Robert Scheer

 4.6 Sterne bei 56 Bewertungen
Robert Scheer

Lebenslauf von Robert Scheer

geboren am 23. März 1973 in Carei, Rumänien. 1985 Emigration der Familie nach Israel. Abitur. Arbeit als Rockmusiker, Dolmetscher, Musikproduzent. Bis 2004 Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Deutsch an der Universität Haifa, Israel mit Masterabschluss. Weiteres Studium an der Universität Tübingen. Seit 2008 Schriftsteller.

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Rezension zu "Der Duft des Sussita" von Robert Scheer

Das gelobte Land hat eine eigene Automarke
Daphne1962vor 2 Monaten

Der Autor: Robert Scheer wurde 1973 in
Rumänien geboren und lebte mit seiner
Familie ab 1985 in Israel. Er versuchte sich
als Rockmusiker in London, auch als
Dolmetscher und als Musikproduzent. Heute
lebt er seit 1999 in Tübingen und ist nach
einem Philosophiestudium als Buchhändler
und auch Schriftsteller tätig. Aber auch
sonst ist er sehr vielseitig begabt.

Dieses Buch ist 2012 im Hansa-Verlag
erschienen.

In 12 wunderbaren Kurzgeschichten
berichtet Robert Scheer u. A. über den
Duft des Sussita. Es handelt sich
nicht um eine Modemarke oder
Parfum, nein es ist ein Auto. Über eine
glückliche Familie, die ihren ersten
Ausflug mit diesem neuen Auto macht
und nach dem Essen das Auto nicht
mehr finden kann. Oder wie ein
Opernbesuch zum ersten Richard
Wagner Konzert in Israel bei den
Israelis ankommt. Ganz besonders
gefallen hat mir die Geschichte mit
Lothar Matthäus, der sich in Israel
als Trainer versucht hat und leider
den Spieler mit dem falschen Namen
arrangieren wollte oder die Privatisierung
der Essenlieferungen an der Front für
die Soldaten.

Der Leser bekommt einen hervorragenden
Einblick in die Lebensweise und auch
Denkweise der in Israel lebenden Menschen,
mit all ihren Macken und Eigenarten.
Sehr amüsant fand ich es.

Auch hat Robert Scheer so seinen ganz
eigenen Stil etwas zu erzählen. Durch
häufige Wiederholungen der Wörter und
Sätze prägt sich der Text richtig ein.
Lässt es noch mal Revue passieren, denkt
darüber nach und ich musste dann auch
immer mal wieder Dinge nachschlagen
oder auch Passagen aus der Bibel
heraussuchen. Habe einiges neues gelernt,
über die ausgestorbene Gattung der
Amalekiter und über die geheimnisvollen
Drusen, die nur noch in einigen wenigen
Ländern leben.

Von solchen Geschichten darf es ruhig
noch mehr geben. 

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EIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...

Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.


"Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)


Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.

Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.

Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.

Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.


"Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)


Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.

Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.

Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.

Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.


© Parden

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Diese Geschichte hat mich sehr lange beschäftigt. Zuerst freute ich mich sehr darauf, diese Geschichte lesen zu können, als das Buch dann vor mir lag, konnte ich mich nicht entschließen, es tatsächlich zu lesen. Nie schien die richtige Zeit gekommen, immer wieder suchte ich den Beginn, nahm es mit auf Reisen. Las es aber doch nicht. Als ich dann endlich die Ruhe und richtige Zeit hatte, war ich überwältigt.
Der Autor besucht seine Großmutter in Israel, beide sprechen miteinander über das Leben der Großmutter, das, was sie sagt, wirkt unverfälscht und liest sich durch diese Authentizität als sei der Leser Teil der Gespräche.
Scheer bringt dabei  auf wenigen Seiten das ganze Leben seiner Oma unter, geboren 1924 wächst sie in Rumänien an der Grenze zu Ungarn auf. Welch schönes Leben zunächst, eine  Mädchenschar , erweitert um einen kleinen Bruder, eine liebevolle Familie. Pici ist aufgeschlossen und rege, doch sie wächst in der dunkelsten Zeit europäischer Geschichte auf, während man ihrer Erinnerungen lauscht, ziehen dunkle Ahnungen auf, schon durch diesen Buchtitel ist klar, wohin dieses Leben sie führen wird. Es wird unerträglich, und gleichwohl ist diese Erinnerung real, das Geschehen erlebt und durchlebt worden. Auch wenn ich dachte, nicht weiterlesen zu können, Abstand zu brauchen, die Erinnerungen der 90jährigen Dame lassen sich nicht einfach wegschieben. So schmerzlich die Berichte, so knapp mancher Satz, der den Abgrund deutlich macht, irgendwie hoffte ich auf jeden  winzigen positiven Moment. Davon gab es leider nicht wirklich viele. Die Geschichte ist berührend,  traurig, grausam und unfassbar, eine nicht einfach zu berichtende Geschichte, auch für Pici selbst, die bei dem Erzählen alles nochmal durchleben musste. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie es getan hat, nicht geschwiegen hat und dadurch einen großen Beitrag geleistet hat . Erlebte Geschichte, ungeschönt und ehrlich. Danke, dass ich teilhaben konnte, auch wenn es ein schwerer Weg war. Für Pici, Robert Scheer und die Leserin., 

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Robert Scheer wurde am 23. März 1973 in Carei (Rumänien) geboren.

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