Robert Harris Intrige

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Inhaltsangabe zu „Intrige“ von Robert Harris

So historisch bedeutsam wie brennend aktuell – ein Geheimdienst, der außer jegliche Kontrolle gerätParis 1894: Alfred Dreyfus soll ein Spion sein und wird wegen Landesverrat zu lebenslanger Haft verurteilt und verbannt. Geheimdienstchef Picquart hegt Zweifel und rollt den Fall neu auf. In den Wirren der Dreyfus-Affäre, die ganz Europa erschüttert, wird der Jäger schließlich selbst zum Gejagten. Die Parallelen zur Gegenwart liegen auf der Hand: ein Geheimdienst, der nicht zu bändigen ist; eine korrupte Justiz, die alles im Namen der nationalen Sicherheit rechtfertigt; eine parteiische Presse, die ein Kesseltreiben gegen eine Minderheit veranstaltet; der angeborene Instinkt aller Mächtigen, ihre Verbrechen erfolgreich zu vertuschen ...

Wer wissen will was es mit der Dreyfus-Affäre auf sich hatte, der sollte dieses Buch lesen

— PagesofPaddy
PagesofPaddy

Wunderbar - jetzt weiß ich wenigstens was es mit der Dreyfuss-Affäre auf sich hatte

— BirgitJasmund
BirgitJasmund

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  • Die Affäre Dreyfus

    Intrige
    PaulTemple

    PaulTemple

    In diesem Roman entführt Robert Harris den Leser in das Frankreich der 1890er Jahre. Der jüdische Offizier Albert Dreyfus wird des Landesverrats für schuldig gesprochen und auf die Teufelsinsel gebracht, wo ihn ein menschenunwürdiges Leben als Gefangener erwartet. Zeitgleich übernimmt Oberstleutnant Picquart die Spionageabteilung. Je länger er dort arbeitet, umso mehr Hinweise findet er für eine Verschwörung und die Unschuld Dreyfus´. Die verantwortlichen Generäle fürchten eine Bloßstellung  vor einer erneuten Untersuchung und versuchen alles, um Picquart von seinem Gerechtigkeitsfeldzug abzubringen...Bei Robert Harris erwartet den Leser wie gewohnt eine detaillierte und sehr spannende Geschichtsstunde, die einen sofort in ihren Bann zieht. Minutiös zeichnet er den herrschenden Antisemitismus und die politischen Machenschaften der damaligen Zeit nach. Aus der Ich-Perspektive des Oberstleutnmants wird die Geschichte des bislang größten Militärskandals erzählt, welchen Frankreich je erlebt hat.Definitive Lesseempfehlung!

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    • 3
  • Spannend und hervorragend geschrieben

    Intrige
    Lamare

    Lamare

    16. April 2015 um 02:46

    "Intrige" erzaehlt die Dreyfus-Affaere als Polit-Thriller und legt den Schwerpunkt auf die Psychologie der Hauptfigur, der immer mehr begreift, dass die Verurteilung Dreyfus' eine auf Antisemitismus basierende Verschwoerung war. 

  • Intrige

    Intrige
    Angel10

    Angel10

    12. February 2015 um 08:14

    Robert Harris erzählt die Intrige gegen Alfred Dreyfus. Im Jahr1894 bemerkt die französische Armee, dass ein Spion die Deutschen mit Informationen versorgt. Zunächst sind die Generäle an einer Aufklärung interessiert, aber auch daran, diese unangenehme Sache schnell zu beenden. Nach flüchtiger Überprüfung der eigenen Reihen schwört man sich schnell auf den Schuldigen ein: Alfred Dreyfus. Er ist der einzige Jude im französichen Generalstab, außerdem ist er besser situiert. Das reicht, um schuldig zu sein. Der Roman beginnt mit seiner öffentlichen Degradierung, anschließend wird er auf eine Insel verbannt und streng bewacht. Gegen Dreyfus wurde eine Indizienprozess geführt, ohne Öffentlichkeit. Ausgerechnet Oberstleutnant Picquart, der neu ernannte Chef der Statistik-Abteilung, bemerkt Ungereimtheiten und sammtelt Informationen über den wahren Täter. Die Führung der Armee will keinen Fehler zugeben und beharrt auf Dreyfus als Verräter. Picqart wird nach Nordafrika versetzt. Emile Zola ergeift öffentlich Partei für Dreyfus, er wird ebenfalls vor Gericht gestellt. Justiz, die die nationale Sicherheit über Gerechtigkeit stellt, eine Presse, die voreingenommen verurteilt, ohne zu recherchieren, Intrigen und Fälschungen, um Fehler zu vertuschen, Mitläufer, die nur Befehle ausführen, aber auch der Mut des Einzelnen, das sind die zentralen Themen dieses Romanes. Der Schreibstil ist eher sachlich. Da drei Prozesse geschildert werden, kann sich der Roman etwas langatmig anfühlen. An einigen Stellen konnte ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen, z. Bsp. bei der Schilderungen der Agentin Auguste. Sie ist Putzfrau bei Oberstleutnant von Schwartzkoppen und liefert regelmäßig den Inhalt seines Papierkorbes ab, mit allen pikanten Details. Erschreckend fand ich die Beschreibung des Oberst Sandherr, er litt an Syphilis im Endstadium und leitete vor Picqart die Statistik-Abteilung, im wahrtsten Sinne des Wortes hatte er ein krankes Hirn, besaß jedoch Macht über Menschen.

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  • Die Vergangenheit lehrt uns etwas über die Gegenwart

    Intrige
    Grandville

    Grandville

    08. September 2014 um 18:15

    Da liegt er nun vor mir, der dicke Brummer. Dreyfus-Affäre. Die Wörter sagten mir was, aber wirklich damit beschäftigt habe ich mich nie. Nun also dieser Roman. Darauf Aufmerksam geworden bin ich durch einen Beitrag entweder bei Aspekte oder 3Sat Kulturzeit, kann mich nicht mehr genau erinnern. Jedenfalls war mein Interesse geweckt. Ich kann von mir sagen, dass ich vollkommen ohne Erwartungen an diesen Roman gegangen bin. Dies ist mein erster Robert Harris und ich bin leider total unwissend was die neuere Französische Geschichte angeht. Alles was nach Napoleon I. stattgefunden hat, ist mir mehr oder weniger unbekannt und das davor auch nur rudimentär aus der Schulzeit. Ich finde es immer sehr gut, wenn ich als Leser merke, dass ein Autor sehr sehr sehr genau recherchiert hat, bevor er sich an das Buch setzt. Dies ist so ein Fall. Anscheinend hat Herr Harris nur knapp 1 Jahr gebraucht um sich durch Akten, Quellen usw. zu arbeiten und sich sein Wissen anzueigenen. Respekt, denn der Plan diesen Roman zu schreiben entstand Anfang 2012, erschienen ist er bereits im Januar 2013. Hut ab vor dieser Leistung, dass könnte ich nicht. Man merkt dem Buch an, dass es auf einem sehr stabilen Fundament steht und auch wenn diese Affäre schon über 100 Jahre her ist, ist sie keineswegs verstaubt und abgehakt. Sie ist hoch aktuell und mal wieder lehrt uns die Geschichte: es wiederholt sich alles. Am Anfang war ich erschlagen von der Fülle an Personen. Noch nie gehörte Namen, teilweise schwer auszusprechen/ zu lesen. Militarismus ist auch nicht so mein Steckenpferd. Aber es, dank der Erzählperspektive, auch in gewisserweise ein Krimi. Allerdings muss ich zugeben, dass der Erzähler Georges Picquart, mir erst im Laufe des Buches sympathisch geworden und ans Herz gewachsen ist. zu Anfang hat er einfach nicht die Sympathien, doch dies ändert sich mehr oder weniger schnell. Was ich allerdings feststellen musste, dass das Buch für mich auch ein paar Längen hatte. Manchmal tritt alles mehr oder weniger auf der Stelle und es fehlte ein wenig der Schwung. Fast ein wenig "angestaubt", aber nach der Hälfte hat es mich dann doch sehr gefesselt. Schwierigkeiten hatte ich zu Anfang vor allem damit, dass viel Faktenwissen untergebracht wurde, mir aber die Figuren nicht näher kamen. Es kam mir fast schon wie ein Sachbuch vor, an diesen Stellen fehlte mir dann der Schwung. Nach der Lektüre des Buches fragt man sich: Was ist schlimmer: der Skandal mit dem Bauernopfer oder die Vertuschungsaktion? Da fragt man sich doch, in wie weit man heutzutage zum Narren gehalten wird und es nicht merkt. Wer alles bereits "geopfert" wurde um viel schlimmere Tatsachen zu vertuschen. Ein sehr nachdenklich machendes Buch, wie ich finde. Man vergisst es nicht sofort, es bleibt etwas hängen. Anmerkung zum Titel: Warum der deutsche Titel in "Intrige" geändert wurde, wobei der englischen doch eigentlich besser passt "An Officer and a Spy" erschließt sich mir nicht. Aber das kommt leider immer wieder vor, dass die deutschen Titel total anders sind, als die Originaltitel. Eine einfache sinngemäße Wortübersetzung hätte doch auch gereicht. Insgesamt ein sehr guter historischer Roman, der hochaktuell ist. Ein wenig fehlt ihm vor allem im Mittelteil der Schwung, aber Picquart hinterlässt einen enormen Eindruck und am Ende tat es mir fast Leid, dass das Buch zu Ende war. Ein sehr gut recherchierter Roman, ein wenig sperrig vielleicht. Keine leichte Sommerlektüre. Für Geschichtsinteressierte und Verschwörungstheortiker.

