Robert Menasse Die Hauptstadt

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Inhaltsangabe zu „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse

Der große europäische Roman | Deutscher Buchpreis 2017
In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen.
Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham.

Dies ist ein recht eigenwilliger Roman, der einen sehr humorvoll-kritischen Blick auf die Hauptstadt wirft, die keine ist.

— Flaventus

Ein Bisschen trocken, habe mit mehr davon versprochen.

— hannab

Schönes Buch über die Europäische Idee mit Einblicken in die europäische Kommission. Etwas sonderbar aber unterhaltsam und anregend.

— cherisimo

Überwiegend sehr langweilig und unübersichtlich, doch phasenweise, vor allem am Ende, unglaublich lehrreich und zum Nachdenken anregend.

— Artur

In diesem Buch werden Menschen voller Zweifel und Angst vor dem Vergessen porträtiert - eine tiefgreifende Leseerfahrung

— Cleo15

Wie die Lobeshymnen für dieses Buch zustande kommen, ist mir ein Rätsel.

— Alira

Zu viele Protagonisten und offene Enden. Interessante Innenansichten zur EU-Kommission in Brüssel – Wahrheit oder Klischee`?

— Bücherfüllhorn-Blog

Teilweise interessant, aber überwiegend schwer zu lesen.

— leniks

Ein tiefgründiger Roman, dem es gelingt EU-Politik, Historie und Unterhaltung zu verknüpfen und spannend zu verpacken.

— aufgeblaettert

Zwischen Genialiät und Banalität: Episodenroman über die EU-Hauptstadt - hier zählt konzentriertes Lesen!

— kreszenz

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  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein recht eigenwilliger Roman

    Die Hauptstadt

    Flaventus

    09. May 2018 um 09:40

    Irgendwie wissen wir Europäer ja, dass in Brüssel der Wahnsinn kursiert. Und dann wissen wir es wieder nicht. Zumindest im Detail. Einen kleinen Einblick in den alltäglichen Wahnsinn liefert Robert Menasse in seinem Buch »Die Hauptstadt«. Gemeint ist natürlich die Hauptstadt Europas, die offiziell diesen Titel natürlich nicht trägt. Stil Menasse erzählt dabei nicht einfach nur vom Wahnsinn, sondern hat mehrere Handlungsstränge ersonnen und diese mit viel Sarkasmus, Ironie und schwarzem Humor garniert. Die Handlungsstränge verlaufen dabei mehr oder minder autonom, begegnen sich allerdings immer wieder, was die Lachmuskeln immer wieder anregt. Markant ist auf jeden Fall der Schreibstil, der den Leser von einem Plot in den nächsten fallen lässt, zuweilen in einem fließenden Übergang. Allein, dadurch, dass auf wörtliche Rede, oder besser auf deren klassische Formatierung verzichtet wird, liest sich das Buch auf seine ganz besondere Weise.   Sarkasmus Dieses Buch trieft förmlich vor Sarkasmus und schwarzem Humor. Dabei macht er auch sensiblen und vielleicht schon ein wenig überstrapazierten Themen nicht Halt. Wie zum Beispiel die Flüchtlingskrise und von einigen befürchteten Islamisierung des Abendlandes. Und dann fällt plötzlich ein solcher Satz: »Die Muslima, die Florian rettete, war eine Madonna. « (Pos. 3263; 59%) Oder vor der sensiblen Vergangenheitsaufarbeitung, wenn auf der Rückseite einer Besucherkarte für Auschwitz folgendes steht: »Verlieren Sie diese Card nicht. Im Verlustfall haben Sie keine Aufenthaltsberechtigung im Lager. « (Pos. 1995; 36%) Von diesen Beispielen gibt es unzählige, wobei Themenkombinationen wie Auschwitz, Karriere in Brüssel und ein Schwein und dessen Lobby schon erahnen lassen, mit wieviel Ernst hier die Handlung vorangetrieben wird. Zum Ende hin rückt das Thema „Vergangenheitsbewältigung“ immer mehr in den Fokus, wobei Menasse auch hier seine ganz eigene Art fortführt. Allerdings streut er zuweilen europäische Arbeitsweisen ebenso in seinen Text ein: »Allgemeine Zustimmung zu der Idee, und dann so viele einzelne Einwände und Änderungsvorschläge, dass von der Idee nichts mehr übrig blieb. « (Pos. 4919; 89%)   Fazit Dies ist ein recht eigenwilliger Roman, der einen sehr humorvoll-kritischen Blick auf die Hauptstadt wirft, die keine ist. Wir als Endverbraucher werden immer wieder mit den merkwürdigen Entscheidungen konfrontiert, die uns aus Brüssel erreichen. Menasse schafft es auf seine ganz eigene Art und Weise die Vorgänge zu ergründen, die sich dahinter verbergen. Natürlich darf man vieles nicht allzu ernst nehmen und ein bisschen Humor mitbringen, um Verständnis für diesen Roman aufzubringen. Dann wird der Leser sehr angenehm unterhalten. Diese und andere Buchbesprechungen finden sich auf meinem Bücherblog.

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  • Die Hauptstadt

    Die Hauptstadt

    Cleo15

    16. March 2018 um 07:36

    Während ich dieses Buch gelesen habe, dachte ich die ganze Zeit, der Titel „Die Hauptstadt“ würde sich auf Brüssel beziehen - denn darum geht es. Doch zum Ende hin habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Autor Robert Menasse dem Leser damit einen Denkanstoß geben wollte, um noch einmal genauer über einen Vorschlag bezüglich eines besseren, verbindenderen Europas nachzudenken. Inhalt: Den Inhalt könnte man aus zwei Gesichtspunkten wiedergeben: Zum einen geht es um ganz verschiedene Menschen, die sich nicht kennen und auch nie eine Beziehung zueinander aufbauen. Und doch haben sie alle eine stille Verbindung, die so tiefschürfend ist, dass sie das Leben und die Gedanken dieser Menschen maßgeblich bestimmt. Jede Person wird einzeln proträtiert; bekommt seine eigene Geschichte. Und jede dieser Geschichten für sich genommen ist außergewöhnlich und inspirierend. Zum anderen geht es um Brüssel und die Arbeit der europäischen Kommission. Ich habe viel über die politischen Strukturen gelernt, die mit viel Ironie eine traurige Wirklichkeit spiegeln. Es gibt in dem Buch reichlich Apelle für ein europäisches Miteinander, aber reell sind doch alle nur Einzelkämpfer. Schreibstil: Robert Menasse verpackt wichtige Themen mit sehr viel Ironie. Er strickt viele kleine Geschichten um ein Hauptthema, welches er immer wieder aufgreift – ein freilaufendes Schwein in Brüssel! Dabei versucht er das Herz des Lesers für ein anderes Europa zu erwärmen, als es jetzt existiert. Dabei kann man sich durchaus fragen, wie das zusammenpasst, aber es geht wunderbar! Durch die kleinen schweingegebenen Atempausen kann man sich gut auf die nächste Gefühlsachterbahn vorbereiten. Charaktere: Es gibt keinen Hauptcharakter, was mir sehr gut gefallen hat. Jeder ist mal dran, weil auch jeder eine Geschichte hat; egal, wie aufregend er sie findet. So erfährt man viel über die Menschen, das Zusammenspiel, die Vergangenheit und auch über die Zukunft, die zwischen den Zeilen prophezeit wird. Dabei ist das Gesamtspiel jedoch nicht verwirrend, denn man wird ohne Hast herangeführt. Fazit: Ich vergebe volle 5 Sterne – Die hat das Buch mehr als verdient!

