Roberto Bolaño

 4,1 Sterne bei 261 Bewertungen
Autor von 2666, Lumpenroman und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Roberto Bolaño

Der verspätete Künstler mit kritischem Weltbild: Der chilenische Schriftsteller Roberto Bolaño, geboren 1953 in Santiago de Chile unter dem Namen Roberto Bolaño Ávalos, war nicht immer ein großer Schreiber. Als Schüler litt er an Legasthenie, später gründete er mit dem mexikanischen Dichter Mario Santiago die avantgardistische Gruppe der Infrarealisten. Sie diente der Rebellion gegen den etablierten Literaturbetrieb. Bolaño führte ein bewegtes Leben, reiste bereits in der Kindheit viel mit seinen Eltern und war auch später vielen Ländern wohnhaft, so in Spanien, Mexiko oder Chile. Seine literarische Tätigkeit begann er als unbekannter surrealistischer Lyriker. Der Durchbruch gelang ihm 1998 im Alter von 45 Jahren mit „Los detectives salvajes“, in Deutschland 2002 unter dem Titel „Die wilden Detektive“ erschienen. Bolaño wurde der angesehene Preis Premio Rómulo Gallegos verliehen, bevor er 2003 mit nur 50 Jahren an einer Leberzirrhose verstarb und daher nur kurzen Ruhm erlebte. In seinem Nachlass wurde ein weiteres Werk entdeckt, „Los sinsabores del verdadero policía“ (Die Nöte des wahren Polizisten). Zu Lebzeiten veröffentlichte der Autor zuletzt das Werk „Lumpenroman“, das als Vorlage für den 2013 angelaufenen Spielfilm „Il Futuro − Eine Lumpengeschichte in Rom“ gilt. Postum erschien dann der Roman „2666“, der auch für das Theater adaptiert wurde. Deutsche Übersetzungen von vierzehn Büchern wurden bis 2014 veröffentlicht.

Neue Bücher

Cover des Buches Die Eisbahn (ISBN: 9783103974195)

Die Eisbahn

Erscheint am 13.10.2021 als Hardcover bei S. FISCHER.

Alle Bücher von Roberto Bolaño

Cover des Buches 2666 (ISBN: 9783596187843)

2666

 (119)
Erschienen am 09.09.2011
Cover des Buches Lumpenroman (ISBN: 9783596187850)

Lumpenroman

 (62)
Erschienen am 20.02.2014
Cover des Buches Die wilden Detektive (ISBN: 9783596701988)

Die wilden Detektive

 (31)
Erschienen am 25.04.2018
Cover des Buches Das Dritte Reich (ISBN: 9783446236103)

Das Dritte Reich

 (26)
Erschienen am 29.08.2011
Cover des Buches Die Naziliteratur in Amerika (ISBN: 9783596187669)

Die Naziliteratur in Amerika

 (18)
Erschienen am 01.12.2010
Cover des Buches Stern in der Ferne (ISBN: 9783596187317)

Stern in der Ferne

 (18)
Erschienen am 01.04.2010
Cover des Buches Telefongespräche (ISBN: 9783423136693)

Telefongespräche

 (16)
Erschienen am 01.07.2008
Cover des Buches Amuleto (ISBN: 9783596187775)

Amuleto

 (15)
Erschienen am 11.11.2011

Neue Rezensionen zu Roberto Bolaño

Cover des Buches Cowboygräber (ISBN: 9783446265578)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Cowboygräber" von Roberto Bolaño

Mit viel Finesse, das alles mit einer Melancholie unterlegt, die ins Herz trifft
Gwhynwhyfarvor 2 Monaten

«Als ich zu Hause ankam, sagte ich zu meinem Vater, ich hätte meine Arbeit in Sonora gekündigt. Ich tauge nicht für so was, sagte ich. Was willst du stattdessen machen?, fragte mein Vater. Die Revolution, sagte ich. Welche Revolution?, fragte mein Vater. Die amerikanische Revolution natürlich, sagte ich. Welche amerikanische Revolution?, fragte er.›» 


Viele Jahre nach dem Tod des chilenischen Autors Roberto Bolaño fanden sich Jugenderzählungen in seinem Nachlass, die autobiografische Züge haben, sowie Werke aus 2002 oder 2003. Es beginnt mit den frühen Werken, einem vergeblichen Auswanderungsversuch von Chile nach Mexiko, es folgt die geglückte Rückkehr von Mexiko nach Chile, die eine herrliche Schiffsreise nach Valparaiso beinhaltet. 1973 macht sich der 20-jährige Arturo Belano auf den Weg von Mexiko nach Chile mit nur einem Ziel: die linke Revolution Allendes zu unterstützen. Der Autor bietet verschiedene Sichten, wie Belano den Tag des Putsches erlebt haben mag. Der Protagonist stolpert in Situationen hinein, die etwas aus ihm machen. Traum und Wirklichkeit vermischen sich bis hin zum Surrealen.


