Achtung: Erwachsenenrezension! Wenn ihr Kinder oder Jugendliche seid (oder bei euch gerade 1984 ist ;) ), dann könnt ihr einen Stern zur Bewertung hinzuaddieren.
„Die drei ??? und die Geisterinsel“ ist auf Deutsch zum ersten Mal 1973 bei Franck-Kosmos erschienen und damit genauso alt wie ich. Wie viele Kinder der 80er war ich so im Alter von 11 Jahren großer Fragezeichen-Fan. Meine Lieblingstitel waren – in dieser Reihenfolge – das Gespensterschloss, der Teufelsberg und die Geisterinsel.
Wie praktisch also, dass die Buchhandelskette Thalia vor ein paar Jahren eine Klassikeredition im Schuber mit drei frühen Bänden der Serie veröffentlicht hat: Schwarze Katze, Geisterinsel, Teufelsberg. Damit kann man als Ü50-Jähriger in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und mal überprüfen, wie sehr die Jugendkrimis – bei den drei ??? traditionell mit hohem Mystery-Anteil – gealtert sind. Oder der eigene Lesegeschmack. Oder man selbst.
Den Teufelsberg wollte ich mir aufheben und habe mit der Geisterinsel angefangen. Alles beginnt sehr atmosphärisch: Justus, Peter und Bob reisen zu einer abgelegenen Insel, die von oben wie ein menschliches Skelett aussieht. Dort dreht eine Filmcrew einen Abenteuerfilm an einem Lost Place, einem abgewrackten Vergnügungspark, in dem es auch noch spuken soll. Die Jungdetektive sollen Diebstähle und Sabotageaktionen untersuchen.
Leider stellt sich nach einer unheimlichen Nacht direkt heraus (oder wird zumindest vermutet), dass die Gespenstererscheinungen nur ein Mittel von Kriminellen snd, um Schatzsuchende von der Insel fernzuhalten. Irgendwo ist nämlich die Beute aus einem Raubüberfall und/oder ein Piratenschatz versteckt.
Insgesamt gibt es in diesem Fragezeichen-Band erstaunlich wenig Ermittlung. Einzig Justus, der die meiste Zeit mit Erkältung in der Ferienwohnung festsitzt, darf ein wenig recherchieren und sich Gedanken machen. Ansonsten ist dies eher Schatzsuche und Katastrophenfilmplot. Über relativ viele der 140 Seiten sitzen nämlich Peter, Bob und ihre Ferienbekanntschaft Chris in einer unterirdischen Höhle fest und drohen bei der sich anbahnenden Flut zu ertrinken.
Chris ist ein Sohn griechischer Einwanderer und wird als Ausländer (in den USA) ganz klischeehaft für die Diebstähle verantwortlich gemacht. Natürlich lobenswert, dass der Autor Robert Arthur den jungen Lesenden das Thema Fremdenfeindlichkeit näherbringt. Man kann nicht früh genug damit anfangen.
Man könnte dem Roman noch weitere Plotklischees vorwerfen, etwa den typischen Verrat unter Gangstern, muss aber bedenken, dass dies im amerikanischen Original ein inzwischen 60 Jahre alter Klassiker ist, der das Genre der Jugendkrimis mit geprägt hat. Arthur, der leider früh verstorbene Erfinder der drei ???, hat hier viele Genrekonventionen überhaupt erst mit eingeführt. Wobei, wie gesagt, es eigentlich keine Detektivgeschichte ist und mit dem atmosphärischen Setting der geheimnisvollen Insel auch genauso von Enid Blyton hätte stammen können. Nichts gegen Enid Blyton, deren Romane einen ganz eigenen Charme haben, aber von den Fragezeichen erwarte ich irgendwie mehr Düsternis, Grusel, Mystery, minimal erwachsenere Themen.
Die Thalia-Ausgabe ziert zum Glück noch das kultige Titelbild von Aiga Rasch, allerdings sind hier schon alle Verweise auf Alfred Hitchcock als Mentor von Justus, Peter und Bob entfernt. Mit dem Tod des Regisseurs war die Lizenz, dessen Namen und Gesicht nutzen zu dürfen, verlorengegangen. In der deutschsprachigen Ausgabe tritt stattdessen ein „Albert Hitfield“ auf. Ohne die Htchcock-Silhouette mit dem erhobenen Zeigefinger in den Zwischenkommentaren fehlt dem Buch aber nun mal ein Stück mystische Aura aus unserer Kindheit. Gleichzeitig ist erstaunlich viel 70er-Slang wie „Kittchen“ oder „falscher Fuffziger“ erhalten geblieben.
Also: noch etwas Luft nach oben. Auf zum Teufelsberg!

























