Robert Menasse Ich kann jeder sagen

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Inhaltsangabe zu „Ich kann jeder sagen“ von Robert Menasse

Alles kommt wieder. Sogar die Erinnerungen. Wann war sie zu Ende, die Nachkriegsordnung? Als die Mauer fiel? An diesen 9. November 1989 wird sich das junge Paar, das die Hochzeitsnacht vor dem Fernseher verbrachte, noch lange erinnern. Es hat in dieser Nacht deutsche Geschichte erlebt. Zufällig. Denn eigentlich wollten sie nur so schnell wie möglich heiraten. Und der nächste freie Termin beim Standesamt war der 9. November. Für den Vater des Bräutigams war der 9. November mit dem Jahrestag der „Reichskristallnacht“ verknüpft. „Pah, Geschichte“, sagt der Nachgeborene. Der Tag, als John F. Kennedy erschossen wurde, als die RAF in Wien einen Industriellen entführte, als die Berliner Mauer fiel, als Griechenland Fußballeuropameister wurde: das ist Geschichte. Sie durchkreuzt unsere Geschichten von Hochzeiten und Todesfällen, vom Scheitern und Neubeginnen. Jeder war irgendwo, als etwas passierte. Vierzehn Ich-Erzähler erinnern sich an Erlebnisse und Ereignisse, die prägend wurden für ihr Leben. »Eine Seltenheit: Daß jemand so gut zu erzählen vermag wie er essayistisch schreibt. Robert Menasse gehört zu diesen Doppelbegabungen: als Romancier und Literat von Gnaden.« Ulrich Weinzierl, Die Welt

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  • Rezension zu "Ich kann jeder sagen" von Robert Menasse

    Ich kann jeder sagen

    HeikeG

    26. March 2011 um 18:35

    Mahlsteine oder Pah! Geschichte! . Wer erinnert sich noch an Y₂K? Y₂K??? Es handelte sich um den weltweit Panik verbreitenden, so genannten "Millenium-Bug" - ein Computerproblem, das durch die interne Behandlung von Jahreszahlen als zweistellige Angabe entstand und angesichts des Jahreswechsels 1999/2000 einen globalen Ausfall von vielen Computersystemen vermuten ließ, die dann nicht mehr "wissen" konnten, ob sie denn im Jahr 2000 weiterrechnen oder halt ins Nirwana des Jahres 1900 zurückfallen sollten. . Nun hat der österreichische Autor keineswegs ein Buch über kollabierende Computersysteme oder den kollateralen Zusammenbruch unseres mittlerweile weit vernetzten Lebens geschrieben, sondern sein Erzählband vereint 14 Geschichten, die allesamt ein bedeutendes oder aber ein persönliches Erinnerungsmoment implizierten und globale oder individuelle innere Aufruhr verursachten. Menasse schreibt über die Ermordung Kennedys und des chilenischen Präsidenten Salvador Allende. Er berichtet vom völlig unerwarteten Sieg Griechenlands über Portugal bei der Fußballeuropameisterschaft 2004 und der dabei verpassten Chance eines Riesengewinns in der Fußballlotterie. Oder er erinnert an die "Bedeutung" der Zerstörung Dresdens am 13./14. Februar 1945: "Es gab noch nie eine Diktatur, in der die Menschen gefragt wurden, was sie wollen. Die Deutschen wurden gefragt. Das war einmalig. Sie wollten den totalen Krieg. Ohne Dresden hätten sie nie begriffen, was sie sich gewünscht hätten." . Da steht auf der einen Seite die Wiederzusammenführung von Ost- und Westdeutschland, auf der anderen die Trennung aus einer Partnerschaft. Menasse erzählt von der persönlichen "Bedeutung" des 9. November 1977, an dem der österreichische Textilindustrielle Walter Palmer von der "Bewegung 2. Juni" entführt wurde oder dem Abbruch der Berliner Mauer. Genau 10 Jahre später befürchtet man eine andere Zerlegung, eben jene, zu Beginn angeführte: "Mit 'Y₂K' hat die westliche Welt die entsprechende Erfahrung digitalisiert und postmodern wiederholt: die hysterische Angst vor dem Zusammenbruch des Systems. (...) Dass im Jahr 1999 Firewalls die Menschen mehr beschäftigten als die längst verschwundene Mauer, ist daher verständlich: Was ist schon der Fall der Mauer gegen den Fall der Börsen?" . Robert Menasse stellt sich in diesem Buch immer wieder die Frage wie bedeutsam ein historisches Datum neben Zukunftsoptionen und Termingeschäften ist? "Was ist die Erinnerung an eine verschwundene Bedrohung im Vergleich, oder zeitgenössisch formuliert: in Konkurrenz mit einer akuten Bedrohung?" Ist der Reichtum eines Autors, den er immer wieder erzählend ausbreitet, eigentlich nichts als eine Lüge? Wie beliebig ist Erlebtes, das Leben überhaupt? Sind Geschichten im Grunde nicht nur "Varianten immer derselben Geschichte"? . Gekonnt verknüpft der Autor dabei Kindheits- und Jugendereignisse mit dem "Schock im weltgeschichtlichen Maßstab". Persönliche Reminiszenzen wie Scheidung, Einsamkeit und Verhöhnt-Werden wechseln mit signifikanten Retrospektiven ab, werden vermischt, verknüpft und neu zusammengestellt. Entstanden ist ein kleiner, aber umso wirkungsvoller Abriss im Zeitlauf der Geschichte. Menasse bringt dem Leser den "Geruch der Zeit" ins Wohnzimmer. Er watet sozusagen durch den persönlichen Lebensmorast und bedient sich verdrängter, vergessener und universaler Begebenheiten. Vielleicht um sein Erwachsenenleben mit seiner Kindheit zu versöhnen, vielleicht auch seine Generation mit der Geschichte. "Wir stapften durch den Schnee von gestern - und waren die Ersten, die darin ihre Eindrücke hinterließen." Aber letztendlich ist das Leben doch nur "ein noch größerer Irrtum als der Tod."

