Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

von Robert Musil 
3,1 Sterne bei272 Bewertungen
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
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Positiv (112):
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Treffende und verstörende Darstellung jugendlicher Psychologie und Ängste

Kritisch (73):
R

ich habe dieses buch gehasst^^

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Inhaltsangabe zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß"

Ein Militär-Internat zur Zeit der Donaumonarchie: Die Kadetten Törleß, Reiting und Beineberg überführen ihren Mitschüler Basini des Diebstahls und missbrauchen ihn als Versuchsobjekt. Robert Musils berühmte Schülergeschichte aus dem Jahr 1906 erzählt nicht nur von den Unsicherheiten und Abgründen der Pubertät, sondern auch von den Gewaltpotentialen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. 1966 von Volker Schlöndorff verfilmt, ist Musils Roman eine bis heute aktuelle Parabel über Gleichgültigkeit und Gewalt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596906512
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:22.06.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 11.05.2012 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    TashaWinters avatar
    TashaWintervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Treffende und verstörende Darstellung jugendlicher Psychologie und Ängste
    Betrachtung einer Misshandlung

    Ich habe geglaubt, dass ich mich durch diesen Roman, auch wenn er nur sehr kurz ist würde durchkämpfen müssen, wie das nunmal oft bei typischer Schullektüre der Fall ist. ich lag aber total falsch.

    Die ersten fünf Seiten fand ich zwar langweilig, aber von dem Moment an als Beineberg, Bozena und Reiting aus Törleß' Sicht beschrieben werden, war ich gefesselt. 
    Der eher unscheinbare Schüler Basini wird von Törleß' Freunden Reiting und Basini des Diebstahls überführt und diese nutzen die Situation, um ihre dunkleren Triebe un Sehnsüchte an diesem auszuleben, unter dem Vorwand menschliche Studien zu betreiben. Törleß selbst ist immer mehr fasinizert von Basini und den Demütigungen, die dieser erdulden muss, bis er schließlich Zuneigung zu diesem entwickelt und sich selbst auf eine Beziehung mit ihm einlässt. 
    Ich fand den Roman stellenweise verstörend und hätte mir auch einen anderen Ausgang gewünscht. Ich hatte mit Basini deutlich mehr Mitgefühl als mit Törleß, aber dennoch hat mich die Darstellung der Charaktere und der inneren Vorgänge des Protagonisten beeindruckt. Ich bin der Meinung, dass die Geschichte auch heute noch ihre Gültigkeit hat und Musil hier wirklich ein Einblick in die Welt des Erwachsenwerdens gelungen ist, ähnlich wie Salinger in "Der Fänger im Roggen".

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    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor 4 Monaten
    Heute nennt man es Mobbing …

    Wie um 1900 während der k. u. k. Monarchie üblich, besuchte auch der junge Törleß das Konvikt einer frommen Stiftung, in dem die Söhne der besten Familien des Landes ihre Ausbildung für den späteren Militär- oder Staatsdienst erhielten. Die ersten Jahre waren geprägt von Heimweh und Einsamkeit, doch nun hat Törleß Freunde gefunden, Reiting und Beineberg, zwei etwas ältere Jungen. Diese Freundschaft gerät ins Wanken, als ein weiterer Mitschüler, Basini, von Reiting beim Diebstahl ertappt wird. Anstatt den Diebstahl vorschriftsmäßig der Anstaltsleitung zu melden beschließen die drei, Basini auf ihre eigene Weise zu bestrafen. Dieser wird nun regelmäßig nachts auf dem Dachboden des Konvikts misshandelt und missbraucht, körperlich und sexuell. Törleß ist dabei mehr der interessierte Beobachter, der die Psyche Basinis zu ergründen versucht. Wie lange kann dieser die sadistischen Handlungen ertragen, bevor er zusammenbricht? Wie lange kann er die nächtlichen Demütigungen noch erdulden? Warum bereitet es Vergnügen, Macht über einen anderen Menschen auszuüben? Doch dann ändert sich plötzlich die Lage, das Drama nimmt seinen Lauf … 

