Robert Musil

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Robert Musil

Lebenslauf von Robert Musil

Robert Musil war ein österreichischer Schriftsteller und Literaturkritiker. Er wurde am 6. November 1880 in Klagenfurt, Österreich geboren. Zwischenzeitlich, von 1917 bis 1919, trug er den Adelstitel Robert Edler von Musil. Er starb am 15. April 1942 in Genf, Schweiz. Er studierte sowohl Maschinenbau als auch Philosophie und Psychologie und promovierte mit einer Dissertation über das Thema "Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs". Eine Habilitation lehnte er zu Gunsten seiner schriftstellerischen Tätigkeit ab. Der Mann ohne Eigenschaften, trotz Unvollendung, machte ihn postum sehr bekannt und er gilt als wichtiger deutschsprachiger Literat seiner Zeit, oft auf eine Ebene mit Personen wie Thomas Mann oder Franz Kafka gestellt. 1970 wurde zudem an der Universität des Saarlandes die Arbeitsstelle für Robert-Musil-Forschung eingerichtet, heute „Arbeitsstelle für Österreichische Kultur und Literatur / Robert-Musil-Forschung (AfÖLK)“. Sie wurde von Marie-Louise-Roth gegründet, die auch 1974 in Wien die „Internationale Robert-Musil-Gesellschaft (IRMG)“ ins Leben rief. Der Sitz wurde ans Robert-Musil-Institut der Universität Klagenfurt verlegt.

Neue Bücher

Der Mann ohne Eigenschaften

Neu erschienen am 05.12.2018 als Hardcover bei Anaconda Verlag.

Bücher I

Erscheint am 01.03.2019 als Hardcover bei Jung u. Jung.

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Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

 (273)
Erschienen am 22.06.2017
Der Mann ohne Eigenschaften I

Der Mann ohne Eigenschaften I

 (101)
Erschienen am 02.01.2014
Drei Frauen

Drei Frauen

 (16)
Erschienen am 01.01.2018
Der Mann ohne Eigenschaften II

Der Mann ohne Eigenschaften II

 (12)
Erschienen am 01.08.1992
Nachlaß zu Lebzeiten

Nachlaß zu Lebzeiten

 (6)
Erschienen am 01.01.2018
Drei Frauen

Drei Frauen

 (5)
Erschienen am 15.03.2013
Die Schwärmer

Die Schwärmer

 (5)
Erschienen am 01.07.1982
Die Amsel

Die Amsel

 (5)
Erschienen am 01.01.1986

Neue Rezensionen zu Robert Musil

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TashaWinters avatar

Rezension zu "Stationen der Literatur / Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

Betrachtung einer Misshandlung
TashaWintervor 5 Monaten

Ich habe geglaubt, dass ich mich durch diesen Roman, auch wenn er nur sehr kurz ist würde durchkämpfen müssen, wie das nunmal oft bei typischer Schullektüre der Fall ist. ich lag aber total falsch.

Die ersten fünf Seiten fand ich zwar langweilig, aber von dem Moment an als Beineberg, Bozena und Reiting aus Törleß' Sicht beschrieben werden, war ich gefesselt. 
Der eher unscheinbare Schüler Basini wird von Törleß' Freunden Reiting und Basini des Diebstahls überführt und diese nutzen die Situation, um ihre dunkleren Triebe un Sehnsüchte an diesem auszuleben, unter dem Vorwand menschliche Studien zu betreiben. Törleß selbst ist immer mehr fasinizert von Basini und den Demütigungen, die dieser erdulden muss, bis er schließlich Zuneigung zu diesem entwickelt und sich selbst auf eine Beziehung mit ihm einlässt. 
Ich fand den Roman stellenweise verstörend und hätte mir auch einen anderen Ausgang gewünscht. Ich hatte mit Basini deutlich mehr Mitgefühl als mit Törleß, aber dennoch hat mich die Darstellung der Charaktere und der inneren Vorgänge des Protagonisten beeindruckt. Ich bin der Meinung, dass die Geschichte auch heute noch ihre Gültigkeit hat und Musil hier wirklich ein Einblick in die Welt des Erwachsenwerdens gelungen ist, ähnlich wie Salinger in "Der Fänger im Roggen".

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Herbstroses avatar

Rezension zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

Heute nennt man es Mobbing …
Herbstrosevor 6 Monaten

Wie um 1900 während der k. u. k. Monarchie üblich, besuchte auch der junge Törleß das Konvikt einer frommen Stiftung, in dem die Söhne der besten Familien des Landes ihre Ausbildung für den späteren Militär- oder Staatsdienst erhielten. Die ersten Jahre waren geprägt von Heimweh und Einsamkeit, doch nun hat Törleß Freunde gefunden, Reiting und Beineberg, zwei etwas ältere Jungen. Diese Freundschaft gerät ins Wanken, als ein weiterer Mitschüler, Basini, von Reiting beim Diebstahl ertappt wird. Anstatt den Diebstahl vorschriftsmäßig der Anstaltsleitung zu melden beschließen die drei, Basini auf ihre eigene Weise zu bestrafen. Dieser wird nun regelmäßig nachts auf dem Dachboden des Konvikts misshandelt und missbraucht, körperlich und sexuell. Törleß ist dabei mehr der interessierte Beobachter, der die Psyche Basinis zu ergründen versucht. Wie lange kann dieser die sadistischen Handlungen ertragen, bevor er zusammenbricht? Wie lange kann er die nächtlichen Demütigungen noch erdulden? Warum bereitet es Vergnügen, Macht über einen anderen Menschen auszuüben? Doch dann ändert sich plötzlich die Lage, das Drama nimmt seinen Lauf … 

Der Autor Robert Musil (1880-1942) besuchte von 1892 bis 1897 eine Militär-Kadettenanstalt mit dem Ziel, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Seine Erlebnisse und Erfahrungen dieser Internatsjahre verarbeitete er später in seinem ersten Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, der 1906 erschien. Musil brach seine Militärlaufbahn ab und studierte Maschinenbau. 1911 heiratete er die sechs Jahre ältere Jüdin Martha, war Reserveoffizier im I. Weltkrieg und lebte danach abwechselnd in Wien und Berlin. 1938 flüchtete er mit seiner Frau ins Exil in die Schweiz, nachdem seine Bücher durch den Reichsführer SS bereits verboten worden waren. Sie lebten dort in ärmlichen Verhältnissen und fanden Hilfe beim schweizerischen ‚Hilfswerk für deutsche Gelehrte‘. Musil starb 1942 in Genf an einem Hirninfarkt. Sein Erstlingswerk wurde 1965 von Volker Schlöndorff unter dem Titel „Der junge Törless“ verfilmt und war zu jener Zeit auch eine oft im Schulunterricht verwendete Lektüre. 

Das Buch lebt hauptsächlich von der psychologischen Betrachtungsweise des Geschehens, was zweifellos Musils Stärke war. Es finden sich interessante Aspekte, die zwar den Geist der Zeit widerspiegeln, dennoch aber zum Teil heute noch Gültigkeit haben. Wenig hat sich im Zwischenmenschlichen geändert, Brutalität und unmenschliches Verhalten kann man auch heute unter Jugendlichen und Heranwachsenden finden. Der Sprachstil war sicherlich zur Zeit der Entstehung des Romans ausgezeichnet und intelligent ausgedrückt – heute ist er jedoch nicht mehr zeitgemäß. Umständliche Formulierungen und verschachtelte Sätze schränken die Lesbarkeit des Textes deutlich ein und erschweren das Verständnis zum Inhalt. 

Fazit: Gefallen fand ich an der Lektüre nicht unbedingt! Die Handlung ist zwar sehr interessant, aber durch die nicht mehr zeitgemäße Sprache schwierig zu lesen. Kann man lesen, muss man aber nicht!

Kommentare: 2
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Aliknechts avatar

Rezension zu "Der Mann ohne Eigenschaften I" von Robert Musil

Die Parallelaktion
Aliknechtvor 7 Monaten

Der Leser muss 1600 Seiten bewältigen bis Diotima ihre im Verlauf 
der Parallelaktion immer weiter aufgeheizten geschlechtlichen Begierden endlich bei Ulrich, dem Mann ohne Eigenschaften, befriedigen kann. Sie ist die glänzende Grand Dame und Vorsitzende dieser ehrgeizigen Aktion zur Vorbereitung des 70-jährigen Thronjubiläums des österreichischen Kaisers Franz-Joseph, das im Jahre 1918 begangen werden soll. Die deutschen Feierlichkeiten zum 30 jährigen Thronjubiläum des Kaisers Wilhelm II., die ebenfalls für 1918 geplant sind, will man natürlich übertreffen.

Seine Erlaucht Graf Leinsdorf hat die Parallelaktion im Wien des Jahres 1913 ins Leben gerufen und führt zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten regelmäßig zur  Ideen- Sammlung in Diotimas Salon im Palais Tuzzi zusammen. Robert Musil zeichnet in diesem nach dem Ersten Weltkrieg geschriebenen großen unvollendeten Roman ein detailliertes Bild der kakanischen Gesellschaft gegen Ende ihres Bestehens. Er schildert Angehörige des Adels, der Bourgoisie, der Bürokratie, des Militärs, der Finanzwelt, der Wirtschaft und der Intelligenz, ebenso wie auch Hausangestellte, Dienerschaft und andere Personen niedrigen Stands und geht dabei bis an den äussersten Rand der Gesellschaft zum verurteilten Frauenmörder Moosbrugger, dessen Geschichte breiteren Raum einnimmt. Wie in Pompeji wenige Jahre vor dem Ausbruch des Vesuvs, ahnen die Protagonisten vom aufziehenden Ende natürlich nichts. Die Beteiligten an der Planung der Parallelaktion besprechen die vielfältigen Ideen, Vorstellungen und Probleme ihrer Zeit und begegnen sich in herzlicher Zu- oder Abneigung. Sie stecken Claims ab und wachen eifersüchtig über Positionen und Einflussmöglichkeiten. Ein paar Stars strahlen besonders.

Der Mann ohne Eigenschaften ist ein umworbener reicher Müßiggänger von 32 Jahren. Er nahm als Leutnant seinen Abschied, studierte das Ingenieurwesen und wendete sich dann der Mathematik zu. Die Frauen lieben ihn. Angefangen hatte es mit der Frau seines Majors, über Leontine, Bonadea, Clarisse, die spröde Ehefrau seines Freunds Walter, Gerda, die Tochter des jüdischen Bankdirektors Fischl bis zu Diotima, der an der Seite ihres älteren Ehemanns, dem staubtrockenen Sektionsrat im Aussenministerium Tuzzi, manches fehlt, die aber nun mit ihrer großen Aufgabe erblüht. Ulrich  philosophiert fortwährend vor sich hin und führt Tagebuchaufzeichnungen. Berühmt und oft zitiert wurden seine Überlegungen zur Möglichkeitsform und zur Wirklichkeitsform. Graf Leinsdorf benötigt bei der Parallelaktion vor allem den Mann ohne Eigenschaften als Impulsgeber.

Der erfolgreiche Kaufmann und Weltbürger Arnheim, der Rathenau nachgebildet ist, dominiert anfänglich das Geschehen, wiewohl er als Preuße eigentlich zur deutschen Gegenseite gerechnet werden muss. Diotimas Herz fliegt ihm begeistert zu.  Der umschwärmte Arnheim vertritt die moderne bürgerliche Welt, die sich an die Ergebnisse der Wissenschaft und die Gesetze der Ökonomie hält, und sich gleichzeitig einen schöngeistigen Ausgleich in den Bereichen der Philosophie, der Kunst und der Literatur schafft. Arnheims Stern sinkt allerdings wieder, als Gerüchte über geschäftliche Absichten auf rumänische Ölquellen zu kursieren beginnen. 

Seine Erlaucht Graf Leinsdorf vertritt würdevoll den alten Adel und die Krone. Er steuert den Verlauf des Geschehens diskret aus dem Hintergrund und geht geschickt um mit den verschiedenen Nationen, die unter dem Dach der österreichisch-ungarischen Monarchie existieren [1], [2] , denn "ein »kakanisches Staatsvolk« musste zu dem existierenden k. und k.-Staat erst erfunden werden" [3]. Besonders liebenswert ist der General Stumm von Bordwehr, der sich langsam aber mit großem Eifer von einer relativ kulturfernen militärischen Aussenseiterposition in geistige Höhen empor arbeitet.

Im zweiten Teil des Romans trifft der Mann ohne Eigenschaften anlässlich des Todes des Vaters in einer fernen Provinzhauptstadt nach vielen Jahren erstmals wieder auf seine Schwester Agathe. Zur Regelung der Trauerangelegenheiten verbringen sie gemeinsam einige Tage im Elternhaus. Das Geschwisterpaar versteht sich auf Anhieb und sie finden Freude aneinander. Erste Regelbrüche beginnen: Ulrich blieb vor Schreck beinahe das Herz stehen, als Agathe vor dem aufgebahrten toten Vater rasch ein Strumpfband vom Bein zieht und dieses dem sittenstrengen alten Herrn für den weiteren Weg ins Jenseits in die Anzugstasche steckt. Man findet pornographische Lektüre in einem Geheimfach des Sekretärs. Dann verfälscht sie das Testament in der Weise, dass ihr Ehegatte, von dem sie sich trennen will, um seinen rechtmäßigen Anteil gebracht wird. Nach der Bestattung des Vaters ziehen sie gemeinsam in die Wiener Wohnung des Mannes ohne Eigenschaften und leben dort zurückgezogen. Zwischen den beiden entwickelt sich allmählich eine inzestuöse Beziehung, die zudem durch eine neue Männerbekanntschaft Agathes - wieder ein sittenstrenger Professor, der sich berufen fühlt, Agathe auf den richtigen Weg zu führen - pikant gewürzt wird.

Ulrich besucht nur noch selten die Veranstaltungen zur Parallelaktion und wird dort schmerzlich vermisst. In einem gewissen Vakuum verschaffen sich bisher nicht beteiligte Persönlichkeiten Raum. Frau Professor Melanie Drangsal (=Nachbildung der Alma Mahler-Werfel), die einen einflussreichen Salon führt, verschiebt allmählich mit dem jungen pazifistischen Dichter Friedel Feuermaul (=Nachbildung Franz Werfel), den sie protegiert, den Schwerpunkt der Gruppe. Sehr zum Missfallen des Kriegsministeriums erhält nun der Pazifismus mehr Gewicht. Am Ende soll ein Weltfriedenskongress in Wien ausgerichtet werden. 

Das Werk gehört neben "Ulisses", "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", "Zauberberg" und einigen anderen zu den ganz großen Romanen des Zwanzigsten Jahrhunderts. Leider lassen sich viele vom schieren Umfang abschrecken. Nach 38 Jahren wieder gelesen, verschaffte  mir die Lektüre, wohl dank der mit der Zeit gewonnenen größeren Übersicht,  noch mehr Vergnügen als beim ersten Mal. Man könnte diesen Roman als ein großes humoristisches Werk über einen gewaltigen Schlag ins Wasser ansehen, er ist aber viel mehr, nämlich ein europäisches Gesellschaftsbild an der Schwelle gewaltiger historischer Eruptionen. Die Protagonisten wurden von der Weltgeschichte überrollt. Es ist 1918 nicht nur Österreich-Ungarn, sondern auch das Deutsche Kaiserreich, das Russische Zarenreich und das Osmanische Reich untergegangen. Vor allem das letztere hinterließ ungelöste Probleme, die etwa im Irak oder in Syrien bis heute virulent sind. In Österreich ist damals eine wunderbare Welt untergegangen, die in der Literatur nachklingt und an die wir uns gerne erinnern wollen. 

Ausgabe: Robert Musil Der Mann ohne Eigenschaften Rowohlt Reinbek 1978
 
Referenzen:

[1] Seite 98
[2] Seite 451
[3] Seite 452

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Gespräche aus der Community

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NailujEgnassas avatar
Hallo zusammen, mich würde interessieren ob es ähnliche Bücher gibt wie Mann ohne Eigenschaften? Bei der Ähnlichkeit geht es mir weniger um den Inhalt sondern eher um den Schreibstil ( vor allem die langen essayistischen Ausführungen von Musil haben es mir angetan ), sowie den Umfang der zwei Bücher welche das ganze nochmal um einiges lesenswerter machen. Habt ihr irgendwelche Empfehlungen / Vorschläge?
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