Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

von Robert Scheer 
4,7 Sterne bei42 Bewertungen
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
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Positiv (41):
pardens avatar

Ein Buch 'Gegen das Vergessen', ein Leben vor, während und nach dem Holocaust. Ein persönliches Mahnmal...

Kritisch (1):
MichaelSterziks avatar

Aufarbeitung persönlicher Erinnerungen. Zu langatmig, zu wenig konzentriert auf das Kernthema. Emotional und Inhaltlich nicht überzeugend.

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Inhaltsangabe zu "Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück"

2014 reist der wahldeutsche Autor Robert Scheer nach Israel, um dort seine Großmutter Elisabeth Scheer, genannt Pici, über ihre Kindheit und Jugend zu befragen. Pici feiert in dem Jahr ihren 90. Geburtstag. Ihrem Enkel gegenüber gibt Pici Auskunft, wie sich in den 1940er Jahren durch den Nationalsozialismus die Lage für die jüdische Bevölkerung in Ungarn verschlechterte. Sie berichtet über ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare, im Konzentrationslager Auschwitz, im berüchtigten Außenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbrück und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 im mecklenburgischen Malchow befreit wurde. Pici`s Eltern, ihre Schwestern, ihr Bruder, ihr Schwager und ihre kleine Nichte wurden im Holocaust ermordet. Pici`s detailreichen Erinnerungen machen es den Leserinnen und Lesern leicht, sich das Leben in der damaligen Zeit vorzustellen, in der es Alltag und Familie gab, später dann Unmenschlichkeit und Vernichtung und nur vereinzelt auch Mitgefühl und Solidarität. Pici stirbt 2015 mit 91 Jahren.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783944442402
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:228 Seiten
Verlag:MARTA PRESS
Erscheinungsdatum:11.03.2016

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    pardens avatar
    pardenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch 'Gegen das Vergessen', ein Leben vor, während und nach dem Holocaust. Ein persönliches Mahnmal...
    Ein persönliches Mahnmal...

    EIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...

    Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.


    "Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)


    Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.

    Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.

    Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.

    Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.


    "Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)


    Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.

    Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.

    Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.

    Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.


    © Parden

    Kommentare: 8
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    Milagros avatar
    Milagrovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Tief berührende Lebensgeschichte
    Bewegende Geschichte

    Diese Geschichte hat mich sehr lange beschäftigt. Zuerst freute ich mich sehr darauf, diese Geschichte lesen zu können, als das Buch dann vor mir lag, konnte ich mich nicht entschließen, es tatsächlich zu lesen. Nie schien die richtige Zeit gekommen, immer wieder suchte ich den Beginn, nahm es mit auf Reisen. Las es aber doch nicht. Als ich dann endlich die Ruhe und richtige Zeit hatte, war ich überwältigt.
    Der Autor besucht seine Großmutter in Israel, beide sprechen miteinander über das Leben der Großmutter, das, was sie sagt, wirkt unverfälscht und liest sich durch diese Authentizität als sei der Leser Teil der Gespräche.
    Scheer bringt dabei  auf wenigen Seiten das ganze Leben seiner Oma unter, geboren 1924 wächst sie in Rumänien an der Grenze zu Ungarn auf. Welch schönes Leben zunächst, eine  Mädchenschar , erweitert um einen kleinen Bruder, eine liebevolle Familie. Pici ist aufgeschlossen und rege, doch sie wächst in der dunkelsten Zeit europäischer Geschichte auf, während man ihrer Erinnerungen lauscht, ziehen dunkle Ahnungen auf, schon durch diesen Buchtitel ist klar, wohin dieses Leben sie führen wird. Es wird unerträglich, und gleichwohl ist diese Erinnerung real, das Geschehen erlebt und durchlebt worden. Auch wenn ich dachte, nicht weiterlesen zu können, Abstand zu brauchen, die Erinnerungen der 90jährigen Dame lassen sich nicht einfach wegschieben. So schmerzlich die Berichte, so knapp mancher Satz, der den Abgrund deutlich macht, irgendwie hoffte ich auf jeden  winzigen positiven Moment. Davon gab es leider nicht wirklich viele. Die Geschichte ist berührend,  traurig, grausam und unfassbar, eine nicht einfach zu berichtende Geschichte, auch für Pici selbst, die bei dem Erzählen alles nochmal durchleben musste. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie es getan hat, nicht geschwiegen hat und dadurch einen großen Beitrag geleistet hat . Erlebte Geschichte, ungeschönt und ehrlich. Danke, dass ich teilhaben konnte, auch wenn es ein schwerer Weg war. Für Pici, Robert Scheer und die Leserin., 

