Das Feld

von Robert Seethaler 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Das Feld
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Wedmas avatar

Großartig! 👍 Ein würdiger Kandidat für den Deutschen Buchpreis!

Alle 2 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Das Feld"

Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen?

Was bleibt von einem Leben? Eine Geschichte? Die Erinnerung an einen Moment, an ein bestimmtes Gefühl? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Eine denkt daran, dass ihr Mann das ganze Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Einer hat nun verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Und eine hatte viele Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Dabei war er gar nichts Besonderes, aber sie hat ihn geliebt, sie weiß nicht, warum – und gerade das ist ihr größtes Glück.

Ein Hörbuch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zur Geschichte einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783864845031
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:tacheles!
Erscheinungsdatum:04.06.2018
Das aktuelle Buch ist am 04.06.2018 bei Hanser Berlin erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne2
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    W
    WinfriedStanzickvor einem Monat
    Unbedingte Hörempfehlung !


    Bei zahllosen Besuchen der Gräber meiner Verwandten auf unserem Friedhof in den letzten Jahren und bei unzähligen Beerdigungen, die ich als Pfarrer leitete, in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts habe mich oft gefragt, was wohl all die Toten um mich herum erzählen würden, wenn sie auf ihr Leben nach einiger Distanz von wo auch immer zurückblicken könnten.

    Zu Beginn des neuen kleinen Romans von Robert Seethaler, der gleich nach seinem Erscheinen die Bestsellerlisten anführt, sitzt ein alter Mann auf seiner Bank auf dem Friedhof des erdachten Städtchens Paulstadt. Immer sitzt er da und hat sehr oft den Eindruck, die Toten würden ihm ihre Geschichten einflüstern.

    Und Robert Seethaler lässt sie erzählen. Oft sind es nur wenige Sätze, manchmal bedrückende Lebensgeschichten. Da ist der depressive Pfarrer, der eines Tages die Kirche anzündet und dabei umkommt. Viele andere Tote nehmen in ihren Berichten auf dieses unglaubliche Geschehen Bezug, von dem ganz Paulstadt noch sehr lange spricht.
    Da ist die Frau, die 67 Männer hatte, aber nur einen wirklich liebte. Die Frau, die an ihren dicken Mann denkt, mit dem sie viel Spaß hatte, auch im Bett und die einfach glücklich war mit ihm.

    Die vielen kleinen Porträts verweben sich mit der Zeit miteinander und deutlich wird so etwas wie eine kleine Sozialgeschichte einer kleinen Stadt mit all ihren Geheimnissen und kleinen und großen Geschichten. Egal, was die Toten über ihr Leben zu sagen haben: Robert Seethaler konfrontiert mit ihren Erzählungen den Leser mit existentiellen Fragen: Was macht eigentlich ein Leben aus? Was macht mein Leben aus? Wann kann man am Ende des Lebens sagen, man habe gut gelebt? Gibt es überhaupt so etwas wie ein gutes Leben, wenn es doch früher oder später mit dem Tod endet, ein Tod, der in vielen Geschichten quälend gekommen ist und für nicht wenige eine Erlösung war.

    Robert Seethalers Buch, in dem 29 Tote auf ihr Leben zurückblicken, übt je länger je mehr einen regelrechten Sog aus auf den Leser, weil er sie so lebendig schildern lässt, was ihr Leben ausmachte. Sehr tröstlich ist, dass die meisten Erzähler ihren Tod relativ gelassen nehmen.
    Einer drückt das so aus:
    "Im Grunde genommen verstehe ich ja nichts von der Liebe, und vom Leben weiß ich nur, dass man es zu leben hat. Aber immerhin habe ich jetzt vom Sterben eine Ahnung: Es beendet die Sehnsucht, und wenn man stillhält, tut es gar nicht weh."

    Ein dichter, poetischer und philosophischer Roman, der die literarische Qualität seines Vorgängers bestätigt.

    Die hier vorliegende ungekürzte Hörbuchfassung hat Robert Seethaler selbst eingelesen. Es ist nicht immer ein Genuss, wenn der Autor sein Buch selbst im Hörbuch interpretiert, aber Robert Seethaler macht aus seiner Lesung der Lebensreflexionen der 29 Toten  auf dem Friedhof von Paulstadt ein absolutes Hörerlebnis.

    Selten ziehe ich das Hörbuch dem Buch vor. In diesem Fall aber ist es so. Unbedingte Hörempfehlung !





