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Farbwirbel

vor 1 Jahr

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Der Geheimrat Goethe wird dazu berufen, den Thronfolger der Bourbonen, Louis Charles in sicheres Gewahrsam zu nehmen und somit den Siegeszug Napoleons zu stoppen. Louis Charles ist der Sohn Marie Antoinettes und Louis XVI. Da nie ganz geklärt wurde, woran der Junge gestorben ist, nutzt Robert Löhr diese Lücke und erdenkt sich einen lebendigen Louis Charles, der aus seinem amerikanischen Exil zurückkommt, um Frankreich zu regieren.

Johann Wolfgang von Goethe muss sich nun eine Truppe zusammensuchen, mit der er dieses Himmelfahrtskommando durchführen konnte. Sein Freund Friedrich Schiller, der genauso wie Goethe selbst bereits in die Jahre gekommen war, hilft ihm bereitwillig. Hinzu kommen Alexander von Humboldt, Bettine von Brentano, deren Liebhaber Achim von Arnim sowie im späteren Verlauf der junge, aufstrebende Heinrich von Kleist. Was für eine Kombination!

„Herr von Goethe sucht sein Heil in der Antike, Achim sucht es im Mittelalter – warum, frage ich, sucht es keiner von beiden in der Gegenwart?“ Auf diese Frage hatte weder der Klassiker noch der Romantiker eine Antwort, und Kleist konnte sich mit dem Lorbeeren des lachenden Dritten schmücken […]. - S. 249f

Kein Plan funktioniert, doch irgendwie schaffen es diese sechs Koriphähen, Louis Charles zu retten. Sie werden jedoch von Anhängern der napoleonischen Fremdherrschaft verfolgt. Eine turbulente Flucht entspinnt sich, in der sowohl politische Meinungen aufeinanderkrachen, als auch poetische. Die Liebe ist tragendes Mittel und wird aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Allen voran überrascht Löhr mit versteckten Annekdoten und Bezügen zu Werken des Sextettes.

Der Aufbau ist chronologisch angeordnet. Teilweise wird dem Leser erläutert, was Personen während ihrer Abwesenheit getan haben, ansonsten handelt es sich aber um eine gradlinige Erzählung.

Robert Löhr schrieb und schreibt Historienromane der etwas anderen Art. Ich durfte bisher den Sängerkrieg von ihm lesen, welches mir einen neuen Blick auf die Mediävistik möglich machte. Es überzeugte vollends.

Leider kann ich dies nicht beim Erlkönig-Mannöver bestätigen. Dröge Sätze, langatmige Passagen... Nach dem ersten Abenteuer hatte man das Gefühl, dass es nun eigentlich auch zuende sein könnte. Schade! Das Figurenpersonal würde so viel mehr anbieten. Natürlich wurden Programmatiken besprochen, teilweise auch auf einzelne Werke eingegangen, aber irgendwo blieb die Spannung bzw. eigentlich der Leser auf der Strecke. Zudem wurden offentsichtliche Pointen gesetzt, die mich persönlich nicht überraschten, denn die immer wiederkehrenden Werther-Witze sind irgendwann dann auch passé. Wo blieb die Originalität, die ich an Löhr so schätzte? Gegen Ende wurde das Buch dann wieder etwas spannender, doch ich bleibe ziemlich enttäuscht zurück.


Autor: Robert Löhr
Buch: Das Erlkönig-Manöver

Bellis-Perennis

vor 1 Jahr

Schade, dass es dir nicht gefallen. Ich habe mich königlich amüsiert.

NiWa

vor 1 Jahr

Das war wohl wirklich nichts für dich. Schade.

Kopf-Kino

vor 1 Jahr

Oha, der Roman befindet sich seit Längerem auf meiner Wunschliste, da ich die Zusammenstellung der Charaktere sehr vielversprechend fand. Hm, die Umsetzung scheint leider weniger gelungen zu sein. Schade, die Herrschaften geben viel her; hier wurde das Potenzial wohl nicht zu Genüge genutzt. Jetzt bin ich mir sehr unsicher, ob ich das Buch lesen möchte... Danke für die kritische Buchbesprechung. Gruß & Herzchen

Avirem

vor 1 Jahr

Schade das das Buch nicht das Richtige für dich war.

Floh

vor 1 Jahr

Ein streitbares Buch, bzw. eine eher spezielle Umsetzung. Ich werde es wohl eher nicht favorisieren.

parden

vor 1 Jahr

Och? Mir hat es ganz gut gefallen...

BrittaRoeder

vor 1 Jahr

Ups, also ich habe mich köstlich amüsiert. In meinen Augen ein herrlich alberner Spaß, wundervoll überzogen mit vielen klassischen Reminiszenzen.

KruemelGizmo

vor 1 Jahr

Schade, das es dir nicht gefallen hat.

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