Robert Bober Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen

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Inhaltsangabe zu „Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen“ von Robert Bober

Paris, Anfang der 60er Jahre: Der junge Bernard Appelbaum bekommt eine Statistenrolle in 'Jules und Jim' – durch Truffauts Assistenten, einen gewissen Robert Bober, der nach dem Krieg sein Betreuer in einem Ferienlager für jüdische Kinder war. Auch wenn die Caféhausszene mit Bernard später gestrichen wird: der Film greift tief in sein Leben ein. Denn nach der Kinopremiere erzählt ihm seine Mutter die Geschichte einer anderen Liebe zu dritt, die sie mit seinem Vater Yankel, der nicht aus Auschwitz zurückkam, und Leizer, dem früh verstorbenen Stiefvater, verband. Bernard macht sich auf die Suche: nach seinen eigenen Ursprüngen, aber auch nach den Spuren einer verdrängten Geschichte, eines von Krieg und Kollaboration gezeichneten Paris. In einer schlichten Sprache von unerhörter Eindringlichkeit hat Robert Bober ein Buch der Erinnerung geschrieben, in dem die große Geschichte und persönlichste Erinnerungen sich kreuzen und auf vielfältigste Weise ineinander laufen: lebendig und nostalgisch, traurig und lustig zugleich, wie die Bilder von Robert Doisneau.

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  • Rezension zu "Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen" von Robert Bober

    Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    21. January 2012 um 11:43

    „Affektive Erinnerung. Unfreiwillige Erinnerung. Ich wurde von Erinnerungen heimgesucht, die ich vergessen glaubte. Wohin ich mich auch wende, sie rufen einander. Sie dringen durch eine Art Bresche ein und tauchen wieder auf. Und ich weiß zugleich, dass ich mich noch so sehr bemühen kann, nichts zu verlieren, es wird nicht alles wiederauftauchen. Auch wenn manchmal Bruchstücke, manchmal Fetzen erscheinen – es wird immer eine Zeit geben, zu der ich keinen Zugang habe. Im Unmittelbaren des Heutigen, im Durcheinander dessen, was geschieht, so wie es mir erscheint, gehört nicht alles, was ich finden werde, was mich interessieren wird, notwendigerweise zu meiner Geschichte. Werde ich, indem ich in die Vergangenheit der anderen tauche, etwas über meine eigene Vergangenheit entdecken?“ So reflektiert der Ich-Erzähler dieses wunderbaren und berührenden Romans von Robert Bober der junge Bernard Appelbaum seine Suche nach seinen Wurzeln. Anfang der sechziger Jahre bekommt er in Paris eine Statistenrolle in Truffauts Film „Jules und Jim“. Vermittelt hat ihm die Rolle Robert Bober, der nach dem Krieg in einem Ferienlager für jüdische Kinder auch Bernhards Betreuer war. Nach Fertigstellung des Films geht Bernhard mit seiner Mutter ins Kino, und wartet natürlich stolz auf seine Szene. Doch er muss enttäuscht feststellen, dass die Szene in der Bar, in der er mitspielte, gestrichen wurde. Um ihn zu trösten, oder weil sie den richtigen Kairos gekommen sieht, erzählt ihm seine Mutter ihre eigene Geschichte. Denn wie in dem Film hat sie eine ganz persönliche Erfahrung einer Liebe zu dritt. Diese Liebe verband sie sie mit Bernhards Vater Yankel, der nicht aus Auschwitz zurückkam und dessen Freund Leizer, der später Bernhards Stiefvater wurde und sehr früh verstarb. Kaum hat seine Mutter ihm diese Geschichte erzählt, beginnt sich Bernhard auf eine rastlose Suche zu machen nach seinen eigenen Wurzeln. Eine Suche, die ihn bis nach Auschwitz führt, aber auch auf die Spuren einer bis heute verdrängten Geschichte von Krieg und Kollaboration im Paris während der Besatzung der Nazis. Robert Bober ist ein beeindruckender Roman gelungen, in dem er viele eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet hat und in dem er vielen von ihm bewunderten Regisseuren, Sängern und Künstlern ein Denkmal setzt. Er hat literarisch gekonnt eine Rekonstruktion einer jüdischen Familiengeschichte verbunden mit einem sozialgeschichtlichen Dokumentation des Paris während des Zweiten Weltkriegs.

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  • Rezension zu "Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen" von Robert Bober

    Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    29. September 2011 um 13:23

    Paris, Anfang der 60er Jahre. Bernard Appelbaum, ohne Vater aufgewachsen, bekommt die Möglichkeit in Truffauts neuem Film „Jules und Jim“ als Statist mitzuwirken. Auch wenn diese Szene später dem Schnitt zum Opfer fällt, für ihn öffnet der gesamte Film die Tür zur Pariser Kunstszene – und die Tür zur Vergangenheit seiner Eltern. Plötzlich gelingt es Bernard, seine Mutter mit anderen Augen zu betrachten, sie wird mehr für ihn als nur seine Mutter. Auch sie war als junge Frau in eine Dreiecksgeschichte verstrickt, und der Film ist nur der Auslöser für sie, ihren Sohn in ihre Vergangenheit einzuweihen. Gleichzeitig ist Wer einmal die Augen öffnet aber auch eine Auseinandersetzung mit europäischer Geschichte – denn Bernard Appelbaum ist Jude, und sein Vater in Auschwitz gestorben. Robert Bober schafft es, dieses Thema so präsent zu machen, ohne es auf jeder Seite ansprechen zu müssen – es schwingt ganz selbstverständlich mit, immer anwesend – als Teil von Bernards Persönlichkeit und Vergangenheit. Zu guter Letzt ist der Roman dann eine Liebeserklärung. An Paris. Nicht die großen, bekannten Plätze spielen die Hauptrolle, es sind die kleinen, versteckten, die Nebenstraßen und Gassen, die kleinen gemütlichen Cafés und Bistros. Sie sind so lebendig, dass ich das Gefühl habe, ich könnte sie mir anschauen, und ich möchte sie mir anschauen – ich möchte sofort nach Paris fahren! Robert Bober erzählt mit sehr ruhiger Stimme von einer Jugend in Paris, seine Erzählweise ist selbst wie ein Streifzug durch Paris. Durch die ruhigeren Ecken, von denen man die Hektik der Hauptstadt nur immer kurz zu Gesicht bekommt. Und ihm gelingt ein ganz besonderer Schachzug – er bringt sich selbst in die Erzählung ein, als Statisten, nicht als Erzähler selbst. Wer einmal angefangen hat, dieses Buch zu lesen, kann nicht mehr aufhören.

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