    Der Autor Robert Musil (1880-1942) besuchte von 1892 bis 1897 eine Militär-Kadettenanstalt mit dem Ziel, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Seine Erlebnisse und Erfahrungen dieser Internatsjahre verarbeitete er später in seinem ersten Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, der 1906 erschien. Musil brach seine Militärlaufbahn ab und studierte Maschinenbau. 1911 heiratete er die sechs Jahre ältere Jüdin Martha, war Reserveoffizier im I. Weltkrieg und lebte danach abwechselnd in Wien und Berlin. 1938 flüchtete er mit seiner Frau ins Exil in die Schweiz, nachdem seine Bücher durch den Reichsführer SS bereits verboten worden waren. Sie lebten dort in ärmlichen Verhältnissen und fanden Hilfe beim schweizerischen ‚Hilfswerk für deutsche Gelehrte‘. Musil starb 1942 in Genf an einem Hirninfarkt. Sein Erstlingswerk wurde 1965 von Volker Schlöndorff unter dem Titel „Der junge Törless“ verfilmt und war zu jener Zeit auch eine oft im Schulunterricht verwendete Lektüre. 

    Das Buch lebt hauptsächlich von der psychologischen Betrachtungsweise des Geschehens, was zweifellos Musils Stärke war. Es finden sich interessante Aspekte, die zwar den Geist der Zeit widerspiegeln, dennoch aber zum Teil heute noch Gültigkeit haben. Wenig hat sich im Zwischenmenschlichen geändert, Brutalität und unmenschliches Verhalten kann man auch heute unter Jugendlichen und Heranwachsenden finden. Der Sprachstil war sicherlich zur Zeit der Entstehung des Romans ausgezeichnet und intelligent ausgedrückt – heute ist er jedoch nicht mehr zeitgemäß. Umständliche Formulierungen und verschachtelte Sätze schränken die Lesbarkeit des Textes deutlich ein und erschweren das Verständnis zum Inhalt. 

    Fazit: Gefallen fand ich an der Lektüre nicht unbedingt! Die Handlung ist zwar sehr interessant, aber durch die nicht mehr zeitgemäße Sprache schwierig zu lesen. Kann man lesen, muss man aber nicht!

    Kommentare: 2
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    Fornikas avatar
    Fornikavor einem Jahr
    Hinter Internatstüren

    Der junge Törleß lebt in einem Internat zu Zeiten der k.-u.-k. Monarchie. Neben der schulischen Ausbildung soll das Institut die Schüler auch auf eine Karriere im Militär vorbereiten. Törleß fühlt sich zunehmend unwohl und entdeckt eine völlig neue Seite an sich selbst, als der Mitschüler Basini von anderen erpresst und gequält wird. Eine dunkle Seite.

     

    Musils Debut wirft einen tiefen Blick in die Psyche pubertärer Jugendlicher und zeichnet ein verstörendes Bild. Unterdrückung, Sadismus, sexuelle Gewalt, Scham… Musils Figuren kennen keine Grenzen. Törleß als Hauptfigur bildet da keine Ausnahme, auch wenn er eher an den psychologischen Folgen für das Opfer Basini interessiert ist. Kein leichter Stoff also, den sich Musil da vorgenommen hat. Auch sprachlich fand ich zur Geschichte keinen rechten Zugang, manchmal sperrig, manchmal wirr, erzählt Musil vor sich hin. Insgesamt ein Klassiker, der mich so gar nicht begeistern konnte.

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    SandraWers avatar
    SandraWervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: verwirrend, verstörend, brilliant
    verwirrend, beklemmend, verstörend

    Der junge Törleß, der aus einer gut gestellten Familie kommt, wird nach seinem eigenen Wunsch in ein Militärinternat geschickt. Dort, zum ersten Mal für längere Zeit weg aus seinem Elternhaus, muss er mit starkem Heimweh und Depressionen kämpfen. 

    Törleß schließt nach und nach Freundschaft mit zwei seiner Mitschüler, Reiting und Beineberg. Diese entdecken, dass ein anderer Mitschüler, Basini, einen Mitschüler bestohlen hat. Sie entscheiden sich, dies nicht der Schulleitung zu melden und dafür mittels Selbstjustiz ihren Mitschüler zu quälen. Basini selbst schwört allen Anweisungen Folge zu leisten, wenn er nicht an den Direktor verraten werde.