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    • 2
  • Laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig

    Die Hauptstadt

    Alira

    13. March 2018 um 16:19

    Ich habe mich durch ca. 75 Seiten des E-Books gequält (normalerweise sind es nicht mehr als höchstens 30) und dachte lange, es läge an mir. Als jedoch der Referent Martin Susman  umständlich deutsche Unterwäsche für Auschwitz gekauft hat, war für mich endgültig Schluss.

    Das Leben ist zu kurz für öde Literatur

  • Äußerst lesenswertes Buch

    Die Hauptstadt

    CocuriRuby

    12. March 2018 um 13:11

    Wir haben verschiedene Akteure und damit auch verschiedene Handlungsstränge – die aber durch verschiedene Zufälle, eben doch irgendwie zusammen spielen. Passend zur Kulisse ist das Buch nicht gerade emotional oder überschwänglich geschrieben. Das zeigt sich auch an den Charakteren – die einen nicht unbedingt ans Herz wachsen (ist auch nicht gewollt), denen man aber trotzdem gerne durch die Geschichte folgt und durchaus so charakterisiert werden, dass man ein gutes Bild von ihnen erhält. Ich hatte aber schon den Eindruck, dass diese Figuren irgendwo zwischen realistisch und Klischee schwankten – wirklich beurteilen kann ich das aber nicht (ich kenne vor allem keine EU-Abgeordneten/Kommissionare). Gerade aus dem Feuilleton hörte man aber Stimmen, die sich durchaus besser in diesem Bereich auskennen und selbst durch die Hallen der EU-Gebäuden gewandert sind, dass das Bild, welches hier erzeugt wird, zumindest nicht weit von der Wahrheit sein soll. Ich hoffe das stimmt nicht, denn meine Güte wäre die EU eine Ansammlung von fantasielosen, unkreativen, bürokratisierten und durchlobbyierter Haufen. Kann es mir leider aber nur allzu gut vorstellen. Das Buch zeigt (fast etwas nebenbei) auf, wie die EU (oder Politik im allgemeinen) funktioniert und vor allem wie die Machtstrukturen verlaufen und wie die Wirtschaft bzw. das liebe Geld, die EU im Griff hat. Außerdem bekommt man einen Eindruck von den Hierarchien der verschiedenen Ressorts – die sich letztlich ebenfalls rein danach richtet, wie viel Budget ihnen zur Verfügung steht. Generell das Verhalten und Dasein von Lobbyisten, dessen Zweck man mit einem Wort zusammen fassen kann, nämlich die Religion es *Wachstums* zu etablieren. Dieses Mantra wurde doch bereits in jedem unserer Köpfe gepflanzt: Wir brauchen mehr Wachstum, klar durch Liberalisierung, also durch Regelabbau, statt gemeinsame Regeln zu schaffen, was eine wirklich Union erst ermöglichen würde – aber die Union braucht Wachstum, wir alle brauchen Wachstum – klar. Es erweckt fast den Eindruck einer Parallelwelt, in der die Beamten dort leben und arbeiten – mit dem normalen Leben von uns Normalsterblichen, hat das nicht viel zu tun – obwohl sie theoretisch die EU-Bürger repräsentieren sollen. Dann begreift man plötzlich, so manch realen Entscheidungen oder Aussagen die dort getroffen werden und warum die EU immer unsozialer wird – das sind alles Dinge, die man eigentlich vielleicht schon weiß – aber dieses Buch bieten einen diesbezüglich doch noch mal einen tieferen und anderen Einblick. Man könnte sagen, dieses Buch ist sehr kritisch. Es tauchen dementsprechend auch solche Themen wie die „Griechenlandkrise“ auf bzw. wie Griechenland von der EU finanziell niedergedrückt wird oder die Flüchtlingsthematik. Natürlich taucht auch das Burkini-Verbot auf, dass die Behörden nicht zusammenarbeiten, insbesondere die Geheimdienste nicht, Klimawandel, technischer Rückstand in den Behörden usw. Es wird auch deutlich, wie stark die nationalen Egoismen sind, insbesondere wenn es um das Thema Wirtschaftswachstum geht – dort wird sich immer noch eher gegenseitig ausgestochen, als gemeinschaftlich zu agieren. Was eigentlich die Idee der EU ist/war, nicht nur auf dem Papier eine Solidaritäts- und Wertegemeinschaft zu sein – aber von dieser Idee, sind wir in der Praxis noch Meilenweit entfernt – insbesondere auch die deutsche Politik. Es zeigt aber auch, was es von einem abverlangt, Europa-Politiker zu sein, unter was für einen (Leistungs-)Druck man steht (insb. als Frau), wie abgeschottet diese Politiker sind und ihr Privatleben eigentlich gleich an der Eingangstür abgeben können. Es werden aber auch kleine Details mit eingewoben, wie z.B. die unterschiedlichen Sprachen funktionieren. Gerade die deutsche Sprache neigt zu Neologismen (Wortneuschöpfungen). Bei dem Wort „Rettungsschirm“ für Griechenland, sind die Übersetzer anscheint ganz schön ins Schwitzen geraten. Was auch thematisch vorkommt – und das ist schon wieder ein Klischee an sich: Wir haben hier einen österreichischen Autor und was taucht thematisch IMMER bei einem deutschen oder österreichischen Autor auf? - richtig, der Holocaust. Es passt aber thematisch – denn das Buch zeigt das sterben der Erinnerung an etwas von dem geschworen wurde es niemals zu vergessen, sowohl die Schrecken von Auschwitz, als auch die Ursprungsidee der EU. Wir sind zum Vergessen verdammt und damit zum Wiederholen von Fehlern bzw. zu einer Unfähigkeit aus diesen langfristig was zu lernen. Denn nach dem Holocaust, nach Auschwitz war das Versprechen: Nie wieder! Nachdem man gesehen hat, was der Nationalismus anrichtet, hatte man geschworen: Nie wieder! Daraus ist die Idee der EU gewachsen. - Damals. Nationalismus und Rassismus erstarken bereits wieder. Mal sehen ob sich auch Auschwitz wiederholen wird – der Antisemitismus hat schließlich auch wieder Hochkonjunktur, um es so zynisch auszudrücken. Das Buch zeigt auch, dass es sehr wohl diese Menschen gibt, die an die Idee von Gemeinsamkeit einer Union erinnern – sie sind da, sie sind auch in Brüssel und sie setzten sich dafür ein, aber bisweilen scheitern sie am System, weil die EU (Rat, Parlament, Kommission) von Innen heraus krank. Dabei gäbe es relativ einfache Mittel, um ein europäisches Gemeinschaftsgefühl voranzutreiben, aber sie werden geblockt und im Keime erstickt. Man muss aber auch sagen, dass mir die Geschichte etwas geschwafelt vorkam – recht lange plätscherte die Handlung so vor sich hin, ohne, dass irgendwas nennenswertes passierte – generell ist das Buch von der reinen Handlung her weder spannend, noch unmittelbar interessant. Ewig lange, kann man auch nicht sagen, wie oder ob die Handlungsstränge zusammen hängen – was eigentlich der rote Faden des Buches sein soll. Die letzten ca. 70 Seiten des Buches, fand ich aber extrem stark. Allein um die Rede von Dr. Erhart zu lesen, lohnt es sich dieses Buch zu lesen. Allerdings finde ich, dass diese in einem Essay vielleicht besser aufgehoben gewesen wäre, ohne hunderte Seiten vorweg. Es ist praktisch im Fließtext geschrieben – es gibt keine wörtliche Rede, sondern nur indirekte. Viele der Handlungsstränge werden nicht zu Ende gebracht – weil sie sie schlicht nicht abgeschlossen sind. Weiterhin wechseln die Sichten nicht Kapitelweise, meistens nicht mal mit einem Absatz, sondern sie wechselt z.T. im Nebensatz. Außerdem finden sich viele unübersetzte Sätze, z.B. in französisch, englisch, polnisch oder altgriechisch. Allerdings blitzt tatsächlich immer mal wieder (meist trockener) Humor durch. Unbedingt übersichtlich ist das Buch jedoch nicht, es fordert im allgemeinen eine gewisse Aufmerksamkeit von dem Leser – das ist aber etwas was man verlangen kann und die man einem Buch generell antragen sollte. Ich fand, dass es sich insgesamt eigentlich gut lesen lässt. Fazit Ich fand nicht, dass dieses Buch ein sonderlich optimistisches Bild vermittelt. Es ließ mich nicht gerade mit großer Hoffnung für die EU zurück. Meines Erachtens untermauert es, dass die EU untergehen wird, aufgrund dessen, wie sie geführt wird und aufgrund von nationalen Egoismen, die so stark sind wie nie zuvor. Eigentlich ist das Buch auch ein Aufruf für die EU zu kämpfen. Es hinge an einem Umdenken und den Mut der ursprünglichen Idee der EU zu folgen. Genau das wird mit dieser Riege, die derzeitig in Brüssel vorherrschen, wird das nicht passieren. Es hinge auch an dem Bürger, die in der Masse jedoch dem Trugschluss unterliegen, dass alles so schön bleiben wird, wie es ist, ohne etwas dafür tun zu müssen – und höchstens einen kurzen Shitstorm über die Netzwerke zustande bringen, der letztlich nur den Nationalisten und Rassisten nützt. Na dann gute Nacht EU. Ein absolut lesenswertes Buch.

