Roberto Bolaño

 4.1 Sterne bei 208 Bewertungen
Autor von 2666, Lumpenroman und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Roberto Bolaño

Der verspätete Künstler mit kritischem Weltbild: Der chilenische Schriftsteller Roberto Bolaño, geboren 1953 in Santiago de Chile unter dem Namen Roberto Bolaño Ávalos, war nicht immer ein großer Schreiber. Als Schüler litt er an Legasthenie, später gründete er mit dem mexikanischen Dichter Mario Santiago die avantgardistische Gruppe der Infrarealisten. Sie diente der Rebellion gegen den etablierten Literaturbetrieb. Bolaño führte ein bewegtes Leben, reiste bereits in der Kindheit viel mit seinen Eltern und war auch später vielen Ländern wohnhaft, so in Spanien, Mexiko oder Chile. Seine literarische Tätigkeit begann er als unbekannter surrealistischer Lyriker. Der Durchbruch gelang ihm 1998 im Alter von 45 Jahren mit „Los detectives salvajes“, in Deutschland 2002 unter dem Titel „Die wilden Detektive“ erschienen. Bolaño wurde der angesehene Preis Premio Rómulo Gallegos verliehen, bevor er 2003 mit nur 50 Jahren an einer Leberzirrhose verstarb und daher nur kurzen Ruhm erlebte. In seinem Nachlass wurde ein weiteres Werk entdeckt, „Los sinsabores del verdadero policía“ (Die Nöte des wahren Polizisten). Zu Lebzeiten veröffentlichte der Autor zuletzt das Werk „Lumpenroman“, das als Vorlage für den 2013 angelaufenen Spielfilm „Il Futuro − Eine Lumpengeschichte in Rom“ gilt. Postum erschien dann der Roman „2666“, der auch für das Theater adaptiert wurde. Deutsche Übersetzungen von vierzehn Büchern wurden bis 2014 veröffentlicht.

Neue Bücher

Der Geist der Science-Fiction
 (1)
Neu erschienen am 25.07.2018 als Hardcover bei S. FISCHER.

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Roberto Bolaño2666
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2666
2666
 (114)
Erschienen am 09.09.2011
Roberto BolañoLumpenroman
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Lumpenroman
Lumpenroman
 (58)
Erschienen am 20.02.2014
Roberto BolañoDie wilden Detektive
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Die wilden Detektive
Die wilden Detektive
 (29)
Erschienen am 25.04.2018
Roberto BolañoDas Dritte Reich
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Das Dritte Reich
Das Dritte Reich
 (26)
Erschienen am 29.08.2011
Roberto BolañoDie Naziliteratur in Amerika
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Die Naziliteratur in Amerika
Die Naziliteratur in Amerika
 (18)
Erschienen am 01.12.2010
Roberto BolañoStern in der Ferne
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Stern in der Ferne
Stern in der Ferne
 (18)
Erschienen am 01.04.2010
Roberto BolañoAmuleto
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Amuleto
Amuleto
 (15)
Erschienen am 11.11.2011
Roberto BolañoDie Nöte des wahren Polizisten
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Die Nöte des wahren Polizisten
Die Nöte des wahren Polizisten
 (7)
Erschienen am 25.02.2013

Neue Rezensionen zu Roberto Bolaño

Neu

Rezension zu "Lumpenroman" von Roberto Bolaño

Die Entzauberung von "La Dolce Vita"
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Eine Ode (oder ein Abgesang?) auf die Stadt Rom. Das Ergebnis eines Projekts, Año 0, eines Verlages aus Barcelona über die großen Städte der Welt, wobei sich Bolaño Rom vornahm. Die Protagonistin, Bianca, verlor ihre Eltern bei einem Autounfall und lebt seitdem mit ihrem Bruder alleine. Als Teil des „Lumpenproletariats“ versuchen sie, verarmt, desillusioniert und ohne Zukunft klarzukommen. Schnell wird die Schule abgebrochen und Hilfsarbeitsjobs angenommen, da die Waisenrente nicht zum Überleben reicht. Leicht rutscht man da auf die schiefe Bahn, in einer Welt, in der der Müll des schnöden Scheins zur Fratze des Konsums verkommt, und den Randbemerkungen lediglich abgenagte Knochen zuwirft. Die Tage werden irgendwie mit Porno- und Quizzsendunggucken rumgebracht. Zwei Freunde des Bruders, der Libyer und der Bologneser planen zusammen mit den Geschwistern einen gealterten Bodybuilder und Fernsehstar, der sich Maciste nennt, auszurauben und Bianca spielt dafür den Köder, in sexueller wie investigativer Hinsicht. Sie entwickelt durch die gemeinsamen Stunden mit Maciste doch so etwas wie Gedanken für die Zukunft, schmeißt die beiden Gangsterfreunde aus ihrer Wohnung und entsagt der kriminellen Laufbahn. Sie erkennt ihr Leben im Schatten, und gesteht ein, im Dunkeln sehen zu können und das motiviert.

