Robert Krieg

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… und über uns kein Himmel

… und über uns kein Himmel

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Erschienen am 25.09.2012

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Rezension zu "… und über uns kein Himmel" von Robert Krieg

die skandalöse dunkle Seite der Gesellschaft
doktormabusevor 5 Jahren

Wir machen mit. Wir 'funktionieren' in der durchökonomisierten Gesellschaft unseres neoliberalen Zeitalters. Oder wir funktionieren nicht. Oder reden uns ein, nicht genug zu funktionieren. Oder es wird uns eingeredet. Wer nicht mitmacht, darf sich mindestens schlecht fühlen. Wer Stress hat, darf die Schuld nicht im Gesellschaftssystem suchen, sondern bei sich - und die Kur dazu. 'Jeder für sich und Gott gegen alle', hat Herzog seinen 'Kaspar Hauser'-Film vor langen Jahren betitelt. Gott, das ist unsere wirtschaftsgeprägte Welt.
Was das alles mit Robert Kriegs Buch zu tun hat? Eine Menge.
Denn zwar wird darin das traurige Schicksal eines Jungen im Zwangssystem der NS- und bundesrepublikanischen Waisenhäuser und Wegsperranstalten beschrieben, dass man als 'überholt' ansehen mag. Dennoch scheint - wie stets- nicht aus dieser Geschichte gelernt worden zu sein.
Heute gilt es wieder wie eh: Was in den 20er bis 50er Jahren Rassenhygiene und Wirtschaftswunder-Kompatibilität waren, dass ist heute das 'Funktionieren' in der ökonomisierten Welt. Bezeichnend: auch damals wurde schon finanziell argumentiert:
"Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 Reichsmark"
Heute wird jedem, der vorhat, eine Familie zu gründen, mit Ziffern, was ein Kind kostet, vor der Nase gewedelt. "Was kostet ein Kind, bis es endlich auf eigenen Füßen steht?" Wer eine solche Frage nur stellt, sollte sich selbst hinterfragen!
Durchökonomisierung des Lebens. 'Familienpolitik' ist 'Familienzerschlagungspolitik' - Kinder in Krippen, unter drei Jahren schon 9 Stunden täglich in Kitas - weil es ökonomischer ist. Weil beide Elternteile arbeiten müssen usw.
Wenn dann Kinder den Anforderungen nicht entsprechen,  haben sie  ADS, und es gibt Ritalin.
Biomedizin und Humangenetiker stellen dann schon alles richtig ein - wo bitte, fragt man sich, besteht dann eigentlich der Unterschied zur NS-Zeit? Sicher, man arbeitet subtiler. Eingriffe in das Erbgut, um 'Erbkrankhiten' zu verhindern, ist sicher 'unauffälliger' als Euthanasie. Aber...
Zitat aus dem Buch:
"(...) läßt sich inzwischen ein Rollback beobachten. Die berüchtigte Elektroschocktherapie wird wieder salonfähig gemacht (...) Es kommen wieder verstärkt Neuroleptika zum Einsatz - umstrittene psychiatrische Medikamente mit unvorhersehbaren Nebenwirkungen. Kindern und Jugendlichen, die die von ihnen erwarteten Leistungen nicht erbringen, wird das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit - Syndrom attestiert. Jeder Hausarzt verschreibt ihnen mittlerweile massenweise Ritalin, ein sehr starkes Psychopharmakon, das zur Abhängigkeit führt, mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen als Nebenwirkungen. Im neoliberalen Gesellschaftsmodell müssen Kinder wie Erwachsene gleichermaßen fnktionieren.
Mit der durchgängigen Ökonomisierung aller Lebenswelten entsteht ein neues Verständnis vom Menschsein: Der Zweck des neuen 'homo oeconomicus' erschöpft sich in der Realisierung ökonomischer Ziele und dem Streben nach größtmöglicher Gewinnoptimierung(...). (Das) wirkt sich negativ auf die Lebensqualität aus. Wer der Zumutung, nahezu ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu handeln, nicht genügt und in der neoliberalen Gesellschaftsordnung nicht mehr 'funktioniert', wird ein pathologischer Fall für die neue Biomedizin."

Geschichte ist nie Geschichte!

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