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  • Ein Buch über den gegenwärtigen Zustand der EU

    Die Hauptstadt

    Matzbach

    04. March 2018 um 11:50

    Keine klassische Rezension, eher Gedanken zum Roman: Eigentlich ist es ein zutiefst trauriges Buch, das Robert Menasse mit "Die Hauptstadt" geschrieben hat. Warum traurig? Ganz einfach, er beschreibt das Scheitern einer schönen Utopie. Was hatten die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht für Hoffnungen in die Verpflichtung auf gemeinsame Werte gesetzt. Der Krieg, der Holocaust, das waren Erfahrungen, die für kommende Generationen ausgeschlossen werden sollten. Doch was wurde daraus? Menasse beschreibt in seinem vielschichtigen Roman im fiktiven Detail, wie diese großartige Idee heute in der Realität zu einer Legende geworden ist, die nur noch der Legitimation zur Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen dient. Im Kleinkrieg der Kommissionen bleiben humanistische Ideale auf der Strecke, der Moloch EU hat seine Bürger aus den Augen verloren. Nationale Interessen verhindern große Entwürfe und bewirken letztendlich Stillstand. Es ist das Verdienst Menasses, seinen Lesern diesen Zustand der EU vor Augen zu führen. Es gibt genug berechtigte Kritik, doch sollten wir darum keineswegs die Europaidee den Populisten überlassen, die sie schlichtweg begraben würden. Im Gegenteil, die Konsequenz sollte ein stärkeres Engagement für Europa sein, und zwar eines, das nicht durch anonyme und nicht demokratische legitimierte Kommissionen geführt wird, sondern eines das seine Bürgern wieder in den Fokus nimmt.   

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    • 2
  • Die Hauptstadt

    Die Hauptstadt

    Alexlaura

    24. February 2018 um 18:39

    Ein Buch über die EU und vor allem um die Menschen hinter den Behörden in Brüssel. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven beschrieben Mitarbeiter aus der Kommission, Rentner aus Brüssel, Kommissar, Professor aus Wien, Interessenvertreter und einem Auftragsmörder.   Zu Beginn hat mich das Buch etwas überfordert aufgrund der vielen Personen, Namen und Aufgaben, die einem gleichzeitig präsentiert werden. Aber nach kurzer Zeit hat sich das gelegt und ich bin in die Geschichte hineingekommen und es war für mich sehr spannend hinter die Kulissen der Behörden zu sehen und dass auch hier nur normale Menschen tätig sind, die wie alle auch ihre persönlichen Schicksale haben.   Der Schreibstil ist sehr flüssig, sodass man nach der ersten Bürde (viel Personal) in das Buch hineingezogen wird und ich das Buch innerhalb kurzer Zeit gelesen haben. Trotz der fast 500 Seiten hätte ich noch gerne weitergelesen und mehr von den Personen erfahren.

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  • Zu viele Protagonisten und offene Enden. Interessante Innenansichten zur EU-Kommission in Brüssel !

    Die Hauptstadt

    Bücherfüllhorn-Blog

    22. February 2018 um 19:48

    Wenn ich jetzt, zwei Tage später darüber nachdenke, was von der Geschichte „hängen geblieben“ ist, kann ich eigentlich nur das Setting Brüssel mit der Europäischen Kommission benennen. Dieser ganze Beamtenapparat und die Bürokratie erscheinen mir hier aufgebläht bis zum geht nicht mehr. Und das weitaus schlimmere Empfinden ist, dass keine Neuerungen durchgesetzt werden können. Im Gegenteil. Im Buch wird das Beispiel der Kultur-Direktion beschrieben, ein unbeliebter Posten der kein Budget hat. So müssen Beamte die alten Projekte in ein neues Gewand hüllen. Dazu kann man sagen, außen hui und innen pfui. Kein Wunder, dass es überwiegend schlechte Kompromisse und keine wirklichen Verbesserungen gibt. Eine Weiterentwicklung der Union ist unter diesen Umständen unmöglich, wenn alle nur nationale Interessen verfolgen.    Dazu kommt, dass hier im Buch jede Nation für sich selber kämpft, jeder nur das Beste für sein Land gewinnen will. Der Grundgedanke der EU geht komplett unter. Ich weiß nicht, ob man dieses Buch gelesen haben soll oder eher denken sollte, besser hätte ich nichts davon gewusst. Oder überhaupt, wie viel davon tatsächlich den Tatsachen entspricht oder einfach nur Klischee ist. Ich meine, vorstellen dass es genauso zugeht, kann ich es mir schon.   Dieses „Drumherum“ in Brüssel und der EU-Kommission wird in eine weitere Geschichte mit vielen Protagonisten verpackt. Ich fand diese stellenweise sehr unübersichtlich und auch äußerlich wie charakterlich „flach skizziert“. So richtig vorstellen konnte ich mir keine Person, aber wahrscheinlich sind die Protagonisten auch auf jegliche Beamte dort anwendbar und es braucht keine großen Unterscheidungsmerkmale oder moralische Ausstattungen für Mitläufer und Lobbyisten.   Der Leser wird schon von Anfang vorgewarnt, dass die Idee zu den Feierlichkeiten des „Big Jubilee Project“ in einer Katastrophe enden werden. Ich finde, es war jetzt keine extreme Katastrophe, sondern einfach eine bürokratische Hürde, die nicht geschafft wurde. Natürlich schade um den Gedanken einer neuen Hauptstadt, den ich gar nicht sooo abwegig fand, aber dennoch kontrovers.   Eine kleine Affäre und familiäre Probleme, die kurz erwähnt werden, sollten wohl die in der Inhaltsangabe „großen Gefühlen“ darstellen.   Alles in allem: Was bleibt ist für mich eine einfache Innenansicht in die EU-Kommission in Brüssel, mit all ihrer Bürokratie, ihren Beamten, ihrer oft vergeblichen Wirtschaftspolitik, ihrer Nationalisten und die der faulen Kompromisse. Man mag es glauben oder auch nicht. Die Geschichte selber hat zu viele Ansätze und Verbindungen, und zu viele offene Enden.   Sterne: Diesen Einblick in die EU Kommission Brüssel kann man auch verstehen, wenn man politisch null Interesse hat. Die Charaktere sind zwar alle schwach gezeichnet, austauschbar, vielleicht aber auch ganz im Sinne dieser Geschichte, wenn man an die Mitläufer-Beamten in Brüssel denkt. Dennoch vergebe ich für diesen immerhin interessanten Einblick in die Fallstricke der EU-Kommission vier von fünf Sternen. Ab es nun Fakt oder Klischee ist, muss jeder selber entscheiden