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  • Rezension zu "Ich kann jeder sagen" von Robert Menasse

    Ich kann jeder sagen

    Wolkenatlas

    25. August 2009 um 09:12

    Robert Menasse: "Ich kann jeder sagen" Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung Der Geruch des Glücks In Robert Menasses Erzählungsband "Ich kann jeder sagen" eint die Protagonisten eine originelle und vom Autor unterschiedlich interpretierte Idee, jeweils ein Ereignis aus ihrem Leben zu beleuchten, das zum Zeitpunkt einer wichtigen geschichtlichen Umwälzung passiert ist, oder einen Moment zu untersuchen, der mit einem geschichtlichen Ereignis in einem mehr oder weniger losen Zusammenhang steht. Die gehörige Portion Kummer, die er seinen Protagonisten mitschickt, ist bemerkenswert. Trotzdem schimmert in jeder dieser sehr unterschiedlichen Erzählungen jede Menge Wiener Schmäh mit, was den dünnen Band zu einem insgesamt vergnüglichen Leseerlebnis macht. Wie in vielen Erzählungsbänden, sind die Erzählungen in "Ich kann jeder sagen" von unterschiedlicher Qualität und Gewichtung. Von leichten Bagatellen, wie der Erzählung "Glück in Luxemburg", die einen schwülen Regentag in Luxemburg (der Tag des Finales der Fußball-EM mit dem Sieg Griechenlands) im Leben eines Vertreters zeichnet, bis zu wirklich beeindruckenden Erzählungen, wie "Lange nicht gesehen", die eine Affäre zum Zeitpunkt des Mauerfalls als Ausgangspunkt hat. In der faszinierenden Erzählung "Das Ende des Hungerwinters" ist man Gast bei einem Leichenschmaus, während der Sohn des Verstorbenen eine fast allen Beteiligten bekannte Geschichte der Rettung der Familie im Amsterdamer Zoo zum wiederholten Mal zum Besten gibt. In der "Chronik der Girardigasse" erzählt ein Schriftsteller die Geschichte des Hauses, in dem er scheinbar sein Arbeitsstudio hat, die mit den Worten: "Ich arbeite in einem Bordell. Das Bordell ist kein Bordell mehr, man kann lediglich sehen, dass es eines gewesen ist. Allerdings nur, wenn man es weiß. Wer dieses Haus betritt und dessen Geschichte nicht kennt, kommt nie auf die Idee, ein ehemaliges Freudenhaus zu betreten" beginnt. Stringent erlebt man eine über hundert Jahre umfassende Geschichte eines Hauses, in dem "man sich weggesperrt fühlt vom Leben, wie es scheint, und sich auf wenigen Quadratmetern doch in der Welt fühlen kann, wie sie ist, zumindest in dieser seltsamen Stadt, in Wien." Die vielleicht schönste Geschichte in diesem Band stellt "Der Geruch des Glücks", die ein Porträt der Eltern des Ich-Erzählers ist, dar, der, im Übrigen wie alle anderen Protagonisten und Robert Menasse selbst, im Jahr 1954 geboren wurde. "Als meine Eltern sich