Der Wein des Vergessens

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Die Geschichte einer unglaublichen Enteignung und einer schäbigen Haltung der neuen Eigentümer bis heute.

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Inhaltsangabe zu "Der Wein des Vergessens"

Ein dokumentarischer Roman, wie man ihn sich brisanter und spektakulärer nicht ausdenken könnte. 1938 befindet sich die Riede Sandgrube – eines der berühmtesten Weingüter der Wachau – im Besitz des jüdischen Geschäftsmanns Paul Robitschek sein Partner ist August Rieger. Robitschek und der angebliche Baron sind Geschäftsfreunde und zugleich ein glamouröses Liebespaar. Die Denunziationen erleichtern die Arisierung jenes Besitzes, der zur Grundlage der berühmten Winzergenossenschaft Krems wird – ein Begriff für Wein & Kultur weit über die nationalen Grenzen hinaus. Diese Arisierung ist bis heute noch nie Thema der Forschung gewesen. Die Autoren konnten einen Schatz an Dokumenten sicherstellen, mit dem sie eine unglaubliche Geschichte von Verrat und Treue, Liebe und Geschäft, Vernichtung und Verdrängung erzählen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783701716968
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Buch
Umfang:256 Seiten
Verlag:Residenz
Erscheinungsdatum:28.08.2018

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Monat
    Kurzmeinung: Die Geschichte einer unglaublichen Enteignung und einer schäbigen Haltung der neuen Eigentümer bis heute.
    "Gemeinwohl geht über Eigennutz"

    Weinhändler Paul Robitschek, der Eigentümer der berühmten Riede Sandgrube in Krems, ist Jude und schwul. Im Jahr 1938 keine gute Kombination in Österreich.

    Obwohl er auf Anraten ihm wohlgesinnter Freunde das Weingut an seinen arischen Geschäftspartner und Liebhaber August Rieger verkauft, setzt Franz Aigner, der Obmann der neu gegründeten Winzergenossenschaft, alle Hebel in Bewegung, das Weingut für die Genossenschaft zu requirieren. Man schreckt weder vor Denunziation noch vor Verleumdung zurück. Paul Robitschek gelingt auf abenteuerliche Weise zuerst die Flucht nach Triest, dann nach Frankreich bis er schließlich in Caracas landet. August Rieger wird mehrmals verhaftet. 

    Nach Ende des NS-Regimes versucht Rieger das Weingut wieder zu bekommen. Doch die Personen in den Amtsstuben sind dieselben, die die Arisierung durchgeführt haben. Erst nach langen zähen Ringen erhält er eine Entschädigung, die den Bruchteil des tatsächlichen Wertes darstellt. 

    Meine Meinung: 

    Die Buchautoren Robert Streibel und Bernhard Herrmann haben ein sehr eindrückliches Werk geschaffen. Obwohl als Roman erschienen, ist das Buch eine gute Dokumentation der Machenschaften.

    Eine zentrale Rolle in diesem Fall kommt Franz Aigner zu. Aigner bereits seit 1928 (!) illegaler Nazi, hat schon lange den Plan gefasst, die ertragreiche Riede für die Genossenschaft zu bekommen. Man wirft Robitschek neben seinem Judentum und der Homosexualität Unkenntnis im Weinbau, Vernachlässigung der Reben und schlecht gekelterten Wein vor.  Das Weingut soll schlechten Boden und minderwertige Trauben haben. Daher wird der Kaufpreis gedrückt.  Aber, in dem Moment, wo die Winzer Krems die Riede in ihrem Besitz hat, sind diese Reben die besten der Wachau. Sehr seltsam, nicht?

    Der Verkauf an Rieger wird amtlicherseits nicht genehmigt. Die Winzergenossenschaft zahlt einen lächerlichen Betrag an Robitschek, der das Geld natürlich nicht erhält, weil es auf das damals üblich Sperrkonto eingezahlt wird. 

    Doch der wahre Skandal ist, dass durch diverse Verschleierungsaktion bis eben die Autoren zufällig über Dokumente und Tagebücher von Robitschek gestolpert sind, die Vorkommnisse verschwiegen wurden.

    Im Vorwort ist ein Telefonat mit dem aktuellen Obmann der Winzer Krems abgedruckt, der „in Ruhe gelassen werden will“ und von den längst vergangenen Zeiten nichts wissen und hören will. 

    Wenige Tage nach Erscheinen des Buches, das naturgemäß hohe Wellen schlägt, ist der öffentliche Druck auf den Obmann der Winzer Krems so groß, dass er in einem TV-Interview zustimmt, eine Historikerkommission diese unrühmliche und perfide Aktion untersuchen zu lassen … 

    Fazit: 

    Eine beeindruckende Dokumentation eines Unrechts, das bis heute nicht eingesehen wird. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.


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