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R_Manthey

vor 2 Jahren

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Eine solche Abrechnung soll dieser Roman sein, liest man auf der Rückseite des Buches. Der Autor begab sich dazu ins Milieu der Berliner Piratenpartei und schreibt, dass gewisse Ähnlichkeiten seiner Figuren mit lebenden Personen nicht unbeabsichtigt seien.

Seine Hauptfigur Friederike traf der unerwartete Wahlerfolg der Piratenpartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ins politische Herz, denn sie ist Grüne, natürlich alleinerziehend und Lehrerin. Nun schwört sie persönliche Rache und hat sich dazu auch schon ein Opfer unter den Neuparlamentariern der Piraten ausgesucht.

Um näher an ihr Opfer zu kommen, steigt sie erst einmal mit einem anderen Piraten in die Kiste und erfährt von ihrem treuherzigen Liebhaber, wer dessen Parteifreunde sind: "Raubkopierer, Hacker und Autisten, Opfer von DSA und ADS, Stotterer, Stammler und Lispler, hautkranke, pockennarbige Modemuffel mit nerdigen T-Shirts in XL, infantile Zyniker mit Arme-Leute-Sarkasmus und peinlichen Amerikanismen, chronisch untervögelte Eremiten und besserwisserische Fachidioten mit einer Sprache, die von vorne bis hinten nur aus Codes, Insidern und Abkürzungen besteht; die vor allem über ihre eigenen Witze lachen oder zumindest über solche, die sie schon kennen."

Man merkt diesem Buch an, dass sein Autor seine Milieukenntnisse und gewisse tatsächliche Ereignisse in irgendeine Handlung zwängen wollte. Große Emotionen, Tiefsinn oder Spannung sollte man also nicht erwarten. Vielmehr beschreibt Robert Löhr kenntnisreich die Parallelwelten, in denen die beiden Hauptfiguren Friederike und ihr ausgesuchtes Piratenopfer Plauschenat leben.

Wenn man sich anstrengt, findet man auch so etwas wie eine Abrechnung mit Politik, denn Friederikes Rachemotive sind ebenso infantil wie die Politikvorstellungen ihres Opfers. Ihr geht es nicht um die besseren Ideen, sondern um einen persönlichen Vernichtungsfeldzug, der dann auch tatsächlich zeitverzögert einsetzt, allerdings anders als gedacht. Und Plauschenat gehört einer Partei an, die Dinge fordert, die er selbst nicht eingehalten hat. Was passiert, wenn seine Parteifreunde an die Macht kommen, ahnt man als literarischer Zeuge des Mobbings, das über Plauschenat hereinbricht als sein angebliches Vergehen bekannt wird.

Besonders neu oder originell ist das alles nicht. Man hat es nur mit einer anderen Erscheinungsform der sattsam bekannten politischen Kindereien zu tun. Was bleibt, ist eine gelungene Schilderung einer Spezies des politischen Biotops, die zwar neu, aber letztlich im Grunde auch nicht anders ist als das, was sich da bisher tummelte.

Das Buch liest sich gut, auch wenn der Text ziemlich oft von milieugerechten Twitter-Kauderwelsch oder Wikipedia-Zitaten unterbrochen wird.

Autor: Robert Löhr
Buch: Erika Mustermann
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