingt offen eingestehen, wissen sie es in Wirklichkeit tief in ihrem Inneren nur zu genau. Sie fühlen auch meistens, dass es ihr Verhaltensmuster ist, dass sie in diese Falle gelockt hat. Da ihr Verhalten sich aber einst in der Kindheit als für sie scheinbar erfolgreich erwiesen hat, können sie den Ausweg nicht mehr erkennen. Sie haben Angst, das Wenige, was sie mit dieser Methode als Erwachsene erreicht haben, auch noch zu verlieren. 

Zu erwarten, dass der Autor dieses Buches über eine Art Wundermittel verfügen würde, das alles schnell ändern kann, wäre sicher eine Illusion. Doch allein die Tatsache, dass jemand, der die Ergebnisse eines solchen Verhaltens sehr genau aus eigener Erfahrung kennt, seinen Lesern aufzeigt, dass ihr Verhalten nicht einmalig, sondern häufig ist und bei allen immer zu den gleichen unbefriedigenden Ergebnissen führt, kann bereits zu einer Art Urknall der Selbsterkenntnis führen. Die Lösung schließlich klingt einfach, bedeutet aber eine radikale Abkehr vom bisherigen Verhalten. Wer anderen keine Grenzen setzt, inakzeptables Verhalten anderer toleriert, sich nicht erst einmal um sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse kümmert, hat nichts Eigenes zu bieten, verliert den Respekt anderer, ist berechen- und ausnutzbar und letztlich langweilig. Das ist die bittere Wahrheit, der sich Nice Guys stellen müssen, wenn sie ein anderes, erfüllteres Leben möchten. 

Auch das Streben nach Perfektion ist ein Merkmal von Nice Guys. Das hätte beinahe dazu geführt, dass dieses Buch nie veröffentlicht worden wäre. Der Autor hat es schließlich geschafft, sich aus dieser Sackgasse hinauszumanövrieren. Sein Buch ist in der Tat nicht perfekt. Vieles hätte man knackiger ausarbeiten können. Vielleicht sind die zahlreichen Wiederholungen, auf die man besonders in den dunkler unterlegten Einschüben trifft, ein Ausdruck der Angst, nichts zu vergessen oder nicht deutlich genug zu sein. Zu Wiederholungen kommt es auch , weil der Allgemeinheitsgrad vieler Aussagen in diesem Buch zu gering ist. Manchmal bemerkt sein Autor nämlich nicht, dass er nur Nuancen ein und desselben Verhaltens beschreibt. 

Das alles ändert aber nichts daran, dass dies für viele Männer ein befreiendes Buch sein wird. 

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