Ein märchenhaftes Psychogramm einer dreckigen Stadt, die anonym und verfallen ist, wie ihre Menschen, die in ihr Leben und einer ganzen Generation europäischer Jugendlicher ohne Zukunft, die doch irgendwie ihr Ding machen oder es zumindest versuchen.

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M

Rezension zu "Die romantischen Hunde" von Roberto Bolaño

Intensive Gedichte
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Intensive Gedichte

Durchaus gelingt es Bolano auf jeden Fall, seine suchende Person, seine „zarten Seiten“ vielfach auf die Seiten dieses Buches zu bannen. Was die Lektüre am Ende insgesamt lohnt.

Davon abgesehen, dass die kurzen, kürzesten und längeren Gedichte (fast) immer auch den Leser zum Nachdenken der eigenen Person anhalten.

Wenn sich Bolanos etwa in der Mitte des Buches der „Ungekannten“ nähert, die im entscheidenden Moment sagt „Ach“ oder „erbleicht“, dann sind dahingeflossene Hoffnungen das Thema, die Bolano mit dem Herbst assoziiert,

„Sie sagt, ihr gehe es gut. Du sagst, Dir gehe es gut…..dann kommt der faulige Atem, die hohlen Augen..:“

Extreme Brüche, die entgegengesetzte Gefühle erzeugen, die den Blick hinter die Fassaden werfen. Und dieser ist nicht immer angenehm und hat selten zu tun mit den „glänzenden Fassaden“, auf die man ja auch immer gerne selbst hereinfallen möchte.

„Eine Person streichelt dich, scherzt mit dir, ist sanft zu dir und spricht dann nie wieder ein Wort“.

Immer wieder wird deutlich, dass Bolano persönliches erleben zu Grunde legt und in diesem nach allgemeinen Regeln dann sucht, die selten zu finden sind.

Was im Langedicht „die Neochilenen“ assoziativ, Seite für Seite dann auch reale Hintergründe für den Leser enthält. Davon, dass „reine Inspiration“ vorrangig war, von „Methode keine Spur“ und daher ein „heilloses verlorengehen“ im Raum steht und das Leben als Dealer dann nicht mehr weit entfernt war.

Vom Inhalt abgesehen, der durchaus zu berühren versteht, ist es allerdings nicht einfach, die sprachliche Form der Gedichte und nicht weniger Brüche in den Gedanken durchweg zu genießen.

Hier und da bedarf es manchmal des mehrmaligen Lesens, um Zusammenhänge zu verstehen, eingestreute Schimpfnamen und Schimpfwörter irritieren eher, als dass sie den Leser emotional mit in das Gedachte hineinnehmen.

Was dann wieder in den „Ich träumte“ – Sentenzen wunderbar aufgefangen wird, in denen beides, Resignation und Hoffnung, Sehnsucht und harte Realität sich mit starken Bildern immer die Waage halten.

Für das Gesamtwerk Bolandos sicher nicht der als erstes zu empfehlende Einstieg, aber zur Ergänzung der Romane und um der Person der verstorbenen Romanciers und Dichters dann ergänzend nahzukommen eine gelungene Zusammenstellung in ebenso gelungener Übersetzung.

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letusreadsomebookss avatar

Rezension zu "Das Dritte Reich" von Roberto Bolaño

Frühwerk mit Luft nach oben
letusreadsomebooksvor 2 Jahren

Udo Berger und seine Freundin Ingeborg verbringen die Ferien an der Costa Brava in dem Hotel, in dem Udo als Kind immer mit seiner Familie war. Viel hat sich nicht verändert, vor allem die Besitzerin Frau Else ist noch genau so schön wie in Udos Erinnerungen. Er verbringt seine Zeit hauptsächlich mit seinem Brettspiel, dem Wargame „Das Dritte Reich“. Währenddessen schließt Ingeborg Freundschaft mit einem anderen deutschen Paar. Lustlos lässt sich Udo ab und zu in Diskos und an den Strand mitschleifen und begegnet dort den seltsamen spanischen Aufreißern El Lobo und El Cordero sowie dem mysteriösen Verbrannten, der ein besonderes Interesse an ihm zu haben scheint. Die Ereignisse beginnen, sich zu überschlagen: Gewalt, Verschwinden, heimliche Küsse und ein unerwarteter Spielgegner – doch Udos oberste Priorität bleibt, Deutschland zum Sieg zu führen.

Ich muss gestehen, dass ich eigentlich sehr gerne Bücher von Bolaño lese und somit auch wusste, worauf ich mich einlasse. Dennoch hat es bei diesem Roman irgendwie nicht so ganz funken wollen. Die Grundidee fand ich sehr gut, genau so wie die Ausarbeitung der Charaktere. El Lobo (zu Deutsch übrigens „der Wolf“) und sein Kumpane El Cordero („das Lamm“) sind zwielichtige Gestalten, bei denen man von Anfang an nicht weiß, ob man ihnen über den Weg trauen kann – in Anbetracht dieser Tatsache ist es sehr raffiniert vom Autor, ihnen genau diese Namen zu verpassen. Charly ist ein verachtenswertes Ekel, Udo aber manchmal auch. Sympathisch sind hier höchstens die Damen, aber die spielen nur eine nebensächliche Rolle. Der Verbrannte ist ebenfalls interessant durch seine schweigsame Art und seine vielen Geheimnisse. Auch gelungen fand ich die Entwicklung Udos, die parallel zu seiner Partie „Das Dritte Reich“ abläuft. Während er darin versunken ist, den zweiten Weltkrieg aus der Sicht Deutschlands nachzuspielen und im besten Fall den Lauf der Dinge zu verändern, verändert auch er selbst sich immer mehr und nähert sich langsam aber beständig dem Wahnsinn. Gleichsam spannend ist auch Udos Entwicklung als Spiegel zur Wahrnehmung Deutschlands im Zweiten Weltkrieg. Wer geschichtliches Wissen besitzt, wird sich darüber freuen, die verschiedenen Stufen Deutschlands (Überlegenheit, Niedergang, Verleugnung,…) in Udo wiederzufinden.

Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin, aber das fand ich gar nicht schlimm, da Bolaño nun mal nicht besonders actionreich schreibt. Gestört hat mich jedoch ein wenig, dass Andeutungen gemacht wurden, die nie aufgeklärt wurden. Dies trägt nicht dazu bei, dass am Schluss wichtige Fragen offen bleiben, sondern dazu, dass man kleine Details der Geschichte nicht genau festlegen kann, und im Prinzip ist es völlig schnurz, ob man jetzt genauer Bescheid weiß oder nicht. Es gibt einige Elemente, wie zum Beispiel Udos Albträume, Tagträume und Einbildungen, die dazu führen, dass man als Leser manchmal nicht mehr genau sagen kann, was jetzt wirklich passiert ist und was nicht. Hier hätte Bolaño für mich persönlich gerne noch mehr mit der Verwischung der Realitätsgrenze spielen können, die eben auch wunderbar Udos Besessenheit von Wargames widerspiegelt. Auch das Ende fand ich eher unbefriedigend. Ich hatte gedacht, dass es auf einen völlig anderen Schluss hinausläuft und war eher enttäuscht, weil der, den ich vorfand, nichts Ganzes und nichts Halbes war.

Positiv anzumerken sei allerdings noch die Tatsache, dass der Autor über umfangreiche Kenntnisse von „Das Dritte Reich“ verfügt, da er selbst ein leidenschaftlicher Wargame-Spieler war. So wirkt es jederzeit authentisch, wenn Udo von seinen Spielzügen erzählt – auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Ob man so etwas ständig ausgeführt haben möchte, ist wahrscheinlich Geschmackssache. Im Gegensatz zu anderen Autoren fasst sich Bolaño allerdings recht kurz. Ich lese lieber zwei Seiten über Kriegsspielstrategien als acht Seiten über eine Schachpartie oder darüber, wie das Raumschiff genau repariert wird.


Das Dritte Reich ist eines von Bolaños ersten Werken. Er schrieb das Manuskript 1989 (neun Jahre vor Die Wilden Detektive und lange vor seinem Opus Magnum 2666), es wurde jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich es nicht so stark fand, wie seine anderen Bücher. Und vielleicht hatte Bolaño ein ganz anderes Ende geplant, aber nie geschrieben. Mit einem konsequenteren Ende und weniger Andeutungen von halbwichtigen Ereignissen hätte es mir deutlich besser gefallen, da ich von den Charakteren, insbesondere von Udos Entwicklung, sehr überzeugt war.

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Zusätzliche Informationen

Roberto Bolaño wurde am 28. April 1953 in Santiago de Chile (Chile) geboren.

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