Das geheimnisvolle Leben der Pilze

von Robert Hofrichter 
5,0 Sterne bei3 Bewertungen
Das geheimnisvolle Leben der Pilze
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Ein wissenschaftliches Abtauchen in den Mikrokosmos der Pilze

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Inhaltsangabe zu "Das geheimnisvolle Leben der Pilze"

Spannend und spektakulär – Alles über Pilze, die wahren Herrscher der Welt

Es gibt sie überall: im Tiefseeboden, in erstarrter Lava, auf der Raumstation ISS – und in uns. Pilze sind weder Tier noch Pflanze und dennoch Lebewesen, die miteinander kommunizieren, Freund und Feind zugleich sind. Meist bleiben sie im Verborgenen, doch ohne sie würde es unsere Wälder, unser Klima und vielleicht das Leben selbst nicht geben. Der Biologe Robert Hofrichter führt uns in eine Welt bizarrer, komplexer Lebewesen voll überraschender Partnerschaften, verblüffender Fakten und ungelöster Rätsel. Kenntnisreich, humorvoll und lebendig öffnet er uns die Augen für das unsichtbare Öko-Universum, das sich unter unseren Füßen – und nicht nur dort! – erstreckt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328103028
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:13.08.2018

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    ralluss avatar
    rallusvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wissenschaftliches Abtauchen in den Mikrokosmos der Pilze
    Wunderwelt mit Hut

    Pilze sind viel mehr als die wohlschmeckende Beilage in einem Gericht. Als übelriechende dunkle Masse in einer Zimmerecke können sie das ganze Raumklima verpesten und sind, dort angesiedelt, sehr gefährlich. Doch was ist ein Pilz? Wie wird dieses Lebewesen klassifiziert? Was für verschiedene Formen treten in der Natur auf? Und wie verhalten sie sich in Kombination mit Tieren oder Pflanzen?

    Diesen Fragen geht Robert Hofrichter in seinem sehr lehrreichen Buch Das geheimnisvolle Leben der Pilze nach. Es werden auch Fragen zur Essbarkeit und Bestimmung der giftigen und ungiftigen Formen geliefert, doch Pilze sind mehr, als das Männchen mit Hut, was sich an unvorhergesehenen Stellen im Wald zeigt.

    Nach der Lektüre hat man einen anderen Blick auf diese uns doch meist verborgene, aber sehr vielfältige Welt. Und eines vorab, Pilze sind mehr Tiere als Pflanzen.

    Nur weil die sichtbaren Vertreter der Pilze meist im Wald wachsen und so eine lokale Nähe zu Pflanzen haben, stumm dort stehen, sich nicht bewegen und wachsen, sind sie noch lange keine Pflanzen. Nach Untersuchungen der jahrhundertelang sträflich vernachlässigten Lebewesen, sind Pilze durch ihre heterotrophe Art mehr den Tieren zuzuordnen. Hetero…was? Wird jetzt mancher Leser fragen und sicher bei Wikipedia nachschauen. Nein, dies ist wirklich ein Sachbuch, gespickt mit lateinischen Fachbegriffen, die uns Robert Hofrichter da um die Ohren haut. Doch keine Angst, die Begriffe werden verständlich erklärt und es ist eben ein Sachbuch, bei dem der geneigte Leser in die Welt der Mykologie fachlich eingeführt wird.

    Und heterotroph bedeutet, dass sich Lebewesen von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung ernähren, die sie durch Abgabe von Enzymen aufschließen. Im Gegensatz zu Pflanzen, die phototroph sind, ihren Energiebedarf aus Licht decken. Was mich als Kind immer fasziniert hat, waren die unvorhergesehenen Plätze, an denen Pilze wachsen. Mal wuchsen sie einfach wild im Garten, mal unter bestimmten Bäumen, aber verlassen konnte man sich auf das Vorkommen nicht. Was ich mich immer gefragt habe, warum man viele essbare Pilze, wie Steinpilze oder Trüffel, nicht wie Pflanzen züchten kann? Und auch hier hat die Natur uns einiges voraus. Termitenstämme züchten bereits Pilze für ihre Staaten. Woran Menschen noch verzweifeln, gelingt der Natur, einem Jahrtausende gewachsenen Ökosystem, wahre Wunder.