In der Erzählung «Komödie vom Schrecken von Frankreich», einem Spätwerk, kommt ein junger Mann namens Diodoro Pilon nach der Beobachtung einer Sonnenfinsternis an einer Telefonzelle vorbei, in der es klingelt. Er hebt den Hörer ab und hat den französischen Autor André Breton auf der anderen Seite der Leitung. Der behauptet, Diodoro sei auserwählt, und fordert ihn auf, der «surrealistischen Untergrundliga» beizutreten, die in Paris in der Kanalisation haust und Texte verfasst. Finanziert wird die Bewegung von zwölf Surrealistenwitwen, die auch textreich die Organisation unterstützen.


«Wir wissen, dass es das gibt, aber die Wirklichkeit ist so brutal, dass wir lieber wegschauen. ... Wenn das Paradies, um paradiesisch zu sein, einer grenzenlosen Hölle Vorschub leistet, hat der Dichter die Pflicht, im Paradies die Hölle heiß zu machen.»


Roberto Bolaño war der Sohn eines Mexikaners und einer Chilenin, aufgewachsen in Chile, die Jugend verbrachte er in Mexiko. Sein Vater war Boxer und LKW-Fahrer. 1973 kehrte Roberto nach Chile zurück, begeistert vom sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Nach dem Militärputsch befand er sich nur ein paar Tage in Haft, weil Freunde ihm herausholen konnten. Insofern haben die jungen Erzählungen autobiografische Züge. Die kurzen Geschichen sind möglicherweise Skizzen für seine Romane, auf jeden Fall sind sie geprägt vom eigenen Erlebten. Treffen mit Dichtern und Denkern sind immer präsent, das Politische liegt im Subtext verborgen, taucht auf, zieht weiter im Untergrund mit. Bolaño vermischt Fiktion und biographischen Fakten bis hin zum Surrealistischen und manchmal lässt der Autor den Leser am Ende stehen: Mach was draus. Gekonnt verwebt der Autor die Realität mit Fktion, sprachlich mit viel Finesse, das alles mit einer Melancholie unterlegt, die ins Herz trifft. Wer gute lateinamerikanische Literatur liebt, dem wird dieses Buch gefallen.


Roberto Bolaño, 1953 in Chile geboren und nach dem Militärputsch von 1973 inhaftiert, ging ins Exil nach Mexiko und 1976 nach Spanien. 2003 starb er in Barcelona. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den National Book Critics Circle Award für die amerikanische Ausgabe seines Romans 2666. Bei Hanser erschienen die Romane 2666 (2009),  Lumpenroman (2010), Das Dritte Reich (2011) und Die Nöte des wahren Polizisten (2013) sowie der Erzählungsband Mörderische Huren (2014) und der Gedichtband Die romantischen Hunde (2017).

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/cowboygraber-drei-erzahlungen-von.html

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Lumpenroman (ISBN: 9783596187850)

Rezension zu "Lumpenroman" von Roberto Bolaño

Die Entzauberung von "La Dolce Vita"
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Eine Ode (oder ein Abgesang?) auf die Stadt Rom. Das Ergebnis eines Projekts, Año 0, eines Verlages aus Barcelona über die großen Städte der Welt, wobei sich Bolaño Rom vornahm. Die Protagonistin, Bianca, verlor ihre Eltern bei einem Autounfall und lebt seitdem mit ihrem Bruder alleine. Als Teil des „Lumpenproletariats“ versuchen sie, verarmt, desillusioniert und ohne Zukunft klarzukommen. Schnell wird die Schule abgebrochen und Hilfsarbeitsjobs angenommen, da die Waisenrente nicht zum Überleben reicht. Leicht rutscht man da auf die schiefe Bahn, in einer Welt, in der der Müll des schnöden Scheins zur Fratze des Konsums verkommt, und den Randbemerkungen lediglich abgenagte Knochen zuwirft. Die Tage werden irgendwie mit Porno- und Quizzsendunggucken rumgebracht. Zwei Freunde des Bruders, der Libyer und der Bologneser planen zusammen mit den Geschwistern einen gealterten Bodybuilder und Fernsehstar, der sich Maciste nennt, auszurauben und Bianca spielt dafür den Köder, in sexueller wie investigativer Hinsicht. Sie entwickelt durch die gemeinsamen Stunden mit Maciste doch so etwas wie Gedanken für die Zukunft, schmeißt die beiden Gangsterfreunde aus ihrer Wohnung und entsagt der kriminellen Laufbahn. Sie erkennt ihr Leben im Schatten, und gesteht ein, im Dunkeln sehen zu können und das motiviert.

Ein märchenhaftes Psychogramm einer dreckigen Stadt, die anonym und verfallen ist, wie ihre Menschen, die in ihr Leben und einer ganzen Generation europäischer Jugendlicher ohne Zukunft, die doch irgendwie ihr Ding machen oder es zumindest versuchen.

Kommentieren0
4
Teilen
Cover des Buches Die romantischen Hunde (ISBN: 9783446244665)M

Rezension zu "Die romantischen Hunde" von Roberto Bolaño

Intensive Gedichte
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Intensive Gedichte

Durchaus gelingt es Bolano auf jeden Fall, seine suchende Person, seine „zarten Seiten“ vielfach auf die Seiten dieses Buches zu bannen. Was die Lektüre am Ende insgesamt lohnt.

Davon abgesehen, dass die kurzen, kürzesten und längeren Gedichte (fast) immer auch den Leser zum Nachdenken der eigenen Person anhalten.

Wenn sich Bolanos etwa in der Mitte des Buches der „Ungekannten“ nähert, die im entscheidenden Moment sagt „Ach“ oder „erbleicht“, dann sind dahingeflossene Hoffnungen das Thema, die Bolano mit dem Herbst assoziiert,

„Sie sagt, ihr gehe es gut. Du sagst, Dir gehe es gut…..dann kommt der faulige Atem, die hohlen Augen..:“

Extreme Brüche, die entgegengesetzte Gefühle erzeugen, die den Blick hinter die Fassaden werfen. Und dieser ist nicht immer angenehm und hat selten zu tun mit den „glänzenden Fassaden“, auf die man ja auch immer gerne selbst hereinfallen möchte.

„Eine Person streichelt dich, scherzt mit dir, ist sanft zu dir und spricht dann nie wieder ein Wort“.

Immer wieder wird deutlich, dass Bolano persönliches erleben zu Grunde legt und in diesem nach allgemeinen Regeln dann sucht, die selten zu finden sind.

Was im Langedicht „die Neochilenen“ assoziativ, Seite für Seite dann auch reale Hintergründe für den Leser enthält. Davon, dass „reine Inspiration“ vorrangig war, von „Methode keine Spur“ und daher ein „heilloses verlorengehen“ im Raum steht und das Leben als Dealer dann nicht mehr weit entfernt war.

Vom Inhalt abgesehen, der durchaus zu berühren versteht, ist es allerdings nicht einfach, die sprachliche Form der Gedichte und nicht weniger Brüche in den Gedanken durchweg zu genießen.

Hier und da bedarf es manchmal des mehrmaligen Lesens, um Zusammenhänge zu verstehen, eingestreute Schimpfnamen und Schimpfwörter irritieren eher, als dass sie den Leser emotional mit in das Gedachte hineinnehmen.

Was dann wieder in den „Ich träumte“ – Sentenzen wunderbar aufgefangen wird, in denen beides, Resignation und Hoffnung, Sehnsucht und harte Realität sich mit starken Bildern immer die Waage halten.

Für das Gesamtwerk Bolandos sicher nicht der als erstes zu empfehlende Einstieg, aber zur Ergänzung der Romane und um der Person der verstorbenen Romanciers und Dichters dann ergänzend nahzukommen eine gelungene Zusammenstellung in ebenso gelungener Übersetzung.

Kommentieren0
6
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Roberto Bolaño wurde am 28. April 1953 in Santiago de Chile (Chile) geboren.

Community-Statistik

in 293 Bibliotheken

von 33 Lesern aktuell gelesen

von 4 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks