Robert Wagner Pieces of My Heart

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Inhaltsangabe zu „Pieces of My Heart“ von Robert Wagner

A memoir of the author that shares the romances, the drama and the humor of his incredible life.
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  • Rezension zu "Pieces of My Heart" von Robert Wagner

    Pieces of My Heart
    SinjeB

    SinjeB

    02. January 2012 um 20:20

    Buch und Meinung: Dass ich ein Faible für Geschichten aus dem alten Hollywood habe, ist bekannt. Ich verschlinge seit Charlton Hestons In the Arena: An Autobiography eine Autobiografie nach der anderen, aber nicht, weil ich am oft unvermeidlichen Gossip interessiert wäre, sondern weil einige der "alten Stars" tatsächlich kurzweilig, aber auch interessant über ihre Arbeit berichten und damit Puzzleteilchen der Filmgeschichte liefern. Dass man mit Autobiografien auch gut einschlafen kann, hat Laurence Olivier mit Confessions of an Actor bewiesen, aber bislang ist mir noch nicht wieder ein solcher Ausrutscher untergekommen. Robert Wagner kenne ich nur aus dem Fernsehen, wusste aber, dass seine Karriere wesentlich früher bereits auf der großen Leinwand begonnen hatte. Um zu erfahren, wie man von der großen zur kleinen Leinwand kommt und welche Leidenschaft den Mann mit dem Schauspielerberuf verbindet, habe ich mir seine Autobiografie besorgt. Nachdem wir früher sehr gern Hart aber herzlich gesehen haben, und obwohl ich damals schon sehr wohl wusste, dass in Filmen Schauspieler fiktionale Charaktere darstellen und Darsteller und dargestellte Person nicht dasselbe sind, war Robert Wagner für mich immer Jonathan Hart. Mit seinen Memoiren hat er mir nun den Kopf zurechtgerückt, und es ist mir unmöglich, mich kurzzufassen, denn dieses Buch hat mich ziemlich gespalten. Unter anderem, weil, wie so häufig, die Kurzbeschreibung eine wesentlich "bewegendere" Lektüre versprach. Für R. J. erwies es sich quasi als glückliche Fügung, dass die Familie aufgrund des Asthmas seiner Mutter nicht länger in Michigan bleiben konnte und Bel-Air zur neuen Heimat wurde. Selbst wenn der Teenager R. J. für seine Freizeitannehmlichkeiten selbst arbeiten musste, war die Familie dank der Geschäftstüchtigkeit des Vaters, der mit deutscher Akribie auf den Pfennig achtete, nicht unvermögend und demzufolge auch Country-Club-Mitglied. Nicht nur dort, sondern auch in der Privatschule fand der junge Wagner rasch Kontakt zu Hollywood, doch bevor er selbst ein Teil davon werden konnte, musste er den strengen Vater erst einmal davon überzeugen, dass die Investition in den Sohn sich auch auszahlen würde. Diese ersten Kapitel in Robert Wagners reflektieren, obwohl er mehrfach Respekt gegenüber seiner Herkunft bekundet und beteuert, er habe nie etwas für selbstverständlich hingenommen, eine ordentliche Portion grantige Verbittertheit. Auch wenn er seine Großeltern, deutsche Auswanderer, nur kurz erwähnt, kann er es sich nicht verkneifen, mit Klischees um sich zu werfen, während er sehr bittere Tatsachen beschreibt. So sei sein Vater sozusagen nach deutscher Erziehungstradition verhauen worden, weshalb dieser als Kind weggelaufen sei und sich selbst durchgeschlagen habe. Letztendlich führte dies auch dazu, dass die Wagner-Kinder (Robert Wagners Schwester wird nur sehr sporadisch erwähnt) keine Beziehung zu ihren Großeltern hatten, sodass Robert Wagner nur sehr wenig von seiner Familie zu berichten weiß. Diese Herkunft habe, so Wagner, jedenfalls so auf seinen Vater abgefärbt, dass auch ein R. J. in seiner Kindheit zur Strafe in der Ecke stehen musste. Ich war erschreckend, zu lesen, wie sehr Robert Wagner bis ins Erwachsenenalter um die Anerkennung seines Vaters kämpfen musste und selbst in Geldnot, wovor auch ein Star nicht gefeit ist, Ablehnung einfing. Was mich beim Lesen störte, war, dass die Schuld für den Charakter des Vaters dessen deutscher Herkunft zugeschrieben wurde, was mir doch recht einfach und nicht weltoffen vorkam, denn Erziehungsmethoden, so sehr sie auch zu verurteilen sind, sind nicht ausschließlich eine Frage der Nationalität, sondern auch der jeweiligen Zeit. Aufgrund der persönlichen Erfahrung wird Robert Wagner subjektiv