kennenlernten, schienen sie füreinander bestimmt. Damals, im Jahr 1954, war mein Vater en zwanzigjähriger Mann mit Träumen und Muskeln. Er träumte davon, Weltmeister zu werden und Marilyn Monroe zu erobern, und die Muskeln waren alles, was er mitbrachte, um seine Träume zu verwirklichen." Der Ich-Erzähler versucht, den Grund der Trennung seiner Eltern nachzuvollziehen und findet den Grund im Fehlen des Geruchs von Glück. Das Glück des Heims, des Hafens im Leben. "Die amerikanische Brille" ist eine Momentaufnahme einer versuchten Trennung des Erzählers von seiner ihn nervenden Freundin, deren "Oh mein God"-Getue ihm nach einer Scheinschwangerschaft ziemlich auf die Nerven geht. "Wie mir ihr 'Oh mein God!' Getue auf die Nerven ging! Debbie war Amerikanerin, das heißt, sie besaß neben ihrem österreichischen auch einen amerikanischen Pass, weil sie in New York zur Welt gekommen ist ... Sie hatte nur ihre ersten vier Jahre in den USA verbracht, später noch vier Jahre in Helsinki, als ihr Vater dorthin versetzt wurde, aber das hatte offensichtlich keine Spuren hinterlassen. Und die acht Jahre in einem Schweizer Internat hatten auch keinen Niederschlag auf ihr Selbstverständnis und ihre Sprache gehabt." Diese Erzählung schlägt eine imaginäre Brücke zur Ermordung von J. F. Kennedy und überrascht am Ende. In der surreal anmutenden Erzählung "Romantische Irrtümer" bereist der Ich-Erzähler nach einer peinlichen Aussage und einem unabsichtlich ausgelösten Löscheinsatz in seinem Hotelzimmer das "Romantische Deutschland" in depressiver Grundstimmung, verkommt in einer Bacchanale mit "Russen" bevor er von einem ehemaligen Olympiasieger, der aus dem Westen in den Osten ausgewandert war, um besser trainieren zu können, im Taxi zum Flughafen chauffiert wird. Erzählungen, in denen die berühmten zwei Seiten der Medaille umspielt werden. Über den unvorhersehbaren Moment, der über Sieg und Niederlage entscheidet, über den Punkt, der alles verändert, egal in welche Richtung. Auch wenn nicht alle Erzählungen in "Ich kann jeder sagen" auf einem Niveau sind, so ist dieser Erzählungsband doch sehr beglückend; Erzählungen, die vom Scheitern, von privaten Niederlagen und kurzen Siegen erzählen. Die hier versammelten Erzählungen sind abwechslungsreiche, assoziative, mit den Geschehnissen der Nachkriegszeit verbundene, schöne Beleuchtungen dieser Idee. Originelle Kurzprosa eines großen Wiener Autors, der unprätentiös seine in der Tradition stehende Erzählerrolle lebt und mit diesem Band Appetit auf einen neuen Roman aus seiner Feder (man hofft) geweckt hat. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 08/2009)

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