    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Wedmas avatar
    Wedmavor einem Monat
    Kurzmeinung: Großartig! 👍 Ein würdiger Kandidat für den Deutschen Buchpreis!
    Stark! Literarisches Highlight dieses Sommers.

    „Das Feld“ von Robert Seethaler habe ich nicht gelesen, sondern gehört. Ungekürzte Autorenlesung. Und bin restlos begeistert! Unbedingte Lese- bzw. Hörpflicht!

     

    Klappentext beschreibt den Inhalt sehr gut: „Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er. In Robert Seethalers neuem Roman geht es um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.“ 

     

    Die toten Bewohner dieser kleinen Stadt, alle mit vollem Namen aufgeführt, erzählen ihre (Lebens-)Geschichten. Manche sind etwas länger, manche sind kurz, manche bestehen nur aus einem Wort. Und in (fast) jeder Geschichte kommt das Feld oder die Felder, in verschiedenen Kontexten, vor.

     

    Der Charme des Ganzen entwickelt sich erst nach und nach. Tipp für Ungeduldige: Den Anfang, falls er nicht attraktiv genug vorkommen sollte, einfach durchhalten. Der Roman ist wirklich stark und absolut großartig. Spätestens nach einer Stunde, beim Hörbuch, findet man sich bestens zurecht und fühlt sich wohl, geborgen, aber auch gespannt und noch vieles mehr. Es entsteht eine Art Sog, da kann man nicht mehr aufhören, wobei Pauseneinlegen auch eine gute Idee ist, denn der Stoff ist reichhaltig und manchmal auch intensiv.

     

    Die Vielfalt an Themen beeindruckt ungemein. Es geht um das Leben und alles, was es ausmacht: Liebe, Freundschaft, Familie mit all ihren hellen und dunklen Seiten, um Männer und Frauen, Krieg und Frieden, Wahrheiten und Lügen, um Jungsein und Altwerden, um menschliche Würde, um die Träume, und Fluch oder Segen, diese zu verwirklichen, um den richtigen oder falschen Partner, um das Leben verpfuschen, verprassen, einer Sucht anheimfallend, oder auch das Leben als ein unauffälliger Beamter verbringen, oder doch etwas wagen und am Ende nicht erreichen können uvm.

      

    Die Vielfalt der Erzähltechniken ist ebenso spektakulär: mal kommt eine Stakkato-Etüde in kurzen, abgehackten Sätzen, mal überrascht uns der Autor mit einer Elegie. Später taucht ein spannendes längeres oder auch ein kurzes, knappes Stück. Dabei ist die Form nie ein Selbstzweck, sondern stets ein Mittel, das sein Ziel erreicht und die Leser in die Lebensgeschichten, Charaktere, die damit aufkommende Atmosphäre usw. eintauchen lässt.

     

    Dieses Werk kommt mir wie ein großartiges, vielfältiges, von Talent und meisterhaftem Können geprägtes Musikstück vor, eine Sinfonie, die sämtliche Register des menschlichen Daseins zieht, das Ganze an die Leser/Zuhörer trägt und ihn dabei bestens unterhält. 

     

    Oder man betrachtet das als eine Portraitgalerie, bestehend meist aus einfachen Menschen: Handwerkern, Kaufleuten, Servicekräften. Der Bürgermeister ist aber auch dabei. So entsteht aus Puzzleteilchen nach und nach ein Bild. Der Gesellschaft wird Spiegel vor Augen gehalten. Dieses Gemälde macht nachdenklich: Was ist das menschliche Leben? Was ist Liebe? Was ist der Tod? Welche Bedeutung hat das alles? Uvm.

     

    Mal musste ich aber auch auflachen, denn Humor ist genauso ein Bestandteil dieses Romans wie alles andere.

     

    Viel kann man noch über dieses Werk schreiben, besser, man erlebt es selbst.

     

    Es war eine ungekürzte Autorenlesung von 5 St. 21 Min.

     

    Robert Seethaler hat sehr gut gelesen, wie ein Profi-Sprecher. Manchmal ist es von Vorteil, wenn der Autor selbst sein Werk interpretiert, hier ist es absolut der Fall. Kann mir hier keinen besseren Erzähler vorstellen, denn so unterschiedlich die Figuren sind, so liest er sie auch.

     

    Fazit: Unbedingt lesen/ hören. Ein literarisches Highlight dieses Sommers.

     


     

    Kommentare: 2
    45
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks