Roberto Bolaño

 4,2 Sterne bei 374 Bewertungen
Autor von 2666, Lumpenroman und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Der verspätete Künstler mit kritischem Weltbild: Der chilenische Schriftsteller Roberto Bolaño, geboren 1953 in Santiago de Chile unter dem Namen Roberto Bolaño Ávalos, war nicht immer ein großer Schreiber. Als Schüler litt er an Legasthenie, später gründete er mit dem mexikanischen Dichter Mario Santiago die avantgardistische Gruppe der Infrarealisten. Sie diente der Rebellion gegen den etablierten Literaturbetrieb. Bolaño führte ein bewegtes Leben, reiste bereits in der Kindheit viel mit seinen Eltern und war auch später vielen Ländern wohnhaft, so in Spanien, Mexiko oder Chile. Seine literarische Tätigkeit begann er als unbekannter surrealistischer Lyriker. Der Durchbruch gelang ihm 1998 im Alter von 45 Jahren mit „Los detectives salvajes“, in Deutschland 2002 unter dem Titel „Die wilden Detektive“ erschienen. Bolaño wurde der angesehene Preis Premio Rómulo Gallegos verliehen, bevor er 2003 mit nur 50 Jahren an einer Leberzirrhose verstarb und daher nur kurzen Ruhm erlebte. In seinem Nachlass wurde ein weiteres Werk entdeckt, „Los sinsabores del verdadero policía“ (Die Nöte des wahren Polizisten). Zu Lebzeiten veröffentlichte der Autor zuletzt das Werk „Lumpenroman“, das als Vorlage für den 2013 angelaufenen Spielfilm „Il Futuro − Eine Lumpengeschichte in Rom“ gilt. Postum erschien dann der Roman „2666“, der auch für das Theater adaptiert wurde. Deutsche Übersetzungen von vierzehn Büchern wurden bis 2014 veröffentlicht.

Alle Bücher von Roberto Bolaño

Cover des Buches 2666 (ISBN: 9783446284708)

2666

(131)
Erschienen am 18.03.2025
Cover des Buches Lumpenroman (ISBN: 9783596187850)

Lumpenroman

(66)
Erschienen am 20.02.2014
Cover des Buches Die wilden Detektive (ISBN: 9783596701988)

Die wilden Detektive

(34)
Erschienen am 25.04.2018
Cover des Buches Das Dritte Reich (ISBN: 9783596187867)

Das Dritte Reich

(30)
Erschienen am 21.02.2013
Cover des Buches Stern in der Ferne (ISBN: 9783596187317)

Stern in der Ferne

(19)
Erschienen am 01.04.2010
Cover des Buches Telefongespräche (ISBN: 9783423136693)

Telefongespräche

(18)
Erschienen am 01.07.2008
Cover des Buches Die Naziliteratur in Amerika (ISBN: 9783596187669)

Die Naziliteratur in Amerika

(18)
Erschienen am 01.12.2010
Cover des Buches Amuleto (ISBN: 9783596187775)

Amuleto

(15)
Erschienen am 11.11.2011

Neue Rezensionen zu Roberto Bolaño

Cover des Buches 2666 (ISBN: 9783446284708)
Y

Rezension zu "2666" von Roberto Bolaño

Yps
Ein Sarg von einem Buch

Im Vorwort heißt es, der Autor wollte vor seinem Tod mit der Veröffentlichung die finanzielle Sicherheit seiner Kinder absichern. Kein guter Grund um ein Buch zu schreiben. An die Leser hat er also nicht gedacht. Ich habe eine andere Vermutung: Vielleicht wollte er das ganze Genre Roman mit ins Grab nehmen. Und von dort aus über die Idioten lachen, die sich so eine Lektüre freiwillig antun. Und über die Intellektuellen, die natürlich alles um so meisterlicher finden, je qualvoller es ist. Also nahm er sich vor, den eitelsten dahin palavernden Roman der Welt auf möglichst vielen Seiten auszubreiten. Ich höre sein Lachen aus dem Grabe.

Cover des Buches Der Geist der Science-Fiction (ISBN: 9783103973594)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Der Geist der Science-Fiction" von Roberto Bolaño

Trishen77
Frühe Prosa

Robert Bolaños Ruhm, der ja posthum kam und mit „2666“ und „Die wilden Detektive“ seinen Höhepunkt erreichte, drohte, in meinen Augen, etwas unter der Veröffentlichungswut zu leiden, die in den darauffolgenden Jahren einsetzte und auch noch die frühsten Erzählungen, Romanfragmente, etc. hervorkramte. Anfangs war Großartiges darunter, aber speziell die letzten beiden Veröffentlichungen – die Erzählungen in „Mörderische Huren“ und das Romanfragment „Die Nöte des wahren Polizisten“ – waren, obgleich interessant, qualitativ eher ein Abstieg.

Natürlich ist es auf der anderen Seite toll, dass die Verlage Hanser und S. Fischer sich bemühen, eine lückenlose Ausgabe von Bolaños Werken auf Deutsch anzubieten – im Zuge dessen sind, wie gesagt, auch viele meisterliche Arbeiten wiederaufgelegt worden oder dies wird noch geschehen (so werden beispielsweise auch die großartigen Erzählungen in dem Band „Telefongespräche“ im nächsten Jahr bei S. Fischer neu aufgelegt).
Ich verstehe es ja: Bolaño-Fans wollen natürlich auch noch die letzte Zeile ihres Idols lesen und die Verlage liefern selbstverständlich. Aber es darf wohl die Frage gestellt werden: inwieweit sollte beim Veröffentlichen die Veränderung mitbedacht werden, die jede zusätzliche Publikation am Bild des Werkes und seines Autors vornimmt?

„Der Geist der Science-Fiction“ ist ein früher Roman (und wirkt sehr wie ein Fragment), der aber, laut Angabe im Buch, erst 2016 im Original veröffentlicht wurde. Bolaño arbeitete 1984 daran und verwendete einige Teile wohl für das 1993 erschienene „Fragmentos de la universidad desconocida“.
Der Roman spielt in den 70er Jahren in Mexiko-Stadt und besteht im Wesentlichen aus drei Strängen, die sich abwechseln. Zwei dieser Stränge sind verknüpft mit den beiden jungen Männern Remo und Jan, die sich ein Zimmer in der Metropole teilen. Während Remo versucht, Anschluss an die literarischen Institutionen zu bekommen und für verschiedene Magazine Artikel schreibt, liest Jan hauptsächlich nordamerikanische und europäische Science-Fiction-Romane und schreibt Briefe an die Autor*innen, in denen er sie, mit etwas wirren Erläuterungen und Abschweifungen, dazu anleiten will, sich für die Länder der Dritten Welt einzusetzen, ein Komitee für diese Angelegenheit zu bilden.

Die Briefe sind ein Strang, die Geschichte von Remos Erkundungen, die über ein paar Umwege in eine Liebesgeschichte münden, der andere. Der dritte Strang ist das Interview/Gespräch eines unbekannten jungen Science-Fiction-Autors, der anscheinend gerade einen bedeutenden Preis gewonnen hat, und einer ebenfalls unbekannten fragenden Instanz/Person.
Dieser dritte Teil fällt ziemlich heraus, bleibt bis zum Ende für sich und wirkt ein wenig deplatziert. Auch die Briefe sind, obgleich sie für sich genommen ein interessantes Narrativ darstellen, nur sehr lose mit der Haupthandlung verbunden und Jan tritt in ihnen ganz anders auf als in den Abschnitten mit Remo. Bis zum Ende greifen die Stränge nicht wirklich ineinander, das Konzept dahinter (wenn es denn eines gibt) geht für mich nicht auf.

Bewährte Motive Bolaños tauchen natürlich auch in „Der Geist der Science-Fiction“ auf: Nazis, leise Phantastik, Boheme, Vagabuntentum und Außenseiterphantasien, literarische Anspielungen und Referenzen in Hülle und Fülle. Immer wieder gibt es Passagen mit großartigen Einzelbeschreibungen, die eindringlich sind, Spaß machen.
Aber das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Buch kein fertiger Roman, sondern ein liegengelassenes Projekt ist. Es sollte nicht als abgeschlossener Roman verkauft oder gelesen werden.

Spannend ist sicherlich, wie man in diesem Buch Bolaño bei Fingerübungen zusehen kann und wie stark hier teilweise, vor allem in den Briefen, nicht nur seine gewohnt satirische, sondern auch seine kritische Ader zum Vorschein kommt. Die Science-Fiction wird zum Sinnbild für die Utopie, zur Metapher für das Neu- und Besserdenken der Welt, der Verhältnisse. In der Hoffnung, welche Jan in seine Briefe an die Autor*innen legt, setzt Bolaño ein altes Dilemma, die Diskrepanz zwischen literarischer Vision und tatsächlichem Engagement, innovativ in Szene. Die Briefe sind somit Kabinettstücke mit einem gut gezimmerten doppelten Boden.

Lässt man die Einschränkungen (von denen aber jeder Kenntnis haben sollte, bevor er zu dem Buch greift) beiseite, ist diese frühe Prosa durchaus lesenswert. Ich mag, wie sich die Liebesgeschichte entfaltet. Die Beschreibung der Annäherung zwischen Remo und einer Frau namens Laura, erinnert an ein paar Glanzstücke von Bolaño Erzähltalent, seine Sprache wirkt auch in diesem frühen Werk nicht ungeschliffen, sondern schon sehr präzise; vielleicht sogar ein bisschen weniger verkopft und verstiegen als in den späteren, furioseren Werken.
Mit dem Interview konnte ich nicht viel anfangen und ich glaube, hier wären ein paar Backgroundinformationen wichtig oder interessant gewesen.

Überhaupt: es gibt zwar einen Abschnitt mit einigen schönen Originalnotizen aus der Entstehungszeit des Buches, aber keinen Anhang, kein Nachwort (allerdings ein kurzes Vorwort). Gerade wenn man ein Werk wie das von Bolaño zur Gänze herausgibt, sollte man editorisch ein bisschen mehr tun, ein bisschen mehr Beiwerk liefern. Und sei es nur ein Essay oder eine kleine Zusammenfassung, die vielleicht schon an anderer Stelle zu diesem Projekt oder dieser Zeit in Bolaños Leben veröffentlicht wurde. Fakt ist: Meine anfangs geäußerten Bedenken zur Veröffentlichungspolitik kann dieses Buch nicht zur Gänze eliminieren, aber es zerstreut sie erfolgreich. Mehr Bolaño bitte! Mehr Original und ein bisschen mehr Sekundäres.

Cover des Buches 2666 (ISBN: 9783596187843)
J

Rezension zu "2666" von Roberto Bolaño

Jona_DER_Jona
Ein Meisterwerk der Miserabilität

Zu nächst einmal folgendes: Dieses Buch ist für mich Kanon der Weltliteratur und muss als solches anerkannt werden, Punkt. Bolano beschreibt mit einer Trockenheit und gleichzeitig einer immensen Sensibilität und Einfühlsamkeit die ganz persönlichen und auch völlig unpersönlichen, gesellschaftlichen Abgründe der modernen Gesellschaft. Er erschafft großartige Stimmungsbilder, die sich alle um ein Mysterium ranken, welches bis zum Ende des Romans nicht einmal vollständig erahnt werden kann, dabei bildet man sich ein, mit jeder Seite die Verzweiflung und die Todesnähe, aber auch den den Lebenswillen wahrzunehmen, die der moribunde Autor der Nachwelt hier hinterlassen hat. 


Stilistisch herausragend, inhaltlich interessant, fesselnd, gesellschaftskritisch, düster: Der Roman hat trotzdem die Schwäche der Länge. Diese wäre für mich nicht einmal das Problem gewesen, wäre da nicht Teil 4 der wie ein Brocken in der Mitte des Romans prangt und den Leser erschlägt mit diversen Beschreibungen von teils sexuell motivierten Frauenmorden, die zuerst erschüttern und recht bald nur noch langweilen. Ich bin hier zerrissen: Das Buch vollständig aufzutrennen wäre Kunstmord, nur Teil 4 zu beseitigen ebenso, in seiner jetztigen Form verschreckt der Roman aber nach wie vor (vielleicht auch zurecht).


Unbedingt lesenswert, wenn auch dem Leser auf keinen Fall die Entschlossenheit abgehen darf.

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Zusätzliche Informationen

Roberto Bolaño wurde am 28. April 1953 in Santiago de Chile (Chile) geboren.

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