Robert Gerwarth

 5 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Die größte aller Revolutionen, Die Besiegten und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Robert Gerwarth

Die größte aller Revolutionen

Die größte aller Revolutionen

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Erschienen am 24.09.2018
Die Besiegten

Die Besiegten

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Erschienen am 29.05.2018
Reinhard Heydrich

Reinhard Heydrich

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Erschienen am 09.04.2013
Der Bismarck-Mythos

Der Bismarck-Mythos

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Erschienen am 21.03.2007
War in Peace

War in Peace

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Erschienen am 01.10.2013
The Bismarck Myth

The Bismarck Myth

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Erschienen am 15.12.2007
Krieg im Frieden

Krieg im Frieden

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Erschienen am 01.10.2013
Hitler's Hangman

Hitler's Hangman

 (0)
Erschienen am 11.09.2012

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Rezension zu "Die größte aller Revolutionen" von Robert Gerwarth

Der Aufbruch in eine neue Zeit !
Sarah_Knorrvor 2 Monaten

Klappentext:

Ein neuer Blick auf ein epochales Ereignis deutscher Geschichte

Die deutsche Revolution von 1918 – sie gilt noch heute als gescheitert. Eine verpasste Chance, die den Weg zum Aufstieg der Nazis und zur Katastrophe ermöglichte. Ein Fehlurteil, wie der renommierte Zeithistoriker Robert Gerwarth zeigt. Nicht nur zerschlug die Revolution die autoritäre Monarchie der Hohenzollern, sie schuf auf erstaunlich unblutige Weise den ersten deutschen demokratischen Nationalstaat. Gerwarth schildert die dramatischen Ereignisse zwischen den letzten Kriegsmonaten 1918 und dem Hitlerputsch 1923 und beschreibt dabei, wie grundlegend und nachhaltig die Novemberrevolution Deutschland veränderte. Denn wer das Geschehen nur vom Ende her betrachtet, ignoriert, wie sehr die Zukunft damals offen war.



Meine Bewertung: 

Zum Cover: Das Cover ist der Thematik angepasst worden und zeigt, wie deutsche Bürger und Bürgerinnen Statuen in Berlin besetzen. Dieses Szenario findet vor der Siegessäule statt. 

Zum Inhalt: Die deutsche Novemberrevolution von 1918, die im Vergleich zu den Umbrüchen in anderen Ländern dieser Zeit recht unblutig verlief, gehört zu den umstrittensten Ereignissen der neueren deutschen Geschichte. Gestritten wird über die Revolution vor allem deshalb, weil ihr wichtigstes Ergebnis, die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland, keinen dauerhaften Bestand hatte und 1933 der Diktatur Hilters wich. Dennoch gilt die deutsche Revolution von 1918 heute als gescheitert. Der Revolution kam zunächst das Scheitern der deutschen Sommeroffensive von 1918 zuvor, wodurch die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff einsehen mussten, dass der Krieg verloren war. Sie drängte auf einen sofortigen Waffenstillstand auf der Grundlage der im Januar 1918 vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson proklamierten 14 Punkte und, damit verbunden, auf die Bildung einer vom Vetrauen der Reichstagsmehrheit abhängigen Regierung. Grundgedanke dieser eingeleiteten Wende war, dass die Reform "von oben" einer Revolution "von unten" zuvorkommen sollte. Doch die innenpolitische Wende kam in Deutschland zu spät: in Kiel meuterten die Matrosen der Hochseeflotte, in München übernahm der unabhängige Sozialdemokrat Kurt Eisner die Macht und in Berlin riefen die Spartakisten zum Generalstreik auf.

Zum Schreibstil: Der Autor Robert Gerwarth, Professor für Moderne Geschichte am University College in Dublin, schafft es mit erzählerischem Geschick, Anekdoten, Zitaten und lebendigen Stimmungsbildern die Vorgeschichte sowie den Verlauf der Novemberrevolution dem Leser lebendig. Dies wird zusätzlich anhand zweier Karten im Inband bekräftigt! Die erste Karte stellt die Situation zu Beginn des Ersten Weltkrieges dar, während die zweite Karte Europa ab 1918 zeigt. Der Autor schaut aus der heutigen Perspektive, von 2018, auf die Ereignisse und zeichnet die Revolution in einem gutem Licht. Nicht nur dankte Kaiser Wilhelm II. ab, aus dem Deutschen Reich wurde eine demokratische Republik mit dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert als ihren ersten Präsidenten. Die Revolution führte zu einer Verfassung, in der Frauen das Wahlrecht erhielten. Kein anderes Land, so Gerwarth, habe aus dem Weltkrieg so viel gelernt und so bedeutsame Reformen auf den Weg gebracht. Aber war es die "größte aller Revolutionen", wie der einem berühmten Zitat des liberalen Journalisten Theodor Wolff entlehnte Buchtitel suggeriert? Gerwarth weicht einer direkten Antwort aus, liefert jedoch in der ausführlichen Einleitung eine Reihe von Anhaltspunkte dafür, in dem Umbrauch 1918/19 eine bedeutende Revolution zu erkennen. Dieses Buch soll dafür sensibilisieren, dass Revolutionen in modernen Gesellschaften nicht vorrangig über bewaffnete Aufstände und Barrikadenkämpfe zu definieren - das im grenzüberschreitenden Vergleich geringe Gewaltniveau zeichnete die Novemberrevolution aus! Gerwarths Fazit lautet, dass die Weimarer Republik hätte Bestand haben können. So gern man dem Autor da zustimmen würde, ganz plausibel ist seine Argumentation nicht. Die Weimarer Republik war seit 1923 recht stabil, dennoch wirkten im Untergrund Fliehkräfte und hatte die Weimarer Reichsverfassung kein Element in sich, die Republik zu schützen. Das Sachbuch ist in eine Einleitung, dreizehn Kapitel, einem Epilog sowie fünft Kapitel Anhang unterteilt.  



