Robert Domes

 4.3 Sterne bei 50 Bewertungen
Autor von Nebel im August, Almwiesengift und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Robert Domes

Nebel im August

Nebel im August

 (47)
Erschienen am 12.09.2016
Almwiesengift

Almwiesengift

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Erschienen am 08.04.2015
Almwiesengift (Allgäu Krimi)

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Erschienen am 08.04.2015
Voralpenphönix

Voralpenphönix

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Erschienen am 26.03.2014
„Wir waren wie eine große Familie.“

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Erschienen am 01.12.2017
Nebel im August

Nebel im August

 (1)
Erschienen am 09.09.2016

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Buecherseele79s avatar

Rezension zu "Nebel im August" von Robert Domes

Unwertes Leben
Buecherseele79vor einem Jahr

Ernst Lossa zieht mit seiner Familie durch Deutschland, sie bieten verschiedene Handwerkerdienste an und sind nur selten in Augsburg in ihrer kleinen Wohnung.
Doch als die Nazis an die Macht kommen wird es für Ernst seine Familie immer schwerer zu überleben, denn Zigeuner und anderes "Pack" sind nicht mehr gerne gesehen.
Als die Eltern ihr viertes Kind bekommen geht es der Mutter und auch dem Säugling zusehenden schlechter, der Vater von Ernst ist oft unterwegs und die Kinder haben kaum etwas zum Essen.
Das Jugendamt nimmt sich der Kinder an und so kommt Ernst in ein Kinderhaus in Hochzoll.
Dort beginnt seine Geschichte, eine Geschichte die bewegt und einen innehalten lässt.
Denn obwohl Ernst ein ganz normaler Junge ist der eigentlich nur ein bisschen Liebe und Aufmerksamkeit möchte wird er von vielen gemieden, als Zigeuner beschimpft und muss alleine in dieser neuen Welt zu Recht kommen.
Ernst erfährt dass seine Mutter verstorben ist, sowie der Säugling, seine Schwestern befinden sich in einem anderen Heim und der Vater ist wohl untergetaucht.
Ernst beginnt zu stehlen und zu lügen und baut ein Schutzfeld um sich auf.
Von den Pflegern, Betreuern, Ärzten und Lehrern wird er von Heim zu Heim geschickt und landet zum Ende in Kaufbeuren in einer Pflege und Heilanstalt und wird als "asozialer Psychopath" abgestempelt...ein Urteil welches Ernst das Leben kosten kann...

Mit Nebel im August gelingt dem Autor Robert Domes ein sehr schreckliches und düsteres Bild über das Euthanasieprogramm der Nazis, ein Kapitel welches nicht jedem wohl läufig ist und oft verschwiegen wird/wurde.
Mit Ernst Lossa gibt der Autor dem Grauen ein Gesicht, eine Geschichte, die ganze Wahrheit die man nur sehr schwer verdauen kann.
Menschen mit Behinderung- geistig oder körperlich, Menschen die nicht am System teilhaben wollen, die man für dumm oder unbrauchlich gehalten hatte wurden in Heime abgeschoben und hinter verschlossenen Türen wurde das Programm durchgeführt.
Oft gerieten auch Menschen in diese Mühlen die eigentlich ein normals Leben hätten führen können, denen man einfach mehr Aufmerksamkeit und Möglichkeiten hätte bieten müssen, aber in der Nazizeit gab es nur eine Wertstellung für die "Herrenrasse".
Das Buch macht deutlich dass es damals viele Ernst Lossa´s gegeben hatte und alle mussten das gleiche Schicksal erleiden.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht zu lesen/verstehen, die zeitliche Geschichte wird in diesem Buch sehr genau und auch erschreckend dargestellt.
Auch die Familie an sich ist sehr unterschiedlich und charakterlich beschrieben und mir sofort ans  Herz gewachsen, gerade Ernst mit seinem Blick auf die Welt, seine Bemühungen alles richtig zu machen, zu helfen und die Mutter zu unterstützen.
Ernst war kein dummes Kind, denn er bemerkt was in den Heimen mit anderen Patienten passiert, er hat einen Blick für das Schreckliche und spricht es auch laut aus, er hält mit seiner Meinung und Ansicht nicht hinter dem Berg und das macht ihn, für die Klinikleitung so "gefährlich".
Wirklich glauben möchte ihm niemand, nur der ein oder andere Pfleger scheint sich genauso Gedanken zu machen wir Ernst, aber man darf nur hinter vorgehaltener Hand reden....
Ein Buch welches sehr genau recherchiert wurde, ich empfehle auch das Nachwort des Autors zu lesen und für das Buch gibt es sowieso eine ganz klare Leseempfehlung!

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Rezension zu "Nebel im August" von Robert Domes

Ein Buch das einen auch nach dem Lesen nicht mehr los lässt
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Meine Meinung: Normalerweise mache ich um Bücher wie dieses einen großen Bogen, möchte ich doch nicht an diese äußerst dunkle Zeit der Geschichte erinnert werden. Hier aber habe ich aus irgendeinem Grund eine Ausnahme gemacht und ehrlich gesagt bin ich sehr froh darüber, denn so viel dieses Buch nimmt, es gibt auch eine Menge. Vor allem Informationen darüber, wie es ziemlich vielen Menschen ergangen ist. Das hat mich teilweise sehr oft an den Rand der Tränenstürze gebracht, sodass ich vor lauter Weinen nicht einmal weiterlesen konnte und das Buch kurzzeitig aus der Hand habe legen müssen. Dabei war Ernst Lossa eine Figur, die mir außerordentlich stark imponiert hat. Vor allem sein Wille zu kämpfen, auch wenn die Lage noch so aussichtslos erschien, empfand ich als sehr berührend. Dabei wurde die Lebensgeschichte von Ernst Lossa nur rekonstruiert als Roman wiedergegeben, wie man innerhalb der Einführung zu lesen bekommt. Allerdings wurde das mit so viel Gefühl gemacht, dass ich oft geglaubt habe, Ernst stünde vor mir und ich folge ihm durch sein Leben und die harten Zeiten, die er hat durchmachen müssen. Aber ich möchte lieber nichts mehr zu Ernst und dem Inhalt an sich verraten, denn ihr sollt dieses Buch für euch selbst entdecken, denn es lohnt sich gelesen zu werden. Ich finde sogar, es sollte (wenn das Thema im Geschichtsunterricht behandelt wird) sogar Schullektüre werden. So ist dieses Buch für mich ein Mahnmal dessen geworden, was sich in keinster Weise wiederholen sollen darf, dafür sollte jeder von uns auch kämpfen! Auch wenn die Bewertung hier bereits klar sein dürfte, möchte ich sie euch dennoch nicht vorenthalten. Da mich dieses Buch sehr beeindruckt hat, zum Nachdenken angeregt hatte und vor allem zur Recherche bewegt hat, lasse ich hierfür ganze 10 Rosenblätter fallen. Auch einen Lesetipp meinerseits gibt´s hierfür!

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Hexchen123s avatar

Rezension zu "Nebel im August" von Robert Domes

Welch berührendes Schicksal
Hexchen123vor 2 Jahren

Ernst Lossa wuchs in einer Familie ohne festen Wohnsitz auf. Sie gehörten zu den fahrenden Händlern, die oftmals abwertend als Zigeuner beschimpft wurden. Als die Mutter schwer krank wird und der Vater auf Reisen, nimmt ihr die Erziehungshilfe ihre Kinder weg. Ernst, seine beiden Schwestern und sein kleiner Bruder kommen in getrennte Heime. Ernst fühlt sich von Anfang an nicht wohl und wartet auf seine Mutter, welche ihm verprochen hatte, ihn bald abzuholen. Leider verstarb sie nach 3 Monaten. Ernst kämpft sich durch, fängt aber auch an zu stehlen und zu lügen. Die Nonnen werden mit ihm nicht mehr fertig und lassen Ernst in ein anderes Heim verlegen. Aber auch hier ist er schwierig und wird nochmals zwei Mal verlegt, bis er dann in der Heil- und Pflegeanstalt in Kaufbeuren landet. Hier wird er dann endgültig als „asozialer Psychopath“ abgestempelt und aus dem Weg geräumt.

„Nebel im August“ beschreibt ein sehr düsteres Kapitel deutscher Geschichte. Es geht um das Euthansie Programm im Dritten Reich, bei welchem viele behinderten, geistig erkrankten und auch unbequeme Menschen umgebracht wurden. Einfach so, mit Tabletten oder Spritzen.

Ernst Lossa war erst 14 Jahre alt als das Team aus Ärzten und Pflegern seinen Tod entschieden haben. Warum? Vielleicht weil er zu viel wußte. Er hat es beobachtet, was mit anderen Patienten passiert ist, wie sie ermordet wurden. Vielleicht auch weil er sich dem System einfach nicht beugen wollte. Ernst war ein ganz normaler Junge welcher sich nach seiner Familie, nach Liebe und Geborgenheit gesehnt hat. Aufmüpfige wurden in dieser Zeit nicht geduldet. In der Zeit zwischen 1939 und 1945 wurden ca. 200 000 Menschen auf Hitlers persönlichen Erlass getötet. Das Schicksal von Ernst Lossa steht stellvertretend für die oft namenlosen Opfer.

Die Biographie aus der Feder von Robert Domes wurde zu einem wunderschönen aber auch sehr traurigen Roman verarbeitet. Der Autor musste mehrere Jahre recherchieren um ein Puzzleteilchen zum nächsten hinzufügen zu können. Als Leser muss man mehrmals schlucken und was hier passiert ist, ist einfach unglaublich böse. Die Zeilen haben mich auch nach dem Lesen nicht mehr losgelassen und wahrscheinlich werde ich sie mein Leben lang nicht mehr vergessen.

Fazit

Das Dritte Reich ist nicht umsonst das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte. Es ist erstaunlich, welche Widerwärtigkeiten einem immer wieder begegnen. Ich dachte eigentlich, dass ich alles kenne, doch dem ist nicht so. Der Film zu diesem Buch kam im September 2016 in die Kinos und er ist mindestens genauso sehenswert wie dieses Buch lesenswert ist. Jeder sollte sich mit dieser Zeit beschäftigen, damit es nie wieder solche Taten gibt. Gerade in der heuten Zeit ist diese Thematik mehr als aktuell.

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