Robert M. Pirsig Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten

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Inhaltsangabe zu „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig

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    Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten
    buchwanderer

    buchwanderer

    12. November 2015 um 08:09

    „Wir sind alle ungeheuer ignorant und anmaßend, wenn es darum geht, anderer Leute Gespenster zur Strecke zu bringen, aber genauso unwissend und barbarisch und abergläubisch, was unsere eigenen betrifft.“ (S.42) Zum Inhalt: Den Rahmen der autobiografischen Erzählung Robert M. Pirsigs bildet eine Reise, die der Autor auf dem Motorrad zusammen mit seinem Sohn durch den Nordwesten der USA unternimmt. Seine eigene Lebensentwicklung, sein „Zu-dem-werden-was-er-ist“, nimmt neben der ganz pragmatischen Schilderung  der Reise und ihrer alltäglichen Vorkommnisse einen zentralen Teil des Textes ein. Als kritische Auseinandersetzung, um nicht zu sagen Abrechnung, mit einem Bildungssystem, welches zum Selbstzweck, einem Bazar der akademischen Eitelkeiten entartet ist mangelt es nicht. („Wenn es immer so hingestellt wird, als gingen die meisten Studenten vor allem wegen der Bildung auf die Universität und nicht nur wegen des Titels, so ist dies ein Stück Heuchelei, über dessen Aufdeckung niemand sonderlich glücklich wäre.“ (S.205)). Pirsig nimmt den Leser mit auf einen Streifzug durch die Philosophie des Abendlandes, Asiens und der Neuen Welt, stets den zentralen Begriff seines Gedankengebäudes vor Augen: jenen der Qualität. („Glauben Sie mir, wenn man die Welt nicht als den Dualismus Geist-Materie, sondern als die Trinität von Qualität, Geist und Materie sieht, dann erhalten die Kunst der Motorradwartung und die anderen Künste eine Dimension und eine Bedeutung, die sie vorher nie gehabt haben.“ (S.259)). Sein Anspruch bleibt dabei nicht nur ein rein akademisch-abgehobener, sondern stets ein am realen Leben des einzelnen orientierter. („Ich finde Metaphysik taugt nur etwas, wenn sie das tägliche Leben verbessert. Andernfalls kann sie mir gestohlen bleiben.“ (S.260),  „Die sozialen Werte sind nur dann richtig, wenn die individuellen Werte stimmen. Der Ort für die Verbesserung der Welt ist zunächst einmal das eigene Herz, der eigene Kopf und die eigenen Hände, und von da aus kann man sich nach außen vorarbeiten.“ (S.314)). Fazit: Wer sich leichte Kost zur Selbstfindung erwartet oder gar einen Schritt-für-Schritt Ratgeber um erfolgreich und glücklich zu werden, ist mit diesem Buch falsch beraten. („Diese Buch bietet eine andere, ernsthaftere Alternative zum materiellen Erfolg an. Das heißt, es ist eigentlich weniger eine Alternative als vielmehr eine Ausweitung der Bedeutung von »Erfolg« auf etwas Größeres, als das bloße Bemühen, eine gute Stellung zu finden und sich nichts zuschulden kommen zu lassen.“ (S.439)) Bringt man allerdings den Mut mit, abseits von intellektuellen Trampelpfaden zu denken, gelgentlich einen verwegenen, scheinbar „verrückt“ anmutenden Umweg zu beschreiten und auch einmal auf den liebgewordenen doppelten Boden des Althergebrachten und als Allgemeingültigen zu verzichten, wird man mit einem offenen Tor zu einer neuen weitläufigen Gedankenwelt belohnt. Aufrüttelnd, irritierend und in mancher Kompromisslosigkeit abschreckend, jedoch auch erhellend in der Schaffung neuer Verknüpfungen und dem In-Frage-stellen liebgewonnener „Gegebenheiten“ zeichnen den Text aus, denn „Auch Vertrautheit kann blind machen.“ (S.79). Bezeichnend ist dabei auch die Sprache auf gehobenerem Niveau, ohne dabei snobistisch elitär zu wirken. Inhaltlich sollte sich der Leser vor der Lektüre einige Informationen zur Person Robert M. Pirsigs aneignen (z.B. hier), da diese Grundlage sehr zum Verständnis des Textes beiträgt. Einen persönlichen und tiefen Einblick diesbezüglich bietet auch das 1983 verfasste Nachwort des Autors am Ende des Bandes.

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