Mein Fazit:

Binnen weniger Tage verwandelte sich Deutschland von einem monarchistischen Fürstenbund, einem Kaiserreich, in eine Republik, die trotz extremer innerer und äußerer Herausforderungen vierzehn Jahre überlebte. Der Professor Gerwarth zeichnete die Novemberrevolution in einem guten Licht ab, was im internationalen Vergleich auch zutreffen würde. Die Argumentation regen definitiv zum weiteren Diskurs an! 

Dementsprechend gebe ich diesem Buch 5 von 5 Sterne!

Danke an das Bloggerportal und dem Siedler - Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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Rezension zu "Die Besiegten" von Robert Gerwarth

Zeitenwende der brutalen und tiefgreifenden Weise
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Zeitenwende der brutalen und tiefgreifenden Weise

Was am Ende des ersten Weltkriegs übrig blieb waren nicht nur Millionen von Toten, zerstörtet Weltmächte und eine tiefgreifende Veränderung der politischen Landkarte Europas samt dem ersten, nachhaltigen und eindeutigen Eingreifen Amerikas als militärische „Supermacht“, zumindest als entscheidendes Zünglein an der Waage, sondern, und das vor allem wurde prägend für die gesamte weitere Geschichte des 20. Jahrhunderts, der erste Weltkrieg brachte im eigentlichen Sinne keinen Frieden, sondern legte die Grundlagen für Gewalt, Aufbegehren, ein zutiefst instabiles Gleichgewicht. Und das lag nicht nur an den immensen und letztlich nicht leistbaren Reparationszahlungen, die den Verlierern, an vorderster Front Deutschland, auferlegt wurden.

Vielmehr kann man auch konstatieren, dass ein ideologisches Vakuum der Mächte entstand. Das eine ganze Welt, die der Monarchie, der Feudalherrschaft, der klaren Blöcke untergegangen war. In Russland die Revolution, in Deutschland die Weimarer Republik, in Italien eine schwache Regierung, wie auf Sand gebaut erscheint, was der Krieg und die darauffolgenden Ansprüche und Verteilungskämpfe neu ins Leben rief.

So wurde nicht eine neue „Weltordnung“ geschaffen, sondern, zum Teil aus Unvermögen, zum Teil aus Gier, zum Teil aus Hybris und aus mannigfaltigen anderen Motiven, ein höchst instabiles „Gebäude Europa“, gebeutelt von Gewalt, versuchten und gelungenen Staatsstreichen, einem kollektiven „Genussleben“ der „wilden zwanziger Jahre“, als gäbe es kein Morgen, wie Gerwarth fundiert aufweist.

So ist gerade der dritte Hauptteil des Buches über den „imperialen Zerfall“ ein intensiv zu lesendes, packendes Stück Geschichte, in dem mehr als deutlich wird, dass, folgt man Gerwarth, dass das dritte Reich und die Nationalsozialisten mit ihrer von Beginn an gewaltträchtigen und kriegerischen Sprache eben nicht „wegen des Interesses am Krieg“ oder an „Rache für Versailles“ an die Macht gelangen konnten, sondern aufgrund ihres Versprechens, des Mitschwingens einer „ordnenden Kraft“.

Dass nach Räterevolution, kulturellen Experimenten, Währungskrise, Hyperinflation, Massenarbeitslosigkeit und was der Dinge alle noch waren „Stabilität“ der wohl größte Wunsch der meisten Menschen jener Zeit war.

Eine vorhergehende Unordnung, die in den Jahren nach dem Krieg in vielfachen „kleineren Konflikten“ (denen Gerwarth im Einzelnen nachgeht) weitere Millionen von Menschen das Leben kostete. Dessen der überwältigende Teil der europäischen Bevölkerung letztlich einfach überdrüssig war. Eine Linie, aus der heraus vielleicht sogar die Langmut der Siegermächte, allen voran Großbritanniens, zu erklären ist, was die zunächst tastenden, dann energischen Gebietsvereinnahmungen später durch Hitler angeht.

Eins vor allem galt nach dem ersten Weltkrieg, gerade nach offizieller Kapitulation.

“Der Krieg ist nicht zu Ende“. Er wurde nur Kleinteiliger oder auf andere „Schlachtfelder“ (die der Wirtschaft und der Politik“ verlegt. Wovon auch der rigide zunehmende Antisemitismus nicht nur in Deutschland ein beredtes Zeugnis ablegte.

So waren die Jahre „danach“ nur eine „Illusion von Frieden“, wie Gerwarth flüssig im Stil herausarbeitet, und wie die Nachkommen aus heutiger Sicht klarer erkennen als jene, die damals „mitten im Leben“ standen. Dass alle Versuche, stabile Ordnungen herzustellen, letztlich nur die Instabilität erhöhten und geradewegs auf die nächste, große, dann immens vernichtende Auseinandersetzung herausliefen.

Eine hervorragende Lektüre in einer Zeit, in der wiederum festgefügt geglaubte demokratische Werte und „Weltordnungen“ in temporeicher Auflösung begriffen sind und ein Werk, bei dem der Satz stimmt, dass aus der Geschichte elementare Wahrheiten zu lernen sind. Wenn man richtig und ohne ideologische Brille hinsieht.

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