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  • Die Hauptstadt spielt in der EU in Brüssel

    Die Hauptstadt

    leniks

    16. February 2018 um 09:57

    Dieses Buch ist mir aufgrund des Titels aufgefallen, und ich wollte es lesen. Im Rahmen einer Wanderbuchrunde durfte ich es dann auch. Hier ein kleiner Einblick in den Klappentext: "Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar.... Das Buch hat sich nur teilweise gut lesen lassen, meist war es einfach nur anstrengend. Ich musste sehr oft die Sätze zwei-, dreimal lesen müssen um den Inhalt zu verstehen. Das Buch umfasst 459 Seiten und bekommt von mir zwei Sterne.

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    • 2
  • Zwischen Genialiät und Banalität

    Die Hauptstadt

    kreszenz

    12. February 2018 um 14:14

    Ein Roman über die EU, gerade zu der Zeit, als Flüchtlings- und Währungskrise einen Höhepunkt erreichen, wo sich einzelne Staaten lieber auf sich selbst als auf das große Ganze besinnen mögen – kann das gut gehen? Ich war sehr gespannt! Eine knappe Inhaltszusammenfassung ist bei diesem Werk schwer möglich. Denn so wie die EU ein Mosaik aus Staaten, Sprachen, Kultur und Beweggründen ist, so spiegelt sich das auch im Buch wider: wir haben die Karrieristin Fenia Xenopoulou, die möglichst schnell aus Zwangsversetzung entkommen will, den EU-Beamten Martin Susman, der ihr unterstellt ist und eigentlich nur seinen Job machen will. Einen Holocaustüberlebenden, der seine letzten Tage in Ruhe verbringen will und es im Grunde satt hat, über sein Schicksal zu sprechen und zwischendrin ist da noch Kommissar Brunfault, der einen Mord aufklären will, aber nicht darf. Robert Menasse legt seinen Roman sehr episodenhaft an. So episodenhaft, dass die Perspektiven nicht kapitelweise, sondern teilweise nur einen Nebensatz voneinander getrennt sind. Das ist nicht immer leicht zu lesen, man muss schon konzentriert dabei bleiben. Der Verzicht auf Anführungszeichen in der direkten Rede tut sein Übriges. Wer redet wann was? Gerade bei einem Schlagabtausch wird das schnell unübersichtlich. Den Schreibstil an sich würde als ich österreichisch-charmant mit unterschwelligem Humor einstufen. Dennoch waren mir bestimmte Abschnitte zu ausschweifend um diesen Stil zu genießen. Zu oft hat der Autor fabuliert nur um des fabulieren willens. Ein paar Ansätze sind genial, sprachlich sowie inhaltlich, doch insgesamt wirkte der Roman auf mich so wie die EU: schwerfällig und um sich selbst kreisend.

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  • Brüsseler Intrigen und eine mögliche Zukunft Europas

    Die Hauptstadt

    Magicsunset

    10. February 2018 um 22:20

    „Wir haben Experten für alles, sagte Hidekuti. Wir können Regen machen, und wir können das so machen, dass die Kommission im Regen steht.“ (Zitat Seite 330) Inhalt: Fenia „Xeno“ Xenopoulou hat Wirtschaft studiert, doch der erhoffte Aufstieg innerhalb der Europäischen Kommission beförderte sie ausgerechnet ins Kultur Ressort, als Leiterin der Direktion C, Kommunikation. Dies möchte sie rasch ändern und zumindest wieder ins Ressort Handel zurück. Gleichzeitig sucht Grace Atkinson, die neue Generaldirektorin des Kommunikationsdienstes nach einer zündenden Idee, das Image der Europäischen Kommission bei den EU Bürgern zu verbessern, das 50 Jahre-Jubiläum in zwei Jahren scheint ihr der perfekte Anlass. Fenia Xenopoulou wiederum sieht eine Chance, sich zu profilieren und erklärt das Big Jubilee Project zu einer Sache des Ressorts Kultur. Ihr Mitarbeiter Dr. Martin Susman kommt von einem Besuch in Auschwitz zurück und hat eine Idee für das Jubiläumsprojekt. Die Überlebenden von Auschwitz, die der Wunsch nach einem Leben in Würde und Freiheit einte. Doch wo findet man diese Überlebenden? Neue Visionen zur Zukunft der EU „New Pact for Europe“ sind auch das Thema eines Think-Tank aus internationalen Fachleuten, dem auch der österreichische Professor DDr. Alois Erhart. Er schlägt dem Gremium die Errichtung einer neuen Hauptstadt vor … Für weitere Verwirrung sorgt ein Schwein, das durch Brüssel irrt und ein Mord im Hotel Atlas, den Kommissar Brunfaut untersuchen will, aber nicht darf. In seinem Europa-Roman stellt der Autor die Hauptpersonen, um die er seine Geschichte entwickelt, dem Leser vor, indem er sie durch eine Gemeinsamkeit eint: alle sehen ein Schwein, das durch Brüssel läuft und einen keineswegs friedlichen Eindruck macht. Dies sind die ehrgeizige Fenia „Xeno“ Xenopoulou, gegen ihre Wünsche ins Kultur Ressort befördert und Kai-Uwe Frigge, Kabinettchef Generaldirektion Handel, mit dem sie eine lockere Beziehung hat; Dr. Martin Susman, Mitarbeiter in ihrem Team, Kind österreichischer Bauern, dessen Bruder Florian den elterlichen Schweinemastbetrieb erfolgreich weiterführt; Ryszard „Mateusz“ Oswiecki, der einen Auftrag ausgeführt hat und untertaucht; David de Vriend, der in Brüssel lebt, Auschwitz überlebt hat und gerade in ein Altersheim übersiedelt ist; Prof. DDr. Alois Erhart, auch im Alter noch damit beschäftigt ist, seine Kindheit zu verarbeiten und endlich seine eigenen Visionen findet; Kommissar Emile Brunfaut der einen Mordfall vergessen soll, statt ihn aufzuklären. Jede dieser Hauptpersonen hat ihre eigene Geschichte, die Menasse erzählt, teilweise durch Rückblenden, vor allem aber, indem er uns an ihren Gedanken teilhaben lässt. Dadurch erklären sich Verhaltensweisen und Handlungen. Manche der Personen kennen einander, andere begegnen sich, verharren jedoch in der Anonymität der Großstadt  und als Leser möchte ihnen zurufen, doch miteinander zu reden, weil es wichtig wäre. Die Sprachenvielfalt in Brüssel macht die Kommunikation nicht einfacher. Robert Menasse beschreibt in diesem Roman das Gefüge der Europäischen Union, Abläufe in der Bürokratie von Brüssel, und dies alles so realistisch, dass es genau so passiert sein könnte, teilweise auch ist. Ähnliche Personen wie die Hauptakteure seiner Geschichte kennen wir alle. Kritisch werden Verträge hinterfragt, die internen Querelen nachvollzogen, aber Kernstück ist die Frage nach der Eigenständigkeit der Nationen unter der Idee einer supranationalen Zukunft – und der nach wie vor aktuelle Umgang mit der Vergangenheit. Die parallel laufenden Einzelschicksale machen die Geschichte spannend, dazu kommt die gekonnte sprachliche Qualität, die Lesevergnügen garantiert. Besonders die genialen philosophischen Betrachtungen über Dinge wie Senf und Insekten, die der Autor Dr. Martin Susman anstellen lässt, sind skurril, geistreich und witzig. Leider lässt die Spannung in der zweiten Hälfte des Buches etwas nach, der Autor will uns hier meiner Meinung nach einfach zu viel über Abläufe in der EU und in den Kommissionen mitteilen und auch die langatmigen inneren Selbstdialoge von Prof. Erhart haben dazu geführt, dass mich der Autor kurzzeitig verloren hat, die Geschichte schien mir irgendwie in Nebensächlichkeiten auszufransen. Dann jedoch führt der Autor die Personen im Finale nochmals zusammen und lässt das Schicksal einen gewaltigen Schlusspunkt setzen. Beim Erscheinen dieses Romans war ich natürlich gespannt, aber die Leseprobe hat mich eher ratlos gemacht. Als Österreicherin kannte ich Menasse bisher nur als Essayist und dieser Roman schien für mich in Richtung Essay, zum Ganzen zusammengefügt, zu gehen. Doch trotz kleiner Einschränkungen hat mich dieser Roman überzeugt und ich habe ihn mit Vergnügen gelesen. Ich empfehle ihn für Leser, die am Thema Europa uinteressiert sind und mögliche Lösungswege für eine gemeinsame Zukunft, und an mit ihren Eigenheiten nur allzu menschlichen Personen. Wenn sie zu wissen glauben, dass EPP für European People's Party, Europäische Volkspartei, steht, dann sollten sie lesen, was Menasse dazu eingefallen ist.  