    Kommentare: 2
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    cvcoconuts avatar
    cvcoconutvor 2 Jahren
    eine Zeitreise in die Geschichte

    Das Buch erzählt die Geschichte der  Großmutter des Autors. Es ist ihre Kindheit und ihr Leben ins KZ. Es ist zwar nur ein kleiner Auszug, dafür aber umso erschreckender , was die Menschen damals alles miterleben mussten.  Durch diese Geschichte haben ein paar stumme Zeugen wieder einen Namen und ein Gesicht bekommen. Nur von Bildern oder Reportagen kann man sich diesen Wahnsinn kaum vorstellen. Gerade deshalb finde ich es toll, dass Pici nie aufgegeben hat und nach so vielen Jahren auch ihre Geschichte erzählt hat. Es muss schrecklich sein, mit diesem Ballast zu leben. Interessant waren auch die Bilder und die Auszüge mit den Listen.  Der Roman war eine kleine Zeitreise in die Geschichte.

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    Alondrias avatar
    Alondriavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Tief berührend, emotional, bewegend
    [Rezension] Robert Scheer: Pici

    Das Buch

    2014 reist der wahldeutsche Autor Robert Scheer nach Israel, um dort seine Großmutter Elisabeth Scheer, genannt Pici, über ihre Kindheit und Jugend zu befragen. Pici feiert in dem Jahr ihren 90. Geburtstag. Ihrem Enkel gegenüber gibt Pici Auskunft, wie sich in den 1940er Jahren durch den Nationalsozialismus die Lage für die jüdische Bevölkerung in Ungarn verschlechterte. Sie berichtet über ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare, im Konzentrationslager Auschwitz, im berüchtigten Außenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbrück und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 im mecklenburgischen Malchow befreit wurde. Pici's Eltern, ihre Schwestern, ihr Bruder, ihr Schwager und ihre kleine Nichte wurden im Holocaust ermordet.

    Ihre detailreichen Erinnerungen machen es den Leserinnen und Lesern leicht, sich das Leben in der damaligen Zeit vorzustellen, in der es Alltag und Familie gab, später dann Unmenschlichkeit und Vernichtung und nur vereinzelt auch Mitgefühl und Solidarität. 2015 stirbt sie mit 91 Jahren.

    Das hat mir gefallen:

    Robert Scheer trifft den Leser durch seine Art zu schreiben direkt ins Herz, denn Pici's Geschichte wird von ihr selbst erzählt - mit nur wenigen Unterbrechungen durch den Autor. Es ist also regelrecht ein Bericht einer Überlebenden. Nichts wird beschönigt oder verschwiegen. So bekommt man als Leser einen detailreichen Einblick in das Leben einer Jüdin zu Zeiten des Holocaust. Die Täter werden ganz klar als Täter beschrieben, ohne Entschuldigungen, ohne Rechtfertigungen. Dies gewährleistet einen tieferen Einblick in die deutsche Geschichte als jedes 08/15-Geschichtsbuch. Mit jeder Seite, die man liest, wird es emotionaler, berührender. Vor allem die Erinnerung an so viele Opfer des Holocaust durch die ganzen Namen, an die Pici sich noch erinnert, hat mir beim Lesen sehr gefallen - denn all diese Menschen sollten nicht vergessen werden.

    Durch den Aufbau des Buches fällt der Einstieg in Pici's Lebensgeschichte sehr leicht. Die Kapitel sind nach verschiedenen Personen oder Erlebnissen eingeteilt, sodass man sich als Leser schnell zurecht findet. Das Ganze wird unterstützt durch abgedruckte Dokumente und Fotos. Gerade die Fotos lassen die Personen aus Pici's Leben noch realer werden - dadurch wird dem Leser bewusst vor Augen geführt, dass es sich um tatsächliche Opfer handelt.