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  • Intrige - Robert Harris

    Intrige
    Lesen_ist

    Lesen_ist

    Klappentext Am 22. Dezember 1894 wird der französische Hauptmann Alfred Dreyfus wegen Landesverrat zu lebenslanger Haft verurteilt und verbannt. Ein Justizirrtum, wie er beteuert und wovon auch der neue Geheimdienstchef Picquart zunehmend überzeugt ist. In den Wirren der Dreyfus-Affäre, die ganz Europa erschüttert, rollt er den Fall neu auf. Weshalb er bald selbst zwischen die Mühlräder der Macht gerät und das Ziel dunkler Machenschaften wird … Der elsässische Offizier Alfred Dreyfus, einziger Jude im französischen Generalstab, soll Militärgeheimnisse verraten haben. Von einem geheimen Militärgericht wird er zu Unrecht verurteilt, und die Degradierung wird mit viel Pomp und Getöse öffentlich zelebriert. Nur wenige wittern den Skandal, während die Massen von der Presse aufgehetzt werden. Krawalle, Intrigen, Fälschungen, Ministerstürze, Attentate, versuchte Staatsstreiche sind die Folgen. Die Französische Republik stürzt in eine tiefe Krise. Der offene Antisemitismus bricht sich Bahn. Zu den wenigen, die von Dreyfus’ Unschuld überzeugt sind, gehört der neue Geheimdienstchef Picquart. Mit dem Kampf für die Rehabilitierung von Dreyfus setzt er allerdings das eigene Leben aufs Spiel. Meine Meinung Mein Mann ist eines Tages mit diesem Buch nach Hause gekommen, obwohl er gar nicht wusste, um was für eine Geschichte es sich handelt. Jetzt ist es doch recht lange im Regal gestanden, und da ich nur mehr 4 Bücher zur Verfügung hatte, hab ich es nun gelesen. Wie im Klappentext ersichtlich geht es um die Dreyfus- Affäre, die Frankreich in den 1890er Jahre so erschüttert hat. Klar habe ich von »Die Dreyfus-Affäre« gehört, aber ganz ehrlich und zu meiner Schande, mehr als das es eine Affäre gab, wusste ich nicht. Ich habe mir auch während des gesamten Buches verkniffen zu googeln, ob dies oder das wirklich so war. So habe ich mir das Gefühl eines Polit-Thrillers bewahrt, ich wusste nicht, wie die ganze Geschichte ausgeht. Ja, ich weiß, sollte man wissen Ganz vorne im Buch ist eine Anmerkung des Autors, der klarstellt, dass das Buch die Techniken des Romans nutzt, um die wahre Geschichte der Dreyfus-Affäre zu erzählen. Er merkt auch an, dass keiner der Personen, auch nicht die nebensächlichste, gänzlich erfunden sei. Es gibt natürlich auch erfundene Details, der Dramatisierung wegen, aber im Großen und Ganzen entspricht diese Erzählung der Wahrheit, der ganze Wahrheit und (fast) nichts als der Wahrheit. Es gibt auch eine Liste Dramatis Personae vorne im Buch. Mayor Marie-Georges-Picquart hatte am Anfang nur eine kleine, nicht tragende Rolle in dieser Affäre. Doch, als er nach der Verurteilung von Dreyfus zum Oberstleutnant und Chef der Statistik-Abteilung (Geheimdienst in der Armee) befördert wird, macht er Entdeckungen, die seine Rolle immer größer und schließlich zu einer Hauptrolle machen. Wir lesen diese Geschichte aus seiner Sicht, von Anfang bis Ende erzählt Picquart aus der Ich-Perspektive. Dreyfus wird beschuldigt, geheime Informationen an den Deutschen verkauft zu haben. Er wird vor einem Militärgericht gestellt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und schuldig gesprochen. Er wird allerdings öffentlich und mit sehr viel Aufwand degradiert und zur Inhaftierung auf die Teufelsinsel, 13 km vor der Küste von Französisch-Guayana in Südamerika, weggebracht. Er beteuert immer wieder seine Unschuld, auch während seiner Inhaftierung vor seinem Verfahren in Paris, unter Bedienungen die an Folter grenzen. Wer jetzt vielleicht denkt »Langweilige Geschichte, da schlaf ich doch ein!« irrt sich! Ich habe zwar 5 Tage daran gelesen, aber nur weil ich nicht immer Zeit dafür hatte. Ich tat mir oft schwer das Buch Abends aus der Hand zu legen, weil ich leider auch schlafen muss. Robert Harris hat diese tragische und skandalöse Angelegenheit mitreißend und spannend verpackt. Hätte nicht das Leben selbst diese Geschichte geschrieben, würde ich sie wahrscheinlich für unglaubwürdig halten. Die Kreise dieser Affäre werden immer größer, wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Dokumente und Beweise werden gefälscht, es wird vor Gericht dreist gelogen, es wird verschleiert und Männer werden ins Ausland verbannt, damit sie den Mund halten. Das Ganze bleibt auch nicht innerhalb der Armee, sondern zieht seine Kreise weiter in die Politik. Die höchsten Kreise beim Militär sind sich für Heuchelei, Betrug, Neid, hinterhältige Intrigen und natürlich den Antisemitismus nicht zu schade. Ganz Frankreich spaltet sich durch die Lügengeschichten und Hetzereien, so mancher ist seines Lebens nicht mehr sicher, während Dreyfus auf der Teufelsinsel entsetzliche Qualen durchleidet. An wenigen Stellen, bei ausführlichen Beschreibungen von Topografie zum Beispiel, dachte ich die Länge wäre nicht notwendig. Manchmal war mir der Erzählstil etwas zu steif. Ansonsten merkt man, dass Harris sehr viel Recherche betrieben hat und sich an die historischen Tatsachen gehalten hat. Ein Polit-Thriller, der mich überrascht und auch begeistert hat. Jetzt weiß ich wie die Dreyfus-Affäre geendet hat, du auch?

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    • 2
    Arun

    Arun

    24. June 2014 um 00:46
  • Intrige

    Intrige
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. May 2014 um 23:58

    Die unglaublichsten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Zumindestens trifft dieser Spruch auf Robert Harris´ Buch "Intrige" zu. Erzählt wird die Geschichte Alfred Dreyfus, der Anfang 1895 als deutscher Spion enttarnt worden ist. Als drakonische Strafe wird er auf die Teufelsinsel vor Französisch-Guayana geschickt, wo er unmenschliche Temperaturen, unfassbare Haftbedingungen und totale Isolation erdulden muss. Dreyfus ist aber nur eine Randfigur, vielmehr verfolgen wir den Ich-Erzähler Georges Piquart, der nach der Verurteilung Dreyfus der Chef der "Statistik"-Abteilung wird und somit für die franzözische Gegenspionage zuständig ist. Piquart fallen während seiner Arbeit Dokumente in die Hände, die ihn an der Schuld Dreyfus Zweifeln lassen. Diese Zweifel sind jedoch nicht gern gesehen beim Militär.  Wow, was für ein Buch und ich muß zugeben: ich habe es mit einem mulmigen Gefühl zugeklappt. Antisemitismus, Karrieredenken, Neid, Missgunst und Misstrauen - es gibt so viele Gründe, Menschen zu denunzieren. Und die Militärs in diesem Buch haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Kapitel, in denen man die Briefe von Dreyfus zu lesen bekommt, in denen er die Haftbedingungen auf der Teufelsinsel beschreibt, haben mir ganz schön schwer im Magen gelegen. Da mußte ich ein paarmal ganz schön schlucken. Und die Tatsache, dass ein großer Teil genauso in Wirklichkeit passiert ist, macht das ganze noch unerträglicher. Robert Harris hat es wirklich geschafft, mir ein Stück Geschichte näherzubringen und das dann auch noch in einem Buch, welches ich zum Ende hin nicht mehr aus der Hand legen konnte. "Intrige" wird ganz bestimmt nicht das letzte Buch von Robert Harris sein, welches ich lesen werde.

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  • Guter historischer Roman mit etwas zu engem Blickwinkel

    Intrige
    Gulan

    Gulan

    Im Dezember 1894 wird der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus wegen Spionage für das deutsche Reich in einem Indizienprozess vor einem Militärgericht verurteilt und anschließend öffentlich degradiert und auf die Teufelsinsel deportiert. Der aufstrebende Offizier Marie-Georges Picquard ist als Prozessbeobachter dabei und wie die Mehrheit von der Schuld Dreyfus‘ überzeugt. Wenig später übernimmt Picquart die Leitung der Geheimdienstabteilung. Auf der Jagd nach einem deutschen Spion innerhalb der französischen Armee erhält Picquart immer mehr Indizien für die Unschuld von Dreyfus. Aber bei seinen Vorgesetzten stoßen seine Bemühungen zur Wahrheitsfindung auf Desinteresse und Ablehnung. Er wird sogar strafversetzt. Doch als Picquart zu einem Himmelfahrtskommando abkommandiert werden soll, beschließt er, sich endgültig den Unterstützern von Dreyfus anzuschließen. Robert Harris verarbeitet die Dreyfus-Affäre zu einem Politthriller, der sich sehr eng an den Fakten orientiert. Er bedient sich dabei der Perspektive von Marie-Georges Picquart, einer der Schlüsselfiguren in der Affäre. Picquart ist ein ehrenhafter Offizier, der im Zuge seiner geheimdienstlichen Tätigkeiten dem wahren Spion auf die Schliche kommt und Dreyfus daher entlasten will. Privat ist er ledig, unterhält jedoch eine Affäre mit einer, inzwischen verheirateten Jugendfreundin. Er ist früh in die Armee eingetreten und hat dort zügig Karriere gemacht, er wird zum jüngsten Oberstleutnant überhaupt ernannt. Seine Vorstellungen von Ehre und Gerechtigkeit sorgen dafür, dass er in Konflikt mit der Generalität kommt, die an einer Rehabilitierung Dreyfus‘ kein Interesse haben. Vielmehr werden Dinge vertuscht und Beweise für seine Schuld gefälscht. Die Geschichte wird chronologisch erzählt, vom Prozess von Dreyfus im Dezember 1894 bis zum Wiederaufnahmeverfahren im Sommer 1999, die Ereignisse danach werden nur noch kurz auf wenigen Seiten angerissen. Die Story kommt nur langsam in Gang, die ersten Monate von Picquart als Geheimdienstchef verlaufen schleppend, ehe dann die Ereignisse in Fahrt kommen. Im Verlauf des Buches nimmt die Spannung, vor allem im Rahmen der Justizverfahren, deutlich zu. Sehr gut dargestellt ist aus meiner Sicht die Arbeit des Geheimdienstes, wo mit List und Täuschung und dem damaligen Stand der Technik gearbeitet wird. Und wie schnell ein Machtmissbrauch bei fehlender Kontrolle der Geheimdienstarbeit auftreten kann – ein sehr aktuelles Thema! Etwas nachteilig wirkt sich die strenge Fokussierung auf Picquart aus, so dass die gewaltigen Dimensionen der Affäre nur ansatzweise herüberkommen. Die Spaltung des Landes während der Affäre und die antisemitischen Stimmungen werden hauptsächlich nur über Zwischenrufe während der Gerichtsverhandlungen deutlich gemacht. Auch die anderen „Dreyfusarden“ wie Zola oder Clemenceau spielen nur eine Nebenrolle. Die politische Dimension der Affäre kommt dadurch nicht so ganz zur Geltung. Dreyfus war ja eigentlich nur der Aufhänger im Konflikt zwischen den republikanisch-sozialistischen Kräften und den (antisemitischen) Kräften aus Klerus, Adel und Militär. Gerade die Strömungen im Militär hätte Harris noch besser herausstellen können. Picquarts Vorgesetzte werden sehr eindimensional beschrieben. Im Endeffekt bleibt offen, ob Dreyfus aus persönlichen, politischen oder antisemitischen Gründen verurteilt wurde und nicht rehabilitiert werden sollte. Mein Fazit: Ein guter historischer Roman über einen der größten politischen Skandale der neueren Geschichte. Leider verpasst Harris die Bestnote, weil er sich meines Erachtens zu sehr auf seine Hauptfigur fokussiert hat.

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    • 4
    Arun

    Arun

    22. April 2014 um 20:29
  • Die große LovelyBooks Themen-Challenge 2014

    Daniliesing

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2014? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 20 vorgegebenen Themen mindestens 15 Bücher aus 15 unterschiedlichen Themen zu lesen. 5 Themen können also ausgelassen werden. Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt hier mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag. Diese Challenge läuft vom 1.1.2014 bis 31.12.2014. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Wer am Ende des Jahres die 15 Bücher zu 15 verschiedenen Themen geschafft hat, nimmt automatisch an einer Verlosung eines schönen Überraschungspakets teil. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2014 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Ich habe jedes Thema auch zu einem extra Beitrag hier auf LovelyBooks verlinkt, in dem ihr euch jeweils über die passenden Bücher austauschen könnt. Für jedes Thema hänge ich ein Beispielbuch in der Reihenfolge der vorgegebenen Themen an, ihr könnt aber gern andere lesen! Bücher, die erstmalig vor 2010 erschienen sind Bücher, die Teil einer Reihe sind (alles ab mindestens 2 Bänden) Bücher, die ein vorranging rotes Cover haben Bücher, deren Buchtitel eine Zahl enthalten Bücher, die ausschließlich als Taschenbuch / Broschur erschienen sind (nicht als Hardcover, E-Book zusätzlich ist ok) Bücher, bei denen der Vor- oder der Nachname des Autors mit dem gleichen Buchstaben beginnt, wie der Buchtitel Bücher, die bisher noch keine Rezension auf LovelyBooks haben (es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns) Bücher, in denen es ums Essen geht und das auch durch den Buchtitel, das Cover o.Ä. ausgedrückt wird Bücher von deutschsprachigen Autoren Bücher, die weniger als 250 Seiten haben Bücher, auf denen hauptsächlich Schrift und kein vordergründiges Covermotiv zu sehen ist Bücher von Autoren, die schon mindestens 5 Bücher veröffentlicht haben Bücher, die in der Hardcover-Ausgabe einen Schutzumschlag haben Bücher, deren Buchtitel aus mindestens 5 Wörtern bestehen Bücher, die aus einer anderen Sprache als dem Englischen oder Französischen übersetzt wurden Bücher, die in einer Stadt mit mehr als 1 Mio. Einwohner spielen Bücher, die in einem unabhängigen Verlag erschienen sind (keine Verlagsgruppen / Konzerne) Bücher, auf deren Cover mindestens 3 Lebewesen zu sehen sind (es zählen Menschen & alle Tierarten) Bücher, die auf LovelyBooks mit 4,5 - 5 Sternen bewertet sind (es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns) Bücher, deren Hauptfigur mindestens 10 Jahre jünger oder älter als ihr selbst ist (wer dieses Thema erfüllen möchte, müsste hier sein Alter verraten - in meinem Fall müsste die Figur 17 oder jünger bzw. 37 oder älter sein) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Antworten auf häufig gestellte Fragen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Wenn es in der Aufgabenstellung keine spezielle Eingrenzung gibt, zählt wirklich alles, was dazu passt. Zahlen zählen also auch als Zahlen, egal ob ausgeschrieben oder nicht usw. * Ich kann diese Challenge nicht in Unterthemen gliedern, da das nur bei Leserunden geht. * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Unabhängige Verlage sind solche, die nicht zu einer Verlagsgruppe / einem Konzern gehören. Wenn ihr unsicher seid, schreibt mir eine Nachricht mit dem entsprechenden Verlag. * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, als auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2014 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Postet euer jeweiliges Buch bitte erst, wenn ihr es wirklich komplett gelesen & eine Rezension oder Kurzmeinung geschrieben habt. * Ein paar Beispiele für Verlage,  die als unabhängig zählen - es gibt aber wirklich ganz viele, fragt mich im Zweifel einfach per Nachricht: Hanser Verlag (und Unterverlage), Aufbau Verlag (und Unterverlage), dtv, Coppenrath Verlag, Diogenes Verlag, usw. * Falls Bücher, die eine ISBN habe, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com * Bei Themen, für die der Stand bei Lesebeginn entscheidend ist (Bücher, die noch keine Rezension haben / Bücher, mit Bewertung zwischen 4,5 - 5 Sternen) vertraue ich einfach darauf, dass ihr wirklich nur welche angebt, wo das stimmt. * Keine Mangas & Comics, außer für Thema 10 - Graphic Novels zählen überall, sofern sie dem Thema entsprechen Teilnehmer: 19angelika63 4cloverleaf 78sunny aba Aduja Ajana Alchemilla AlinchenBienchen allegra Alondria Amara Anendien Aniston81 AnnaMK Anneblogt Annilane Anniu anushka Arizona Asu AuroraBorealis baans Bambi-Nini Baneful battlemaus88 BethDolores BiancaWoe Bluebell2004 bluebutterfly222 bookgirl Bookmarble books_and_senses bookscout brudervomweber BuchblogDieLeserin Bücherwurm Buchgeborene Buchrättin Buecherfee82 Buecherfreak321 Buecherschmaus Buecherwurm1973 callunaful Carina2302 carooolyne CaryLila Cattie christiane_brokate Clairchendelune Clouud coala_books Code-between-lines Curin czytelniczka73 daneegold DaniB83 Daniliesing danzlmoidl darigla Deengla Deirdre dieFlo Dini98 Donata Donauland DonnaVivi Dreamworx Dunkelblau El. 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    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. January 2014 um 18:11

    Mischung zwischen Dumas und „Vaterland“ Alfred Dreyfus ist durch ein Geheimgericht schuldig gesprochen. Vor allem aufgrund eines handschriftlichen Dokuments, von dem mehrere beteiligte Offiziere, auch Angehörige des Geheimdienstes, ihren Eid über dessen Echtheit geschworen haben. Spionage für den Feind, Geheimnisverrat an Deutschland und Italien. So der scheinbar erwiesene Vorwurf. Den niemand nachprüfen kann, da Beweise und Verfahren nicht öffentlich abgehalten wurden. „Das Volk“ hat hier auf „das Wort“ seiner Militärs zu trauen. Und Punkt. Dreyfus wird auf die Teufelsinsel bei Cayenne verschifft. Damit dürfte der im Jahr 1894 nicht nur in Paris für höchstes Aufsehen sorgende Fall endgültig abgeschlossen sein, wenn auch weitere diplomatische Gereiztheiten verbleiben. Frisch ist die Erinnerung an die schmähliche Niederlage gegen Preußen 1871, groß die Lust auf Rache, ebenso groß die Ressentiments gegen den deutschen Nachbarn. Sicher, die beweise waren ein wenig dürftig. Aber in die wachsende antisemitische Stimmung (nicht nur) im Frankreich jener Tage hinein wird da nicht so genau hingeschaut. „Die Römer warfen den Löwen Christen zum Fraß vor, wir nehmen Juden“, so drückt es der scheidende Chef des Geheimdienstes aus. Und, hat nicht Mercier, der Kriegsminister, den Fall und die Verurteilung mit auf seine Ehre genommen? Ebenso wie der Geheimdienstoffizier Henry? Gegen jene „Rasse ohne Patriotismus, ohne Ehre und Stolz“? Und da wird ja wohl der neue, ins Amt protegierte Leiter des Geheimdienstes, jüngster Oberstleutnant der Armee, frisch befördert, Marie-Georges Picquard, ganz im Sinne der Minister und des Generalsstabs seinen Dienst treu versehen. „Es gibt einen Verräter, nur dass ich es nicht bin…“, diesen Worten des Dreyfus wird kein normaler Mensch vertrauen schenken, das ist für die Minister und Generäle klar. Wenn nicht jener Picquard (leider) einfach konsequent seine Pflicht tun würde und im Verlauf seiner Nachforschungen auf genau jene Handschrift erneut stößt, in der doch Dreyfus sein verräterisches Dokument verfasst haben soll. Wenn dieses nun nicht die Handschrift des Verurteilten sein kann, wessen ist es dann? Und, als sich das klärt, warum wird der Prozess nicht neu aufgerollt, sondern der junge Picquart findet sich bald auf neuem Posten in Afrika wieder? Hat der mit starkem Sinn für theatralische Dramen ausgestattete Oberst Armand du Paty de Clam hier seine Handschrift hinterlassen? Harris lässt seine Darstellung der Geschichte mit der Urteilsvollstreckung an Dreyfus beginnen und führt den Leser anhand der Perspektive des jungen Picquart intensiv durch die Geschichte eines massiven, politischen Komplotts, zunehmender Intrigen, verbohrter und nur auf den eigenen Vorteil beharrender mächtiger Offiziere, einer Welt des zunehmenden Antisemitismus, des zerstrittenen Europas, der beharrlichen Falschaussagen selbst hoher Würdenträger zum „Schutz der Armee“, vor allem aber, um das eigene Fortkommen zu sicheren. Vom Militär über die Politik bis hin zur Surete und zur Justiz reichen die Ränkeschmiede, die Bestechungen, die Verwerfungen, die der Fall Seite für Seite mehr annimmt. Wobei Harris in trefflicher Form und klaren Sätzen die Atmosphäre jener Zeit, das bigotte Verhalten, das „Schein vor Sein“ wunderbar lebendig geschildert und dem Leser nachvollziehbar die „Stimmungen vor Augen führt“. Wie einen Abenteuerroman aus der Feder eines Dumas erzählt Harris seine Geschichte, spannend, klar, temporeich, mit überraschenden Wendungen, trotzdem der Fall Dreyfus ja durchaus bekannt ist. Überzeugend gelungen ist dabei nicht nur die Person des Oberstleutnant Piquard, sondern allen Figuren verleiht Harris ihre je eigene Färbung, skizziert mit je wenigen Strichen ganze Persönlichkeiten und lässt wenig reines „schwarz-weiß“ denken zu. Ein spannender Roman über ein historisches Ereignis, das zunächst wie nebenbei durch Harris im Buch sorgfältig nachgezeichnet wird, bis der Fall mehr und mehr zum Mittelpunkt des Geschehens wird und bestens die Atmosphäre der Zeit, die Haltung der Menschen, die Stringenz patriotisch-militärischen Denkens ebenso treffend darstellt, wie die Überzeugung der eigenen Fehlerlosigkeit und die Skrupellosigkeit zum Schutz der eigenen Karriere. Zum Ende hin dann mit doch langsam nachlassender Spannung, da der Ausgang der Prozesse dem historisch interessierten Leser bekannt sein dürfte. Dennoch lässt auch hier Harris die Geschichte ebenso sorgfältig formuliert und die Kreise abschließend ausklingen, wie er das gesamte Buch konzipiert hat. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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  • Mischung zwischen Dumas und „Vaterland“

    Intrige
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. January 2014 um 11:30


  • Verlosung der Lieblingsbücher 2013 vom LovelyBooks-Team - unsere Buchtipps für euch!

    Daniliesing

    Daniliesing

    Es ist schon zu einer kleinen Tradition geworden, dass wir euch hier über die Weihnachtszeit auch mal unsere Lieblingsbücher vorstellen, die wir in diesem Jahr gelesen haben. Deshalb grübelt das gesamte LovelyBooks Team schon seit ein paar Wochen, welche Bücher wir euch empfehlen und als Buchpaket unter euch verlosen wollen. Denn die Entscheidung ist jedem von uns in diesem Jahr überhaupt nicht leicht gefallen, aber das kennt ihr bestimmt auch selbst. Neben dem Buchpaket mit den 10 Lieblingsbüchern vom Team verlosen wir außerdem einen Kobo GLO E-Reader in schwarz. Hier dürfen sich also gleich 2 Gewinner sehr freuen! Unsere Buchtipps: 1. miadonna empfiehlt: "Die Tochter der Wälder" von Juliet Marillier Ich drehe die Regeln dieses Jahr für mich etwas um und nenne nicht mein Lieblingsbuch für dieses Jahr, sondern möchte die letzte Gelegenheit nutzen euch eine Autorin ans Herz zu legen, die in Deutschland leider nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie eigentlich verdient hätte. Für mich ist das richtig, richtig schmerzhaft, weil ich in einigen ihrer Serien feststecke, die jetzt nicht weiter übersetzt werden. Es geht um Juliet Marillier, die mir mit ihren Büchern diese besonderen Lesemomente ermöglicht, wie ich sie das letzte Mal als Teenager z. B. bei der Lektüre von den Nebeln von Avalon hatte. Das ist jetzt über 20 Jahre her und ich habe angenommen, dass mir dieses Gefühl 'völlig in der Geschichte zu leben' einfach nicht mehr passieren kann, weil ich a.) zu erwachsen b.) zu unaufmerksam c.) zu fantasielos geworden bin. Als mir dann Dani von ihrer Lieblingsreihe 'Sevenwaters' erzählte, wurde ich zwar hellhörig, aber ich hatte nicht mit diesem Geschenk gerechnet. "Die Tochter der Wälder" hat mich mit Haut und Haaren gefressen, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, ich musste mich wegen akuten Leserfiebers bei der Arbeit krank melden, die großen Abenteuer warteten schließlich auf mich. Nachdem ich die Tochter der Wälder gelesen hatte, musste Nachschub her und ich las mich im Anschluss durch alle verfügbaren Bücher und Reihen von Juliet Marillier. Normalerweise bin ich von irgendeinem Band dann enttäuscht, aber das ist mir einfach nicht passiert. Leider war irgendwann trotzdem Schluss, denn die Autorin findet keinen Verlag in Deutschland, weil sich ihre Reihen und Serien nicht in der Masse durchgesetzt haben. Wie traurig ist das denn? Deshalb hier an dieser Stelle noch einmal meine Empfehlung für die Bücher von Juliet Marillier. Und wer weiß, wenn sich jetzt alle Leser auf ihre Bücher stürzen, dann komme ich vielleicht doch noch einmal in den Genuss eines dieser raren Lesemomente... 2. MissBookarazzi empfiehlt: "Silver Linings" von Matthew Quick Mir fiel es dieses Jahr schwer, ein Buch zu finden, das mich so richtig begeistert hat. Doch mir ist schließlich eins aus dem Frühjahr eingefallen, das meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit erhält und auf eine bestimmte Weise besonders ist! Die meisten sind durch die Oscars eher mit dem Film vertraut. Ich finde jedoch, man sollte zuerst das Buch kennen. "Silver Linings" ist ein versteckter Bücherschatz von Matthew Quick, der den Leser durch zwei eigene und verrückte Charaktere mitreißt und in die ungewöhnliche Geschichte von Pat und Tiffany entführt, die einen immer wieder überrascht und die verschiedenen Facetten des Lebens durch einen bemerkenswerten Blickwinkel sehen lässt. Das Buch ist sicherlich nicht für jeden Lesegeschmack geeignet. Aber wer ein Herz für skurrile und liebenswerte Charaktere hat, der wird Pat und Tiffany gerne auf ihrer Suche nach ihrem eigenen Happy End begleiten! 3. sarah_elise empfiehlt: "Bettler und Hase" von Tuomas Kyrö Urkomisch, verschroben und überaus liebenswürdig ist nicht nur der rumänische Antiheld Vatanescu sondern der gesamte Roman „Bettler und Hase“ des finnischen Autorenstars Tuomas Kyrö. In einer einzigartigen Manier mit fantastischen Elementen hangelt sich der rumänische Auswanderer in tiefem Vertrauen auf die westeuropäische Wohlstandsgesellschaft durch die kriminelle Unterwelt Finnlands; stets getrieben von der Sehnsucht nach finanzieller Sicherheit. Nachdem er Menschenhändler Jegor entkommen konnte, begibt sich Vatanescu auf einen Road-Trip quer durch Finnland und rettet versehentlich ein Kaninchen, das er „Hase“ tauft. Und während der treu-naive Protagonist sich schwertut, richtige Entscheidungen zu fällen, verfügt „Hase“ über den überlebenswichtigen Instinkt, bei Gefahr Reißaus zu nehmen. Auf ihrer Suche nach dem Glück trifft das komische Duo auf Gestalten der kuriosesten Facetten. Armut, Menschenhandel und organisierte Kriminalität stellen nicht die optimalen Rahmenbedingungen für ein modernes Märchen dar, doch Tuomas Kyrö schafft es mit rabenschwarzem Humor und seinem rumänischen Forrest Gump den Leser zu verzaubern. Wo Vatanescus Reise endet und welche Rolle der finnische Ministerpräsident und Facebook spielen, wird nicht verraten, doch die Lektüre unterhält und lehrt uns die Sehnsucht der Menschen nach Gerechtigkeit und Humanität in einer kapitalistischen Gesellschaft. 4. DieBuchkolumnistin empfiehlt: "Troposphere" von Scarlett Thomas Die britische Autorin Scarlett Thomas hat mit “Troposphere” ihren siebten Roman geschrieben und darin mit Ariel Manto eine weibliche Hauptdarstellerin geschaffen, die mir sympathischer nicht sein könnte: sie ist verrückt, witzig, rothaarig, im ständigen Schwanken zwischen Pessimismus und Hoffnung, stark und liebevoll und süchtig nach ständigem Wissensnachschub und Austausch über ihre verschiedenen Theorien rund um unsere Existenz. Gerade die vielen naturwissenschaftlichen und philosophischen Erläuterungen machen den Roman wahrscheinlich für viele Leser völlig untauglich – für mich machten genau diese Diskurse den Reiz aus und sie fordern jederzeit volle Aufmerksamkeit.Ein Roman, an dem sich die Geister sicherlich scheiden – ich bin sofort reingekippt und wollte nie mehr raus. Eines der Bücher, die ich immer wieder und wieder lesen will und dabei stets Neues entdecken werde, denn vorhersehbar ist hier nur eines: man ist nach dem Buch schnell ebenso süchtig wie Ariel Manto nach der Troposphäre. 