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 2095
  • Ein bürokratischer Moloch mit menschlichen Zügen!

    Die Hauptstadt

    Cornelia_Ruoff

    22. January 2018 um 10:07

    „DIE HAUPTSTADT“ VON ROBERT MENASSE 1. KLAPPENTEXT Der große europäische Roman | Deutscher Buchpreis 2017 In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen. Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham. 2. ZUM INHALT Der Wiener Autor Robert Menasse erhielt 2017 den Deutschen Buchpreis. Mit diesem Preis zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. „Die Hauptstadt“ war der Sieger. Robert Menasse gibt uns in „Die Hauptstadt“ 235 mal die Buchstabenfolge SCHWEIN zu lesen. Dennoch geht es keineswegs um Tiere. Er zeichnet uns eher ein Psychogramm unserer Zeit. Er lässt die Geschichte in der fiktiven Welt der Europäischen Union spielen. Trotzdem läuft in Brüssel eine nicht identifiziertes namenloses Schwein durch die Straßen. Das Schwein als Metapher? Was will der Autor damit sagen? Der Leser erfährt viel über chinesische Essgewohnheiten, den Mangel an Schweinsohren, Schweinehandel, den Dissens über einen Ausbau der Schweineproduktion, Stilllegungsprämien und die Haltung zu Tierschutz. Die Verknüpfung der EU mit Auschwitz ist ungewöhnlich, aber nachvollziehbar. Es erinnert uns wieder an unsere Geschichte Der Autor zeigt uns Episoden, die den Leser auf unsere zeitgenössischen Probleme hinweisen, mit denen wir kämpfen: BREXIT, Flüchtlinge, Euro Krise, wachsender Rechtspopulismus und Terrorismus. In diesen Episoden hat der Autor einen Mordfall versteckt, der jedoch nur die Aufgabe hat, den Verschwörungstheoretiker im Leser hervorzulocken. Facebookseite des Autors Beitrag in der ARD Mediathek 5/5 Punkten 3. PROTAGONISTEN Robert Menasse hat seine Charaktere liebevoll gezeichnet. Sie haben eine vollständige Vita. Der Leser erfährt ihre Vergangenheit und welche Pläne sie für die Zukunft schmieden. Sie Alle suchen Anerkennung und Liebe – sie folgen „the Pursuit of happiness“!   Fenia Xenopoulou, eine Zypriotin ist äußerst ehrgeizig. Sie ist Kommissarin des Bereichs „Kultur“. Durch einflussreiche Kontakte versucht sie, ihre Versetzung zu erreichen.   Martin Susman, einer der Mitarbeiter des Fachbereichs Kultur, wird mit der Ideenfindung zur Jubiläumsveranstaltung beauftragt. Er besucht im Rahmen einer Dienstreise Birkenfeld und Auschwitz. Dort hat er das folgende Erlebnis. „Zwei Jugendliche sprechen Türkisch. Ein Lehrer fordert sie auf, hier nicht Türkisch zu sprechen, einer antwortet: Genau hier sprechen wir nicht deutsch.“ Martin Susmans Vater war Schweinebauer. Sein Bruder Florian machte aus dem väterlichen Betrieb den größten Schweinemastbetrieb Europa und versucht in Brüssel auf Martin politischen Einfluss zu nehmen und seine Interessen durchzusetzen. „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil ist Susmans Lieblingsbuch. Was soll das über ihn aussagen?   Professor Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, trauert seiner großen Liebe nach. Eine sehr schöne Stelle im Buch: Eines morgens wandte er sich seiner Frau zu und „plötzlich in größter Erregung spürte er es: Ein Verschmelzen, in dem ihre Seelen sich berührten.“ Zwei Jahre später stirbt seine Frau.   Kommissar Brunfaut muss aus politischen Gründen, die Ermittlungen in einem Mordfall, niederlegen. Nicht einmal mehr die Akten des Falls sind auffindbar.   Der Leser lernt David de Vriend kennen, als er gerade seinen Hausstand auflöst, um in ein Altenheim zu ziehen. Robert Menasse zeigt uns, dass David de Vriend mit dem Fortschreiten der Demenz zu kämpfen hat. Er hat in seinem Zimmer ein Notizblatt, auf dem Namen der Menschen geschrieben sind, die er kennt oder kannte. Sobald einer dieser Menschen stirbt, streicht er den Namen durch. Auch sein Name steht darauf. Es fällt ihm schwer, sich von seiner Vergangenheit zu lösen. Er floh als Kind vom Deportationszug, der seine Eltern in den Tod fuhr. Er ist einer der letzten Zeitzeugen.   Außerdem gibt es noch den Auftragskiller, der im Namen des Herrn tötet.   Sie alle sind die Schauspieler in „Die Hauptstadt“. Sie haben dem bürokratischen Moloch Europäische Kommission Leben eingehaucht. 5/5 Punkten 4. SPRACHLICHE GESTALTUNG Robert Menasse zeigt hier einen für die Belletristik außergewöhnlichen Schreibstil. In einer dialektischen Erzählweise, oder einem Diskurs ähnlichen Stil, offenbart uns der Autor die Charaktere und die Themen des Romans. Dadurch sieht der Leser nicht nur die Entscheidungen seiner Protagonisten, sondern auch, deren Beweggründe und die Abwägung derselben. Der Leser kommt dem vermeintlichen Menschen hinter den Figuren sehr nahe. Termine für Lesungen von Robert Menasse. 5/5 Punkten 5. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNg „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse hat 459 Seiten, einen festen Einband und ist am 11.09.2017 unter der ISBN 9783518427583 bei Suhrkamp im Genre Romane erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 24,00 € und als ebook Text 20,99 €. Das Cover ist weiß. Eine Häuserlinie ist angedeutet. Der Titel und der Autor werden durch das geradezu minimalistische Cover hervorgehoben. Auf die Fakten beschränkt! 5/5 Punkten 6. FAZIT Robert Menasse hat den Focus auf europäisches Zeitgeschehen gerichtet. Er zeigt es uns, in Handlungen seiner Protagonisten oder Auswirkungen auf dieselben. Es ist ein wenig, wie Zeitung lesen. Es sind Meldungen aus dem Tagesgeschehen mit denen er uns an Dinge, wie das Widerstandrecht aus Artikel 20 Absatz 4, mit dem Motto „Resistance is possible“, erinnert. Die für das Buch erbrachte  vierjährige Rechercheleistung ist unbeschreiblich. Mit „Die Hauptstadt“ ist es dem Autor gelungen, durch seine teils ironische Blickweise, der Rieseninstitution „Europäische Kommission“ eine menschliche Seite zu verleihen. Der Autor zeigt, dass er „Show it, Dont Tell it!“ absolut beherrscht. Das Buch ist eine Freude zu lesen. @Suhrkamp und NetdalleyDEVielen Dank für das Rezensionsexemplar! Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten. Connie’s Schreibblogg https://schreibblogg.de

