Robert Kolker

 4,3 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Hidden Valley Road, Allein im Licht und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Robert Kolker

Robert Kolker ist preisgekrönter Journalist, der für das New York Magazine und Bloomberg Business Week gearbeitet hat. Seine Sachbücher sind New York Times-Bestseller, »Lost Girls« wurde unter demselben Titel verfilmt. Robert Kolker lebt mit seiner Familie in Brooklyn.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Robert Kolker

Cover des Buches Hidden Valley Road (ISBN: 9783442759354)

Hidden Valley Road

 (6)
Erschienen am 01.11.2021
Cover des Buches Lost Girls: An Unsolved American Mystery (ISBN: 9780062183651)

Lost Girls: An Unsolved American Mystery

 (1)
Erschienen am 05.06.2014

Neue Rezensionen zu Robert Kolker

Cover des Buches Hidden Valley Road (ISBN: 9783442759354)engineerwifes avatar

Rezension zu "Hidden Valley Road" von Robert Kolker

Im Kopf einer amerikanischen Familie ...
engineerwifevor 5 Monaten

Man kann sich schwer vorstellen, was in den Köpfen dieser Großfamilie vorging, teils muss der Leidensdruck schier unerträglich gewesen sein, zumal die Erkenntnisse zum Thema Schizophrenie in den 50er, ja noch bis in die 70er Jahre noch mehr als lückenhaft war. Der Druck, das Bild der heilen Welt und intakten Familie mit zwölf – man lasse sich diese Zahl mal auf der Zunge zergehen – Kindern, sechs davon schwer krank, aufrechtzuerhalten muss unbeschreiblich gewesen sein. Der Autor Robert Kolker hat hier eine wahnsinnige Recherchearbeit betrieben, um der Familie gerecht zu werden und seine Leser zu diesem erschütternden Thema weiterzubilden. Für die beiden einzigen Töchter der Galvins, die hierfür das Sprachrohr der Familie bildeten, muss die Entstehung des Buchs Fluch und Segen zugleich gewesen sein. Endlich aufarbeiten zu können, was sich über Jahrzehnte aufgestaut hatte. Dennoch hatte es für mich Längen und konnte mich an vielen Stellen nur bedingt fesseln. Es lässt mich erschüttert, aber auch ein wenig ratlos zurück. Ich vergebe für die Umsetzung leider nur 3,5 Sterne.  

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Cover des Buches Hidden Valley Road (ISBN: 9783442759354)Ariuss avatar

Rezension zu "Hidden Valley Road" von Robert Kolker

Faszinierend und deprimierend wie die Hölle.
Ariusvor 7 Monaten

Was ist Schizophrenie? Und was ist seine Ursache?

Schizophrenie ist eine psychische Störung, bei der die Gedanken und Wahrnehmungen der Betroffenen verändert sind. Betroffene hören Stimmen, die nicht real sind, bewegen sich reflexartig und reagieren extrem auf andere Menschen. Menschen, die unter einer Schizophrenie leiden, erfüllen oft viele Kriterien unseres klassischen Vorurteils von einem Verrückten. Bis heute leiden sie daher zusätzlich unter der Stigmatisierung durch unsere Gesellschaft.

Patienten mit paranoider Schizophrenie haben Wahnvorstellungen verschiedenster Art und stellen sich Dinge vor, die mit der Realität nichts zu tun haben. Sie fühlen sich verfolgt, überwacht und kontrolliert. Andere hegen Verschwörungstheorien, glauben, schwer krank oder für höhere Aufgaben berufen zu sein. Die meisten leiden unter Halluzinationen, vorwiegend akustischen. So kann ein Mensch mit Schizophrenie Stimmen hören, obwohl in Wirklichkeit niemand mit ihm spricht. Die Stimmen im Kopf beschreiben manchmal sämtliche Handlungen, die sie gerade unternehmen, oder geben ihnen Anweisungen und Befehle. Manche führen Gespräche mit sich selbst und murmeln Unverständliches vor sich hin. Zwischen dem Wahn und einer Halluzination bei einer Schizophrenie gibt es übrigens einen entscheidenden Unterschied: Bei Wahnvorstellungen ist das Denken gestört, bei einer Halluzination funktioniert die Wahrnehmung nicht richtig.

Zudem erleben Menschen mit Schizophrenie sich selbst und ihre Umwelt als fremd. Viele sind überzeugt, andere könnten ihre Gedanken lesen, diese beeinflussen oder sie ihnen wegnehmen. Sie fühlen sich von außen manipuliert, ferngesteuert oder hypnotisiert.

Die Ursachen der Schizophrenie sind noch immer nicht aufgeklärt. Experten vermuten jedoch, dass mehrere neurobiologische, psychologische und soziale Faktoren zusammenwirken müssen, damit die Erkrankung tatsächlich ausbricht.

Jahrzehntelang wurde darüber diskutiert, woher die Krankheit kam und was der Auslöser war. Vertiefte Erkenntnisse brachte die amerikanische Familie Calvin. Diese Familie war von besonderem Interesse für Forscher, da sechs der zwölf Galvin-Kinder an Schizophrenie erkrankten.