    Jeder nutzt nun Basini für seine Interessen. Reiting und Beineberg scheinen Spaß daran zu haben ihren Mitschüler zu quälen. Sie befriedigen ihre Gelüste nach Macht, aber auch sexueller Natur. Törless hingegen wird nicht gewalttätig gegenüber Basini, allerdings immer nachdenklicher. Er verspürt anfangs ein gewisses Interesse an der Situation selbst, die bestimmte Fragen in ihm aufwirft und als Teil einer Selbstfindung gesehen werden kann.

    Eines Tages, als viele der Mitschüler übers Wochenende verreist sind,
    ist Törless mit Basini alleine und verspürt eine große Sinnlichkeit. Die
    beiden nähern sich einander auf sexuelle Weise. Törleß ist vorerst
    begeistert von dieser Sinnlichkeit, die er selbst verspürt, aber es
    handelt sich nicht um Liebe, sondern vielmehr um sexuelles experimentieren. Zum Ende hin ist für Törleß dieses Verhältnis beendet. Er sieht in seiner eigenen Erinnerung nicht sich selbst, der diesen
    Begegnungen beigewohnt hat und zieht sich somit aus der Affäre.

    Da Reiting und Beineberg zunehmend brutaler werden, verliert Törleß das
    Interesse und sieht Basini als feige an, da dieser alles mit sich
    geschehen lässt.  Er verachtet Basini. Basinis Diebstahl wird zum Ende
    hin doch gemeldet und er sowie auch Törleß müssen die Schule verlassen.

     Der „Törleß“ ist Musils Erstlingswerk das 1906 veröffentlicht wurde und neben dem Mann ohne Eigenschaften auch sein Bekanntestes Werk blieb. Viele Autoren dieser Zeit haben das Thema Schule und die Beziehung Lehrer – Schüler – Eltern und Mitschüler untereinander behandelt. Aber der Törleß war auf eine gewisse Weise neu, wegen der expressionistischen Züge im Werk.

    Die Hauptfigur des Törleß ist nicht Hauptakteur, sondern vielmehr zurückhaltender Beobachter. Bei der Misshandlung des Schülers Basini, die auch sexuell ist, wird das Tabuthema Homosexualität angesprochen, ohne dieses zu verurteilen. Das ist ein Grund für das Verbot des Buches während der NS-Zeit.

    Törless befindet sich während der Zeit der Misshandlungen in einem inneren Konflikt. Bei diesem Konflikt geht es Törleß darum, welches Gefühl bei ihm im Zuge dieser Misshandlung entsteht. Allerdings interessiert ihn hier mehr, was in ihm selbst vorgeht, als im misshandelten Basini. Mitgefühl mit dem Misshandelten hat er keines. Lediglich ein einziges Mal fragt er diesen, wie er sich fühle. Es spielen unter anderem auch Verwirrungen eines Pubertierenden, eines Jungen Menschen im allgemeinen mit.

    Es gibt hier durchaus Paralellen zu Musils Leben, die aber nicht vollständig geklärt sind. Er selbst war in einer vergleichbaren Schule.

    Es stellt sich auch die Frage ob die Handlung der Jugendlichen im Buch eine Vorwegnahme faschistischer Strukturen der späteren NS-Zeit ist.


    Zitate

    Heimweh und Depressionen im Internat:
    „Vielleicht
    war daran die Abreise seiner Eltern schuld, vielleicht war es jedoch
    nur die abweisende, stumpfe Melancholie, die jetzt auf der ganzen Natur
    ringsumher lastetete und schon auf wenige Schritte die Formen der
    Gegenstände mit schweren glanzlosen Farben verwischte.“

    Ein früherer Freund des Törleß, von dem er etwas über Menschenkenntnis lernte:
    „ Der Umgang mit dem Prinzen wurde so zur Quelle eines feinen psychologischen Genusses für Törleß. Er bahnte in ihm eine Art Menschenkenntnis an, die es lehrt, einen anderen nach dem Falle der Stimme, nach der Art, wie er etwas in die Hand nimmt, ja selbst nach dem timbre seines Schweigens und dem Ausdruck der körperlichen Haltung, mit der er sich in einen Raum fügt, kurz nach dieser beweglichen, kaum greifbaren und doch erst eigentlichen vollen Art, etwas Seelisch-Menschliches zu sein, die um den Kern, das Greif- und Besprechbare, wie um ein bloßes Skelett herumgelagert ist, so zu erkennen und zu genießen, daß man die geistige Persönlichkeit dabei vorwegnimmt.“