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  • Witzig, tiefsinnig: Zu recht ein Erfolg

    Die Hauptstadt

    mixtapemaedchen

    16. January 2018 um 10:13

    Der Roman „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse hat den  Deutschen Buchpreis bekommen. In meinen Augen zu recht. Die Hauptstadt von Robert Menasse ist ein Roman, den man eigentlich zweimal lesen müsste. Er verdient die doppelte Lektüre, denn erst, wenn man ihn beendet hat, weiß man, wie man die Facetten zusammensetzen muss, nein darf. Kernthema ist die Europäische Union. Die Handlung ist verzwickt durch die Vielzahl der Romanprotagonisten, aber mit ein wenig Aufmerksamkeit dennoch leicht zu verstehen. Ein Mord geschieht im Hotel Atlas in Brüssel. Der zuständige Kriminalbeamte wird von dem Fall alsbald abgezogen, da höhere Interessen bestehen, mit anderen Worten, der Mord wird unterschlagen und vertuscht. Es gibt keine Leiche, keine Aufzeichnungen, kein rein gar nichts. Kommissar Brunfaut forscht nach. Das ist die Rahmenhandlung, wenn man so will, die man als Leser jedoch immer wieder aus dem Blick und dem Gedächtnis verliert, weil so viele andere Abläufe passieren. Da wäre eben die Europäische Kommission, deren Kulturabteilung ein anstehendes Jubiläum feiern möchte. Ein Schwein rennt durch Brüssel und bekommt mediale Aufmerskamkeit. Schweinefabrikanten haben eine Lobby gegründet, weil sie die Schweinsohren nach China verkaufen wollen. Das ist nicht EU-konform.  In den Gremien und Untergremien der EU wird um Kompetenzen, um Jobs, um Posten und um Einfluß gerangelt.  Es geht um Korruption, Vertuschung, Gemauschel.....  Und letztendlich geht es um die Frage, was eigentlich der Gedanke eines vereinten Europas ist. Worauf ist Europa begründet?  Hat der Nationalismus ausgedient, kann man ihn überwinden, hat die Europäische Idee Bestand, gar eine Zukunft und inwiefern spielt die blutige europäische Vergangenheit eine Rolle in dem Ganzen? Drittes Resümee: bei aller Gewitzheit und Ironie steckt doch ein ernstes Thema hinter allem! Der Autor fabrizierte mit diesem Roman eine hervorragende Persiflage über aufgeblasenen, unnötigen und kostspieligen Bürokratismus sowie  Kompetenzstreitigkeiten, die mit jeder Zeile amüsant zu lesen sind. Der Roman ist spritzig, lehrreich, manchmal böse. Ich musste oft lachen, manchesmal brüllen. Und irgendwann wollte ich beim Lesen des Romans  alle in der EU-Kommission entlassen.  Menasses Protagonisten sind lebendig und agil, karrieregeil, wunderbar skizziert, obwohl sie dem Plot untergeordnet sind, sie sind skurril, normal, seltsam, depressiv, aufgeblasen, eingebildet, ängstlich, von ihrer Bedeutung durchdrungen und sind letztlich doch nur arme Schweine, die bei Bedarf durchs Dorf getrieben werden, um im Schweinebild zu bleiben.Der Schluss lässt einige lose Enden übrig. Das macht zunächst etwas ratlos, aber dann ergibt es durchaus Sinn. Wie soll es keine losen Enden geben in einem Betrieb, der einst aus einer hehren Idee heraus entstanden ist, aber dann überbürokratisiert einfach nur ins Leere läuft, wie sollte dabei jedes Quäntchen einen Sinn ergeben und ein rationales Plätzchen finden. Sobald die Medien nicht mehr darüber berichten, werden die Ereignisse uninteressant, einfach vergessen, haben nie existiert oder werden zur Not übertüncht mit einem Staatsbegräbnis. Von mir eine klare Leseempfehlung und volle Punktzahl. Vielen Dank Robert Menasse für dieses Lesevergnügen.

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  • Das Schwein und störende Ideen.

    Die Hauptstadt

    gsimak

    15. January 2018 um 19:35

    Meine MeinungDas Schwein und störende Ideen. Der Roman beginnt damit, dass ein Schwein panisch durch Brüssel läuft. Männer und Frauen geraten in Panik. Manch einer stürzt vor Schreck auf den regennassen Straßen und wälzt sich im Dreck.Ich dachte bei mir, wie skurril diese Situation anmutet. Ein Schwein jagt  erwachsenen Menschen Angst ein. Mutig sind wir Menschen wirklich nur dann, wenn so ein beschauliches Nutztier paniert und dampfend auf unserem Teller liegt. Das Thema Schweinehandel hat mir sehr zu denken gegeben. Wie hier mit Lebewesen gehandelt wird, ist einfach nicht richtig. Aber, das wissen wir längst. Ich habe mir die Frage gestellt: Ist das Schwein als Symbol für unsere Politik gedacht?Ich habe vorher noch nie ein Buch gelesen, dessen Schwerpunkt auf Politik beruht. Der Autor hat es geschafft, dass mich die Geschichte um die EU gefesselt hat. Man lernt viele Personen kennen, bei denen man sich fragt, was sie mit der Handlung zu tun haben. Nach und nach fügen sich die Protagonisten in das Geschehen ein.Sei es der demente David de Vriend, der seinen Lebensabend in einem Altenheim verbringt oder der Referent Martin Susman. Mit David de Vriend beginnt die Geschichte. Er zieht aus seiner Wohnung aus. Eigentlich weiß er gar nicht warum. Er wird in dieser Geschichte noch sehr wichtig werden. Er hat den Holocaust überlebt.Susman und seine ehrgeizige griechische Kollegin Fenia Xenopoulou aus der EU-Kommission, versuchen eine Kunstausstellung zur Jubiläumsfeier zu gestalten. Als Hauptthema: Die letzten Überlebenden des Holocaust. Kommissar Brunfaut  schien mir einer von den wenigen Charaktermenschen in der Geschichte zu sein. Übergewichtig und ehrlich. Er weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann. Er darf bei einem Mord nicht mehr weiter ermitteln. Die Daten aus seinem PC sind komplett gelöscht. Brunfaut wird beurlaubt. Brunfaut ist nicht gesund. Brunfaut möchte der Sache trotzdem auf den Grund gehen.Die katholische Kirche schickt einen polnischen Agenten auf Reisen, der nun auf der Flucht ist.Der österreichische Emeritus der Volkswirtschaft Alois Erhart, plant beim Think-Tank seine letzte Rede zu halten. Er nimmt kein Blatt mehr vor den Mund und stößt die  Denkbeauftragten mit seinen Worten vor den Kopf.Der Autor hat Fiktion und Realität gekonnt miteinander verwoben. Sei es das Flüchtlingsproblem oder die katastrophale Situation in Griechenland. Besonders deutlich wird, dass es in der Politik eigentlich kein Miteinander gibt. Jeder möchte das größte Stück vom Kuchen. Jeder will die Karriereleiter hochklettern und geehrt werden. Für Idealisten gibt es wenig Platz in der politischen Maschinerie. Nichts Neues!Überlebende Holocaustopfer benutzt man zu Werbezwecken. Das Image der europäischen Komission soll mit geheuchelter Empathie aufpoliert werden. Das sind so meine Gedanken.Mein FazitDer Schreibstil ist nüchtern und stellenweise sehr humorvoll. Es wird stets aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt. Es wird viel philosophiert und diskutiert. Jedes Kapitel beginnt mit einem philosophischen Satz.Ein raffinierter Prolog holt den Leser von Anfang an ab.Das Schwein läuft in der Geschichte immer wieder seine Bahnen. Stellenweise war mir die Geschichte etwas zu ausschweifend. Es wurde, für meinen Geschmack, zuviel in die Geschichte hineingepackt. Nichtsdestotrotz hat der Autor einen Roman geschrieben, der auch für Menschen geeignet ist, die nicht leidenschaftlich gerne politisieren. Vegetarier dürften nun darüber glücklich sein, dass sie keine Konsumenten von Schweinefleisch sind. Schweine sind Lebewesen! Warum nur geht das immer wieder unter? Mir ist es unheimlich schwer gefallen, über dieses Buch meine Meinung zu schreiben, da ich mich zuvor nie so eingehend mit der Thematik befasst habe. Ich habe viel dazu gelernt. Vor allem, warum Raucher Angorawäsche tragen sollten. :-)Danke Robert MenasseMeine Lieblingszitate>>Ideen stören, was es ohne sie gar nicht gäbe,<< (Überschrift 2. Kapitel)Von einem verstorbenen Baron aus Brüssel, der mit einer "Negerin!"verheiratet war: >>Ich bin lieber mit dieser Frau glücklich geächtet als ohne sie geachtet.<< (Seite 90)

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  • Imageverbesserung durch Literatur in der Literatur

    Die Hauptstadt

    ronja_waldgaenger

    13. January 2018 um 13:22

    Man wage ein Gedankenexperiment: Aus Gründen der Imageverbesserung bestellt die europäische Kommission bei einem bekannten Schriftsteller einen Roman. Natürlich nicht irgendeinen Roman, sondern ein tiefgründigen, gut erzählten, der nicht nur eine reine Tatsachenbeschreibung der Arbeit in Brüssel wäre, sondern auch das komplexe Durcheinander der Sprachen, Kulturen, Konfessionen und Religionen zeigen soll. Ohne Frage müssten auch die verschiedenen Probleme thematisiert werden, die störrischen Mitgliedsstaaten, Karrieristen, der Brexit…Aber am Ende müsste doch das Gemeinsame stehen, der große Gedanke, der hinter der Europäischen Union verborgen liegt, das Umfassende und Umgreifende. Das Feuilleton wäre begeistert, der Autor würde mit Preisen überhäuft und am Ende würde die gute Geschichte des europäischen Friedensprojektes wieder in den Herzen und Köpfen der Menschen ankommen. Schwer vorstellbar? Eine Zumutung? Ohne Zweifel. Aber ganz so liest sich der Bestseller und Buchpreisträger Die Hauptstadt des österreichischen Romanciers Robert Menasse. Um es gleich vorweg zu nehmen: damit sei nicht unterstellt, dass dieses Gedankenexperiment wahr ist. Im Gegenteil, es ist – so steht zu hoffen – vermutlich am weitesten von der Realität entfernt. Aber dieses Spiel macht ein Problem deutlich, dass während der ganzen Lektüre besteht: mit was haben wir es zu tun? Mit einem Roman? Oder mit einer Aufklärungs- und Erziehungsschrift? Bevor hierauf eine Antwort gegeben werden kann, muss der Roman in seinen einzelnen Stücken betrachtet werden. Ohne Frage ist Robert Menasse ein großartiger Erzähler, vielleicht der Beste seiner Generation. Hier liegt die unverkennbare Stärke des Werkes, denn man schafft es kaum, dieses Buch aus der Hand zu legen und dies – und das muss wirklich hervorgehoben werden – nicht wegen, sondern trotz der Handlung. Aber wie spielt sich diese überhaupt ab? Der Leser wird gleich zu Beginn in ein etwas groteskes Szenario geworfen. Denn ein Schwein läuft frei in Brüssel, der Herzkammer der EU, herum und stiftet allerlei Verwirrung. Gleichzeitig geschieht es einen Mord in einem schicken Hotel mit anschließender Untersuchung (inklusive Vertuschung und Verschwörung) und – ganz zentral – die europäische Kommission möchte ihren Geburtstag feiern. In der schlimmsten Krise der EU seit…ja, wann eigentlich? 5 Jahren? 10 Jahren? Seit Ewigkeiten? Das klingt nach einem spannenden Plot? Nach Abenteuer- und Detektivgeschichte vor dem Hintergrund der mächtigen und undurchsichtigen Bürokratie der Union, gespickt mit einer geschickten Metapher eines Schweins (kann das etwas anderes sein?)? So klingt es, aber leider geschieht genau dies im Roman nicht. Denn eigentlich geht es in diesem um etwas anderes, nämlich um die Frage, was „Europa“ eigentlich sei. Ganz richtig, Europa, nicht die EU, nicht die Kommission, nicht die europäischen Bürger. Diese Gleichsetzung, die sich durch den gesamten Roman zieht und auf die Narration der Schuldenkrise zurückgreift, wonach EU und Europa irgendwie dasselbe seien („Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“), ist nicht zufällig. Sie ist geplant und unerbittlich durchgehalten und dies sicher nicht ohne Grund. Aber zurück zur Handlung. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Generaldirektion Kultur innerhalb der Kommission. Eine kleine, unbedeutende Direktion, ohne Budget, ohne Handlungsvollmacht. Ihr steht es zu, den anstehenden Geburtstag der Kommission auszurichten, ohne dabei eine genaue Vorstellung zu haben, wie man den Bürger die Wohltaten derselben wohl am besten verkaufen könnte. Was wohl vor allem an einem liegt: man kennt den Bürger überhaupt nicht. Dies hat einen einfachen Grund, die Bürokratie der Kommission besteht aus einer handverlesenen Elite, mit besten Abschlüssen an renommierten Universitäten, die einen jahrelangen Kursus durch die verschiedenen Ebenen genommen haben, um schließlich endlich Teamleiter oder Direktor einer Abteilung zu werden. So stellt sich der Leser es ohnehin vor und so wird es auch im Roman geschildert. Gleichwohl kommt man beim lesen nicht um die Erkenntnis herum: wenn das die europäische Elite ist, diese Menschen als Beamten Europas den Geist des Projektes der EU tragen sollen, dann sind wir alle unrettbar verdammt. Nein, das ist keine überzogene Polemik, sondern das Resultat der Lektüre von Die Hauptstadt. Hauptfigur, wenn man das so nennen kann, ist Fenia Xenopoulou, kurz Xeno, die ebenso strebsame wie machtorientierte Aufsteigerin aus Zypern („griechische Zypriotin“), die irgendwie in der DG Kultur gelandet ist, obwohl sie ihre Fähigkeiten doch eher woanders sieht, in der Direktion Handel oder gleich irgendwo beim Präsidenten der Kommission. Alles, was sie tut, ist dem Diktat des Aufstieges unterworfen. Menschliche Regungen existieren bei ihr nur in Bezug auf ihre Affäre Kai-Uwe Frigge, genannt „Fridsch“, was sie sich aber nicht eingestehen will, und – natürlich! – auf Europa. Das gesamte Projekt, meist kurz Jubilee Projectgenannt, ist dennoch bei ihr nur Mittel zum Zweck. Es soll sie bekannt machen, berühmt, soll ihren Aufstieg ermöglichen. Unterstützt wird sie dabei von Kollegen, bei denen man sich die ganze Zeit wundert, weshalb und warum sie überhaupt an eine solche Stelle gekommen sind, denn sie verhalten sich entweder völlig – um es nett zu formulieren – unbedarft oder sind völlig antriebslos und selbstgefällig. Aber es ist nicht die reine Inkompetenz oder die nur allzu sichtbare Benutzung von Auschwitz als Gründungsmythos der Europäischen Union für das persönliche Fortkommen, die einen verzweifeln lässt. Sondern der fast schon plakativ vorgetragene Rekurs auf die „europäischen Werte“, die vor allem in der Überwindung der Nationalstaaten zu bestehen scheinen. Man kann dies alles als eine groteske Übertreibung empfinden, eine Satire auf die babylonische Verwirrung in Brüssel, auf die wie eine Monstranz vor sich hergetragene Gewissheit auf der „richtigen“, der guten Seite der Geschichte zu stehen. Wenn dies so wäre, dann wäre Menasse tatsächlich ein großer Wurf gelungen. Ein neuer Prozess in größeren, nicht nur kafkaesken, sondern orwellschen Ausmaßen (auf beide Bücher wird hin und wieder Bezug genommen). Leider hat man als Leser immer wieder den Eindruck, dass dieser entscheidende Erzählstrang zwar immer wieder durchbrechen will, aber dann doch der Mut nicht vorhanden ist, ihn stringent durchzuziehen. Apropos Erzählstrang: man muss auch hier sagen, dass Menasses Buch hier alle guten Ansätze immer wieder und konsequent ignoriert, um einen farblosen und moralinsauren Plot zu inszenieren. Erinnern sie sich an die Anfangssätze? Über den Mord, die Verschwörung, das Schwein (Das steht – Überraschung – übrigens für die ungerechtfertigte Angst vor dem Fremden) All dies wird überhaupt nur ansatzweise angerissen, ohne dass erkennbar wäre, warum dies erzählerisch notwendig ist. Man kann einwenden, dass damit verschiedene Fäden der Geschichte immer wieder aufgenommen und zusammengeführt werden, aber das wirkt so wenig überzeugend, so simpel konstruiert, dass man sich immer wieder fragen muss, warum dieser oder jener Strang überhaupt seinen Eingang in den Roman gefunden hat. Sollte hier eigentlich vielmehr erzählt werden und fiel schlussendlich den Vorgaben des Verlags zum Opfer? Soll hier eine Metaebene etabliert werden? Oder hat dies einen verborgenen Sinn, den nur der Autor kennt? Aber wenn ja, warum dann diese völlig austauschbare Geschichte mit dem Vatikan und der NATO? Die ganze Geschichte gipfelt immer in den Sätzen: „Die Sicherheit eines Lebens in Würde, Glück, Menschenrechte, das ist doch seit Auschwitz ein ewiger Anspruch, oder? Das versteht doch jeder. Das müssen wir klarmachen: dass wir die Institution dieses Anspruches sind. Die Hüter dieses ewig gültigen Vertrages. Nie wieder! – das ist Europa! Wir sind die Moral der Geschichte!“ Nein, auch hier sucht man Ironie vergebens. Es sind plötzliche Ausbrüche der Figuren, die getrennt sind von ihren Heimatländern, ihren Familien, ihren eigentlichen Bezügen. Hier wird nicht nur eine kosmopolitische Elite vorgeführt, sondern als tatsächlicher Träger einer Idee bezeichnet. Das ist nicht nur grotesk, sondern intellektuell mindestens unterfordernd. Dies alles findet seinen Höhepunkt, wenn ein Buchzitat eines nicht genannten Buches präsentiert wird, das, wenn man recherchiert, aus einem Aufsatzband von Robert Menasse und Ulrike Guérot stammt, in der zur Gründung der europäischen Republik aufgerufen wird. Es ist also nicht so, dass Autor, Erzähler und Figuren ein getrenntes Leben führen, sondern in diesen monothematischen Ausbrüchen kommt sehr deutlich eine dezidierte Haltung des Autors zum Ausdruck, den man postmodern als Einreißung der Begrenzung von Werk und Mensch zur Kenntnis nehmen kann, aber damit eben seine fiktionale Kraft einbüßt. Jeder Vorwurf der letzten Jahre, dass Haltung ein größerer Wert beigemessen wird als Aufklärung, Erziehung der freien Bildung entgegengestellt wird und letztlich nur noch die Kommentare einer kosmopolitischen Elite einen Eingang in den Diskurs finden, bestätigen sich hier auf eine fast schon tragische Art und Weise. Dies ist umso erschütternder, weil der Roman an seinen guten Stellen genial ist. Die Figur des Prof. Ehrhardt ist nicht nur liebenswürdig – auch und gerade in seinem europäischen Fanatismus – sondern auch glaubwürdig. Und doch überzieht auch hier die Erzählung wieder mehr als einmal, indem die Vorschläge für eine europäische Hauptstadt dieser Figur in den Mund gelegt werden. Dies ist zwar folgerichtig, aber doch irritierend. Die Grenze zwischen ehrlichen Überzeugungen und opportunistischem Karrieretrieb sind in Bezug auf Europa anscheinend fließend. Hier liegt das eigentliche Ärgernis des Romans: der Bürger dieses „Europas“ kommt schlicht nicht vor, es sei denn als Opfer oder als Ärgernis. Aber nirgendwo merkt man eine ehrliche Hinwendung zu den Menschen, denen sich sowohl Idealisten wie auch Bürokraten doch eigentlich verpflichtet fühlen müssen. Ganz im Gegenteil merkt man den Figuren immer wieder den Ekel an, dass der Bürger „da draußen“, aber eben auch die Staats- und Regierungschefs doch immer noch nicht verstanden haben, welches humanitäre Wunderwerk an jedem Tag in den Korridoren der Brüsseler Bürokratie entsteht. Es ist diese überbordende Arroganz und Weltabgewandtheit, die das europäische Projekt tatsächlich gefährden. Aber Menasses Roman kritisiert diese Zustände nicht, legt nicht die Finger in die Wunde, wie es engagierte Literatur mal tun wollte, sondern verherrlicht und absolutiert diese Zustände. Und hierin liegt das eigentlich Skandalöse dieses Romans, der nicht nur zeigt, dass die Filterblase der verschiedenen Lager in Europa existiert, sondern dass diese auch keine gemeinsame Sprache mehr sprechen

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