Robert Merles Roman über Rudolf Lang, eine literarische Figur basierend auf dem KZ-Kommandanten Rudolf Höß, zeichnet eindringlich den Weg eines scheinbar gewöhnlichen Bürgers zum Architekten des Holocausts nach. Besonders beeindruckend ist die Darstellung von Langs Kindheit, geprägt von Strenge und emotionaler Kälte, sowie sein Werdegang durch den Ersten Weltkrieg und die zermürbende Suche nach Halt in der Nachkriegszeit. Der Eintritt in die NSDAP erscheint fast zwangsläufig – ein erschreckendes Beispiel dafür, wie sich das Böse aus dem Alltäglichen entwickeln kann. Merle gelingt es, die psychologische Entwicklung seines Protagonisten nüchtern und beklemmend zu schildern, ohne zu werten. Ein verstörendes, aber wichtiges Buch über die Banalität des Bösen.
Robert Merle

Lebenslauf
Alle Bücher von Robert Merle
Der Tod ist mein Beruf: Roman
Das Königskind
Malevil: Roman
Die geschützten Männer
Die Insel
Ein vernunftbegabtes Tier
Madrapour
Lilie und Purpur
Neue Rezensionen zu Robert Merle
Dieser dystopische Roman von 1974 ist eines jener Bücher die Probleme der Zukunft stellenweise erstaunlich genau vorweggenommen haben. Er beschreibt wie in New York eine hoch ansteckende Krankheit unter Männern ausbricht, die bald die ganze Gesellschaft verändert. Und das Jahre vor dem Bekanntwerden von AIDS. Die Infektion heißt Enzephalitis 16(!) und wird erst ernstgenommen als sie Millionen tötet, woraufhin es zu fragwürdigen Selbstbehandlungen, Zwangsmaßnahmen und Isolation kommt. Und das Jahrzehnte vor COVID-19. Die Pandemie-Story dient dabei eigentlich nur als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit dem Feminismus der 70er Jahre, hat aber viel mit heutigen Debatten über Gender und toxische Männlichkeit gemein. Woke avant la lettre, zeigt sich der 1908(!) geborene Autor überaus wach in solchen Fragen.
Ich habe gezögert, dieses Buch zu lesen. Es ist das erste Buch das ich gelesen habe, welches aus der Sicht der Täter geschrieben ist. Ich versuche nun zu verstehen, wie ein Mensch einfach Befehlen folgt, ohne zu hinterfragen. Rudolph Höß entwickelt die Massenvernichtung weiter und gestaltet diese noch effizienter als bisherige Verfahren. Allein das Wort "Effizienz" widerstrebt mir. Im gesamten Buch fehlte mir Empathie und Emotionen in der Person. Auch die Reaktion von Rudolph Höß im Nürnberger Prozess lässt mich schaudern. Zitat: "Ich brauche keine Gewissensbisse zu haben. Die Ausrottung war vielleicht ein Irrtum. Aber nicht ich habe sie befohlen."
Zitat:"Einmal rief ein Ankläger: "Sie haben dreiundeinhalbe Million Menschen getötet. [...] "Ich bitte um Verzeihung, ich habe nur zweiundeinehalbe Million Menschen getötet. " ich bin einfach nur sprachlos.
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Zusätzliche Informationen
Robert Merle wurde am 27. August 1908 in Tebessa (Algerien) geboren.
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