Der Trafikant

von Robert Seethaler 
4,3 Sterne bei283 Bewertungen
Der Trafikant
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

sternchennagels avatar

Wunderbar poetisch geschrieben und berührend. Ein neues Lieblingsbuch!

S

Die Begegneubg zwischen Franz un d Sigmund Freud ist autentisch dargestellt und könnte so stattgefunden haben. Phantastisch beschrieben.

Alle 283 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Der Trafikant"

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik - einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft - sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von ihm. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, sucht er bei dem alten Professor Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse. Und schon bald werden Franz, Freud und Anezka jäh vom Strudel der Ereignisse mitgerissen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783036959092
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Kein & Aber
Erscheinungsdatum:04.11.2013
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.10.2014 bei tacheles! erschienen.

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne137
  • 4 Sterne106
  • 3 Sterne34
  • 2 Sterne3
  • 1 Stern3
  • Sortieren:
    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 12 Tagen
    Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

    1937. Der junge Franz muss sein Heimatdorf verlassen, in dem er sehr verwurzelt ist und seine Mutter zurücklassen, zu der er ein sehr enges Verhältnis hat. Er wird Lehrling bei einem Bekannten der Mutter, dem Otto Trsnjek, der in Wien eine kleine Trafik leitet. Für Nichtösterreicher: eine Trafik, das ist eine Art Tabak- , Rauchwaren- und Zeitschriftenladen. Ein Kunde dieser Trafik ist Siegmund Freud, zu dem Franz tatsächlich einen Kontakt aufbaut und der Franz bei seiner unglücklichen Liebe zur Varietetänzerin Anezka Rat geben kann. Bis dahin ein Roman über das Erwachsen werden in der Großstadt, über den Jungen vom Dorf im mondänen Wien. Aber schon die Jahreszahl 1937 verrät es, die Zeiten sind wenig geeignet, um in Frieden zu leben.
    Die Nationalsozialisten übernehmen die Regierung, Freud ist als Jude ein Geächteter, der unter Beobachtung steht, Otto Trsnjek wird plötzlich verhaftet und verschwindet spurlos und Franz muss nun allein herausfinden, wie man in solchen Zeiten ein ehrlicher Mensch bleiben kann.
    Robert Seethaler hat mit "Der Trafikant" ein sehr leises, eindringliches Buch geschrieben. Sein Franz ist eine reine Seele, die ganz unbeschrieben und weiß in Wien landet, aber einer inneren Moral folgt, die ihn den Weg des Guten einschlagen lässt in einer unguten Zeit. Franz ist unpolitisch, er sieht nur den einzelnen Menschen. Und er ist treu bei den Menschen, die sein Herz gewonnen haben.
    Der Roman beweist, dass große Literatur nicht immer in dicken Wälzern daher kommen muss oder mit kompliziertem Innenleben. Wenn einer schreiben kann wie Seethaler, dann ist ein schmaler Band so intensiv und reichhaltig wie bei manch anderem eine mehrbändige Saga. Und trifft einen still und präzise ins Herz.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    MaternaKuhns avatar
    MaternaKuhnvor 14 Tagen
    Sigmund Freud zum Anfassen

    Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt, aber irgendwie dann doch nicht, wenn man die diversen Ebenen, Facetten und die leisen Töne entdeckt… 
    Die Handlung in Stichworten. 
    Ein siebzehnjähriger Bub aus der österreichischen Provinz muss Mutter und Heimatdorf verlassen, um in Wien in einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft (einer sogenannten Trafik) zu arbeiten. Dort wird er Zeitzeuge des sich rapide ausbreitenden Nationalsozialismus mit allen Folgen für den Alltag. Aber nicht nur das ist es, womit er in seinem jungen Alter konfrontiert wird. Zum ersten Mal entdeckt er die Liebe, jedoch unter mehr als komplizierten Rahmenbedingungen. Seine Angebetete kämpft als Tänzerin um ihre eigene Existenz. Da kommt es wie gerufen, dass Sigmund Freud zu den regelmässigen Kunden der Trafik zählt. Wenn der nicht den entscheidenden Rat geben kann, wer dann. Doch Freud muss in Anbetracht der braunen Gefahr selbst um sein Leben fürchten.
    Die Dialoge zwischen dem nur auf den ersten Blick naiven Franz und dem weltberühmten Freud gehören zu den absoluten Höhepunkten des Buches. 
    Ein paar Kostproben.
    „Würde man immer nur die Wahrheit sagen, wären die Ordinationen staubig und leer wie kleine Wüsten. Die Wahrheit spielt eine geringere Rolle als man denkt. Das gilt für das Leben wie für die Analyse.“…
    Und dafür müssen sich die Leute hinlegen?“ „Es ginge auch im Stehen, aber im Liegen ist es gemütlicher.“…
    „Ich glaube, da kann ich nicht helfen. Die richtige Frau zu finden ist eine der schwierigsten Aufgaben unserer Zivilisation. Und jeder von uns muss sie vollkommen alleine bewältigen.“…
    „Anders gesagt: Du musst Deinen eigenen Kopf bemühen. Und wenn Dir der keine Antwort gibt, frag Dein Herz.“…
    Zu alldem passend hat Seethaler einen absolut charmanten Schreibstil, malt bunte Bilder und hat das Talent, dass man beim Lesen Wien schier fühlt und hört. 
    Das Ende hätte man sich etwas anders gewünscht. Aber das Buch ist wie das Leben kein Wunschkonzert. Dem hätte sicherlich auch Freud zugestimmt.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Maryam_liests avatar
    Maryam_liestvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Seethaler benutzt eine schöne Sprache und schreibt mit großer Leichtigkeit.
    Tolles Buch, toller Schriftsteller

    Von der ersten bis zur letzten Seite ist "Der Trafikant" spannend und lebendig erzählt und schleudert den Leser zurück ins Jahr 1937. Seethaler benutzt eine schöne Sprache und schreibt mit großer Leichtigkeit.


    Die Freundschaft zwischen Freud und Franz ist rührend und die Liebesgeschichte zu Anezka hoffnungslos.

    Die Story ist eingebettet in den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen vor dem Zweiten Weltkrieg und der Leser sieht das Unheil heraufziehen. Nicht nur historisch hat Seethaler genau recherchiert, auch zeichnet er ein feinfühliges Charakterbild seiner Figuren. All das macht das kleine Buch zu großer Literatur.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Lesenodernichts avatar
    Lesenodernichtvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Erwachsenwerden, Nationalsozialismus, Psychoanalyse, Prostitution ... und alles subtil vermengt!
    subtile Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

    Während die eigentliche Geschichte von dem Trafikantenlehrling Franz handelt, werden scheinbar nebenbei die gesellschaftlichen Folgen des aufsteigenden Nationalsozialismus nach und nach beschrieben und die Auswirkungen auf „den kleinen Bürger“ dargestellt.
    [...]
    Franz kommt aus dem Salzkammergut nach Wien um seine Ausbildung zum Trafikanten zu machen. Die Erzählung geht über knapp sechs Jahre und der Leser begleitet Franz auf dem Weg der Selbstfindung, der Liebe, der Freundschaft. Er lernt unter anderem Sigmund Freud kennen und führt einige interessante Gespräche.

    Die nationalsozialistische Bewegung und die Machtergreifung Hitlers beeinflussen die komplette Lebenswelt des Protagonisten und werden immer stärker. Gelungen ist hierbei, dass trotzdem das Erleben des Protagonisten im Vordergrund steht und die Auswirkungen der Geschichte somit so greifbar machen. [...]

    die ganze Rezension findet ihr auf meinem Blog unter: http://www.lesenodernicht.de/2018/04/21/subtile-auseinandersetzung-mit-dem-nationalsozialismus/

    Kommentieren0
    26
    Teilen
    buecher-beas avatar
    buecher-beavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Buch! Großartig, man kann das beschriebene riechen, sehen, hören und schmecken, auch die gesellschaftl. Veränderung spürt man
    Wie die Zeiten sich verändern und doch gleich bleiben