    Hier spricht Reiting, einer der Peiniger:
    [Zuvor: Erklärung, wie die Härte eines Steins entsteht, dann..]
    „Bei einem Menschen legt sie [die Weltseele] diese Härte in seinen Charakter, in sein Bewusstsein als Mensch, in sein Verantwortlichkeitsgefühl, ein Teil der Weltseele zu sein. Verliert nun ein Mensch dieses Bewusstsein, so verliert er sich selbst. Hat aber ein Mensch sich selbst verloren und sich aufgegeben, so hat er das Besondere, das Eigentliche verloren, weswegen die Natur ihn als Mensch geschaffen hat.“

    Törleß in seinen Überlegungen über die Misshandlungen:
    „Und was groß und menschenfremd aussieht, solange unsere Worte von ferne danach langen, wird einfach und verliert das Beunruhigende, sobald es in den Tatkreis unseres Lebens eintritt.“

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    leserins avatar
    leserinvor 5 Jahren
    Grandioses Buch

    Ich lese sehr gerne Klassiker. Das Buch hat mich wieder mal überzeugt, ab und zu etwas  "älteres" zu lesen.
    Es hat mich in jeder Richtung überzeugt:  Sprache überwältigend, Inhalt psychologisch bestens.

    Das Buch regt zum Nachdenken und zum Diskutieren an.

    Absolut empfehlenswert.

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    G
    Geheimnisvor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

    Seit langem wieder einmal eine Lektüre, die mich wirklich fesselt. Eine tiefe, psychologisierende Sprache, die mir den Protagonisten sehr nahe bringt. Eine reiche Sprache, die nicht immer ganz leicht zu "knacken" ist - ich habe es nicht bei allen Beschreibungen seines Inneren vermochte. Und dennoch: So viele reiche, tiefe Momente, die mich an die innerlich unsichere Zeit der eigenen Pubertät erinnerten. Wo man die Stärke der anderen noch übertrumpfen will - und gerade dadurch als Schwächling erkennbar wird, auch bei den "Starken". Wo Unterdrückung und sexuelle Anziehung Hand in Hand zu gehen scheinen. Schlimm, wenn man dann in einem System funktionieren soll, in dem das Motiv des Versuchens eine Perversität darstellt - und dadurch wirkliche Perversitäten gebiert.

    Genial die grossartige Szene, in der sich Törless zu erklären versucht, wie er sich im Gegensatz oder auch im Zusammenhang mit der Welt empfindet - und jeder der Pädagogen glaubt, einen Pluspunkt für sich verbuchen zu können. Dabei ist das, was sich innen abspielt, so weit entfernt von allen Schubfächern.

    Ein eindrückliches Buch, das ich nie wieder vergessen werde.

    Schade, dass es sovielen Schülern aufgezwungen wird, es zu lesen - ganz ehrlich: Wer öffnet sich denn schon mit 15 Jahren dieser detaillierten Sprache? Ein eindeutiger Lehrplanfehler...und fast schon ein bitterer Kommentar zur Botschaft des Buches.

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    Theresis avatar
    Theresivor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

    Da ich diese Lektüre im Deutschunterricht lesen musste und das ganze in 3 Tagen, hatte ich zunächst einmal nicht die Möglichkeit gründlich über das Werk nachzudenken und fand es dementsprechend auch sehr verwirrend. Die Handlung finde ich persönlich sehr interessant, doch die Art und Weise WIE das Buch geschrieben ist gefällt mir absolut nicht. Mir fehlt der Pepp und die Spannung. Ich würde ehr andere Lektüre bevorzugen und es ist eindeutig nichts für den Schulunterricht.

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    Sokratesvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

    Ein sehr beklemmendes, irritierendes und bewegendes Buch; Musil gelingt es auf meisterlich-psychologische Art und Weise die Abgründe junger Menschen, eingebunden in Gruppendynamik und Pubertät, darzustellen - und das in einer Zeit, die man zunächst einmal als nicht so gewaltgeneigt wie die unsrige ansehen würde. Ein sehr lesenswertes Buch, das an Aktualität leider nichts verloren hat.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

    Ein wirklich geniales Buch finde ich.
    Robert Musil, der selbst noch jung war als er es schrieb, beeindruckte mich sehr durch seine psychologischen Beobachtungen, die sich sehr an Freud anlehnen.
    Ich musste leider feststellen, dass dieser Roman oft falsch verstanden wird, als wir ihn in der Schule lesen sollten. Ich selbst habe es mit viel Interesse gelesen und glaube erkannt zu haben, dass der Autor ein großes psychologisches Verständnis aufbringt.
    Die Thema (ich gehe absichtlich nicht nochmal darauf ein) mag abschreckend wirken, sollte aber dennoch behandelt werden.
    Für mich ein absolut lesenswerter Roman für jeden der sich für Psychologie interessiert und der sich nicht von ein bisschen Gewalt und Homoerotik abschrecken lässt.

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    Sariis avatar
    Sariivor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

    Der Roman „Die Verwirrung des Zöglings Törleß“ von Robert Musil, erschienen 1906, thematisiert das Lebens des gleichnamigen Protagonisten hinsichtlich seiner Selbstfindung.
    Der Schauplatz ist eine österreichische Militärschule. Im Fokus des Romans stehen neben Törleß noch drei weitere Personen Basini, Reiting und Beineberg. Alle vier sind Schüler der Kadettenanstalt und sie verbindet ein dunkles Geheimnis.
    Törleß, ein Junge aus gutem Hause, orientiert sich während der Schulzeit immer mehr an dem beliebten und rebellischen Reiting, dessen Vorstellungen und Interesse dem Übernatürlichen gelten, besonders der Hypnose. Jener beeinflusst Törleß, sodass dieser als Anhängsel Reitings wahrgenommen werden kann. Nachdem Basini, stets an Statussymbolen interessiert, Reiting Geld klaut, um seine Schulden bei Beineberg zu bezahlen wird dieser zum Opfer der drei Jugendlichen. Basini schwört allen Anweisungen Folge zu leisten, wenn er nicht an den Direktor verraten werde. Jeder der drei Jugendlichen nutzt Basini somit für seine eigenen Interessen. Beinberg lebt neben seinen sexuellen Wünschen auch seinen Drang zur Macht an Basini aus, indem er jenen brutalst verprügelt und als Untertanen benutzt. Reiting hingegen benutzt Basini für seine eigenen Studien, aber auch für sexuelle Gelüste. Beide steigern sich immer mehr in die Macht gegenüber Basini hinein und werden in der Misshandlung stets grausamer und verlieren ihr „Ziel“. Törleß hingegen ist zu keiner Zeit gewalttätig gegenüber Basini, ihn interessieren die Gedanken und Motivation des Opfers all dies durchzustehen. Anfänglich entnimmt Törleß dem ganzen einen gewissen Reiz, da es ihn der schnelle Absturz fesselt. Nach einem Gespräch unter vier Augen mit Basini empfindet er diesen Reiz nicht mehr, da er Basini für feige empfindet und für sich zu dem Fazit gelangt, dass alles einfach passiert. Gelangweilt von der Misshandlung setzt sich Törleß von den beiden Freunden ab und beginnt das Geschehene zu verarbeiten. Als jedoch deutlich wird, dass jene Basini der Schulklasse ausliefern wollen warnt Törleß diesen. Jedoch wird Basini auch von der gesamten Klasse gefoltert. Basini wird der Schule verwiesen nachdem seine Tat herauskommt. Aber auch Törleß verlässt die Kadettenanstalt, da er für zu überreizt befunden wird und einer heimischen Erziehung bedarf.
    Musil thematisiert in dem Roman die Entstehung von Gewalt und deren Strukturen durch die Misshandlung an Basini, aber auch die persönliche Entwicklung innerhalb der Pubertät. Hier spielt neben der sexuellen Neugier auf das Sammeln von eigenen Erfahrungen und Interessen eine große Rolle. Der Leser nimmt quasi an einem Entwicklungsstadium des Protagonisten teil und vergleicht sich selbst mit dessen gewonnen Erfahrungen. Was noch hervor zuheben ist, dass Musil selbst in einer Militäterziehungsanstalt war, um Offizier zu werden. Viele Ereignisse scheinen somit wahrheitsgemäßen Charakter zu besitzen.
    Mein Fazit: Ein spannendes und interessantes Buch, was aber bestimmt zweimal gelesen werden muss, um alle Feinheiten sowohl inhaltlicher als auch sprachlicher Natur entdecken zu können.

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