    Wenn man die Natur intensiver betrachtet, dann spürt man diese gewachsene Urkraft, diese Heilung, die sie einem geben kann.

    „Denn im Wald finden wir die Quelle für eine Spiritualität, die unser Leben positiv verändern kann. Wenn wir uns öffnen, wachsen wir mit dem Wald, mit den Bäumen, mit all den unsichtbaren Pilzen zu einem großen Myzellium des Lebens zusammen. Eine tiefe Empathie zu allem Lebendigen aber macht uns zu Menschen. Wir haben Wurzeln, und die sind definitiv nicht in Beton gewachsen, betont Andreas Danzer, der Sohn des verstorbenen österreichischen Musikers Georg Danzer. Jeder Mensch verspürt tief in seinem Inneren den Drang nach der Nähe zur Natur.“

    Robert Hofrichter beschreibt, anhand der Pilze, diese gewachsene Einheit der Natur, diese unsichtbaren Fäden der Verbundenheit, die Pilze, Boden und Bäume miteinander verbindet. Einige der größten Lebewesen sind Pilze, nicht die Riesenmammutbäume in Nordamerika oder Wale. Pilze sind einfach überall, selbst im Weltraum passen sie sich den Gegebenheiten an, sie werden so manches Mal auch zur Qual für den Menschen. Doch ohne sie funktionieren viele Prozesse in der Natur nicht mehr. Pilze sind, richtig angewendet, Heilbringer (Penicillin) und könnten in Zukunft auch die Müllprobleme der Menschheit lösen.

    „Pilze sind Meister der Entsorgung und kaum etwas entgeht ihrem Appetit. Spezialisten unter ihnen können sogar an so extremen Stoffen wie Kerosin naschen und die Treibstofffilter von Flugzeugen verstopfen. In US-amerikanischen Militärjets fand man 23 Arten von Pilzen, die den Begriff ‚Treibstoff‘ auf sich selbst bezogen und in Kerosinleitungen und Filtern prächtig gediehen.“

    Robert Hofrichter ist ein teils spannendes, mit wissenschaftlichen Begriffen vollgepacktes, aber auch für den Laien informatives Wunderbuch gelungen. Fast klingt es wie ein Märchen, was tagtäglich vor unseren Augen passiert. Und manch einer wird nach der Lektüre jetzt mehr in einem Pilz am Wegesrand erkennen. Für mich ein sehr zu empfehlendes Sachbuch.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor einem Jahr
    ‚Wir sollten Pilze niemals unterschätzen.'

    ‚Wir sollten Pilze niemals unterschätzen. Sie richten Milliardenschäden an, weil sie Holz, Leder, Textilien, Papier, Lebensmittel und alle möglichen und unmöglichen Materialien zersetzen; sie gefährden Pflanzen, Tiere und Menschen (und andere Pilze), indem sie Krankheiten und Allergien verursachen; sie produzieren Giftstoffe, werden für bestimmte Arten von Krebs verantwortlich gemacht, haben Millionen Menschen umgebracht, sind Urheber der meisten Pflanzenkrankheiten und haben weltweit im drastischen Ausmaß Ernten vernichtet. Doch neben all dem machen sie unsere schöne Welt und Natur zu dem, was sie sind: zu einem einzigartigen Ökosystem.‘

    Robert Hofrichter erzählt in ‚Das geheimnisvolle Leben der Pilze‘ von der Kommunikation zwischen Pilzen und Bäumen, von Symbiose, Schamanen, Bierbrauern, Evolution, Systematik, Autotrophie versus Heterotrophie, Schimmelpilzen, cleveren Strategien zur Verbreitung von Sporen, Klimawandel, raumfahrenden Fungi, Vergiftungen, Ötzi, Trüffeln, marinen Pilzen, Pilzzüchtern, Flechten und Zukunftsperspektiven.

    Hofrichter berichtet dabei von sehr vielen unterschiedlichen Themen und schreibt sehr amüsant und unterhaltsam, so dass man einerseits viel über Pilze lernen kann und andererseits viel Spaß beim Lesen hat.

    Neben gängigen Theorien aus der Wissenschaft erwähnt er auch wissenschaftlich nicht bestätigte Ideen einzelner Forscher, kennzeichnet dies aber deutlich. Dadurch bietet er fundierte Einblicke in die Welt der Mykologie, aber zeigt auch alternative Erklärungen auf, um den Leser umfassend zu informieren und ihm das Thema nahezubringen.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, und meiner Meinung geht man nach der Lektüre mit anderen Augen durch die Welt und hat sich von Hofrichter und seinen Pilzgeschichten faszinieren und begeistern lassen.

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    JoJansens avatar
    JoJansenvor einem Jahr
    Mit oder ohne Hut - faszinierend!

    Der Autor schreibt über Pilze mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. Von einem unbekannten Kosmos ist die Rede, von verschlagenen Betrügern, hilfreichen Netzwerkern und berauschenden Verwandlungskünstlern. Gemeint sind in jedem Fall Pilze und dazu gehören viel mehr Formen und Varianten als jene, die wir im Körbchen aus dem Wald nach Hause tragen, oder auch dort stehenlassen. Pilze kommen nahezu überall auf der Welt vor, sogar im Meer und im Süßwasser. Sie reisen in ferne Länder und erobern neue Lebensräume. Beispielsweise sollen Sporen des Tintenfischpilzes mit Schafwolle aus Australien nach Europa gekommen sein, wo der, wie ein rötlicher Krake aussehende und nach Aas riechende Pilz Vergiftungserscheinungen bei Hunden herbeiführte. Überhaupt sind wir Menschen nicht die Einzigen, die gern Pilze verspeisen. Ameisen und Termiten haben schon Pilze gezüchtet, bevor die ersten Menschen unsere Erde bevölkerten. Und sie tun es heute noch. Selbst was Pilz mit Pils, besser gesagt, dem Bier im Allgemeinen, zu tun hat, wird in diesem Buch erklärt. Und ganz nebenbei auch die Theorie des bayrischen Biologieprofessors Joseph Reichholf, die Menschen wären nur sesshaft geworden, um sich genug Körner für die Herstellung des berauschenden Bieres zu verschaffen. 

    Faszinierende Fakten und Hintergründe über eine Lebensform, die irgendwo zwischen Pflanze und Tier steht, werden auf unterhaltsame Weise präsentiert und wissenschaftlich begründet. Robert Hofrichter hat sein Leben lang mit Pilzen zu tun. Als Kind aß er sie mit Vorliebe, wollte immer mehr darüber wissen und machte schließlich seine Leidenschaft zum Beruf. Dass so ein »Pilzverrückter« sogar den Heiratsantrag mit Hilfe eines bestimmten Pilzes machte (nein, keiner mit berauschender Wirkung!), klingt direkt logisch. 

    Wer ein Bestimmungsbuch für Pilze sucht, wird von diesem Buch enttäuscht sein, obwohl einige sehr schöne Farbfotos vorhanden sind. Der Autor hat aber auch ein, derzeit leider vergriffenes und nur antiquarisch erhältliches, Pilzbestimmungsbuch geschrieben. Hier in »Das geheimnisvolle Leben der Pilze« vermittelt Hofrichter Erkenntnisse, die den Leser mit anderen Augen durch die Welt gehen lassen. Interessante Pilze sind von nun an nicht mehr nur die leckeren aus dem Wald oder Supermarkt, sondern alle, die mit und auch die ohne Hut.

    Fazit: Ein lehrreiches, unterhaltsames Buch. 5*****


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