5. malano empfiehlt: "Leb wohl, Schlaraffenland" von Roland Düringer und Clemens G. Arvay Man könnte sagen: "Das Buch zum Film", auch wenn es keinen Film im klassischen Sinne gibt, sondern ein Videotagebuch! Seit 2. Januar dieses Jahres hat sich der österreichische Kabarettist und Schauspieler Roland Düringer, einem interessanten Selbstversuch unterzogen und zwar: Wie wäre es in der heutigen Zeit ein Leben wie in den 70ern (seiner Kindheit) zu führen, abseits von Telefon, Internet, e-Mail, Bankomatkarte, Auto, Supermärkten und ständiger Verfügbarkeit... Roland Düringer hat also begonnen nach und nach, die Werkzeuge der heutigen Zeit zu reduzieren oder wegzulassen und beobachtet was dies für sich und sein Leben bedeutet und hat dies in Form eines Videotagebuches auf www.gueltigestimme.at festgehalten und dokumentiert. Und da mich nun dieses Videotagebuch und Düringers Experiment seit Anfang dieses Jahres begleiten, empfehle ich euch somit quasi das neu erschienene "Buch zum Film" mit dem Titel: "Leb wohl, Schlaraffenland - Die Kunst des Weglassens", oder wie in der Inhaltsangabe beschrieben: ein Leben wie früher zu führen und dabei die Zukunft zu gewinnen. 6. Kari empfiehlt: "Ich bin verboten" von Anouk Markovits In diesem Jahr hat mich ein Buch ganz besonders ergriffen, das mir sogar noch nach Monaten immer wieder ins Gedächtnis rückt. Klammheimlich schleicht es sich in meine Gedanken, während der Bahnfahrt nach Hause oder wenn ich mir gerade eine neue Lektüre aussuche. Die Rede ist von „Ich bin verboten“ von Anouk Markovits, einem Roman, der die Geschichte einer streng gläubigen jüdischen Familie vom Zweiten Weltkrieg bis in unser 21. Jahrhundert hinein erzählt. Die Autorin, welche selbst als Satmar-Chassidim, einer jüdischen Sekte, aufwuchs, berichtet von diesem streng regulierten und kontrollierten Leben, das vor allem Frauen in ihre Grenzen weist. Durch zwei weibliche Hauptfiguren, die zwar unterschiedliche Wege beschreiten, aber auf ihre Art und Weise mutig und entschlossen sind, ihr Leben zu meistern, beschreibt Anouk Markovits, wie enge Fesseln ein Leben voller Möglichkeiten zu einem ungelebten Leben werden lassen können. Ihr Erzählstil ist wie ein Sog, der den Leser diese völlig fremden Leben hautnah erleben lässt. 7. kultfigur empfiehlt: "Die letzte Generation" von Arthur C. Clarke "Die letzte Generation" von Arthur C. Clarke ist Vorlage und Inspiration für viele andere Science-Fiction Bücher, Serien und Filme (u.a. "V - Die Besucher"). Die Geschichte erzählt von der Begegnung der Menschen mit einer außerirdischen Rasse, die plötzlich mit riesigen Schiffen am Himmel über den Metropolen der Welt auftauchen. Es ist das Ende der Menschheit wie wir sie kennen. Doch was wissen wir schon ... 8. doceten empfiehlt: "Shotgun Lovesongs" von Nickolas Butler "Shotgun Lovesongs" ist inspiriert von der Lebensgeschichte und Musik von Bon Iver und damit ein toller Roman über Freundschaft und über die große Frage, was das Leben eigentlich wirklich ausmacht. Butler schafft es, im Leser Fernweh und Heimweh zugleich zu wecken. Fernweh nach der wunderbaren Natur Wisconsins, nach dem Wechsel der Jahreszeiten und dem einfachen, idyllischen Leben auf dem Lande dort. Heimweh nach der eigenen Familie und den Jugendfreunden, die zumindest in meinem Fall sehr weit weg wohnen und die für mich immer noch sehr wichtig sind. Viel wichtiger ist aber, dass das Buch die Musik von Bon Iver selbst aufgreift. Die großen Themen des Romans sind auch die Themen der Songs von Justin Vernon. "Shotgun Lovesongs" ist Bon Iver zwischen zwei Buchdeckeln - das ist toll und darin liegt auch der gelungene Geniestreich von Butler! 9. Trumans empfiehlt: "Monster" von Benjamin Maack „Monster“ von dem deutschen Autor Benjamin Maack ist mir schon im Buchladen sofort ins Auge gefallen, durch sein schlichtes, aber unglaublich stimmiges Cover: schemenhaft blickt der Betrachter in die Tiefen eines Waldes. Sonst Nichts. Wald, Autor und Titel und mein erster Eindruck wurde beim Lesen gefestigt. „Monster“ beinhaltet einzelne Erzählungen, die aber doch zusammengehören. In jeder steht eine Figur mit Namen Benjamin im Zentrum. Immer sind es Personen, die herumirren, ihren von Gewalt oder Sexualität verstörten Blick umherschweifen lassen und erschreckend Unkonventionelles tun. Maack erzählt höchst atmosphärisch und packend, überzeugend und provokant. 10. Daniliesing empfiehlt: "Wunder" von R.J. Palacio Oft lese ich Bücher und mag sie sehr gern. Doch selten lese ich ein Buch und kann nicht anders, als es wirklich zu lieben! “Wunder” liebe ich!  Die US-amerikanische Autorin Raquel J. Palacio hat mit ihrem Buch “Wunder” ein echtes Buchwunder geschaffen. Ich habe es aufgeschlagen und wollte nur mal kurz reinlesen, doch nach nur ein paar Seiten war ich schon mitten in der Welt von August, liebevoll Auggie genannt, angekommen. Ein erstaunlich gefühlvoller Jugendroman, der deutlich zeigt, wie bedeutsam es ist, wer wir wirklich sind und wie unwichtig in diesem Zusammenhang Äußerlichkeiten sind, die nur einen so geringen Teil der Persönlichkeit eines Menschen ausmachen. Seid ihr neugierig auf unsere 10 Lieblingsbücher 2013 geworden? Dann habt ihr jetzt bis einschließlich 6. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 10 Büchern mitzumachen. Eine kleine Anmerkung zu "Die Tochter der Wälder": Da das Buch vergriffen ist, müssen wir erstmal schauen, ob wir noch ein Exemplar auftreiben können. Alternativ wird sonst ein anderes Buch von Juliet Marillier im Paket liegen. Bitte gebt bei eurer Teilnahme außerdem an, ob ihr das Buchpaket oder den Kobo GLO gewinnen möchtet bzw. ob euch beides interessiert. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Welches Buch würdet ihr euch am meisten zu Weihnachten wünschen und wieso? Falls ihr erst nach Weihnachten mitmacht, erzählt uns doch stattdessen, welche Bücher ihr geschenkt bekommen habt! Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 1017
  • Eine sehr zähe Frage der Ehre

    Intrige
    tigger

    tigger

    30. November 2013 um 12:45

    Inhalt: Robert Harris widmet sich in diesem Roman einem realen historischen Ereignis in Frankreich an der Schwelle des 20. Jahrhunderts: der „Dreyfus-Affäre“. Darunter versteht man die irrtümliche Verhaftung und Verurteilung des französischen Hauptmanns Alfred Dreyfus durch ein Pariser Kriegsgericht. Dreyfus wurde vorgeworfen, er spioniere für Deutschland, dem damaligen Erzfeind. Der Roman erzählt die Ereignisse von der Verhaftung Dreyfus‘ 1894 bis zu dessen Rehabilitation1906  aus der Perspektive von Marie-Georges Picquart, einem Angehörigen des französischen Militärs, der in alle Phasen der Affäre involviert war: Zunächst war er an der Suche nach dem vermeintlichen Spion im französischen Generalstab beteiligt, später Prozess-Beobachter und schließlich derjenige, der als Leiter des Geheimdienstes der französischen Armee den Justizirrtum aufklärte und dabei massivem Druck seiner Vorgesetzten entgegentreten musste. Mein Leseeindruck: 1. Die Romanhandlung und ihre Figuren: Ein Sachbuch muss sich an belegbare Fakten halten, ein Roman darf spekulieren, fabulieren, ausschmücken und fantasieren. Das gilt auch für den historischen Roman, sofern er die geschichtlichen Zusammenhänge dabei nicht völlig verzerrt – und hier liegt meiner Meinung nach gerade die Stärke des historischen Romans: Einblicke in historische Persönlichkeiten und Zusammenhänge zu geben, die nicht mit Quellenmaterial belegt, aber vermutet werden können. Dies habe ich auch von diesem „historischen Thriller“ erwartet und bin dabei leider sehr enttäuscht worden. Robert Harris bleibt sehr nah am Faktischen und Belegbaren. Dadurch wird der Roman aber zäh und bietet nur geringe Einblicke in das Innenleben der beteiligten Figuren. Die Akteure aus Politik und Militär im Fall Dreyfus und ihre Motive werden von Harris fast schon holzschnittartig dargestellt: Auf der einen Seite die Vorgesetzten, die alles daransetzen ihre Macht zu erhalten. Ihnen zur Seite stehen Untergebene, die ohne Skrupel jegliche Befehle ausführen und die Verantwortung dafür von sich und an ihre Vorgesetzten verweisen. Auf der anderen Seite – im Wesentlichen als Einzelkämpfer – Picquart, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlt. Sehr kurz – mir zu kurz – kommt in diesem Roman die Frage des Antisemitismus. Dazu muss man wissen: Dreyfus war Jude. Er war der erste und einzige Jude, der – aufgrund seines Abschlusses der Pariser Militärhochschule als einer der Jahrgangsbesten – im betreffenden Zeitraum eine Ausbildung beim Generalstab der französischen Armee machen durfte. Dass gerade er in den Fokus gerät, als nach einem Spion im Generalstab gesucht wird, lässt durchaus das Vorliegen von Vorurteilen vermuten. Aber bei Harris erscheint zwar die französische Zivilgesellschaft in großen Teilen als sehr antisemitisch, nicht jedoch das Militär. Warum die Armee allerdings wesentlich weniger vorurteilsbehaftet gewesen sein sollte als die sonstige Bevölkerung, erschließt sich mir nicht und geht auch nicht aus dem Roman hervor. Letztlich reduziert sich die Dreyfus-Affäre bei Harris in erster Linie auf eine Frage der Ehre. Der Ehrbegriff ist der rote Faden, der sich durch die gesamte Handlung zieht: Die Armee versucht, ihre Fehler zu vertuschen, damit die Ehre des Militärs nicht beschmutzt wird. Picquart dagegen will die Ehre der Armee durch Aufklärung und Offenheit schützen und seine eigene wiederherstellen. Und auch an vielen weiteren Stellen und in vielen weiteren Handlungen wird der Ehr-Begriff herangezogen (z. B. zu Beginn des Romans bei der öffentlichen Degradierung und damit Entehrung Dreyfus‘, später bei einem Duell, usw.). Aus heutiger Sicht durchaus interessant fand ich allerdings die Einblicke in die Geheimdienstarbeit vor 100 Jahren, die der Roman bietet. Gerade vor dem aktuellen politischen Geschehen der letzten Monate (NSA) sind die damaligen Methoden sehr amüsant. 2. Die Druckfehler: Sehr ärgerlich fand ich die immer wieder auftauchenden Druckfehler. Zwar sind mir „nur“ 6 ins Auge gesprungen – bei mehr als 600 Seiten scheint das auf den ersten Blick, noch eine recht geringe Fehlerquote zu sein. Allerdings sind das nur die Fehler, die so auffällig waren, dass sie mich im Lesefluss gestört haben. Sehr wahrscheinlich enthält das Buch also noch weitere Fehler, da ich bestimmt einige einfach überlesen habe. Gerade bei den heutigen, doch inzwischen recht hohen Buchpreisen, finde ich, kann der Käufer aber mehr Sorgfalt erwarten. 3. Ein kurzer Kommentar zu meiner Bewertung: Der Roman hat trotz seiner Mängel von mir drei Sterne bekommen. Warum? Weil ich das Thema des Romans immer noch wichtig und interessant finde. Er beschreibt DAS Ereignis, das am Ende des 19. Bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts die französische Zivilgesellschaft und Militär und Politik nachhaltig erschüttert hat und weitreichende Auswirkungen hatte. Und wer sich mit Harris Herangehensweise und seinem Schreibstil anfreunden kann, findet einen guten Einstieg in das Thema. Mir selber hat das Lesen allerdings keine Freude gemacht, weil ich den ganzen Romanaufbau zu zäh fand und mir tiefere Einblicke in die Figuren fehlten. Ich hätte das Buch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu Ende gelesen, wenn ich nicht an einer Leserunde dazu teilgenommen hätte. Meine Leseempfehlung: Für Harris-Fans und für Leser, die gerne nüchtern-faktische Geheimdienst-Erzählungen mögen

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  • Geschichte kann so spannend sein!!!

    Intrige
    kornmuhme

    kornmuhme

    26. November 2013 um 12:57

    Inhalt: zum Ende des 19. Jahrhunderts wird Frankreich von einem Skandal erschüttert: der sog. Dreyfus-Affäre. Hauptmann Alfred Dreyfus wird verdächtigt, als Spion für die verhassten Deutschen zu arbeiten und geheimes militärisches Material an diese zu verschachern. Es kommt zu inem Prozess und einer schnellen Verurteilung. Dreyfus wird auf einer karge Insel verbannt, schwer bewacht und eigentlich sollte die französiche Regierung wieder zur Ruhe kommen ... Doch Oberstleutnant Georges Picquart, der während des Prozesses gegen Dreyfus der direkte Berichterstatter des Kriegsministers war und anschließend zum Leiter der sog. Statistik-Abteilung (= franz. Geheimdienst) aufsteigt, macht unschöne Entdeckungen: dass z.B. die Beweislage für eine Verurteilung von Dreyfus auf äußerst wackeligen Beinen steht; dass einige Dinge gar nicht so stattgefunden haben können, wie von Zeugen behauptet; ja, dass sogar Beweise bewusst gefälscht wurden - und dass jemand anderes der Verräter sein muss! Bei seinen Nachforschungen wird jedoch schnell klar, dass Picquart auf Widerstand aus den eigenen Reihen stößt. Offenbar will man keine genauere Untersuchung des Falles und versucht mit allen Mitteln, Picquart zur Aufgabe zu zwingen ... Meinung: Obwohl der Ausgang des Falles bzw. der Geschichte von vornherein klar ist, ist das Buch absolut spannend! Harris zieht seinen Roman wie einen Justizthriller auf: Gemeinsam mit Georges Picquart lernen wir mit seiner Beförderung zum Leiter des Nachrichtendienstes die Geheimdienstarbeit kennen. Da werden unzählige Personen bespitzelt, Spione in Privatwohnungen eingeschleust, Nachrichten entschlüsselt, es wird Post abgefangen, Abfall untersucht und fleißig Bericht erstattet. Was für Methoden da alles angewendet wurden! Und wie schnell man doch zu (voreiligen) Schlüssen kommt! Teilweise ist es erschreckend gewesen zu lesen, wir scham- und skrupellos Leute bespitzelt wurden. Und natürlich alles im Dienste der nationalen Sicherheit! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass heute noch genauso gearbeitet wird, nur mit sehr viel perfideren und weitreichenderen Methoden! Gleichermaßen erschreckend fand ich es zu lesen, wie sehr sich hohe Militärs und Regierungsbeamte sträuben und winden, dass die wahren Umstände der Affäre Dreyfus ans Licht kommen. Dann müsste man ja Fehler eingestehen! Die Verlogenheit und Doppelmoral gewisser Personen ist wunderbar herausgestellt worden! Dagegen ist Protagonist Georges Picquart leider kein wirklicher Sympathieträger, was mich manchmal dazu veranlasst hat, der Geschichte ein wenig schwerfällig zu folgen. Ein wirkliches Privatleben hat er nicht und mir ist im Verlauf des Buches auch nicht klar geworden, ob ihm wirklich etwas an seinen Mitmenschen liegt. Zu tiefen, herzlichen Gefühlen scheint er mir nicht fähig (außer zu seiner Geliebten Pauline). Auch die permanente Ich-Perspektive und die Verwendung des Präsens haben mir besonders zu Anfang den Start in die Geschichte erschwert. Etwas schade finde ich es im Nachhinein, dass keine andere Figur außer Picquart zu Wort gekommen ist. Gerne hätte ich mal in die Köpfe von Dreyfus, Gonse, Boisdeffre etc. geblickt und deren Sicht auf die Dinge gelesen! Dass Dreyfus auch aufgrund seines Judeseins als Sündenbock dienen musste, weil der Antisemitismus in der Zeit durchaus salonfähig war, kommt leider auch ein wenig kurz. Fazit: Harris liefert mit "Intrige" einen spannenden historischen Justizthriller, in dem er detaillierten Einblick in die Geheimdienstarbeit des auslaufenden 19. Jahrhunderts gibt und der Verschwörung auf höchster Ebene minutiös nachgeht. Der Leser blickt allein durch die Augen des Protagonisten Picquart und erlebt so alle Einzelheiten und die langsame Erkenntnisgewinnung hautnah mit. Leider erweist sich diese Erzählperspektive als etwas beengt, zumal Picquart nun mal nicht der größte Sympathieträger ist. 4 von 5 Sternen

