Robert Gwisdek

 3.9 Sterne bei 50 Bewertungen

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Der unsichtbare Apfel

Der unsichtbare Apfel

 (50)
Erschienen am 08.03.2014

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Rezension zu "Der unsichtbare Apfel" von Robert Gwisdek

Wie im Traum
Nessikavor 4 Monaten


Wow. Dieses Buch fühlt sich an wie ein langer, wirrer, faszinierender, gefühlvoller, fantasiereicher, angsteinflößender, tröstender, von Weltschmerz, Offenheit, Neugierde und Liebe durchzogener Traum. Und von mir aus hätte er gerne noch viel, viel länger andauern können! Ich meine Robert hätte in einem Interview zu seinen Texten als Käpt'n Peng mal gesagt, dass er eigentlich niemandem etwas sagen möchte, das er/sie eigentlich nicht bereits selbst weiß. Ich denke die Aussage ließe sich auch auf dieses Buch übertragen. In wunderschöne, bildhafte Worte verpackt schreibt er über das Leben mit all seiner Schönheit, aber auch seinen vermeintlichen Tücken. Man merkt, dass dieser Mann unglaublich tief in sein Innerstes geschaut hat

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Rezension zu "Der unsichtbare Apfel" von Robert Gwisdek

Robert Gwisdek | DER UNSICHTBARE APFEL
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Und da soll noch einer sagen, der postmoderne Roman sei tot. Nix da! Robert Gwisdek beweist das Gegenteil.

INHALT: Igor ist klug, sehr klug. Er ist so klug, dass er die Welt und die Menschen darin nicht versteht. Als junger Mann macht er einen Selbstversuch, von dem er sich die ersehnten Antworten erhofft: Er verbringt 100 Tage in absoluter Dunkelheit und Stille, und ja, die Antworten kommen. Nach einigen Wochen gleitet er in eine Art spirituelle Innenwelt, ein großes Gebäude mit unendlich vielen Räumen, quasi die Schubladen seines Geistes, angefüllt mit Schuld und Freude und Angst oder auch einfach leer. Er begegnet seinem Schicksal(?), das ihm verrät, was er tun muss und es beginnt ein metaphysischer Abstieg ins eigene Ich.

FORM: Ich habe schon lange kein so vertracktes Buch mehr gelesen. Es ist wie David Lynch in Prosaform. Besonders die zweite Hälfte ist so dermaßen angefüllt mit Bildern, Metaphern und Textspielereien, dass ich mich alle paar Absätze fragte, wo das alles noch hinführen soll. Esoterische Themen wie Meditation und Innere Mitte, Karma und Chakren verpackt in kreative, innovative Literatur. Nach ein paar Kapiteln habe ich angefangen, mir Bleistiftnotizen zu machen, um später Textstellen leichter zu finden und sie zu vergleichen. Anleihen an Kafka, Lynch und auch Kubriks „2001“ sind ganz klar erkennbar. Der Schreibstil ist märchenhaft und wortreich, ohne aufgeblasen zu wirken. Das ist das Debüt Robert Gwisdeks, der gerade erst dreißig geworden ist; ich bin sehr gespannt was da alles kommen wird.

FAZIT: Fünf Sterne, ganz klar!

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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janett_marposnels avatar

Rezension zu "Der unsichtbare Apfel" von Robert Gwisdek

Eine buddhistische Interpretation
janett_marposnelvor 4 Jahren

Mich bewegt die Frage, inwieweit der Autor Robert Gwisdek sich mit der Philosophie des Buddhismus beschäftigt, denn mit diesem Buch ist es ihm wunderbar gelungen, den buddhistischen Weg darzustellen. Wer verstanden hat, dass 1+1=1 ist, der versteht auch dieses Buch und die Lehre des Buddhismus, denn derjenige ist nicht eingeschränkt durch seine Gedanken, denjenigen treibt „sein Geist nicht mehr in enge Gassen“, wie Gwisdek es so schön beschreibt. Derjenige findet seinen Kreis, sprich sein inneres Gleichgewicht. Den Kreis können wir allerdings nicht durch unseren Verstand bezähmen, sondern nur über unser Herz erreichen, genau wie der Protagonist Igor es uns vormacht.

Hervorragend dargestellt ist unter anderem der furchteinflößende Koch mit den schwieligen Fingern und der Zustand des hungrigen Igors, der begreift, dass er eine Situation annehmen muss, wenn er nicht in der Lage ist, sie zu ändern und der erkennt, dass wir uns viel zu viel von Äußerlichkeiten leiten lassen, weil wir alles und jeden bewerten, was uns oft in die Irre führt. Ebenso erwähnenswert ist das Verhältnis Igors zu dem liebenswerten, in sich ruhenden Liftboy während der nicht enden wollenden Fahrstuhlfahrt, wo dieser, nur ALLEIN durch Igors negative Gedanken, plötzlich zu einem Massenmörder avanciert. Genau das spiegelt Buddhas Erkenntnis wider: Unser Geist erzeugt unsere Welt.

Eine weitere Anschauung des Buddhismus sind die drei Geistesgifte, unter denen die Menschheit leidet: Gier, Wut und Verblendung. Charakterisiert werden die drei Geistesgifte durch die drei Gefangenen, die Igor befreit und bittet mit ihm zu gehen. Auch diese Anschauung ist brillant umgesetzt.

Noch ein Wort zu dem angespannten Verhältnis zwischen den Kreisen und den Dreiecken. Der Kreis ist immer in Bewegung, denn alles ist im Fluss entsprechend des Buddhismus. Das Dreieck ist auf Stabilität aus, weil unsere Gesellschaft Stabilität braucht. Der Kreis symbolisiert den Menschen, der zu sich selbst gefunden hat und sich immer in seinem inneren Gleichgewicht befindet. Dieser Mensch ist in der Lage fast ohne die Gesellschaft auszukommen, weil er nahezu keine Bedürfnisse hegt. Ein Mensch ohne Bedürfnisse ist aber das Ende unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Der schwingende Kreis (Herz) kann also das stabile Dreieck (Verstand) ins Wanken bringen und damit das nicht passiert, müssen die Dreiecke die Kreise vernichten.

Mir gefällt bei Gwisdek, dass er seine Philosophie nimmt und eine Geschichte um sie herum baut, um so seine Philosophie teilen zu können. Ganz anders als bei Dostojewski in „Die Brüder Karamasow“, wo der Autor eine Geschichte erfindet und seine Philosophie solange in die Geschichte stopft bis die Geschichte vor Anomalie fast platzt. Gwisdek erreicht dadurch eine hervorragende Balance zwischen Literatur und Philosophie und die ausgefeilte Sprache, welcher sich Gwisdek bedient, lässt dieses Buch wie einen kleinen Stern am Literaturhimmel aufleuchten. 

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