Robert Wilson Wer Lügen sät

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Inhaltsangabe zu „Wer Lügen sät“ von Robert Wilson

Iago Melo ist kein Mann, dem man sich widersetzt. Der brasilianische Multimillionär weiß, was er will und wie er es bekommt. Ohne jeden Skrupel. Als seine Tochter Sabrina entführt wird, engagiert er zwar einen Unterhändler, spielt aber sein eigenes gefährliches Spiel. Denn ein Iago Melo darf keine Schwäche zeigen. Zum Glück hat er dabei die Rechnung ohne Charles Boxer gemacht, den angeheuerten Spezialisten aus Europa. Der tut alles, um Sabrina freizubekommen. Was er nicht ahnt, ist, dass er sich dabei tief in ein dicht gesponnenes Netz aus Politik und Rache verstrickt. Und dass am Ende auch seine eigene schmerzliche Geschichte eine wichtige Rolle spielen wird ...

Die ganze persönliche Geschichte der Hauptfigur langweilt. Bin sehr enttäuscht!

— Boris

Gescheite Einsichten in die menschliche Existenz.

— HansDurrer

Wie immer guter Stil , aber überfrachtet mit immer wahnwitzigeren Entwicklungen , unnötig grausam und zum Teil unlogisch.Schade.

— Alanda_Vera

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  • Wie soziale Konlikte in Gewalt ausarten

    Wer Lügen sät

    HansDurrer

    06. August 2017 um 09:41

    Sabrina Melo, die Tochter des skrupellosen brasilianischen Multimillionärs Iago Melo, wird in São Paulo entführt. Dieser engagiert den Spezialermittler Charles Boxer, spielt aber sein eigenes gefährliches Spiel. „Sie kommen nicht in meine Position, wenn Sie nicht einen geschärften Kern aus Stahl haben, Mr Boxer.“ Die Charakterisierung dieses Ego-Monsters lässt einen automatisch an andere Egozentriker denken. „Er hat getan, was 'er' tun wollte. Ja, nur 'er' weiss, wie man es macht. Es hat meine Mutter wahnsinnig gemacht, und dann hat es 'mich' wahnsinnig gemacht. Deswegen musste ich von ihm weg. Und wegen seiner Wutausbrüche.“ „Wer Lügen sät“ ist der nunmehr vierte Band um den Entführungsspezialisten Charles Boxer, einem der ungewöhnlichsten und überzeugendsten Krimihelden der letzten Jahre. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Robert Wilsons Protagonisten es so an sich haben, gescheite Sachen über die Welt, das Leben und die menschliche Existenz von sich zu geben. „Bald wird es überall in der entwickelten Welt so sein“, sagte Melo, hob die Hand und wischte über das Glas. „Die Menschen glauben es nicht, aber es wird so kommen. Die Superreichen werden von Gebäude zu Gebäude fliegen, um die immer zahlreicher werdenden wütenden, verarmten Massen zu meiden.“ „Ich habe neulich den Artikel eines amerikanischen Journalisten gelesen, der einen Vorschlag gemacht hat, wie man die Ungleichheit beenden könnte“, sagte er nach einer Weile und überraschte Boxer mit dem abrupten Themenwechsel. „Er wollte alle private Security verbieten lassen. Die Idee war, dass die Reichen dann nicht mehr geschützt sein würden. Entweder sie würden ihren Reichtum verschenken, oder er würde ihnen von den weniger Glücklichen gewaltsam genommen werden.“ „Wer Lügen sät“ erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern mehrere. Neben Sabrina Melo wird auch der Architekt Julião Gonçalves, der in einer von Iago Melos Baufirmen angestellt gewesen war, entführt. Zudem ist vor vielen Jahren die Schwester von Eiriol Lewis in London verschwunden, die Boxer ausfindig machen soll. Und auch Charles Boxers familiäre Verhältnisse, insbesondere das rätselhafte Verschwinden seines Vaters, kommen, wie schon in Robert Wilsons früheren Charles Boxer-Büchern, ausgiebig zur Sprache. Dass „Wer Lügen sät“ trotz der verschiedenen ineinander verwickelten Erzählstränge spannend bleibt, ist eine Meisterleistung. „Wer Lügen sät“ spielt in London und São Paulo, in ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Erzählt mit feinem psychologischen Gespür und einem ausgeprägten Sensorium für soziale und weltpolitische Konflikte, lehrt uns der Autor mehr über die Welt als viele gescheite Sachbücher. Robert Wilson verschafft dem Leser auch einen guten Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse Brasiliens, wo Korruption, Zerstörung der Natur, Gangs, die sich blutig bekämpfen, die ungeheuere Diskrepanz zwischen dem Leben in den Favelas und den Villenvierteln „normal“ ist. Auch die Zeit der Militärdiktatur kommt zur Sprache. Doch vor allem wird gezeigt, wie sich soziale Konflikte nicht nur verschärfen, sondern in brutale Gewalt ausarten. Darüber hinaus ist „Wer Lügen sät“ auch die Geschichte von Boxers schmerzhafter Selbstfindung, bei der, wie das bei wirklichen Selbstfindungen so ist, fast alle Gewissheiten auf der Strecke bleiben. Robert Wilson, vertraut mit den Tiefen der menschlichen Seele, zeigt mit „Wer Lügen sät“ einmal mehr, dass wer etwas von der Welt verstehen will, am besten Krimis liest: Die Krimis von Robert Wilson.

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  • Spannend, aber nicht ohne Längen

    Wer Lügen sät

    michael_lehmann-pape

    07. July 2017 um 14:09

    Spannend, aber nicht ohne LängenDas Robert Wilson an gegebenem Ort kein Problem mit expliziter Gewaltdarstellung hat und dass sein „Charlie Boxer“ auch in diesem neuen Thriller durchaus kurzen Prozess zu machen versteht, wenn Gefahr im Verzug ist, darin gestaltet Wilson auch klare und direkte Action-Szenen. Die aber wohldosiert im Buch erscheinen und eher „Zugabe“ denn prägendes Stilelement ist.Wie aber Leidenschaften und Gier, der unbedingte Wille zur Macht und zur Intrige nicht nur einzelne Menschen prägt, sondern durch diese auch die Atmosphäre von Beziehungen, ja ganzer Gesellschaften bestimmt, das arbeitet Wilson an den beiden roten Fäden auch dieser Geschichte bestens heraus.Brasilien, Favela, Reiche, die sich nur in gesicherten Häusern und Vierteln aufhalten und bevorzugt mit Hubschraubern ihre Ziele anfliegen. Eine Gesellschaft, in der Entführungen in härtester Form Alltag sind und das Fordern von Lösegeld Charlie Boxers Profession, das „Verhandeln“ in ein gutes Geschäft verwandeln.Wobei Wilson ebenso genau offenlegt, dass selbst das Leben des eigenen Kindes die Neigung zur kalten Berechnung nicht wirklich zu erschüttern vermag, selbst wenn mit einem Briefumschlag eindeutige Zeichen der Härte gesendet werden.Die Entführung der Tochter eines der einflussreichsten Industriellen und Politikers Brasiliens ist hier der eine rote Faden, an dem Wilson die Zeichen der Zeit selbst spannend darstellt. Und an dem er immer wieder auch auf die persönliche Entwicklung, die „Selbstfindung“ seines sensiblen und doch auch brettharten Protagonisten.Denn es dauert nicht lange, und Boxer schwant, dass dieser Mann namens Melo alles andere als ein Harmloser, zufällig reicher und nun verängstigter Vater ist.Denn nicht nur in einer Welt voll Taktieren, Lügen, Intrigen, und dem ständigen Versuch, einander zu übervorteilen, bewegt sich Boxer beruflich, sondern auch in seinem privaten Leben.Was Mutter und Vater angeht, was den Druck gegen ihn von einem Geheimdienst angeht, muss Boxer alle Sinne geschärft lassen, nicht unter die Räder zu kommen, nicht von anderen Interessen ausgelaugt zu werden und nicht selbst als Zielscheibe der Mächtigen sich wiederzufinden.Dass der Mann dabei ein gutes Herz hat, dass er Werte in sich trägt, die ihn auch hohe Gefahren für sich selbst auf sich nehmen lassen, wenn er den Eindruck hat, helfen zu wollen, das macht ihn dem Leser durchaus sympathisch.Wobei ein „gutes Herz“ nichts damit zu tun hat, dass Boxer leichtsinnig werden würde. Immer einen Schachzug vorausplanen, Gegner gegeneinander aussielen und auch private Enthüllungen einstecken können, die durchaus je „Schläge in den Nacken“ in sich tragen, darin ist Charlie Boxer unnachgiebig.Was nicht nur bei den Verhandlungen mit den Kidnappern in Brasilien zum Tragen kommt, sondern auch im Finale dieses Teils seiner Geschichte auf heimischem Boden für Spannung am Ende sorgen wird.Alles in allem zwar mit einigen Längen versehen (in denen Wilson zu detailliert auf Situationen und manche Personen eingeht), im Gesamten aber wiederum ein hervorragender Thriller mit einem besonderen „Suchenden“ und „Kämpfer“.

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