Robert Streibel

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Der Wein des Vergessens, April in Stein und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Robert Streibel

Robert Streibel, geboren 1959 in Krems a. d. Donau, Studium der Geschichte u. a. in Wien, seit 1999 Direktor der Volkshochschule Hietzing. Als Historiker hat er zahlreiche Forschungsprojekte zu Nationalsozialismus, Judentum, Exil sowie zahlreiche Gedenkaktionen zu Vertreibung und Widerstand im NS-Staat durchgeführt. Publikationen u. a. „Plötzlich waren sie alle weg. Die Juden der Gauhauptstadt Krems“, „Februar in der Provinz. Eine Spurensicherung zum 12. Februar 1934 in NÖ“, zuletzt „Krems 1938–1945. Eine Geschichte von Anpassung, Verrat und Widerstand“. „April in Stein“ ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Robert Streibel

Cover des Buches Der Wein des Vergessens (ISBN: 9783701716968)

Der Wein des Vergessens

 (1)
Erschienen am 28.08.2018
Cover des Buches April in Stein (ISBN: 9783701716494)

April in Stein

 (1)
Erschienen am 03.03.2015
Cover des Buches Das war der letzte Sommer (ISBN: 9783854098393)

Das war der letzte Sommer

 (0)
Erschienen am 01.08.2021
Cover des Buches Die fröhliche Schule (ISBN: 9783854099925)

Die fröhliche Schule

 (0)
Erschienen am 12.10.2020
Cover des Buches Lesen wir Louise Glück (ISBN: 9783990981337)

Lesen wir Louise Glück

 (0)
Erschienen am 06.06.2022
Cover des Buches Widerstand in Griechenland und Stein (ISBN: 9783990288672)

Widerstand in Griechenland und Stein

 (0)
Erschienen am 03.04.2020

Neue Rezensionen zu Robert Streibel

Cover des Buches Der Wein des Vergessens (ISBN: 9783701716968)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der Wein des Vergessens" von Robert Streibel

"Gemeinwohl geht über Eigennutz"
Bellis-Perennisvor 4 Jahren

Weinhändler Paul Robitschek, der Eigentümer der berühmten Riede Sandgrube in Krems, ist Jude und schwul. Im Jahr 1938 keine gute Kombination in Österreich.

Obwohl er auf Anraten ihm wohlgesinnter Freunde das Weingut an seinen arischen Geschäftspartner und Liebhaber August Rieger verkauft, setzt Franz Aigner, der Obmann der neu gegründeten Winzergenossenschaft, alle Hebel in Bewegung, das Weingut für die Genossenschaft zu requirieren. Man schreckt weder vor Denunziation noch vor Verleumdung zurück. Paul Robitschek gelingt auf abenteuerliche Weise zuerst die Flucht nach Triest, dann nach Frankreich bis er schließlich in Caracas landet. August Rieger wird mehrmals verhaftet. 

Nach Ende des NS-Regimes versucht Rieger das Weingut wieder zu bekommen. Doch die Personen in den Amtsstuben sind dieselben, die die Arisierung durchgeführt haben. Erst nach langen zähen Ringen erhält er eine Entschädigung, die den Bruchteil des tatsächlichen Wertes darstellt. 

Meine Meinung: 

Die Buchautoren Robert Streibel und Bernhard Herrmann haben ein sehr eindrückliches Werk geschaffen. Obwohl als Roman erschienen, ist das Buch eine gute Dokumentation der Machenschaften.

Eine zentrale Rolle in diesem Fall kommt Franz Aigner zu. Aigner bereits seit 1928 (!) illegaler Nazi, hat schon lange den Plan gefasst, die ertragreiche Riede für die Genossenschaft zu bekommen. Man wirft Robitschek neben seinem Judentum und der Homosexualität Unkenntnis im Weinbau, Vernachlässigung der Reben und schlecht gekelterten Wein vor.  Das Weingut soll schlechten Boden und minderwertige Trauben haben. Daher wird der Kaufpreis gedrückt.  Aber, in dem Moment, wo die Winzer Krems die Riede in ihrem Besitz hat, sind diese Reben die besten der Wachau. Sehr seltsam, nicht?

Der Verkauf an Rieger wird amtlicherseits nicht genehmigt. Die Winzergenossenschaft zahlt einen lächerlichen Betrag an Robitschek, der das Geld natürlich nicht erhält, weil es auf das damals üblich Sperrkonto eingezahlt wird. 

Doch der wahre Skandal ist, dass durch diverse Verschleierungsaktion bis eben die Autoren zufällig über Dokumente und Tagebücher von Robitschek gestolpert sind, die Vorkommnisse verschwiegen wurden.

Im Vorwort ist ein Telefonat mit dem aktuellen Obmann der Winzer Krems abgedruckt, der „in Ruhe gelassen werden will“ und von den längst vergangenen Zeiten nichts wissen und hören will. 

Wenige Tage nach Erscheinen des Buches, das naturgemäß hohe Wellen schlägt, ist der öffentliche Druck auf den Obmann der Winzer Krems so groß, dass er in einem TV-Interview zustimmt, eine Historikerkommission diese unrühmliche und perfide Aktion untersuchen zu lassen … 

Fazit: 

Eine beeindruckende Dokumentation eines Unrechts, das bis heute nicht eingesehen wird. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.


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