    Österreich 1937: Franz Huchel ist 17 Jahre alt und lebt in Nußdorf am Attersee, als sich sein Leben verändert. Eine Geldquelle seiner Mutter versiegt und er muss nun selbst arbeiten. Er fängt in Wien bei einem alten Freund der Mutter an, der als Kriegsversehrter eine Trafik im 9. Bezirk zugewiesen bekommen hat.
    Nachdem er sich langsam an das Großstadtleben gewöhnt hat, trifft er in der Trafik auf den berühmten Professor Freud, dem bereits vor dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 einige Menschen schlecht gesonnen sind, weil er Jude ist. Dieser rät ihm, nicht mit ihm als alten Mann Zeit zu verbringen, sondern sich ein Mädchen zu suchen. Damit beginnt das sexuelle Erwachen des Franz und die große Verwirrung um sich, seinen Körper und die Liebe.
    Aber die Zeichen der Zeit holen die kleine Trafik ein ...

    Eine Geschichte, die fröstelt und beseelt. Man hört den österreichischen und böhmischen Akzent, kann gar die Ruhe des Attersees und die laute Aufregung der Stadt hören. Es ist witzig, wie offen die Mutter mit ihrem Sohn über ihre Liebschaften spricht. Und es ist spannend, fast unwirklich, dass der Ruf des "Deppendoktors" sogar die letzte Ecke des Salzkammergutes erreicht hat. Der Autor beschreibt großartig die Stimmung in einer Großstadt, in der viele verschiedene Menschen mit verschiedenen Meinungen und Lebensstilen wohnen und die Veränderung hin zur Gleichschaltung und Überwachung. Ein wichtiges Buch, für alle jungen Menschen und für alle, die glauben, eine einzige starke Meinung sei das Beste.

    Zu den Aufgaben von Franz gehört die tägliche Lektüre sämtlicher Zeitungen. Und auf Seite 149 denkt er folgendes: "Eigentlich ist es ja schon merkwürdig, dachte er weiter, wie die Zeitungen ihre ganzen Wahrheiten in großen, dicken Lettern herausposaunen, nur um sie dann gleich in der nächsten Ausgabe wieder kleinzuschreiben, respektive über den Haufen zu werfen. Die Wahrheit der Morgenausgabe ist praktisch die Lüge der der Abendausgabe, dachter er, was allerdings keine allzu große Rolle spielt. Erinnert wird nämlich meistens sowieso nicht die Wahrheit, sondern nur das, was laut genug herausgebrüllt oder eben fett abgedruckt wird. Und wenn so ein Erinnerungsrascheln lange genug angedauert hat, dachte er schließlich, wird daraus Geschichte."

    Gebundene Ausgabe:
    Kein & Aber 09/2012
    256 Seiten

    Taschenbuch:
    Kein & Aber 11/2013
    249 Seiten

    Das Buch soll im November 2018 mit Bruno Ganz als Freud verfilmt werden.  

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Nimmer_Satts avatar
    Nimmer_Sattvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Und wieder bin ich den leisen Tönen und den einfachen Figuren in Robert Seethalers Roman verfallen.
    Von einem der nach Wien zog, um Trafikant zu werden


    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Rabiatas avatar
    Rabiatavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Klare Sprache, flüssig lesbar. Humorvoll und auch melancholisch. Keine Unterteilung in Kapitel
    Wien in den 1930er Jahren, schillernd und farbenfroh

    Das Buch lässt sich durchaus in einem Rutsch lesen. Es ist nicht in Kapitel unterteilt, ist flüssig lesbar und erzeugt durch die klare Sprache eine gewisse Spannung.

    Es gibt Szenen mit einem feinen Humor, aber auch eine tiefe Melancholie, die stets zwischen den Zeilen mitschwingt.
    Die Schrecken des Nationalsozialismus klingen leise nach, wenn man das Buch beendet hat. Die Geschehnisse werden bildhaft geschildert, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und sympathisch. Die Beziehungen der Charaktere zueinander sind authentisch und liebevoll ausgearbeitet.
    Zu Beginn war mir der verträumte Franz eher unsympathisch. Er lebt in den Tag hinein und lässt sich von seiner Mutter verwöhnen. Doch er muss etwas zum Lebensunterhalt beisteuern, denn der bisherige Gönner seiner Mutter stirbt unerwartet. So kommt Franz nach Wien, für ihn ein Kulturschock. Doch er wächst daran und entwickelt sich weiter. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und logisch.  

