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Charlea

vor 1 Jahr

(29)

"Um ein neues Leben anzufangen, musste ich aus einem so unermesslich tiefen Graben aufsteigen, an dessen Schwelle ich allerdings bis zum heutigen Tag stehe, immerhin wieder auf meinen eigenen Füßen. Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens ist das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich leben noch." (S. 56, Pici)


Robert Scheer interviewt in seinem Buch "Pici. [...]" seine Großmutter Elisabeth, welche Pici gerufen wird, und befragt sie zu ihren Erinnerungen an ihre Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs. Wie der Titel des Buches vermuten lässt, befassen sich ganze Kapitel mit ihren Erlebnissen in den Ghettos Carei und Satu Mare, sowie den Konzentrationslagern Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück. Das Buch ist sehr persönlich geschrieben, was allein die Tatsache bewirkt, dass der Enkel im direkten Gespräch mit seiner Großmutter schreibt. Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass die emotionale Komponente, die man vielleicht vermuten würde angesichts dieser Tatsache, wohl vor allem beim Leser aufkommt, nicht jedoch beim Autor oder bei der Protagonistin Pici. Zu jeder Zeit des Buches hatte ich das Gefühl, dass der Wunsch, die Nachwelt an den Geschehnissen teilhaben zu lassen größer waren als die Scham, über das Geschehene nicht reden zu wollen.


Was mir besonders gut gefallen hat ist die Behutsamkeit, mit der der Autor uns das Buch erzählt. Die wirklich sehr persönliche Geschichte beginnt noch vor der Zeit in den Ghettos und den KZs, so dass man sich ein gutes Bild davon machen kann, wie die Geschehnisse zugetragen haben. Picis Menschlichkeit und ihr Stolz, selbst in unfassbar unmenschlichen Situationen, haben mich mehrfach zu Tränen gerührt und machen ihre Geschichte für mich zu einer der wichtigsten, die ich je lesen durfte.

Ich ziehe den Hut vor dieser mutigen Frau, die soviel Leid durchgestanden hat und sich nach all dem mit ihrem Enkel hinsetzt und uns daran teilhaben lässt, uns erinnert an einen Teil unserer Geschichte, den noch immer Leute ignorieren, als Lügenmärchen verleumden und somit jedem Überlebenden und auch den Nachfahren zu tiefst verletzen.


Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist das Nachwort der Verlegerin und der Anlagenteil, in dem Dokumente noch einmal einen äußeren Blick auf die persönliche Geschichte Picis werfen.



Autor: Robert Scheer
Buch: Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
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