    Besonders gut gefallen hat mir am Ende noch das Literaturverzeichnis, das den Leser bei tiefergehendem Interesse eine eigene Nachforschung möglich macht. Für mich als Geschichtsstudentin ist das natürlich etwas, bei dem ich nicht widerstehen kann das ein oder andere Buch mal in die Hand zu nehmen!

    Das hat mir nicht so gut gefallen:

    Wie bereits erwähnt sind im gesamten Buch Dokumente und Fotos abgebildet. Leider sind sie zum Teil sehr klein und vor allem bei den Dokumenten hätte ich mir größere Abbildungen gewünscht, sodass man sie problemlos lesen kann (oder eine Abschrift nach jedem Dokument).

    Zitate

    "Das nächste Mal, wenn du nach Israel kommst, wirst du als Fremder hierher kommen."
    "Nicht unbedingt als ein Fremder, aber als deutscher Staatsbürger."
    "Das Leben ist interessant", sagte Pici. "Bald bist du Staatsbürger des Landes, welches meine ganze Familie ermordet hat."
    (S. 29)

    "Der Weg, auf dem wir gingen, war an beiden Seiten von Stacheldraht umgeben. Um den Zaun hüpften Frauen. Und da dachte ich mit Anerkennung an die Deutschen, die diese kahlköpfigen Wahnsinnigen eingesperrt hatten! Kurz danach sahen auch meine Schwestern und ich so aus."
    (S. 130)


    Fazit

    Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Überlebenden des Holocaust - mit diesem Gedanken im Hinterkopf sollte man es also auch lesen. Es ist definitiv keine "leichte Lektüre" für Zwischendurch, sondern ein ernstes Thema, das einen nach so vielen Jahren immer noch emotional sehr tief berührt. An vielen Stellen war für mich eine Pause notwendig, um das Gelesene zu verarbeiten und zu verstehen - oder es zumindest zu versuchen. Für jeden, der sich für Einzelschicksale aus dem 2. Weltkrieg interessiert, ist dieses Buch sehr zu empfehlen!

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    Charleas avatar
    Charleavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Bewegt versuche ich zu verstehen, doch ich weiß, dass ich dazu niemals in der Lage sein werde.
    Bewegt versuche ich zu verstehen, doch ich weiß, dass ich dazu niemals in der Lage sein werde.

    "Um ein neues Leben anzufangen, musste ich aus einem so unermesslich tiefen Graben aufsteigen, an dessen Schwelle ich allerdings bis zum heutigen Tag stehe, immerhin wieder auf meinen eigenen Füßen. Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens ist das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich leben noch." (S. 56, Pici)


    Robert Scheer interviewt in seinem Buch "Pici. [...]" seine Großmutter Elisabeth, welche Pici gerufen wird, und befragt sie zu ihren Erinnerungen an ihre Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs. Wie der Titel des Buches vermuten lässt, befassen sich ganze Kapitel mit ihren Erlebnissen in den Ghettos Carei und Satu Mare, sowie den Konzentrationslagern Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück. Das Buch ist sehr persönlich geschrieben, was allein die Tatsache bewirkt, dass der Enkel im direkten Gespräch mit seiner Großmutter schreibt. Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass die emotionale Komponente, die man vielleicht vermuten würde angesichts dieser Tatsache, wohl vor allem beim Leser aufkommt, nicht jedoch beim Autor oder bei der Protagonistin Pici. Zu jeder Zeit des Buches hatte ich das Gefühl, dass der Wunsch, die Nachwelt an den Geschehnissen teilhaben zu lassen größer waren als die Scham, über das Geschehene nicht reden zu wollen.


    Was mir besonders gut gefallen hat ist die Behutsamkeit, mit der der Autor uns das Buch erzählt. Die wirklich sehr persönliche Geschichte beginnt noch vor der Zeit in den Ghettos und den KZs, so dass man sich ein gutes Bild davon machen kann, wie die Geschehnisse zugetragen haben. Picis Menschlichkeit und ihr Stolz, selbst in unfassbar unmenschlichen Situationen, haben mich mehrfach zu Tränen gerührt und machen ihre Geschichte für mich zu einer der wichtigsten, die ich je lesen durfte.

    Ich ziehe den Hut vor dieser mutigen Frau, die soviel Leid durchgestanden hat und sich nach all dem mit ihrem Enkel hinsetzt und uns daran teilhaben lässt, uns erinnert an einen Teil unserer Geschichte, den noch immer Leute ignorieren, als Lügenmärchen verleumden und somit jedem Überlebenden und auch den Nachfahren zu tiefst verletzen.


    Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist das Nachwort der Verlegerin und der Anlagenteil, in dem Dokumente noch einmal einen äußeren Blick auf die persönliche Geschichte Picis werfen.



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    dieFlos avatar
    dieFlovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ich finde keine Worte, die mein Gefühl nach dem Lesen wiedergeben können!
    Wenn Worte fehlen

    Wenn Worte fehlen, ist es schwer eine Rezension zu schreiben und das wo ich doch immer rede und voller Energie bin. "Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei, Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück" ist der persönliche Rückblick von Roberts Großmutter auf ihr Leben. 

    Robert Scheer wollte es schon lange tun, sein Großmutter Pici interviewen, fragen,wie sie ihr Leben sieht und als der 90. Geburtstag durch ist, werden aus Worte Taten. Man merkt als Leser sehr schnell, wie nah er ihr steht, wie er dieses Interview braucht, wie er die gemeinsame Zeit genießt. Pici erzählt von einer unbeschwerten Kindheit, einem Leben als 4. Tochter einer jüdischen Familie, behütet und geliebt in einer xxl Familie aufwachsend. Sie kann nicht ahnen, dass mit Hitlers Machtergreifung ihre Familie eigentlich komplett ausgelöscht werden wird, sie genießt die Schule, doch dann kommt das Grauen. 

    Pici erzählt so liebevoll und dann wieder so neutral und gibt zu, dass der Kopf Dinge vergisst, um sich zu schützen. Sie sagt, dass sie nie erwartet hätte, so alt zu werden und dass es so traurig ist, dass niemand mehr da ist. Sehr bewegend fand ich ihre Aussage, dass sie Geburtstage und andere Feste niemals so genießen konnte, wie vor der Zeit, denn sie hat immer rauschende Feste mit vielen Familienmitgliedern im Kopf und nach ihrer Hochzeit bestand ihre Familie tatsächlich nur aus einem Mann und einem Sohn. Noch etwas ist sehr treffend und hat mich berührt. Ihr Enkel, also derAutor Robert bekommt die deutsche Staatsangehörigkeit und sie sagt: es ist okay, es ist gut und, und das ist das, was ich meine, sie sagt ihr Deutschen heute seid anders, man kann und darf das nicht vergleichen. Wenn doch bitte alle diese Einsicht hätten, was wäre das Leben einfacher! Danke! Danke du lieb kleine, doch so große, starke Frau!

    Ein Buch, was ein Lesemuss sein sollte! Es ist mit Fotos versehen und einfach wunderbar geschrieben. Danke Robert für das Bereitstellen! Danke für den Einblick in deine Familie!

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    Sommerregens avatar
    Sommerregenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: So beeindruckend, dass mir die Worte fehlen!
    So beeindruckend, dass mir die Worte fehlen!