Don und Mimi Galvin gründeten ihre Familie Mitte der vierziger Jahre und bekamen bis Mitte der sechziger Jahre immer wieder Kinder, wodurch ihre Familie schließlich um insgesamt zwölf Kinder erweitert wurde. Trotz zahlreicher Kinder schienen die Familie gut angepasst zu sein und lebte den amerikanischen Traum – zumindest oberflächlich. Aber hinter verschlossenen Türen versuchte die Familie, mit einer Epidemie von Geisteskrankheiten fertig zu werden.

In den siebziger Jahren wurden psychische Erkrankungen oft privat in Familien behandelt oder als eine andere Art von Krankheit abgestempelt, weil niemand, manchmal nicht einmal sich selbst, eingestehen wollte, was die wahre Natur dieser Krankheit sein könnte.

Mit großem Mitgefühl erzählt Robert Kolker die Geschichte dieser Familie. Die Krankenhauseinweisungen, Medikamente, Gewalt, Angst, versteckter Missbrauch und wie die Umwelt, aber auch andere Familienmitglieder damit umgingen. Die Familiengeschichte wechselt mit den wissenschaftlichen Untersuchungen und Theorien, die sich von Jahr zu Jahr änderten. 

Die Familie Galvin war angesichts der Anzahl von Diagnosen und Fehldiagnosen innerhalb der Familie maßgeblich an der Erforschung von Hirnerkrankungen beteiligt. Jedes der Symptome der kranken Jungen zeigte sich anders. Dieses Buch zeichnet also nicht nur die Erfahrungen der kranken und gesunden Mitglieder auf, sondern auch die laufende Forschung zu Hirnerkrankungen und deren Behandlung.

Das Buch ist erschütternd, stellenweise grausam. Die Berichterstattung erscheint mit oft einseitig und wirkt stellenweise wie eine persönliche Abrechnung. Es wird vor allem aus der Sicht der beiden jüngsten Töchter und deren Wut über das Erlebte erzählt. Von den Brüdern kam keiner wirklich zu Wort. Entweder, weil er nicht wollte, oder nicht konnte.  

Eines der größten Probleme mit dieser Krankheit ist, dass sie ein solches Stigma hat, und dieses Buch entzündet dieses Stigma bedauerlicherweise noch mehr. Ein Großteil des Buches konzentriert sich auf die schrecklichen und verstörenden Misshandlungen eines der Brüder an den jüngeren Schwestern. Dies ist KEIN typisches Verhalten der betroffenen Personen, dürfte vielmehr auf die eigenen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit zurückzuführen sein. Der Autor stellt gegen Ende des Buches zwar fest, dass Schizophrenie nicht daran schuld war, diese schrecklichen Verbrechen zu begehen. Doch wird dies kaum in der Erinnerung der Leser bleiben. Tatsache ist jedoch, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen mit Schizophrenie NICHT gewalttätig ist, insbesondere nicht auf die in diesem Buch beschriebene Weise.

Mimi hat ihre Kinder in den Jahren der Babyboomer großgezogen, als noch wenig über Schizophrenie bekannt war. Zu einer Zeit, als Psychiater von „schizophrenogenen Müttern“ sprachen, die „durch schlechte Erziehung psychische Erkrankungen“ verursachten. Mimi erhielt damals nicht die Hilfe und Unterstützung, die sie bekommen hätte, wenn ihre Kinder körperlich behindert oder krank gewesen wären.

Gleichzeitig war Mimis Reaktion auf die Enthüllungen ihrer Tochter fast zu entsetzlich, um sie zu verdauen. Mein Gehirn ist immer noch überlastet, und ich bin immer noch sehr hin- und hergerissen, was ich von diesem Buch halten soll. Ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand eine pauschale Antwort haben könnte.

Es ist eine schmerzhafte Geschichte, unglaublich auf so vielen Ebenen, aber auch ein Buch, das fesselnd und informativ ist. Hidden Valley Road ist ein erschreckendes Porträt einer Familie in der Krise, die von Schuld und Scham aufgrund der Erwartungen der Gesellschaft an die perfekte Mutter, Ehefrau und Familie verschluckt wird.

Dennoch zeigt dieses Buch gut, wie ernst und tragisch es ist, einen geliebten Menschen durch Schizophrenie zu verlieren. Ganz zu schweigen von sechs geliebten Menschen. Besonders die Erkenntnisse am Ende des Buches fand ich faszinierend. Ich hoffe nur, dass die Fachleute weiterhin auf dieser Forschung aufbauen und bessere Behandlungen für diese schreckliche Krankheit finden können.

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt dieses Buch zu lesen. Insgesamt würde ich dieses Buch nicht empfehlen, es sei denn, der Leser ist ausreichend über Schizophrenie informiert und interessiert sich für die Forschungsaspekte.

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Cover des Buches Hidden Valley Road (ISBN: 9783442759354)sina_liests avatar

Rezension zu "Hidden Valley Road" von Robert Kolker

Hidden Valley Road
sina_liestvor 10 Monaten

4,5 Sterne

In "Hidden Valley Road" geht es um die wahre Geschichte der Familie Galvin. Mimi und Don Galvin haben 12 Kinder und wirken zunächst wie eine amerikanische Vorzeigefamilie, doch der Schein trügt wie so oft. Sechs der 10 Galvin-Brüder erhalten im Laufe der Jahre die Diagnose Schizophrenie. Damit verbunden ist viel Leid für die Familie, vor allem für die beiden jüngsten Kinder und einzigen Mädchen.
Doch es geht nicht nur um das persönliche Schicksal. Das amerikanische National Institute for Mental Health führt ausführliche Studien mit der Familie durch. Ihre einzigartige DNA wird die Basis für bahnbrechende medizinische Fortschritte bei der Behandlung von Schizophrenie und schreibt damit Medizingeschichte.

Als ich dieses Buch in den Vorschauen gesehen habe, war mir sofort klar, dass ich es lesen muss. Im Endeffekt ist daraus eine Leserunde zusammen mit Ashley geworden (<3), über die ich sehr dankbar bin, denn über den Inhalt des Buches gab es sehr viel Redebedarf.

Aufbau:
Die Familiengeschichte und die medizinischen Aspekte werden weitestgehend getrennt voneinander behandelt (soweit es eben möglich ist), ersteres hat der Autor auch versucht so chronologisch wie möglich zu erzählen. Grundsätzlich hat Kolker hier einen guten Job gemacht, denn bei so einer großen Familie ist das wirklich eine Mammutaufgabe. Zu Anfang gibt es einen Stammbaum für die Übersicht; die Kapitel, in denen es um die Galvins geht, beginnen aber auch immer mit einer Aufzählung aller Familienmitglieder. Die Kinder werden dabei dem Alter nach aufgezählt und die Person/en, um die es in dem jeweiligen Kapitel geht werden dann auch nochmal entsprechend markiert. An dieser Stelle hätte ich mir auch eine extra Markierung gewünscht für die Kinder, die schizophren sind, um da besser den Überblick behalten zu können, aber die gibt es leider nicht.

Zwischen den familienbezogenen Kapiteln gibt es weitere Kapitel, die die medizinische Aspekte behandeln. Hier geht es um die Geschichte dieser Krankheit an sich, um Fortschritte in der Behandlung, inhaltliche Debatten (zB über den Auslöser, Gene oder Umfeld?) usw.

Grundsätzlich finde ich den Aufbau ziemlich gelungen. Man kann der Geschichte gut folgen, nur bei 1-2 Kapiteln hatte ich leichte Schwierigkeiten damit, was hauptsächlich daran liegt, dass der Autor da selbst ein bisschen durcheinander gekommen ist (oder ist es die Übersetzung?).

Inhalt:
Dieses Buch ist ganz bestimmt nichts für zart Besaitete. Es geht um Gewalt und um Kindesmissbrauch, wer mit diesen Themen in Büchern ein Problem hat, sollte Abstand davon nehmen. Auch ich musste zwischendurch immer wieder eine Pause einlegen um das Gelesene zu verdauen. Es wirkt wie eine Endlosspirale, die immer weiter nach unten führt. Immer dann, wenn man denkt es kann eigentlich nicht noch schlimmer für die Familie werden, belehrt der Autor uns eines besseren. Da habe ich mich schon das ein oder andere Mal gefragt, ob ich das Buch vielleicht zu einem falschen Zeitpunkt lese. In einer Zeit, wo es eh nicht so viele gute Nachrichten gibt und die uns alle auf verschiedenste Art und Weise bedrückt, ist so ein Buch nicht unbedingt ein Lichtblick.
Abseits davon ist die Geschichte der Familie Galvin mitreißend und unglaublich interessant. Ich habe mich vorher nie wirklich mit der Krankheit Schizophrenie auseinandergesetzt und konnte noch einiges daraus lernen. Viele Dinge haben mich in dem Fall auch sehr schockiert, da ich immer dachte man wäre in der Medizin weiter als es tatsächlich der Fall ist.

Recherche/Quellen:
Ein für mich wichtiger Punkt bei Sachbüchern sind die Quellen. Es gibt leider viel zu viele Bücher in dem Bereich, die schlecht recherchiert sind und gerade bei so einem sensiblen Thema erwarte ich gute Arbeit. Und die hat Robert Kolker definitiv geleistet. Kolker hat seit einigen Jahren engen Kontakt mit der Familie Galvin und sie 100+ Stunden interviewt. Er hat mit den zuständigen Ärzten und Forschern gesprochen und hatte Einsicht in alle medizinischen Akten. Mehr geht wirklich nicht und das merkt man dem Buch auch an.

Fazit:
Ein mitreißendes Buch. Definitiv lesenswert, vorausgesetzt man kann es ertragen. Bemängeln kann ich lediglich kleine Punkte im Aufbau. (less)

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