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  • Intrige – der Name ist Programm

    Intrige
    Fornika

    Fornika

    07. November 2013 um 14:52

    Frankreich, 5. Januar 1895: Marie-Georges Picquart, Major der französischen Armee wird als Beobachter des Prozesses und der öffentlichen Demütigung des mutmaßlichen, jüdischen Landesverräter Alfred Dreyfus eingesetzt. Picquart ist ein integrer Mann, überzeugt von Anstand, Moral und Ehre, entsetzt von den Taten Dreyfus‘ und überzeugt von dessen Schuld. Dreyfus wird auf der Teufelsinsel in Südamerika inhaftiert; Picquart steigt auf zum Chef der Spionageabteilung. In dieser Funktion geraten ihm einige Schriftstücke in die Hände, die Zweifel wecken: nicht Dreyfus ist der Schuldige, sondern ein gewisser Esterházy. Picquart sammelt Beweise und stellt eigenmächtig Nachforschungen an, doch dieser Umstand in seinen Vorgesetzten ein Dorn im Augen, sodass Picquart bald selbst ins Schussfeld gerät… Ein sehr interessantes und vor allem brisantes Thema hat sich Robert Harris für sein Buch Intrige ausgesucht: die Dreyfus-Affäre, „die größte Verschwörung der Moderne“. Erzählt wird die Geschichte von Major Picquart selbst, der zudem die Ereignisse vor dem 5.1.1895 in Rückblicken Revue passieren lässt. Der Schreibstil ist sehr flüssig, immer wieder werden kunstvoll eindrucksvolle Originalbriefe und Schriften eingeflochten; darunter auch der berühmte offene Brief von Émile Zola „J’accuse“. Besonders dieser Umstand lässt den Leser nie vergessen, dass es sich zwar um einen Roman handelt, dieser jedoch auf Tatsachen beruht, die der Autor hervorragend recherchiert hat. Mir hat dieses Buch wirklich ausnehmend gut gefallen, dieser widerliche Sumpf aus vertuschten oder manipulierten Beweisen, Falschaussagen, Medienhetze und totgeschwiegenen Zeugen hat mich allerdings manchmal schier ins Buch beißen lassen wollen. Auch der allgegenwärtige, fast schon selbstverständliche Antisemitismus bricht sich immer wieder seine Bahn und sorgt für ein sehr flaues Gefühl in der Magengegend. Wer sein Wissen über die Dreyfus-Affäre auffrischen und erweitern will ist hier richtig; oder wer einen spannenden Spionagethriller sucht; oder wer Bücher über einsame Kämpfer sucht, die gegen alle Widrigkeiten für die Gerechtigkeit einstehen. Einfach ein klasse Buch!

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  • spannend wie ein Thriller

    Intrige
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    07. November 2013 um 14:05

    Frankreich am Endes des 19. Jahrhunderts. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 hatte Frankreich die dritte Republik. Das Elsass fiel an Deutschland. Die Niederlage in diesem Krieg ist noch nicht verwunden. Franzosen, die aus dem Elsass stammen, werden als deutschfreundlich diskriminiert. Antisemitismusmacht sich hier breit. Der Roman wird aus der Sicht Marie-Georges Picquarts geschrieben. In dieser Zeit wird der Jude Alfred Dreyfus - aus dem Elsass stammend - wegen Landesverrates verurteilt. Picquart, der ebenfalls aus dem Elsass stammt und Offizier bei der französischen Armee beschäftigt war, ist ehrgeizig und hat sich von seinen Vorgesetzten einspannen lassen, den verurteilten Dreyfus bei der öffentlichen Degradierung zu begleiten. Kurz darauf wird Picquart die Leitung einer Abteilung des französischen Geheimdienstes, der Statistik-Abteilung, übertragen eingehend mit einer Beförderung zum Oberst. Die Aufgabe der Abteilung ist die militärische Aufklärung. Die Abteilung war auch daran beteiligt, die Beweise gegen Dreyfus zu sammeln. Bald stößt Picquart auf Dokumente, die ihn zu dem Schluss kommen lassen, dass Dreyfus unschuldig sein muss. Er ermittelt und hat bald einen anderen Verdächtigen, den Offizier Esterházy. Seine Vorgesetzen aber haben kein Interesse an der Aufklärung und bestehen darauf, dass Dreyfus der Schuldige ist. Je länger Picquart über die Angelegenheit nachdenkt, umso mehr gebietet ihm sein Gerechtigkeitssinn, die Sache aufzuklären und Dreyfus von jedem Verdacht zu befreien. Dabei geht er zwar geschickt vor, aber die Gegner sind zu übermächtig. Man schiebt ihn ab unter dem Vorwand, man benötigte jemand, der die Einheiten zuverlässig untersucht. Da er aber auch von Afrika aus weitermacht, wird er auf ein Himmelfahrtkommando abkommandiert in der Hoffnung, dass sich damit alles erledigt. Da auch das nicht den gewünschten Erfolg bringt, wird er nach Paris zurück beordert. Hier sieht er sich immer neuen Anschuldigungen ausgesetzt. Schließlich wird im der Prozess gemacht und er landet im Gefängnis. Obwohl die Armee alles daran setzt, eine Aufklärung der Geschichte zu verhindern, wobei sie nicht davor zurückschreckt, zu lügen und zu betrügen, indem Beweise gefälscht werden, hat auch Picquart seine Unterstützer. Doch es dauert Jahre, bis die Wahrheit aufgedeckt wird und sowohl Dreyfus als auch Picquart rehabilitiert werden. Picquart stecktze während der ganzen Zeit in einer schwierigen Situation. Einerseits war er als Offizier dem Militär zum absoluten Gehorsam verpflichtet, andererseits hatte er ein ausgeprägtes Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn. Da das nicht miteinander vereinbar war, musste er eine Entscheidung treffen. Er hat sie getroffen ohne Rücksicht darauf, was mit ihm selbst passiert. Gerade die jetzige Zeit zeigt es wieder, wie schwer es ist, die Verpflichtung seinem Land gegenüber mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Auch sieht man, wohin es führt, wenn Menschengruppen diskriminiert werden und welche Macht die Presse hat. Das Buch ist äußerst spannend und kann mit jedem Thriller mithalten. Man erfährt viel über das Leben in jener Zeit. Dieses Buch kann man nur empfehlen.

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