    2014 besucht Robert Scheer seine neunzigjährige Großmutter Elisabeth, genannt Pici, "die Kleine", in Israel, um seine wohlmöglich letzte Chance, etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren, wahrzunehmen. So erfährt er von der Lage der Juden, die sich in der 1940er Jahren in Ungarn zunehmend verschlechterte.
    Sehr detailreich erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend, davon, wie schwierig es für das intelligente Mädchen war, Bildung zu erhalten, von ihren Verwandten, wie Juden immer mehr ausgegrenzt und diskriminiert wurden, Erfahrungen in Ghettos und Konzentrationslagern, Judengesetzen und vielem mehr.
    So erhält der Leser einen sehr tiefen Einblick in die Erlebnisse einer Holocaust-Überlebenden, die im Holocaust ihre ganze Familie verloren hat.
    Dadurch, dass der Leser direkt an dem Gespräch zwischen Pici und ihrem Enkel teilhaben kann, ist man dem Erzählten sehr nahe. Darüber hinaus spürt man beim Lesen die tiefe Verbindung der beiden, was sehr beeindruckt. Man merkt außerdem immer wieder, wie schwer es Pici, besonders im zweiten Teil des Buches, fällt, über ihre Erlebnisse zu sprechen, manchmal kommt sie ins Stocken oder hat Erinnerungen verdrängt. Besonders solche Passagen haben mich erschüttert...
    Manchmal springen ihre Gedanken auch, was zunächst verwirrend, dann aber auch wieder sehr eindrucksvoll ist. Ich bin beeindruckt von ihrem guten Gedächtnis und der Offenheit, mit der sie ihre Geschichte erzählt. Robert Scheer stellt ihr dabei immer an geeigneter Stelle ein Frage, hakt nach oder motiviert seine Großmutter zum Fortfahren, sodass man sich immer gut durch das Gespräch geführt fühlt.
    Gerade diese emotionale Komponente ist etwas, das vielen Büchern zu dem hier behandelten Thema fehlt; oft werden Fakten genannt, Schicksale angerissen, aber kaum Zeitzeugen über ihre Gefühle gefragt.
    Sehr gelungen sind auch die vielen Fotos, die eingestreut werden, sodass man zu den Schicksalen auch Gesichter im Kopf hat oder sich unmenschliche Gräueltaten besser vor Augen führen kann. Bildunterschriften wie "Nicht arbeitsfähiges "Menschenmaterial", wie alte Menschen, Kinder, Schwangere, Behinderte wurden an der Rampe selektiert und auf den Weg in das Todeslager Auschwitz-Birkenau geschickt." (S.129), Deportationslisten oder Ähnliches bedrücken zutiefst und vermitteln ein Gefühl des Grauens. Im Anhang finden sich viele zusätzliche Informationen, die Picis Erzählungen stützen und Glaubwürdigkeit verstärken sollen.

    Ich bin von diesem Werk schwer beeindruckt. Lange wusste ich nicht, was ich zu diesem Buch schreiben sollte, denn wie soll man angesichts solcher Erlebnisse die richtigen Worte finden? Auch nun werde ich das Gefühl nicht los, dem Buch nicht gerecht geworden zu sein, weswegen es mir nur übrig bleibt, jedem, der sich über den Holocaust informieren möchte, dieses Buch zu empfehlen. Sehr nahegehend, eindrucksvoll und informativ wird man durch das Leben einer durch die Jahre sehr weisen und gebildeten Frau geführt.

    Von mir gibt es daher 5 Sterne und große Anerkennung.

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    jackdecks avatar
    jackdeckvor 2 Jahren
    Erinnerungen an die Ghettos

    Die heute lebende Generation kann sich die Zeit vor ihrer Geburt kaum vorstellen. Wie soll es dann um Ereignisse bestellt sein, die lange davor lagen? Oder um ein Verständnis für die dunklen Jahre deutscher Geschichte, die nun fast schon ein Jahrhundert zurückliegen? In diesem Buch erzählt Robert Scheer die Geschichte seiner Großmutter, die das Grauen der Konzentrationslager überlebte. Er reiste dazu nach Israel und befragte sie kurz vor ihrem Tod.Robert Scheer legt nun ein solch persönliches Erleben mit diesem Buch vor. Intensiv, ungeschminkt, emotional dicht und den Leser mitten hineinnehmend in eine „erlittenes Leben“, mitten hinein in einend er schrecklichsten Orte der Geschichte, Ausschwitz, in die „Endlösung“, in das Drangsal (hier ungarischer) Juden in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Eine Erinnerung, die wichtig ist, gerade in einer Zeit, in der in Europa und speziell in Deutschland politische Kräfte wieder erwachsen, die auf die gleichen Wurzen Zielen, wie es damals der Nationalsozialismus zu Beginn getan hat. Ich muss zugeben, dass ich anfangs mit dem Schreibstil ein wenig Probleme hatte. Normalerweise lese ich Krimis und Romane und keine Lebensberichte, aber als ich mich erstmal in diesen Raum mit Pici und Robert hineingedacht habe, flogen die Seiten nur so dahin. Die vielen, für mich doch sehr ungewohnten, Namen machten die Sache auch nicht ganz leicht, hier halfen mir die Fotos, der Familienmitglieder, die im Buch abgebildet sind. Traurig machte mich auch, dass diese Bilder wohl auch die Letzten von diesen Menschen waren. Vielleicht sollte man noch wissen, dass es sich um keinen reinen Fließtext handelt, denn diesem Buch liegt ein Gespräch, ja, ein Interview des Enkels mit seiner Großmutter zu Grunde. Dennoch lesen sich Picis Erinnerungen sehr gut - aber sie gehen richtigerweise unter die Haut. Hinzu kommen Bilder, die gemeinsam mit der Lektüre noch einmal ganz besonders ergreifend sind.

    Fazit: Ein wichtiges Buch wider dem Vergessen, das mich sehr berührt hat!

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    buchjunkies avatar
    buchjunkievor 2 Jahren
    Bewegendes Zeugnis der Vergangenheit

    „Ich muss noch etwas über Auschwitz erzählen. Ich spüre, ich sollte über jeden Schrecken berichten, vielleicht kann ich mich auf diese Weise davon befreien.“
     
    Das sagt Pici, eigentlich Elisabeth Scheer, ihrem Enkel Robert, als dieser sie 2014 über ihre Kindheit und Jugend befragt. In diesem Jahr wurde Pici 90 Jahre alt und gibt ihrem Enkel Auskunft, wie sich in den 1940er Jahren die Lage für die jüdische Bevölkerung in Ungarn dramatisch verschlechterte durch den Nationalsozialismus.
    Sie schildert ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare. Sie berichtet von ihrem Leben bzw. Überleben im Konzentrationslager Auschwitz, im Außenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbrück und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 befreit wurde.
    Pici verlor ihre ganze Familie in Holocaust: ihre Eltern, ihre drei Schwestern, ihren Bruder, ihren Schwager und ihre vierjährige Nichte, die vor der Deportation sich bei der Frau des Hausmeister mit einem kleinen roten Koffer in der Hand mit den Worten verabschiedete :„Wir reisen!“ Ihre letzte Station war die Gaskammer in Auschwitz.

    Picis Geschichte hat mich sehr berührt. Sie schildert ihre noch normale Kindheit und erzählt von ihrer Familie und ihrem Alltag , in den sich langsam immer mehr Unannehmlichkeiten für Juden einschleichen.  
    Bis die Familie am 2.Mai 1944 erfährt, dass sie am nächsten Tag ins Ghetto müssen. Jetzt beginnt für sie eine Zeit der Unmenschlichkeit und Vernichtung. 

    Im Buch finden sich Fotos der Familienmitglieder und im Anhang auch Erfassungslisten der Konzentrationslager.

    Es ist unvorstellbar, dass die grausamen Geschehnisse damals wirklich wahr waren. Es ist unvorstellbar für uns, und gerade deshalb sind Erzählungen wie diese so wichtig.  Damit nie vergessen wird, was damals passiert ist.

    Ich habe Pici in mein Herz geschlossen und hätte diese starke Frau gerne kennengelernt.

    Sehr empfehlenswert!

    Kommentare: 7
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    AnjaKoenigs avatar
    AnjaKoenigvor 2 Jahren
    Pici: Erinnerungen...

    dieses buch kann ich jedem weiterempfehlen, der authentische berichte über das leben in diesen schweren Zeiten lesen möchte. es ist interessant so viele Details mit allen Empfindungen zu erfahren und auch traurige und dramatische Erlebnisse in aller Deutlichkeit beschrieben zu bekommen. zeitzeugenaussage gerade noch rechtzeitig an den nachfahren um es der Nachwelt zukommen zu lassen. klar und einfach geschrieben, damit wirklich jeder der interessiert ist alles erfahren kann.

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