Schlafes Bruder

von Robert Schneider 
4,0 Sterne bei632 Bewertungen
Schlafes Bruder
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (449):
StephanieAutens avatar

Ich habe dieses Buch mehrfach gelesen und es hat mich nachhaltig beeindruckt. Sowohl die Geschichte als auch die Sprache ist überwältigend!

Kritisch (65):
A

Abstoßendes Buch. Hat mir gar nicht gefallen.

Alle 632 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Schlafes Bruder"

"Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen." Mit seinem atemberaubenden Debütroman über das Leben und Sterben eines musikalischen Genies in einem österreichischen Bergdorf gelang Robert Schneider ein sensationeller Welterfolg.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783150108147
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:202 Seiten
Verlag:Reclam, Philipp
Erscheinungsdatum:22.02.2011
Das aktuelle Hörbuch ist bei Steinbach sprechende Bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    ButterflyBooks avatar
    ButterflyBookvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Fantastisches Buch!
    Persönliche Meinung und Interpretationsansätze

    Besonders gut gefällt mir an Robert Schneiders Roman der Aufbau. Das Buch beginnt mit dem Ende und wird dann aber in chronologischer Reihenfolge erzählt, ab und zu werden nur Episoden aus vergangenen Zeiten eingefügt oder Vorausblicke auf die Zukunft gegeben. Erzählt wird aus der Sicht einer unsichtbaren Erzählergruppe, die meist mit dem Hauptcharakter mitgeht und diesen auch beeinflussen könnte, es aber nicht tut. Außerdem spricht diese Gruppe den Leser auch an manchen Stellen direkt an. Am besten gefällt mir, dass Sätze oder Absätze mehrere Male in unterschiedlichen Kapiteln vorkommen und immer in die Situation passen.

    Ein Beispiel dafür ist der Absatz „Wie, dachte er, könne ein Mann reines Herzens behaupten, er liebe sein Weib ein Leben lang, tue dies aber nur des Tags und dann vielleicht nur über die Dauer eines Gedankens? Das könne nicht von Wahrheit zeugen […]“, der sowohl auf S. 9 als auch auf S. 192 vorkommt. Beendet wird die Phrase dann beide Male damit, dass jemand, der schlafe, nicht lieben könne. Dies ist gleichzeitig auch der Ursprung für den Titel „Schlafes Bruder“, womit der Tod gemeint ist. Ich denke, dass er sehr gut gewählt ist, weil er zu Beginn nicht verrät, was eigentlich damit gemeint ist. Erst als Elias in Feldberg das Lied „Kömm, oh Tod, du Schlafes Bruder“ spielen muss, wurde mir klar, warum der Autor den Roman so genannt hat.

    Mehrere Stellen in dem Buch lassen bereits während des Lesens erahnen, dass Seff Alder nicht der leibliche Vater von Elias ist. Der Blickwechsel der Seffin und des Kurats Elias Benzer, der beide erröten lässt, ist ein Indiz dafür. Außerdem hört der Bub, dass das Herz seines Vaters Seff überhaupt nicht gleich schlägt wie sein eigenes. An einer weiteren Stelle steht dann geschrieben, dass Elias dem Kuraten Benzer außergewöhnlich ähnlich schauen würde. Auch die Tatsache, dass für den Jungen sein zweiter Vorname, Elias, benutzt wird und für seinen Cousin der erste, obwohl er eigentlich auch im zweiten Namen Elias heißt, lässt bereits vor der Auflösung nach dem Selbstmord vermuten, dass zwischen dem Kuraten und dem Kind eine Verbindung besteht. Da in dem Buch ohnehin einige Hinweise vorkommen, müsste meiner Meinung nach am Ende nicht erwähnt werden, dass Seff nicht der leibliche Vater von Elias ist, da der Leser das bereits vor der „Auflösung“ vermuten kann. Die Tatsache, dass Elias nicht das Kind seines Vaters ist, finde ich im Zusammenhang mit der Geschichte sehr interessant, weil Elias trotzdem zu Seff Alder immer eine ehr enge Verbindung spürt. Zum Beispiel riecht er als Kind, wenn er traurig ist, immer an Seffs Hut um sich zu trösten. „Seff und der Bub hatten sich lieb, das ist wahr“ ist ein weiteres Zeichen für deren enge Beziehung.

    Besonders eindrucksvoll finde ich auch die Szenen, in denen der Autor das Orgelspiel von Elias beschreibt, da es so geschrieben ist, dass man sich während dem Lesen so fühlt, als würde man ihn gerade selbst spielen hören.  An manchen Stellen war die Geschichte aber ein bisschen zu grausam, zum Beispiel an der Stelle, an der Peter der kleinen Katze die Pfoten bricht oder als der Lehrer Oskar Alder ein Kind zusammenschlägt.

    Alles in allem ist „Schlafes Bruder“ aber ein absolut lesenswertes Buch, das in vielerlei Hinsicht sehr faszinierend ist!

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    Saralondes avatar
    Saralondevor 3 Jahren
    Schlafes Bruder

    Österreich 1803: Schon bei seiner Geburt in dem abgelegenen Bergdorf Eschberg ist Johannes Elias Adler seinen Mitmenschen unheimlich – auch seinen eigenen Eltern. Etwas stimmt nicht mit ihm, unter anderem schreit er nicht. Als er fünf Jahre alt ist, schleicht Elias sich eines Nachmittags zum Bach – da passiert es: Ihm offenbart sich die gesamte Schöpfung in Form von Geräuschen, nicht nur ist sein Gehör fortan perfekt, sondern auch seine Stimme ist plötzlich tief wie die eines Erwachsenen, er kann Stimmen nachahmen und seine Augen sind gelb geworden. Kein Wunder, dass der Junge allen jetzt noch viel unheimlicher erscheint. Doch noch etwas hat Elias bei diesem “Erwachen” gehört: den Herzschlag eines ungeborenen Kindes, von dem er weiß, dass es sein Schicksal ist, es zu lieben.

    Es ist bestimmt schon mehr als 10 Jahre her, dass ich die Verfilmung von Robert Schneiders Debüt gesehen habe. Ich erinnere mich nicht mehr an Vieles, aber düster und etwas merkwürdig kam er mir vor. Nach ein paar Seiten des Lesen hatte ich mich an die ungewöhnliche Sprache und das alte Vokabular gewöhnt (habe ein paar Mal Wikipedia zu Hilfe genommen) und konnte flüssig weiterlesen. Überrascht hat mich der schwarze Humor, der vor allem die erste Hälfte des Romans durchzieht und der mir großes Vergnügen bereitet hat. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob dieser Humor auch in der Verfilmung präsent war. Im weiteren Verlauf des Buchs wird der Humor etwas weniger, doch der Lesegenuss bleibt schon angesichts des meisterhaften Sprachstils von Robert Schneider erhalten. Dieses Buch ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich und in der Charakterzeichnung so originell, dass ich ihm nur die Top-Wertung geben kann – es setzt sich in dieser Hinsicht deutlich von 4-Sterne-Büchern und auch von vielen 5-Sterne-Büchern ab. Auf das Mysterium, dessen Zeuge der Leser wird, muss man sich einlassen, es wird sicher auch Leser geben, die damit nichts anfangen können. Der fulminante Höhepunkt der Geschichte ist Elias’ mehrstündige Improvisation an der Domorgel, die Schneider absolut atemberaubend beschreibt.

    Ein ganz und gar ungewöhnliches, erstaunliches Buch – ein Meisterwerk.

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    WolfgangHaupts avatar
    WolfgangHauptvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Derb, brutal und wortgewaltig.
    Lesen!

    Es muss mir entfallen sein, aber ich habe es schon einmal gelesen. Eine vage Erinnerung, werden doch alle Schüler damit gequält. Das Warum ist mir so klar wie unklar, ist es doch ein Werk, das zuweilen ein sehr brutales Bild des Vorarlbergerischen am Anfang des 19. Jahrhunderts zeichnet. Sicher nicht aus der Luft gegriffen, es macht auf mich den Eindruck, als ob es sehr gut recherchiert wäre. Da passiert viel nebenbei, geht es doch um Elias Alder, dessen musikalische Hochbegabung ebenso sein Strick ist unter lauter Inzestgeplagten. Da vergnügen sich die Geschwister, Cousins, Cousinen im nahen Wald oder mit dem Kuraten, dessen Haarschopf sich erstaunlich oft in den Nachkommen der Dorfbewohner wiederfindet. Es ist grausam wie glaubhaft, menschlich, christlich, ziegt eine Gesellschaft ohne Horizont. Man könnte fast meinen, es sei Gottes letzte Prüfung für die Eschberger gewesen, die Niederkunft des Johannes Elias Alder, bevor er das Dorf durch das dritte und letzte Feuer ausgelöscht hat. Das zeigt uns der Autor schon am Anfang, wie es endet, bleibt nur die Frage nach dem Warum und Wie. Und das macht er fulminant, in erzählerischer Virtuosität, kontrastreich, spielerisch, gespickt mir sarkastischen Blüten. Das Bild der Eschberger zieht hinein, lässt kaum mehr los, wie ein Unfall, von dessen Bild man sich nicht zu lösen vermag. Untermalt von der grandiosen Sprache, die genauso schwingt wie die Musik des Elias. Was soll ich sagen: Ein Klassiker, der 1,5 Millionen mal verkauft wurde. Zurecht.

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    gsts avatar
    gstvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Dieses Buch kann ich nur in Superlativen loben! Ein sprachliches Feuerwerk!
    Beeindruckend!

    Welche prachtvolle Menschen - … - muss die Welt verloren haben, nur weil es ihnen nicht gegönnt war, ihr Leben im Gleichmaß von Glück und Unglück zu leben.“ (Seite 198)

    Hauptdarsteller dieses Buches ist Elias Alder, ein Junge aus einem vorarlbergischen Bergdorf, dem in der Kindheit das absolute Gehör zuteil wird. In einer furiosen Szene beschreibt Schneider diesen Augenblick, so dass ich als Leserin Gänsehaut bekam. Zur gleichen Zeit (erfuhr ich) wird Eilias' große Liebe geboren, was diesem Feuerwerk von Tönen eine besondere Brisanz gibt. Wir begleiten den begnadeten Musiker, der nie Noten lesen oder schreiben gelernt hat und trotzdem alle von seinem Talent überzeugt, bis in seinen frühen Tod im 23. Lebensjahr.

    Über den Inhalt möchte ich gar nicht weiter schwadronieren, aber die Virtuosität der Worte, die der Autor hier anwendet, muss ich einfach hervorheben. Er spielt mit alten Ausdrücken, lässt seine Protagonisten zum Beispiel „nasen“ statt „riechen“ oder „fausten“ statt „schlagen“.

    Sicher haben diese Worte auch dazu beigetragen, dass dieses Erstlingswerk von Robert Schneider, der erst 1961 geboren wurde, bereits als „Klassiker“ bezeichnet wird. Laut Wikipedia sieht er selbst seine Wurzeln in der Tradition des österreichischen Erzählens vor 1945. Erstaunt hat mich, dass er nach diesem großartigen schriftstellerischen Auftakt niemals wieder solchen Erfolg verbuchen konnte. Trotzdem werde ich mich noch den weiteren Werken dieser Triologie widmen. Es genügt mir nicht, mich auf das Urteil von anderen zu verlassen, ich möchte selbst feststellen, wie „Die Luftgängerin“ und „Die Unberührten“ auf mich wirken... 

    Kommentare: 7
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    BeautifulFairys avatar
    BeautifulFairyvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Anfangs fand ich das Buch sehr merkwürdig. Trotzdem hat es das Buch geschafft mich zu beeindrucken. Man muss es einfach verstehen können.
    Ein beeindruckendes Buch

    Anfangs fand ich das Buch sehr merkwürdig und wenn ich es nicht hätte lesen müssen, hätte ich es nicht beendet. Da mir einige stellen einfach gar nicht gefallen haben. Ich habe es also bis zum Schluss gelesen und danach festgestellt, dass es mich doch beeindruckt hat. Man muss das Buch verstehen können um es gut zu finden. 

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    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    Musikalisches Genie in der Dorfidylle

    Hier ist der Protagonist ein ähnliches Genie wie Grenouille aus dem "Parfum", nur geht es diesmal um die Musik, genauer das Orgelspiel. Eigentlich ist dieses Buch eine Tragödie. Ein Inzest-Bergdorf, der Hang zu alten Traditionen und ein behäbiger Schreibstil führen dazu, dass man dieses Buch gerne aus der Hand legen möchte. Wer durchhält,bekommt eins: Mitleid mit dem Orgelspieler.

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    Lena1904vor 4 Jahren
    Interessante Lektüre

    In diesem Roman geht es um Johannes Elias Alder. Elias wächst im 19. Jahrhundert in einem abgelegenen österreichischen Bergdorf auf, das von Inzucht und eifersüchtigen, misstrauischen und eigennützigen Bewohnern geprägt ist. In dieser Umgebung kann Elias weder sein unglaubliches musikalisches Genie noch die Liebe zu seiner Cousine Elsbeth richtig entfalten. Trotz des schlechten Umfelds kann Elias sich jedoch das Orgelspielen auf der kleinen maroden Orgel der Dorfkirche beibringen und kann eine Freundschaft zu Elsbeth aufbauen.

     

    Ich habe dieses Buch vor kurzem im Deutschunterricht gelesen und muss sagen, dass es mir recht gut gefallen hat.

    Die Idee des Autors, dass es überall auf der Welt und zu jeder Zeit Genies gegeben hat, die nie entdeckt wurden, zum Beispiel wie bei Elias wegen einem schlechten Umfeld, finde ich sehr interessant und bestürzend.

    So stellt auch der Erzähler von Anfang an klar, dass Elias Leben keinen guten Lauf nehmen wird, obwohl ich zwischendurch trotzdem immer mal gehofft habe, dass der Erzähler doch nur gescherzt hat.

    Mir hat an dem Buch zum einen gefallen, dass der Erzähler nichts beschönigt und auch nach einer der wenigen glücklichen Phasen in Elias Leben schnell wieder eine Wende zum schlechten eingebaut hat. Dadurch hat der Erzähler dem Roman etwas Trauriges und Düsteres verliehen. Außerdem hat mich die ironische Art des Autors begeistert, denn so musste ich an der einen oder anderen Stelle auch mal schmunzeln.

    Die Beschreibungen davon, wie Elias auf der Orgel spielt und von seiner besonderen Stimme waren sehr lebhaft, wodurch ich mir gewünscht habe das beschriebene einmal mit eigenen Ohren hören zu können.

    Was mich gewundert hat, war dass der Autor selber aus einem österreichischen Bergdorf stammt. Denn die Dorfbewohner in „Schlafes Bruder“ bedenkt er wirklich mit außerordentlich schlechten Eigenschaften. Zugegeben, sie stammen aus einer früheren Zeit als der Autor. Wahrscheinlich spricht das für ihn, dass er aufzeigt, wie schlimm es mancher Orts so zugeht.

    Auch den Titel finde ich sehr schön. Ich bin zwar erst im Verlauf der Lektüre darauf gekommen, dass der Bruder des Schlafes der Tod ist aber ich finde es passend dem Roman so gesehen den Titel „Tod“ zu verleihen, da der Tod auch eine Rolle spielt. Vor allem die Umschreibung „Schlafes Bruder“ finde ich toll, da sie auf mich so schön poetisch wirkt.

    Zwar waren einige Geschehnisse auch etwas unnachvollziehbar, was den Roman meiner Meinung nach aber nicht schlechter macht. 

     

    Alles in allem war „Schlafes Bruder“ für mich eine interessante Lektüre und für ein Buch, dass ich in der Schule lesen musste echt gut.

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    Kopf-Kinos avatar
    Kopf-Kinovor 4 Jahren
    Komm, o Tod, du Schlafes Bruder

    „Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen. […] Wie, dachte er, könne ein Mann reinen Herzens behaupten, er liebe sein Weib ein Leben lang, tue dies aber nur des Tags und dann vielleicht nur über die Dauer eines Gedankens? Das könne nicht von Wahrheit zeugen, denn wer schlafe, liebe nicht. So dachte Johannes Elias Alder, und sein spektakulärer Tod war der letzte Tribut dieser Liebe.“

    Dies ist eine Textprobe der ersten Seite aus Robert Schneiders „Schlafes Bruder“, welche mich schließlich dazu veranlassten, weiterzulesen.

    Inhaltlich möchte ich lediglich soviel verraten, dass der Roman Elias' Leidensweg erzählt. Er lebt in einem von Inzucht und Doppelmoral geprägten österreichischen Bergdorf des 19.Jahrhunderts und erlangt im Alter von fünf Jahren ein absolutes Gehör, mit welchem er in Trance die Musik des Universums hört und sich in den Herzschlag eines noch ungeborenen Kindes verliebt. Monate später stellt sich heraus, dass es seine Cousine Elsbeth ist. Inmitten der Rückständigkeit und Grausamkeit der Dorfbewohner entdeckt Elias seine Begabung für Gesang und Musik, was unter keinen guten Stern zu stehen scheint.

    Das 204 Seiten lange Buch ist eine bunte Mischung aus den Genre-Elementen des Heimat-, Liebes-, Künstlerromans und der Heiligenlegende vorzufinden. Der Autor bedient sich den ganz großen Themen der Literatur: Genie, Natur, Religion, Liebe und Tod. Somit könnte man geneigt sein, zu behaupten, der Roman sei alles und nichts.

    Meiner Meinung nach ist es Schneider ganz gut gelungen, die Genretypen und deren Merkmale geschickt miteinander zu verknüpfen. Er kombiniert spielerisch. Beim Lesen hatte ich des Öfteren das Gefühl, dass dieses Buch keinerlei Respekt gegenüber den großen Traditionen jener oben bereits erwähnten Thematiken zollte und das ganz ohne Scheu. Er bedient sich beispielsweise des Heimatgenres, um daraus im Umkehrschluss einen Antiheimatroman zu erschaffen, was ich interessant fand und mir zumindest auch gut gefiel.

    Die Sprache des auktorialen Erzählers, die ich für klug durchdacht halte, da sie ungewöhnlich gestaltet wurde, weist ebenfalls eine Stilmischung aus altertümlichem Deutsch, Fachsprache der Musik, Dialekt und Neologismus auf. Außerdem sind oftmals Steigerungen, Häufungen und Übertreibungen vorzufinden. Stellenweise erscheint der Rhythmus des Erzählten sehr stakkatohaft, woran ich mich anfangs gewöhnen musste und schließlich zu schätzen wusste. Der Text weißt beinahe ausschließlich die indirekte Rede auf.

    Schade, dass Schneider das Niveau dieser bewusst gewählten künstlichen Sprache meiner Meinung nach nicht gänzlich durchgezogen hat. Manche Textstellen wirkten auf mich so gewollt innovativ, so dass sie beinahe ulkig wirkten. Zum Glück überwog diese unfreiwillige Komik nicht und umfasste lediglich eine Handvoll Sätze.

    Bemerkenswert fand ich den „göttlichen“ Erzähler (der mich als Leser übrigens auch gerne mal als „guten Freund“ ansprach), da ich mir stellenweise nicht sicher war, ob er seine Schilderungen pathetisch oder ironisch meinte. Sprich, der Erzähler spielte mit mir als Leser, was ich als geschickten Kunstgriff werte.

    Das Werk an sich wusste mich mit seiner Wortgewalt zu überzeugen. Anmerken möchte ich aber, dass auch viele Grausamkeiten sehr derb dargestellt bzw. beschrieben wurden. Beispielsweise schlug ein Mann seiner Frau „in das gottverreckte Maul“. Mich schauderte es manchmal bei solchen Sätzen und den grausamen Szenen. Auf manche hätte ich gerne verzichtet. All dies skizzierte aber trefflichst jenes fruchtbare Umfeld voller Neid, Grauen, Starrköpfigkeit und Doppelmoral, in dem das verkannte Genie aufwächst. (Ich zumindest sehnte mich nach Beendigung der Lektüre nach Idylle und Überschaubarkeit.)

    Elias Welt schmückte der Autor mit stimmungsvollen und sensiblen Klangbildern und mit einer überquellenden Leidenschaft für Musik, was mich sehr berührte. Obwohl ich als Leser sehr distanziert von Elias' Innenleben blieb, da lediglich äußerlich geschildert wurde, was er fühlt, konnte ich mit ihm mitfiebern, weshalb das Buch für mich gleichbleibend spannend blieb - auch wenn es seine Schwächen hat.

    Empfehlen möchte ich außerdem noch die meiner Meinung nach gelungene Verfilmung von Joseph Vilsmaier mit André Eisermann als Elias.

    Kommentare: 11
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    Blacksallys avatar
    Blacksallyvor 4 Jahren
    nicht mein Fall

    Meine Meinung: Mir hat das Buch leider gar nicht gefallen, da ich was total anderes erwartet hatte. Ich hatte bereits von den ersten Seiten an das Gefühl der Autor will mit allen möglichen mitteln das Buch füllen und es sind so viele Sätze dabei gewesen die man sich auch hätte sparen können. Ich sehe in diesem Buch einfach keine Botschaft, keine Handlung - kann sein das ich es vielleicht nicht verstanden habe? Keine Ahnung, ich bin auf jeden fall sehr enttäuscht von diesem Buch und kann nicht verstehen wie es jemand als Meisterwerk bezeichnen kann.

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    maggiterrines avatar
    maggiterrinevor 5 Jahren
    Süchtigmachend

    Dieses Buch hat irgendwas. Es ist schwer zu sagen was genau... Die Sprache ist ungewohnt und auch ein wenig sperrig aber atmosphärisch und hat damit auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Das Buch handelt sowohl von verstörender Grausamkeit als auch von herzerwärmenden Momenten, die niemals die Schwelle der Kitschigkeit überschreiten. Vor Allem kann man das Leiden der Figuren nachempfinden. Das Leiden des Elias aber auch das von Peter, dem Vater, ja, sogar das Leiden jeder noch so unwichtigen Nebenfigur. Aus irgendeinem Grund wirkt dieses Buch auf mich wie eine Droge, nicht aufputschend und extatisch sondern eher schleichend mit dem Gefühl, dass man das Buch in geraumer Zeit vielleicht nochmal lesen sollte, und dann nochmal, und dann...

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