von einer Differenzierung Abstand genommen haben. Nachvollziehbar, aber nicht indifferent zu lesen. Während die Mutter ihn in seinem Vorhaben, Schauspieler zu werden unterstützt und ihn zu Unterricht und Vorsprechen fährt, stößt er bei seinem kaufmännischen Vater auf Widerstand und muss sich dessen Fürsprache hart erarbeiten. Und so schlägt sich wie schon sein Vater zuvor auch R. J. durch, von einem Vorsprechen zum nächsten, für alles und mit jedem, bezahlt den Schauspielunterricht selbst, bis er schließlich einen Vertrag bekommt. Und selbst dann lässt die Anerkennung durch den Vater noch Jahre auf sich warten. Anfang der 50er sieht alles ganz vielversprechend aus, und Robert Wagner zählt rasch zu den hochgehandelten Jungstars. Sein selbstbewusster, von einem kleinen Hauch Selbstverliebtheit durchzogener Bericht der frühen fünfziger Jahre umfasst zahlreiche Eroberungen, die man, wie es immer so ist, glauben kann, aber nicht muss, sowie eine ausführlichere, respektvolle Abhandlung seiner Beziehung mit der dreiundzwanzig Jahre älteren Barbara Stanwyck, mit der ihn bis zu ihrem Tod eine enge Freundschaft verband. Zudem gewinnt man den Eindruck, dass Robert Wagner nicht nur mit jeder namhaften Schauspielerin näher bekannt war, sondern tatsächlich alles und jeden in Hollywood kannte. Mit Fred Astaires Sohn ging er zur Schule, Norma Shearer kannte er aus dem Country Club, mit Darryl Zanucks Tochter Susan ging er aus ... und er meint, jede Urban Legend in Hollywood kommentieren zu müssen, ganz gleich, ob er involviert war oder nicht. Meines Erachtens hätte es Mr. Wagner durchaus bei der Erwähnung belassen können, er habe einmal ein paar Drinks mit "Jimmy" Dean genommen, was ihm aber keine weitere Einsicht in seine Persönlichkeit erlaube. Aber nein, er muss zwei Zeilen weiter noch eine Vermutung betreffend James Deans sexuelle Orientierung einwerfen. Angesichts solcher eher unbedeutenden Meinungsäußerungen ist es verwunderlich, dass diese in großzügigem 12 pt gedruckte Autobiografie nur 324 Seiten dick ist, denn Robert Wagner hätte sicherlich noch viel mehr zu erzählen. Aber eines muss man Robert Wagner lassen: Er widmet den Menschen, die er mag/mochte, ebenso viel Raum wie denen, die ihm gestohlen bleiben können. Freunde werden trotz vereinzelter Kritik gewürdigt, aber Menschen, die ihm nach eigenen Angaben übel mitgespielt haben, werden nicht mit Samthandschuhen angefasst. Besonders seine ehemalige Schwägerin, Lana Wood, bekommt ihr Fett weg, wobei der Leser natürlich nie beurteilen kann, was berechtigt ist und was nicht, sodass hier, Ehrlichkeit in allen Ehren, mehr Zurückhaltung angebrachter gewesen wäre. Es gab Passagen, die ich durchaus als fremdschäemenswert empfand und mir daher trotz aller Ressentiments mehr Contenance gewünscht hätte. Erwartungsgemäß nimmt Natalie Wood einen großen Part in Wagners Autobiografie ein. Weil es aber seine Autobiografie ist, ist es legitim, dass er nur von der gemeinsamen Zeit bzw. Zusammentreffen berichtet, weitere Ausführungen zu ihrem Leben aber ausspart. Allerdings unterlässt er auch hier nicht wertende Einwürfe insbesondere in Bezug auf Natalie Woods Mutter und Schwester. Er äußert sich zu beiden Ehen, warum Nr. 1 scheiterte (scheitern musste), es dann aber doch zu einem zweiten Versuch kam. Dabei jagt ein "Natalie and I" das andere, wodurch rasch der Eindruck entsteht, beide seien zu einer Person verschmolzen, und das liest sich mitunter etwas arrogant. Zwischen erster und zweiter Ehe mit Natalie Wood liegen der Beginn von Robert Wagners Fernsehkarriere und seine zweite Ehe, und plötzlich scheint die Erzählung zu seiner Arbeit weniger wichtig als die Tatsache, wie sehr er Natalie vermisst. Beim Lesen will das Gefühl, man habe einen schnell gestrickten Einschub vor sich, der nur das Zurückfinden zu Natalie überbrücken soll, nicht weichen. Zudem äußert Robert Wagner sich in dieser Autobiografie erstmals öffentlich zu Natalie Woods Tod, soweit er sich eben äußern kann und will. Er wiederholt die offiziellen Vermutungen, stellt aber selbst keine Spekulationen an. Was manchem Leser als emotionslos sauer aufstößt, ist in meinen Augen schlicht und einfach ein nüchterner Bericht, der nur mit einigen Jahren Trauerdistanz und Depressionsverarbeitung möglich ist. Hier erzählt jemand von einem traumatischen Ereignis, nachdem er in der Lage war, einen Schlussstrich zu ziehen, und man hat das Gefühl, dass Robert Wagner hier genau das tut. Dennoch ist es seltsam, dass er Natalie Wood, zu der er während der Trennung bis zur Zweitheirat Gefühle hegte, die er als "unfinished emotional business" beschreibt, nicht einmal in der Widmung seiner Autobiografie erwähnt. Seine Schwester, die im Buch selten angesprochen wird, hingegen ist dort benannt. Diese Widmung gießt vermutlich Wasser auf die Mühlen jener Wood-Fans, denen die Beziehung Wagner-Wood in Bezug auf Natalie Woods persönliche und berufliche Entwicklung ohnehin ein Dorn im Auge war. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch sehr wohl eine Art Liebeserklärung an all die Frauen in seinem Leben, seien es seine drei Töchter, seine drei Ehefrauen oder auch seine Mutter. Erwähnung findet außerdem der langjährige Streit um "Drei Engel für Charlie", und selbstverständlich darf "Hart aber herzlich" nicht fehlen. Erstaunt hat mich dabei allerdings, dass Wagner zunächst mit Hochachtung von Stefanie Powers (die im Buch manchmal falsch Stephanie geschrieben wird) spricht, sie später aber abwatscht, als sie eine Fortsetzung der Reunion Movies ablehnte, um sich künstlerisch weiterzuentwickeln, weil sie durch Jennifer Hart zu stark typisiert wurde. Von der tiefen Freundschaft, die sie verband, als nicht nur Natalie Wood, sondern auch Stefanie Powers' Lebensgefährte William Holden starb, und die sie auch nach "Hart to Hart" zusammen auf der Bühne hielt, ist plötzlich nichts mehr zu lesen. Als Powers zu einem späteren Zeitpunkt wieder Interesse bekundet, weist er sie wiederum zurück, weil wohl niemand an Jonathan und Jennifer als kuschelndes Pärchen Gefallen fände und er das Interesse an der Arbeit mit ihr verloren habe. Im Widerspruch dazu steht, dass er im nächsten Satz offen dafür plädiert, die Typisierung eines Darstellers bis zum bitteren Ende fortzusetzen. Als Beispiel nennt er Angela Lansbury, die er zwar verehre, aber trotzdem nicht als älteste Detektivin der Fernsehgeschichte sehen wolle. In dieser Hinsicht dürfte Stefanie Powers' eigene Autobiografie, die 2010 erschien, als Ergänzung interessant sein. Zu guter Letzt bestätigt Wagner aber eines: Das Business hat sich, seit er 1949 seinen Job bei der Fox antrat, nicht geändert. Nach wie vor ist es brutal, aber er hat sich nicht unterkriegen lassen. Trotz schlechter Zeiten oder Kritiken hat er nie den Kopf in den Sand gesteckt und immer auf den Rat der "alten Hasen" gehört. Auch wenn er die Entwicklung der "Industry" mit einiger Skepsis betrachtet, zählt Robert Wagner zu jenen Darstellern, die sich trotz finanzieller Absicherung auch im Alter nicht aus dem Berufsleben zurückziehen, denn er ist dankbar, dass er diesen Beruf noch immer ausüben darf. Fazit: Pieces of My Heart: A Life sind schlicht erzählte Memoiren, die manchmal zu viel Meinung ausplaudern und mitunter einen arroganten Unterton vorklingen lassen. Die in der Kurzbeschreibung angesprochen Romanzen und Dramen eines sechs Schaffensjahrzehnte überspannden Schauspielerlebens werden eher nüchtern als bewegend abgehandelt, und der angekündigte Humor ist überraschend minimal dosiert. Zur Untermalung wurden zahlreiche Schwarz-Weiß- und Farbfotos aus Studioarchiven und Wagners Besitz beigesteuert. Letztendlich leisten diese Memoiren aber genau das, was eine Autobiografie leisten sollte: Sie berichten von einem langen Prominentenleben, dessen Höhe- und Tiefpunkte fast immer im Licht der Öffentlichkeit standen und von Robert Wagner mit bewundernswertem Durchhaltevermögen gemeistert wurden. Leider macht die Umsetzung, die so gar nicht der wohltönenden Ankündigung entsprechen will, "Pieces of my Heart: A Life" nicht zwangsläufig zu einem Must Read für den Hollywood-Fan. Dem Natalie-Wood-Fan ist Robert Wagners Autobiografie nur der Vollständigkeit halber zu empfehlen, denn es ist SEIN Buch, und so sollte es auch sein. Gesamteindruck, wobei natürlich nur die literarische Umsetzung ins Gewicht fällt: 3 von 5 Punkten

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