    Die Liebesgeschichte zwischen Franz und Anezka ist berührend, wunderschön und traurig zugleich.
    Die Episoden mit Sigmund Freud fand ich etwas konstruiert und befremdlich. Für mich passten diese nicht so wirklich zur Geschichte. Die wenigen Szenen mit Freud sind auch eher nebensächlich, sollen wohl aber die innere Zerissenheit und das sexuelle Aufblühen von Franz in irgendeinen Zusammenhang setzen. So sagt denn auch Freud zu Franz Sätze wie: "Mit Frauen ist es wie mit Zigarren: Wenn man zu fest an ihnen zieht, verweigern sie einem den Genuss."
    So scheinen Franz' spätere Erlebnisse auch von Anfang an durch einen kurzen Absatz vorweg genommen zu werden: "Ein guter Trafikant verkauft nicht einfach nur Tabak und Papier", sagte Otto Trsnjek und kratzte sich mit dem hinteren Ende der Schreibfeder an seinem Beinstumpf. "Ein guter Trafikant verkauft Genuss und Lust - und manchmal Laster!"

    Obwohl ich die Geschichte zeitweise etwas seltsam empfand, finde ich sie sehr gut lesbar.
    Zeitweise ist sie düster und scheint hoffnungslos, gleichzeitig aber erzählt der Autor eine Geschichte voller Licht und Farben.

    Den Teil mit dem Fahnenmast fand ich super! :) (Lest es selbst!)

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Mlle-Facettes avatar
    Mlle-Facettevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Robert Seethaler erzählt mit seinem großartigen Schreibstil vom Erwachsen werden des jungen Franz Huchel.
    Erwachsen werden ist nicht leicht, Lieben schon gar nicht

    Das möge zwar sein, sagte Franz, aber was für den einen bedeutsam sei, das sei für den anderen vielleicht eher uninteressant bis nutzlos. (S. 177)


    Erwachsen werden ist nicht leicht, die Liebe schon gar nicht. Das merkt der junge Franz Huchel schnell, als er aus der beschaulichen Heimat im Salzkammergut in die imposante Stadt Wien ziehen muss. Dort lernt er nicht nur, was es heißt ein guter Trafikant zu sein, sondern auch wie schmerzlich die Liebe sein kann und dass nicht jeder, der erwachsen wird gleichzeitig auch gescheiter wird.


    DER INHALT

    In der kleinen Trafik trifft der junge Franz das erste Mal auf Professor Freud. Beeindruckt von dem Gerede um den „Deppendoktor“ erhofft er sich Hilfe von ihm bei der Frage, was es mit dem Leben auf sich hat.

    Freud reagiert etwas unwirsch, ob er nichts besseres zu tun hat, sich nicht vielleicht besser ein Mädchen suchen sollte. Und das tut Franz dann auch ohne langes Zögern. Dass man sich auch unglücklich verlieben kann und dass die Liebe nicht so einfach ist, wie man vielleicht meinen sollte, das hätte der Professor Franz aber auch vorher sagen können.

    So kommt es, dass der unglücklich verliebte Franz und Freud sich unregelmäßig treffen und über die Liebe und das Leben sprechen.


    Er raucht. Ich nicht. Ich frage ihn dies und das. Und er fragt mich dieses und jenes. Zwar wissen wir beide oft keine Antworten, aber das ist egal. Unter Freunden darf man auch einmal nichts wissen.“ (S. 163)


    „Wie kann ein derartig langer Satz eine so kurze Bedeutung haben?“

    „So ist das oft mit Sätzen. Wer viel redet, hat meist wenig zu sagen“, antwortete Freud ein wenig verdrießlich. (S. 74)


    MEINE MEINUNG

    Robert Seethaler hat eine herausragende Sprache. Gefühlvoll, ausmalend und phantastisch.

    Großartig erzählt, mit einer einnehmenden Bildsprache. So wie man das weltliche Chaos zwischen Erwachsen sein und Kind sein nunmal erlebt.

    Allein für den schönen Schreibstil lohnt sich dieses Buch also.


    Sein Blick wanderte langsam über die Verkaufstheke, glitt über deren Rand auf den Boden hinunter, kroch in kleinen Bögen über die Dielen und blieb schließlich irgendwo knapp vor Franz‘ Schuhspitzen hängen. (S. 68)


    Aber auch die Geschichte ist eine schöne. Eine tiefsinnige. Franz Erinnerungen an seine einfache Kindheit, die ihm doch so viel Glück gebracht hat und nun das Erwachsen werden mit all den großen und kleinen Problemen, die die Liebe, die Politik und andere Menschen so mit sich bringen. In all dem Gefühlschaos doch seinen Platz zu finden und zu lernen, was richtig und was falsch ist, wo so viele andere doch offensichtlich weder mit Herz noch Verstand denken, wenn sie denn überhaupt denken.


    Franz schloss die Augen. Wie viele Abschiede kann ein Mensch eigentlich aushalten, dachte er. Vielleicht mehr, als man denkt. Vielleicht keinen einzigen. Nichts, als Abschiede, wo man auch bleibt, wohin man auch geht, das hätte einem jemand sagen sollen. (S. 235)

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Felices avatar
    Felicevor 10 Monaten
    Aus dem Wien der Vorkriegszeit

    Die ersten 200 Seiten habe ich sehr genossen, die Beschreibung, wie der junge Franz aus dem Salzburger Land im großen Wien ankommt, ein Trafikantenlehrling wird und auf der Suche nach der Liebe ist, hat mich sehr berührt und auch amüsiert, weil es hervorragende Dialoge sind, die die Geschichte so besonders machen. Die Figuren sind klasse und die Bekanntschaft mit Sigmund Freud ist eine nette Idee. Besonders haben mir auch die Schriftwechsel mit der Mutter gefallen. Zunächst nur auf Ansichtskarten, die zuvor beschrieben werden, später dann in Briefen.
    Doch die Zeit wirft ihre Schatten voraus und es kommt zu großen Veränderungen und mit der historisch korrekten Tatsache, dass Freud kurz vor Kriegsbeginn Wien (und den Franz) verlässt und der Schluss auch folgerichtig und nachvollziehbar ist, zeigt es mir doch wieder, warum ich eigentlich lieber Krimis lese, die rein fiktiv sind und mir meist doch weniger ans Gemüt gehen als eine Geschichte, die sich genau so zugetragen haben köntte.
    Insgesamt ein Buch, das durchaus fünf Sterne verdient hat, von mir aber aber aus oben beschriebenem Grund, weil es mir viele vergnügliche Lesestunden bereitet, mich aber nicht glücklich zurückgelassen hat, einen Stern weniger bekommt.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Anne-Sophie_Fuchss avatar
    Anne-Sophie_Fuchsvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sätze, die sich lesen wie ein Tanz, der am Ende der Feier alle in freudigem Taumel zurücklässt.
    Eine Sprache wie ein schneller Wiener Walzer.

    "Der Trafikant" ist eine kurze Geschichte über Franz, der als junger Trafikant stürmische Zeiten in Wien durchlebt. Voller jungenhafter Naivität erfährt er eine besondere Freundschaft, die erste Liebe - oder sowas in der Art - und die Folgen von Fremdenhass im eigenen Land. 


    Ein Buch, das sich liest wie ein tiefer Atemzug im Frühling. Du riechst die aufblühenden Knospen, die frische Luft und spürst das Surren der gerade aufgewachten Bienen und Wespen um dich herum. Und dann ist da aber hier und da ein kurzes Niesen, eine Unterbrechung, bei der du merkst: Hoppla, das war unangenehm. Aber irgendwie auch witzig.


    Denn genau so ist "Der Trafikant". Eine Geschichte über tolle wie ernste Angelegenheiten, verpackt in einer amüsant-holprigen Tonalität. Sätze, die sich lesen wie ein Tanz, der am Ende der Feier alle in freudigem Taumel zurücklässt.


    Kurz: Ein tolles Buch!

    Kommentieren0
    2
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks